„Soldaten sind Mörder!“ Diese Parole gab Kurt Tucholsky 1931 vor dem Hintergrund der Erfahrung des Ersten Weltkrieges aus. Tucholsky, der sich 1935 in der Emigration das Leben nahm, konnte nicht ahnen, dass es einmal Schrecklicheres als Krieg geben könnte. Angesichts der alliierten Soldaten, die die letzten Überlebenden von Auschwitz befreiten, erwiesen sich Krieg und Militär, wie Wolfgang Pohrt einmal bemerkte, als die „wahren Sachwalter der Menschlichkeit“. Einige der bekanntesten Pazifisten der zwanziger Jahre hatten bereits angesichts der Appeasement-Politik der Jahre 1937 ff., als die Tschechoslowakei von den Westmächten an die Nazis ausgeliefert wurde, erkannt, dass Krieg die Menschheit manchmal auch vor Schlimmerem bewahren kann. Zahlreiche Mitstreiter Tucholskys aus dem „Friedensbund der Kriegsteilnehmer“ engagierten sich dementsprechend bald, nachdem die Westmächte ihren Fehler erkannt hatten, an der Seite der alliierten Armeen gegen Nazideutschland.
Wenn deutsche Linke, wie kürzlich in Halle geschehen, ausgerechnet angesichts des 8.Mai ihre Liebe zu Pazifismus und Antimilitarismus entdecken, dann fallen sie nicht nur hinter die Erkentnisse der damaligen Pazifisten zurück. Sie solidarisieren sich vielmehr nachträglich mit denen, deren Wüten nur mit militärischen Mitteln aufgehalten werden konnte – und die den Pazifismus ein für alle mal diskreditiert haben.
Vortrag von J. Gerber.
Eine Veranstaltung der „Ag Antifa im Stura“ , der „Jugendantifa Halle“ und der 8.Mai-Initative-Halle.
Montag, 3.5.2010 19.30 Uhr
Ludwigstraße 37