Vera Lengsfeld / 18.08.2019 / 08:54 / Foto: BMI/Sandy Thieme / 134 / Seite ausdrucken

Parteirauswurf für CDU-Positionen von 2002/2005?

Annegret Kramp-Karrenbauer ist von allen guten Geistern verlassen worden. Mit ihrer öffentlichen Drohung, den früheren Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen aus der Partei werfen zu wollen, hat sie kundgetan, dass sie den von Kanzlerin Merkel verfolgten Kurs der Zerstörung der Partei und der Rechtsstaatlichkeit fortsetzen will. Ihr scheint entweder nicht klar zu sein, dass sie damit endgültig das Erfolgsmodell Deutschland, wie es maßgeblich von der Union geprägt wurde, zerstört, oder es ist ihr – wie Merkel – egal.

Ihr scheint auch nicht klar zu sein, dass sich die Zeiten geändert haben und dass die Machtbasis, auf der Merkel noch agieren konnte, so porös ist, dass sie jederzeit zusammenbrechen kann. Was Merkel noch scheinbar folgenlos tun konnte, die CDU ihrer Kernpositionen berauben, um sie mit rot-grünen Surrogaten zu füllen, ist nicht länger möglich, ohne die Existenz der Partei aufs Spiel zu setzen. 

Seit Monaten dümpelt die Union unter der 30-Prozent-Marke. Ohne die CSU, die allerdings gerade dabei ist, von ihrem neuen Vorsitzenden grün zerlegt zu werden, ähnelten die Umfrageergebnisse noch mehr denen der SPD. Die CDU ist von einer Regierungspartei zum Steigbügelhalter von rot-dunkelrot-grün verkommen. Das soll nach AKK so bleiben.

Was erhofft sich die Parteivorsitzende davon? Die Kanzlerschaft, falls sich Merkel nicht tatsächlich eines unglücklichen Tages für alternativlos erklären und erneut als Spitzenkandidatin antreten wird? Hören die Damen, die laut Legende, die bessere, feminine Politik machen sollen, wirklich nicht die Signale? Die SPD hat bereits erklärt, dass sie rot-rot-grün im Bund will, wenn auch mit der lachhaften Bedingung versehen, dass sie dabei die Führung übernehmen will. Will die Union tatsächlich auf Knien zu den Grünen rutschen, um eine weiter Machtbeteiligung zu erflehen? 

Die Werteunion will zurück zu den Kernthemen der Partei

In der CDU stemmt sich nur die Werteunion gegen den rapiden Werteverfall und den damit verbundenen Abstieg. Mit Hans-Georg Maaßen ist ihr eine kräftige, wirkungsvolle Stimme zugewachsen. Die Werteunion will zurück zu den Kernthemen der Partei, zurück zu den Positionen, die sie in den Wahlkämpfen von 2002 und 2005 noch vertreten hat. Was bitte soll daran parteischädigend sein?
 
AKKs Argumentation ist so dünn, dass man fast Mitleid bekommen könnte, wenn es nicht diese totalitäre Tendenz in ihren Worten gäbe. Sie sähe bei Maaßen „keine Haltung, die ihn mit der CDU noch wirklich verbindet“. Falsch. Maaßen steht fest auf den Positionen, die Programm der CDU waren und zum Teil auf dem Papier immer noch sind. Es sind Merkel und ihr Gefolge, die diese Positionen verlassen haben, zugunsten von Haltungen, die der CDU und dem Land bereits schwere Schäden zugefügt haben. Eigene Positionen, für die man vor nicht allzu langer Zeit noch gekämpft hat, nun für parteischädigend zu erklären – das kannte man bisher nur von kommunistischen Parteien.

Weiter wirft AKK Maaßen vor, „den politischen Gegner vor allem in den eigenen Reihen“ zu sehen. Das ist schon ein starkes Stück, denn mit dieser Rhetorik erklärt sie in der Person Maaßens alle innerparteilichen Kritiker zum Feind. Offenbar soll weder über die anhaltende unkontrollierte Masseneinwanderung noch über die desaströse Energiewende noch über die scheiternde Eurorettungspolitik oder die politisch herbeigeführte Gefahr für den Wirtschaftsstandort Deutschland diskutiert werden. Es soll auch nicht thematisiert werden, dass ausgewogene Positionen der Partei entsorgt und durch irrationale Hippi-Politik ersetzt wurden, wie der Regierung Merkel bereits 2015 im Ausland vorgeworfen wurde.

Merkel zieht immer noch im Hintergrund die Fäden

Vollkommen lächerlich macht sich AKK mit der Behauptung, die Werteunion wolle eine „gänzlich neue Partei schaffen“. Das Gegenteil ist richtig. Die Werteunion will gerade verhindern, dass aus der CDU eine gänzlich neue Partei wird, nämlich eine rot-rot- grüne Kopie. Die Originale brauchen eine solche Kopie nicht. Merkel war nützlich, solange sie deren Politik exekutierte. Sobald das nicht mehr nötig ist, weil man das allein kann, wird die CDU – ob mit oder ohne Merkel – fallen gelassen. Danach ist sie am Ende und mit ihr das Erfolgsmodell Bundesrepublik.

Die Attacke von Kramp-Karrenbauer auf ein Parteimitglied, das mitten in der entscheidenden Wahlkampfphase große Erfolge in Sachsen, Thüringen und Brandenburg feiert und geeignet ist, bereits verlorene Stimmen zur CDU zurückzuholen, ist entlarvend. Der Vorsitzenden scheinen diese Stimmen geradezu unangenehm zu sein. Das ist nur zu verstehen, wenn man sich klar macht, dass Merkel immer noch im Hintergrund die Fäden zieht. Denn jede Stimme, die Maaßen zurückholt, schwächt das Merkel-Lager und verstärkt den Druck für die notwendige Korrektur der Merkelschen Fehlentscheidungen. Wenn diese Fehlentscheidungen korrigiert werden, geht es Merkel wie dem berühmten Kaiser, der unter seinen bewunderten neuen Kleidern nackt ist. Merkels Motivation ist somit klar. Unklar bleibt, warum AKK unbedingt mit Merkel untergehen will.

Hans-Georg Maaßen hat auf die einzig richtige Art gekontert, indem er die CDU Sachsen, insbesondere ihren Vorsitzenden Michael Kretschmer aufgefordert hat, sich von der Politik der Bundes-CDU zu emanzipieren. Das ist die einzige Möglichkeit für Kretschmer, doch noch Erfolg zu haben und sich gleichzeitig Verdienste zur Rettung unseres Landes zu erwerben.

Allen, denen etwas an unserm Land und unserer Zukunft liegt, sollte klar sein, dass sie mit ihrer Stimme bei den bevorstehenden Landtagswahlen eine existenzielle Entscheidung treffen.

Foto: BMI/Sandy Thieme CC BY-SA 3.0 de via Wikimedia Commons

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Bjoern M. Nagel / 18.08.2019

Es ist, als würde Deutschland wird von seinen größten Feinden regiert werden

Rainer Küper / 18.08.2019

Welches ist die schlechteste Staatsform? Die Weibokratie. Q.e.d.: Die Bundesweibokratie Deutschland 2005 bis in den Untergang ist der Beweis. Schafft Quoten ab und begrenzt die Amtszeit des Bundeskanzlers auf 1 Wiederwahl.

Andreas Rochow / 18.08.2019

Sollte AKK infolge Überforderung durch die Maschen des Merkelfilzes fallen, wäre der Schaden für die CDU epochal. Cave: Zwickmühle! Das noch infrage kommende Führungspersonal, das für die Post-Merkel-/Post-Merkelfilz-CDU infrage käme, macht gute Miene zum Bösen Spiel und kommt deswegen nicht wirklich nicht infrage. Ja, Merkel geht in die Geschichtsbücher ein. Der Schaden, den sie proaktiv dem deutschen Volk zugefügt hat, ist untrennbar mit der endgültigen Zerlegung der CDU verbunden. Maaßen und Sarrazin haben genug Material für eine Partei-Neugründung mit einem Programm, das sich in aller Deutlichkeit von den Merkel-Mutationen absetzt und auf Koalitionen mit den anderen Linksparteien verzichten wird. Um das glaubwürdig zu machen, ist ein Tribunsl gegen den ganzen Merkel-Filz unvermeidlich.

Jürgen Struckmeier / 18.08.2019

Liebe Frau Lengsfeld, bei aller Zustimmung zu Ihrem Beitrag verwundert mich Ihre Aussage: “Jede Stimme, die Maaßen (von der AfD zur CDU) zurückholt, schwächt das Merkel-Lager”. Wie kommen Sie bloß darauf? Einer Stimme kann man nicht ansehen, mit welchem Hintergedanken sie vergeben wurde. Jede Stimme für die CDU wird das Merkel-Lager gnadenlos als Zustimmung für sich werten—- und dieses dominiert die öffentliche Wahrnehmung. Es verhält sich somit genau umgekehrt: Jede Stimme für die CDU ist nach Lage der Dinge eine Stimme pro Merkel und stärkt somit das Merkel-Lager.

Fritz kolb / 18.08.2019

Einen größeren Gefallen hätte die Frau KK der AfD nicht tun können. Ihre Nibelungentreue zur Grökaz lässt für Konservative schlussendlich nur noch die AfD als wählbar erscheinen. Die bedanken sich vermutlich klammheimlich bei dieser dummen Frau und müssen eigentlich aktiv gar keinen Wahlkampf betreiben, sondern die anderen nur machen lassen. Ähnliches gilt übrigens auch für den neuerdings auf grün gewendeten Herrn Söder, den offensichtlich sein bisher gut ausgeprägter Machtinstinkt völlig verlassen hat. Das Mittelmaß des politischen Establishments finde ich erschreckend.

sybille eden / 18.08.2019

Es wird keine “Korrektur” in der CDU geben liebe Frau Lengsfeld, sowenig wie es eine Korrektur in der SED gegeben hätte. Das sollten sie aber doch wissen ! Beide Parteien sind sklerosiert , die SED war es und die CDU muss ihren Kurs beibehalte weil die Mehrheit der Mitglieder das auch so will. Von da her sollten ALLE Unzufriedenen und Entäuschten zur AfD wechseln, - der einzige Weg der etwas bewirken kann !!

Veronika Geiger / 18.08.2019

@Herr Becker, da muss ich Ihnen leider zustimmen. Ich bin auch soweit, dass nur das allein uns retten kann. Wirtschaftskrise, eine heftige Rezession mit Massenarbeitslosigkeit und auch dass Herr Trump wiedergewählt wird und nicht so ein Obama Reloaded an die Macht dort kommt. Vermutich das kleinere Übel, wenn man betrachtet, was so die Grünen für Ideen und Hirngespinste haben, die Deutschland nachhaltig und über Generationen schädigen. Wirtschaftskrisen kommen und gehen und wären das kleinere Übel. Nur so wacht der Deutsche endlich auf, es muss über den Geldbeutel gehen.

Anders Dairie / 18.08.2019

Wenn ein Herr SCHOLZ der Frau A.M.  Verfassungsbruch vorwirft und ein Bundeswehr-General “....Untergrabung der Fundamente “,  ergibt sich für mich die Frage, ob wir einen ungeheuerlichen Vorgang von Landesverrat miterleben?  Zu welchen Gunsten?

b. stein / 18.08.2019

@Martin Viebahn - dass Merkel sehr gern vorfühlen lässt wie die Stimmungslage ist, und sich geschickt rausmischt wenn es dann knallt, genügt mir um AKKs Ergüsse nicht als Daherplapperei abzuhaken. War doch mit Daniel Günther in SH garantiert nicht anders als er die Idee einer Koalition mit den Linken für überlegenswert hielt.

marc von aberncron / 18.08.2019

Nun, das Fazit ist dasselbe wie bisher: “Merkel muss wech!” Sie will aber nicht u. stapft dafuer auch ueber die Kadaver ihrer abservierten, treuesten Speichellecker. Hauptsache, sie sitzt fest u. warm. Dass der kopflose Wendehals ein schlichtes Gemuet, eher einfach gestrickt ist, muesste doch auch dem letzten CDU-Mitglied angesichts ihres Umgangs mit Ralph Brinkhaus endgueltig deutlich geworden sein ... Da die CDU besagten kopflosen Wendehals aber immer noch nicht abservieren will, bleibt nur ... die (Wahl-)Urne.

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