Rainer Bonhorst / 31.01.2011 / 22:17 / 0 / Seite ausdrucken

Parteinahme durch Wegschauen

Der Vogel Strauß hat wieder Saison. Hat man sich lange Zeit vor allem für Straußen-Eier und Steaks vom Strauß interessiert, so befreit sich der große Laufvogel jetzt wieder aus seinem Küchengefängnis und findet zu seiner traditionellen Rolle zurück. Denn eigentlich ist der Strauß ein politischer Vogel. Seine angebliche Neigung, den Kopf in den Sand zu stecken, hat vor ewigen Zeiten den Begriff der Vogel-Strauß-Politik ins Leben gerufen. Und die ist angesichts der Volksaufstände in Nordafrika wieder hochaktuell. Die westlichen Politiker haben sich wie ein Mann auf die schöne alte Sitte besonnen, in brenzliger Lage den Kopf in den Sand zu stecken.

Mit wunderbar bedeutungslosen Appellen zu friedlichen Reformen an Machthaber und Protestierer demonstrieren Obama, Merkel, Sarkozy und Co., wie eine gelungene Vogel-Strauß-Politik aussieht. Die Köpfe der großen Westmänner und Westfrauen stecken so tief im Sand, dass ein gewöhnlicher Vogel Strauß verwundert feststellen muss: Die können es noch besser als ich.

Die Kopf-im-Sand-Politik hat natürlich ihren Grund. Sie ist die logische Folge einer Jahrzehnte langen Politik des zugedrückten Auges. Man hat gegenüber den Autokraten der moslemischen Welt nicht nur ein Auge sondern beide Augen zugedrückt, weil man die Despotie in diesen Ländern als praktisch und gottgegeben betrachtete. Unordnung in den Ländern der lauernden Islamisten und des Öls hat etwas Unheimliches. Eine despotische Ordnung war einem da sehr viel genehmer. Ganz im Sinne des berühmten Mottos aus dem Kalten Krieg: Er ist zwar ein Bastard, aber er ist unser Bastard.

Das Problem einer solchen Parteinahme durch Wegschauen erleben wir nun. Kein Unterdrücker hat das ewige Leben. Selbst in den Ländern des Kismet wird es den Leuten irgendwann zu viel. Plötzlich bricht die Revolte aus, und den so lange Wegschauenden gehen die Augen über.

Wie vom Donner gerührt fragt man sich: Was nun? Und die Antwort lautet: Ach, stecken wir erst einmal den Kopf in den Sand. Oder, um es auf Beckenbauerisch zu sagen: Schaun wir mal, dann sehn wir schon.

Schön ist der Anblick der Politiker in so gekrümmter Haltung nicht. Aber gönnen wir dem Vogel Strauß seinen späten Triumph. Köpfe in den Sand zu stecken ist immer noch besser, als stur aufs falsche Pferd zu setzen, was ja wahrscheinlich die Alternative wäre.

Schaun wir also mal.

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