Wolfgang Röhl / 04.03.2015 / 09:22 / 10 / Seite ausdrucken

Pelzig hält sich. Im Zweiten Doofen Fernsehen

Kabarettisten, die ihren Dialekt zur komikbildenden Grundversorgung einsetzen, sind meist nicht die hellsten Kerzen auf der Satiretorte. Jürgen Becker, der krachkölsche Jung vom Dienst, stellt das seit drei Jahrzehnten unter Beweis. Gerhard Polt bildet eine Ausnahme; er beherrscht das Schwedische tatsächlich besser als das Hochdeutsche. Dieter Hildebrandt dagegen ging nie an der Mundartkrücke. Dieter Nuhr und Vince Ebert kommen ebenfalls ohne Idiomgebrabbel aus. Ein gewisser Pelzig, der gelegentlich zur Nachtstunde ein überschaubares ZDF-Publikum bespaßt, legt sogar noch einen drauf. Ausstaffiert mit Janker, Spießerhütchen und Karohemd, möchte er signalisieren: Auch ein waschechter Bayer muss nicht blöd sein. Wer hätte das gedacht?

Der Mann heißt bürgerlich Barwasser. Bei seiner Show „Pelzig hält sich“ handelt es sich um den üblichen mainstreamigen Gesinnungsklamauk vor einem lachsüchtigen Saalpublikum, welches zum Frühstück mutmaßlich Leitartikel von Heribert Prantl verschlingt. Gestern hatte Barwasser die sympathische Kurze Christine Urspruch zu Gast. Und was fragt dieser Spaßverweser eine Schauspielerin, deren Medienkarriere hauptsächlich darauf basiert, dass sie schon ungefähr tausendmal im Münsteraner „Tatort“ von Professor Boerne wegen ihrer Körpergröße geneckt wurde („Alberich“)?

„Nervt es Sie, permanent auf Ihre Körpergröße angesprochen zu werden?“

Austaste gedrückt. Aus Respekt. Wie immer die Antwort auf eine derart strunzdumme Journalistenschüler-Frage ausfällt, sie beschädigt unvermeidbar die Antwortende.

 

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Hjalmar Kreutzer / 04.03.2015

Klugschei ... nende Bemerkung: Administrativ und geographisch wohl zum Freistaat Bayern gehörend, awwer denn Dialeggt, wo der Belzich sprechn dut, soll woll doch fränggisch sein?

Günter Thiele / 04.03.2015

Da haben Sie ja noch Glück gehabt, mit der Ausschalttaste. Ich habe mir Pelzig das letzte Mal am 04.12.2012 angetan. Damals war ein gewisser Professor Dr. Mojib Latif zu Gast. Es war beschämend anzusehen und vor allem anzuhören, wie sich zwei Mainstream- Vollpfosten via Querlatte die Bälle zuspielten. Anzusehen ist das Ganze auf ab 0:04:20 auf YouTube. Seither steht Herrn Frank-Markus Barwasser auf meiner persönlichen Persona non grata- Liste.

Thomas Klingelhöfer / 04.03.2015

Erfrischend formuliert wie immer, ein Lesegenuß, Danke Herr Röhl!

Thomas Klementa / 04.03.2015

Einspruch, Euer Ehren! Barwasser ist kein Bayer, sondern Franke! Da seien Polt und die Biermösl Blosn davor.

Ronald M. Hahn / 04.03.2015

Möchte noch hinzufügen, dass es mir täglich mehr auf den Senkel geht, mir alle 14 Tage im Fernsehen anhören zu müssen, wie ungerecht der Reichtum auf diesem unserem Erdenrund verteilt ist und die dreckigen Kapitalisten in Bangaldesch es tatsächlich wagen, ihre Arbeiter geringer zu bezahlen als unsere die unseren: Auch Oberförster Pölzig kam nicht ohne diesen soziademokratistischen Schlenker aus. Noch schlimmer war freilich der ihm gegenüber sitzende CSU-Hansel, der so tat als stünde es in seiner (und unserer) Macht, daran etwas zu ändern.

Ingbert Bauer / 04.03.2015

Verehrter Herr Röhl! Ich muss Sie hier korrigieren: Barwasser ist kein “waschechter Bayer”, sondern Franke. Der Unterschied ist deswegen wichtig, weil seine Bühnenfigur “Pelzig” tatsächlich zu einem nicht geringen Teil vom fränkischen Dialekt lebt, der mit dem bayrischen wenig gemein hat, wie überhaupt Bayern und Franken ethnisch nicht so recht zusammengehören. Zum Hintergrund des Ganzen sollte man vielleicht auch wissen, dass Bayern ziemlich zentralistisch von Oberbayern (München) aus geführt wird und manche Landesteile Bayerns -Franken z.B.- deswegen einige Vobehalte gegen Oberbayern hegen, deren Dialekt bis vor einigen Jahren in bayrischen Medien absolut dominant war, während die fränkische Mundart gar nicht vorkam. In diese Lücke stieß Barwasser. Mich hat’s in der Tat als Franke auch gefreut, als ich vor einigen Jahren meine heimatliche Sprache so ziemlich zum ersten Mal im TV hören konnte. Sprecher: Barwasser. Ansonsten ist es natürlich Geschmackssache ob man in den Medien gesprochene Dialekte mag oder nicht. Für den einen ist’s “Idiomgebrabbel”, für den anderen ein Stück Heimat. Ok, inhaltlich finde ich Barwasser seit geraumer Zeit auch reichlich schwach. Diesbezüglich trifft’s “üblicher mainstreamiger Gesinnungsklamauk vor einem lachsüchtigen Saalpublikumund” schon recht gut.

Ralf Schmode / 04.03.2015

Moin moin, Herr Röhl, Ihr Achse-Kollege Broder hat kürzlich dankenswerterweise einen Link auf den amerikanischen Satiriker Tom Lehrer eingestellt. Wenn man sich diesen Mann anschaut und anhört, könnte man schwemütig werden angesichts dessen, was Satire sein könnte, wenn sie wollte und dürfte. In diesem unserem Lande kann, darf und will sie ganz überwiegend nicht. Warum ist die Gattung Satire/Kabarett in Deutschland mit den Jahren so öde geworden? Mein Versuch einer Erklärung geht wie folgt: Satire lebt davon, dass sie in humoristischer Form auf real existierende und als soche wahrnehmbare gesellschaftliche Missstände hinweist. Schaut man sich nun die Agenda des deutschen satirischen bzw. kabarettistischen Mainstreams an dann sieht und hört man immer wieder die selben Versatzstücke: Böser Kapitalismus, dumme US-Amerikaner, brutales Israel, rücksichtslose Industrie, hässliche deutsche Spießer, diskriminierte Migranten und die bevorstehende Machtergreifung durch die Massen von Nazis in Deutschland. Wenn man sich dagegen die gesellschaftliche Realität anschaut, stellt man fest, dass es sich bei den bevorzugten Zielen der Rethers, Welkes, Priols und Pelzigs um Pappkameraden handelt, die so nicht existieren und/oder keinerlei Bedeutung haben. Daraus lässt sich die bittere Erkenntnis gewinnen, dass der kabarettistische Mainstream in Deutschland entweder dumm ist oder realitätsblind - oder bewusst lügt. Sowas tut der Satire noch weit weniger gut als dem Journalismus, der inzwischen, wie das Kabarett nahezu gleichgeschaltet, ebenfalls auf dieser Welle surft. Der Applaus des Studiopublikums, überwiegend gutsituiert und damit in der Lage, sich einen gewissen Abstand von den realen Problemen der Gesellschaft zu erkaufen, nährt zusätzlich die Illusion, dass das, was uns das Funkenmariechen des rotrotgrünen Mainstreams auf der Bühne weiszumachen versucht, irgendetwas mit der Realität zu tun habe. Dass man die marodierenden Nazis, die angeblich dabei sind, den Laden zu übernehmen, nie zu Gesicht bekommt - dafür aber andere antisemitische Pöbelhorden, deren “Juden ins Gas” dem aufrechten Kabarettisten keine Silbe wert ist - geschenkt. Man möchte die Leute, die so etwas beklatschen, fragen, ob es eigentlich weh tut, so angestrengt die Augen und Ohren zu schließen.

Ben Frick / 04.03.2015

Im Gegensatz zum Kabarettisten Django Asül (bürgerlich Uğur Bağışlayıcı), der die niederbayerische Mundart perfekt spricht, ist Pelzig kein „waschechter Bayer“, sondern waschechter Franke, genauer Unterfranke. Zwar gehört Franken seit dem napoleonischen Geschenk an die Wittelsbacher zu Bayern, das heißt aber noch lange nicht, dass die fränkischen und altbayerischen Regionen eine linguistische und humoristische Einheit bilden. Dieter Hildebrandt beherrschte allenfalls den niederschlesischen Dialekt, der in München noch weniger angekommen wäre als das Hochdeutsche.

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