Eine bemerkenswerte Meldung konnte man gestern in hessischen Lokalmedien lesen. Noch vor den Sommerferien ereignete sich in einem Fuldaer Tiergarten ein tragischer Vorfall: Nach dem Besuch mehrerer fünfter Klassen einer örtlichen Schule im sogenannten „WirGarten“ verstarb ein Pfauenweibchen. Laut Tiergarten-Leitung hätten ein oder mehrere Kinder den Vogel „unsachgemäß behandelt“. Eine tierärztliche Untersuchung im Nachhinein habe dies bestätigt. Nähere Details sind offiziell nicht bekannt, da keine Aufsichtsperson den Vorfall mitbekommen habe. Die Fuldaer Zeitung berichtete hingegen, dass ihr ein Leser mitgeteilt habe, dass das Pfauenweibchen von Kindern mit Steinen beworfen worden sein soll. Das Tier sei im Anschluss aufgrund des Stresses verstorben. Stadt und „WirGarten“ hätten diese Version des Tathergangs auf Nachfrage jedoch nicht bestätigt.
Bände spricht der Umgang der Schule und des Tiergartens mit dem Vorfall: Laut Bericht sei das Ganze „unmittelbar danach durch die Schule in Zusammenarbeit mit dem schulpsychologischen Dienst, den Lehrkräften, Schülern und Eltern der betroffenen Klassen ausgewertet und aufgearbeitet worden. Das staatliche Schulamt sowie das Veterinäramt des Landkreises waren eingebunden und informiert.“
„WirGarten“-Leiterin Marion Gottschalk kündigte an, dass man vonseiten des Tiergartens keine weiteren Schritte einleite, stehe „weiter im Austausch mit der Schule“ und werde „mit den betroffenen Schülern ein entsprechendes Angebot zur Aufarbeitung durchführen“. Der „WirGarten“ wolle auch weiterhin mit der entsprechenden Schule zusammenarbeiten. Man sei sehr betroffen, „denn die Gesundheit und das Wohlbefinden unserer Tiere haben für uns oberste Priorität. Der Fall zeigt aber auch, wie wichtig es ist, dass insbesondere Kinder unter sachgemäßer Anleitung und Aufsicht den richtigen Umgang mit Tieren erlernen“, so Gottschalk.
„Mensch und Tier auf Augenhöhe“
Der „WirGarten“ versteht sich laut Homepage als „Mensch-Tier-Begegnungsort“, an dem sich „Mensch und Tier auf Augenhöhe“ begegnen und „sich sowohl die Besucher als auch die Tiere gleichermaßen wohl fühlen und einen sensiblen Umgang miteinander erleben“ sollen. Vertreten sind vor allem Haus- und Nutztiere wie Esel, Ponys, Schafe und Ziegen, aber auch exotischere Pflanzenfresser wie Kängurus, Zebus und Lamas – und eben Vögel wie Emus und Pfauen. In einem großen Bereich der Anlage können Besucher „den direkten Kontakt zu freilaufenden Tieren erfahren“.
Neben dem regulären Besucherbetrieb bietet der „WirGarten“ auch pädagogische Programme an, in denen sowohl Kinder als auch Erwachsene „achtsame und freie Begegnungen zwischen Menschen und Tieren innerhalb der Gehege“ erleben können – stets in Begleitung einer Fachkraft.
Die Schulkassen, zu denen die Kinder gehörten, die für den Tod des Pfauenweibchens verantwortlich sind, waren ohne das pädagogische Angebot im „WirGarten“ unterwegs. Künftig sollen Lehrer „einen Bogen ausfüllen, bevor sie mit ihrer Klasse den WirGarten besuchen. Sie sollen so dafür sensibilisiert werden, dass die Schüler nicht ohne Aufsicht unterwegs sein sollen“, heißt es in einem Bericht von HIT RADIO FFH.
Dass Kindern einer fünften Klasse – also 10- bis 11-Jährigen – nicht zuzutrauen sein soll, sich ohne Aufsicht in einem erweiterten Streichelzoo aufzuhalten, weil sonst Tiere zu Schaden kommen könnten, ist bestürzend. Auch ohne nähere Details zu kennen, kann man sich vorstellen, wie roh die „unsachgemäße Behandlung“ des Pfauenweibchens ausgefallen sein muss, wenn es in der Folge verendet ist. Dass eine solche Brutalität auf kindliche Unwissenheit zurückzuführen sein soll, erscheint schwer vorstellbar. Ebenso wie das Vorhaben, mit pädagogischen Maßnahmen solcher Gewalt künftig Einhalt gebieten zu wollen.
Beitragsbild: Ot - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

@Mark Greiner:
Ich war recht viel in der Welt unterwegs – und die Tierschinder und Tierquäler habe ich – da ich muslimische Länder gemieden habe – ein längerer Aufenthalt in Malaysia hat mir ein- für allemal gereicht – reichlich in Süd-, West – und Osteuropa angetroffen; auch in Südostasien.
Gehen Sie da einmal über einen Markt – da dreht sich Ihnen der Magen um!
Als pensionierte Lehrerin – 40 Jahre in der Praxis gearbeitet – mit Kindern von der 1. – 9. Klasse – erlaube ich mir kurz und knapp das Urteil:
Die Lehrer haben ihre Aufsichtspflicht sträflich vernachlässigt!
Ich schätze mal, dass sie sich – nach der vermutlich chaotischen Anreise – erschöpft irgendwo hingesetzt haben – weit weg von den Kindern, um nicht von ihnen entdeckt und angesprochen zu werden, an Handys gedaddelt und Kaffee geschlürft haben.
Dabei wollen die Kinder doch erzählen, ihre Eindrücke den Lehrern mitteilen!
Die meisten Kinder lieben Tiere!
Natürlich müssten nun ernsthafte Maßnahmen folgen – und kein endloses „Gelaber“ – wie es meine größeren Schüler genannt hätten.
Dann werden ohnehin die Ohren bei den meisten zugeklappt.
Mehrere 5. Klassen – also sind zeitgleich mindestens 60 schlecht beaufsichtigte Kinder auf das Gelände gelassen worden! Unglaublich!
Es waren dann MINDESTENS 4 Begleitpersonen vor Ort; jede Klasse MUSS von mindestens 2 Lehrern/Erziehern begleitet werden, und wenn man eine schwierige Klientel hat, holt man sich zur Unterstützung gestandene Eltern heran.
Die Dame, die diesen Tierpark leitet, lebt offensichtlich auch fern der Realität!
Allerdings habe ich schon während meiner aktiven Zeit, die nun schon über 10 Jahre zurückliegt, so verantwortungslose Kollegen jederlei Geschlechts erlebt, die Klassenfahrten und Ausflüge eher als persönliche Vergnügungsfahrten gesehen und den Begleitpersonen die ganze Arbeit überlassen haben.
Jetzt sind klare Ansagen UND KONSQUENZEN – welcher Art auch immer – angesagt.
Meiner Meinung nach müssen diese „Lehrpersonen“ selbst beaufsichtigt werden!
Übrigens: Ich bin keine verkniffene alte Lehrerin, habe aber meine Aufsichtspflicht stets sehr ernst genommen – „meine“ Kinder auch; und laissez-faire war nie mein Stil.
@Jochen Lindt: Volle Zustimmung!
Es gibt hervorragend geführte Zoos mit bestens geschultem aufmerksamem Personal und sehr guten pädagogischen Konzepten.
WirGarten – Wie bitte???
STEINIGUNG DES WEIBCHENS, ALLES KLAR…
Das ist die Erbsünde.
Danisch schreibt Klartext:
# In einem „pädagogischen“ Tiergarten in Fulda (Slogan: „Mensch und Tier auf Augenhöhe“) haben die Kinder einer fünften Klasse einen Pfau gesteinigt.
Alles gut: Die Schulleitung der betroffenen Schule hat sofort reagiert und das Geschehen zusammen mit den Kindern sowie deren Eltern umfassend und unter Einbeziehung aller zuständigen Behörden aufgearbeitet.#
Schüler sind zu beaufsichtigen. Aufsicht geht vor Unterricht. Die Lehrer haben gegen ihre Aufsichtspflicht verstoßen und sind zu belangen. Wo ist das Problem?
Hört sich für mich genauso an wie: „Selbst gescannt…“