Thilo Schneider / 01.12.2019 / 12:00 / Foto: Timo Raab / 6 / Seite ausdrucken

Parkraumbesetzer

Neulich wollten der Schatz und ich zum Einkaufen fahren, da unser Kühlschrank weniger Inhalt hatte als eine Regierungserklärung von Angela Merkel. Also haben wir uns in den Renno geschwungen und sind – wie die anderen Lemminge – zum Lidl auf den Parkplatz gefahren. Ich habe auch gleich einen passenden Parkplatz für das Dickschiff gefunden und wollte gerade einparken, als hinter mir ein Corsa des Parkwegs kam und in die Lücke einfuhr. Es war ein Glück, dass ich noch kein Gas gegeben hatte, ich hätte den Corsa wie eine Papiertüte zusammengeknüllt.

„Reg Dich nicht...“, wollte der Schatz sagen, aber da war ich schon abgeschnallt und zur Türe raus und habe das „auf“ schon gar nicht mehr gehört. Zornig stapfte ich zu dem elenden Parkplatzdieb, der eben aus dem Corsa kletterte, aus der Beifahrertüre schälte sich eine irgendeine ungekämmte Uschi mit Nasenpiercing. Er schien sich seiner Schuld bewusst und sagte: „Sorry, aber wir haben es eilig“. Nun, das war verständlich, allerdings glaubte ich nicht, dass mir ein Richter das als strafmildernd würde durchgehen lassen, wenn ich den bärtigen Hobbit mit seiner lächerlichen Schildmütze jetzt gleich auf der Stelle niederstrecken würde. „Ja, wenn Sie es eilig hatten – verstehe ich, dass Sie den getötet haben, hätte jeder so gemacht und außerdem heißt es im Strafgesetzbuch, dass es nur Mord ist, wenn man es nicht eilig hatte“. Ich kann es mir nicht vorstellen

„Das ist echt eine Unverschämtheit“, fuhr ich den Parkraumbesetzer an, „Sie haben doch gesehen, dass ich den Blinker gesetzt und den Rückwärtsgang eingelegt hatte! Was soll das?“ Der Mützenheini guckte mich durch seine runde Klugscheißerbrille an: „Chill mal, Alter. Du hast da echt ein Riesenschiff. Diesel, oder? Du verpestest doch sowieso nur die Luft damit!“ Ah! So einer! Das war natürlich was anderes. Das würde jetzt lustig werden. „Exakt, junger Freund“, sagte ich zu ihm, „und wenn du jetzt nicht die Lücke frei machst, dann fahre ich jetzt zehnmal um den Block. Mit dem Diesel. Völlig sinnlos. Ich blase derart viel CO2 in die Luft, dass deine ungeborenen Kinder eine Glutenallergie und Depressionen kriegen oder was ihr alle heute so bekommt!“

Seine ungekämmte Uschi schaltete sich ein: „Ey, lass doch den Spießer. Wir müssen was kaufen“, versuchte sie ihren bemützten Galan anzutreiben. Ich sah sie über das Dach des Corsa an: „Wie wäre es damit? Ich fahre hier nicht nur im Kreis herum, bis ihr beiden Halbsemester eure biologisch einwandfreien und fair getradeten Einkäufe erledigt habt, ich kaufe mir auch noch einen Plastikbecher mit Strohhalm und werfe ihn dann in irgendein fließendes Gewässer in der Nähe? Ihr habt die Wahl!“ „Umweltsau!“, schleuderte mir die Piercinguschi entgegen. Der Mützenträger grinste nur dümmlich: „Alter, das würdest du echt nicht machen, oder?“ „Und ob ich das mache!

Ich zaubere euch ein Viertes Reich an die Backe

Da ich ein Alter bin, habe ich vielleicht noch 25 Jahre zu leben und ich schwöre, ich hinterlasse euch einen CO2-Abdruck, der sich gewaschen hat! Ich verpeste und vergifte den Planeten, dass es nur so raucht!“ „Wegen einer Parklücke?“ – er wurde unsicher! „Wegen einer Parklücke! Jawohl! Und wenn du deinen Rosthobel hier nicht in drei  Minuten aus jenem für mich passenden Platz entfernt hast...“, lies ich meine Drohung im Parkraum schweben und sah ihn streng an. „Was dann, he?“, wollte seine Piercingmaus wissen, „willste ihn dann umhauen?“ „Viel besser“, grinste ich, „ich wähle sonst bei der nächsten Wahl AfD. Ich zaubere euch ein Viertes Reich an die Backe, so schnell könnt ihr mit dem Corsa gar nicht fliehen!“

Der Schatz war mittlerweile dazugekommen und sah auf die beiden verängstigten jungen Schneeflöckchen herab. Im wahrsten Wortsinne. Der Schatz ist ziemlich groß und imposant. „Komm, lass doch...“, wollte der Schatz beschwichtigen, aber wenn ich schon mal jemanden an den Klöten habe, dann beiße ich mich fest. An den Klöten. „Nein“, sagte ich, „dieser Parkplatz entscheidet über Wohl und Wehe aller Migranten und irgendwie hier Lebenden.“ Die Piercingmaus sah hilfesuchend zum Schatz. „Macht er das echt? Ist er so? Er will AfD wählen, wenn wir nicht wegfahren!“, petzte sie meine Drohung. Der Schatz nickte ernsthaft: „Ja. Er ist ein Arsch. Und bei Parkplätzen kennt er keinen Spaß!“ Die Maus rollte mit den Augen und sah ihren Galan an. „Komm“, sagte sie, „der Boomer ist es nicht wert.“ „Boomer?“, wollte ich wissen, da mir die Beleidigung neu war. Ich kenne nur Boomer, den Streuner. Den Film.

Der bebartete Baseballkappenritter erklärte es mit sieben Worten: „Babyboomer. So nennen wir euch alte Säcke.“ „AfD!“, antwortete ich laut mit drei Buchstaben. Und mit dem Wort „Drecksnazi“ verschwanden die Baseballmütze und seine getackerte und gestanzte Begleitung in den Corsa. Der Schatz und ich setzten uns ins Auto, der Corsa verließ die Parklücke, ich drückte die Bremse und auf den „Start“-Knopf, legte den Rückwärtsgang ein, nur, um zu sehen, wie ein Porsche-Cayenne jetzt hinter mir in den Parkplatz einbog. Okay. Motor wieder ausmachen, das gekicherte „Hase, Du bleibst hier“ vom Schatz ignorieren, aussteigen und dem Cayenne-Fahrer beim Aussteigen auflauern. „Das war meine Parklücke“, erklärte ich einem etwas älteren Herrn mit Brille und Tweetsakko mit so Flicken auf den Ärmeln und einem orangen Cashmere-Schal, der ein wenig wie der 50-jährige Prinz-Charles aussah. Er stutzte und meinte: „Entschuldigung, habe ich nicht gesehen, ich bin auch gleich wieder da!“ Ich probierte es mit der gleichen Taktik wie bisher, nur unter anderen Vorzeichen. Ich schleuderte ihm ein zorniges „Wenn Sie nicht sofort den Parkplatz frei machen, wähle ich bei der nächsten Wahl die Grünen!“ entgegen und war sehr zufrieden mit mir.

Der ältere Mann blieb völlig ruhig, dann lächelte er. „Na“, sagte er, „das hoffe ich doch sehr. Ich bin Stadtratsmitglied der Grünen.“ Sprachs und verschwand, während der Cayenne mit einem höhnischen Tüdelüt verriegelte. Und ich musste unter dem Gekicher des Schatzes einen anderen Parkplatz suchen. Zehnmal um den Block herum. Und dann ewig weit weg. „Ein wenig Fußmarsch schadet dir nichts“, meinte der Schatz spöttisch mit einem Blick auf meine Beleibung. Aber ich bleibe dabei: Hätte Gott gewollt, dass wir laufen, hätte er den Verbrennungsmotor nicht erfinden lassen. Und genau das scheint mein grüner Parkfreund auch so zu sehen. Wenigstens da sind wir mal einer Meinung.  

(Weitere wüste Drohungen des Autors unter www.politticker.de )

Foto: Timo Raab

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Karla Kuhn / 01.12.2019

Ob wahr oder nicht wahr, viele Ihrer Artikel sind ein Antidot zu dem kaum noch zu ertragendem Irrsinn, der immer üppiger grassiert !

Bernhard Krug-Fischer / 01.12.2019

Lieber Herr Schneider, ich habe Mitleid mit Ihnen. Es ist 20:45 Uhr und es ist immer noch kein Leserbrief eingestellt. Werden Sie von den Achselesern nach Ihren letzten Enthüllungen boykottiert?? Ihre Geschichte ist ja wieder mal lustig. Aber eines hätten Sie doch wissen müssen, wenn Sie regelmäßig die Artikel und die Leserbriefe hier lesen würden: Wer fährt denn die größten SUV’s? Und Porsche Cayenne dürfte wohl in dem Segment als Prachtexemplar bezeichnet werden. Richtig geraten: die Grünen. Also das nächste Mal Augen auf und sich an die Achseleser erinnern. Dann bleibt Ihnen so ein Malheur erspart. P.S. Haben Sie jetzt einen Essens- und Getränkevorrat für Notfälle angelegt (Mein Pizza-Ausflug in die Bio-Welt vom 13.10.)?

Gabriele H. Schulze / 01.12.2019

Köstlich, Herr Schneider. Danke für die Inspiration, auch wenn die letzte Intervention in die Hose ging. Wird geklaut!

Horst Kruse / 01.12.2019

Köstlich ! Den Artikel habe ich gleich einem Cayenne ( 8 Zylinder Diesel ) fahrenden AfD - Wähler als adventliche Erbauungslektüre zugesandt .

Rudolf Dietze / 01.12.2019

Deswegen nehme ich zum Einkaufen den Fabia, der passt auch in enge Lücken. Allerdings habe ich drei bevorzugte Lücken. Sind meine Lücken besetzt ist der Tag vers..t. Den Bösen Blick der sich einstellt verberge ich nicht. Die Verkäuferinnen kennen mich und versuchen mich aufzumuntern, einige schaffen es. Ja, das Schicksal kann schon hart sein.

Ilona Grimm / 01.12.2019

Hallo Herr Schneider, Sie hätten aber wirklich wissen müssen, dass Porsche-Cayennes fast ausschließlich von Grünen-Wählern und Amtsträgern gefahren werden. Bei so jemandem wäre natürlich die Drohung mit der AfD angebracht gewesen. Eine launige Geschichte haben Sie da mal wieder serviert. Wieviel davon wohl wahr sein mag? „Hilfe, sie glauben mir“...

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