Gastautor / 16.03.2008 / 22:05 / 0 / Seite ausdrucken

Paul Nellen: Fritz Kuhn will mit der Hamas reden - worüber?

Lieber Fritz Kuhn,

dem Tagesspiegel vom heutigen 16.3. entnehme ich, dass
du vorschlägst, mit der Hamas zu reden, nämlich über
einen “Waffenstillstand und über eine Verbesserung der
humanitären Lage” (http://www.tagesspiegel.de/zeitung/Titelseite;art692,2495392).

Leider hast du - lt. Tsp. - nicht gesagt, ob du es
sein willst, der der Hamas diese Punkte nahebringen
will. Es soll ganz allgemein “die deutsche
Außenpolitik” sein, die wahrscheinlich, im Gegensatz
zu dir, die Charta der Hamas von 1988 samt dem ihr
tagtäglich entspringenden Terrorismus gegen Israel
immer noch für ein großes Verhandlungshindernis hält.
Ich verstehe schon, dass nach so vielen Toten, die auf
das Konto der Hamas gehen, nun endlich die
wohlverdiente Anerkennung als Verhandlungspartner
ansteht. Die NPD wird, nach den vielen Opfern des
Rechtsradikalismus in Deutschland, sicher bald von dir
ein ähnlich motiviertes Gesprächsangebot bekommen. Bei
der Mafia, nehme ich an, zögerst du wohl noch, den
Italienern einen Vorschlag vorzulegen - die würden dir
auch was husten.

Hast du innerlich etwa schon die Rolle eines
Joschka-Nachfolgers eingenommen, den eine erträumte
schwarz-grüne Koalition 2009 mit dir als Vizekanzler
ins AA hieven möge? Ehe du dir hier schon deine
künftige große Nahostmission als Einstieg in die
Weltpolitik zurechtfabulierst, solltest du vielleicht
noch rasch einen Blick in die Charta dieser
antisemitischen Rassistenorganisation werfen. In der
Wikipedia heißt es dazu:

“Eine Zweistaatenlösung lehnt die Hamas ab, ihre
Charta verlangt unter anderem die Beseitigung Israels
und die Schaffung eines gesamtpalästinensischen
islamischen Gottesstaats.”

Das wird religös-politisch und damit quasi als
unverrückbarer göttlicher Auftrag mit den Hadith
(Sammlung Buchari) unterfüttert:

“The prophet, prayer and peace be upon him, said: The
time will not come until Muslims will fight the Jews
(and kill them); until the Jews hide behind rocks and
trees, which will cry: O Muslim! there is a Jew hiding
behind me, come on and kill him! This will not apply
to the Gharqad, which is a Jewish tree (cited by
Bukhari and Muslim)” (Art. 7).

Als koscheres Rindvieh hätte ich nichts gegen
Verhandlungen mit den Metzgern, wenn die Herren mit
den Blutkitteln nicht darauf bestehen würden, ihre
Messer und Bolzenschußpistolen mit in die Verhandlung
zu nehmen. Leider wollen sie es sogar ihrer eigenen
Jurisdiktion überlassen, ob sie ihre Fleischquote -
einschließlich meiner Abschlachtung - weiter erfüllen
wollen oder nicht. Sie wollen mit mir auch nur darüber
reden, ob es nicht für alle Beteiligten besser ist,
wenn ich mein Schicksal ohne Gegenwehr ertrage;
schließlich könnten ja auch Unbeteiligte von meinen
heftigen Ausbruchsversuchen betroffen sein.

Das kann ich gut verstehen. Mir gefällt es auch nicht,
dass Stallknechte und Sekretärinnen von mir in
Todesangst niedergetrampelt werden, obwohl sie niemals
ein Messer gegen mich erheben würden.

Mit den Metzgern zu verhandeln, obwohl Messer und
Bolzenschießer und die Erfüllung der Fleischquote
unverhandelbar sind, kommt mir offen gestanden wie
eine Fleischsuppe ohne Fleisch oder die Grünen ohne
Fritz Kuhn vor.

Mit der Hamas zu verhandeln, die sich die Vernichtung
Israels und der Juden auf die Fahnen geschrieben
haben, scheint mir wie die Mission eines Neville
Chamberlain, der mit dem Führer im Guten über die
Rettung des Friedens reden wollte. Der Briten-Premier
hat sogar einen Vertrag bekommen - etwas, was auch dir
sicher als Krönung deiner ersten 100 Tage im Außenamt
vorschweben könnte. Wie lange der allerdings währte,
wirst du hoffentlich nicht ganz vergessen haben. Ein
Ergebnis jener britischen Illusionen von damals ist
u.a. der heutige Staat Israel, den die Hamas als gute
Antisemiten, Bewunderer Hitlers und in Erfüllung ihrer
Charta schnellstens beseitigt wissen will. Hast du das
vergessen?

Ich mache dir einen Vorschlag: Schnack der Hamas ihre
Charta ab und lasse sie das Existenzrecht Israels
anerkennen. Dann warte etwa so lange, wie es zwischen
Chamberlains Unterschrift unter das Münchner Abkommen
und dem Ausbruch des 2. Weltkrieges gedauert hat, also
ein Jahr, und lass uns sehen, was währenddessen
passiert.

Vielleicht hat die Hamas dann schon mit Israel in
direkten nachbarschaftlichen Verhandlungen die
Probleme selbst gelöst, um deretwillen du hier noch
den Chamberlain machst.

Über dessen Naivität lacht bekanntlich heute noch die
Welt. Nur Quisling wird noch mehr verachtet. Pass auf,
dass du nicht bald der dritte in der Hall of disdain
bist.

Viele Grüße aus dem KV Hamburg-Mitte

Paul Nellen

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