Von Jürgen Braun
Der Kommentar in den „Tagesthemen“ ist als eigene Rubrik der Sendung umstritten. Ihm droht aber eine Gefahr von ungeahnter Seite: Immer mehr Beiträge enthalten so viel eigene Meinung des Reporters, dass sie von einem Kommentar kaum noch zu unterscheiden sind. Eine der wichtigsten journalistischen Grundregeln, die Trennung von Information und Meinung, wird immer seltener beachtet.
Man schaue sich nur einmal alle Beiträge zur amerikanischen Politik in den letzten drei Jahren an, ob diese klare Trennung beachtet wird. Wie wurde über George W. Bush berichtet? Wie wird Barack Obama dargestellt? Wie seine republikanischen Gegner? Wie oft werden linke Thinktanks zitiert, wie oft nichtlinke? Wer von diesen Experten wird als parteinah oder unabhängig eingeführt? Wie viele Beiträge berichten sachlich über die Oppositionsbewegung „Tea Party“?
Überhaupt, die Tea Party. Diese Bewegung überfordert viele deutsche Meinungsmacher. Sie wird als Ansammlung tumber rechter Hinterwäldler dargestellt, die Etikette lauten mindestens auf „erzkonservativ“, wenn nicht gar „rechtslastig“ und „rechtspopulistisch“, skurrile Randfiguren werden als typisch vorgeführt. Dann wird diese erst ignorierte, dann bespöttelte, schließlich beschimpfte Bewegung zur entscheidenden Kraft, die für Obamas Wahldebakel im November sorgt. Aber auch danach gilt: Wer sich über die Tea Party sachlich informieren will, findet zu den besseren Sendezeiten bei ARD und ZDF nichts. Dabei ist breite Pluralität eine der Rechtfertigungen für Zwangsgebühren in Milliardenhöhe.
Wäre die Tea-Party-Bewegung nicht konservativ-libertär, die Freunde grüner Theorien müssten eigentlich begeistert sein. Denn die Tea Party ist eine Graswurzelbewegung, die sich aus vielen Quellen speist, die sich Sorge um ihr Land machen. Allgemein: weniger Staat, mehr Eigenverantwortung; konkret: keine staatliche Bankenrettung, keine zwangsweise Krankenversicherung.
Manche meinungslastigen Beiträge in den Tagesthemen werden nur erträglicher, weil sie der amerikaerfahrene Tom Buhrow sachlich anmoderiert. Kaum anders im ZDF-„Heute-Journal“: Fast alle Beiträge trieften zunächst vor Verehrung, jetzt Verständnis für Obama und negativer Etikettierung seiner Gegner, sofern sie ihn nicht aus linker Sicht kritisieren. Und die Moderatoren? Zwar hat das besserwisserische Getue einer Marietta Slomka etwas nachgelassen, dafür hat sich der früher wohltuend distanzierte Claus Kleber vom sachlichen Journalismus entfernt. Sein Wendepunkt war die peinlich-huldigende Sondersendung bei Obamas Wahlkampfauftritt 2008 in Berlin.
Seither gilt: Deutsche Zeitungen im Kaiserreich berichteten distanzierter über Wilhelm II. als deutsche TV-Sendungen über Obama.
Zuerst erschienen im Medienmagazin rundy 1/2011 vom 13. Januar 2011 http://www.rundy.de