Manfred Haferburg / 05.12.2017 / 17:25 / 4 / Seite ausdrucken

Pariser Weihnachtsmarkt so sicher wie noch nie

Frankreich und Deutschland sind zwar Nachbarn, aber Frankreich ist anders als Deutschland. In Frankreich sind beispielsweise Paketbomben immer etwas Gefährliches. In Deutschland nimmt die Gefährlichkeit einer Paketbombe mit der Nähe zum jeweiligen Weihnachtsmarkt ab.

Wenn die Medien meinen, dass ein Weihnachtsmarkt das Anschlagsziel ist, erklären sie die Bombe zu einer Attrappe, ein „Polenböller ohne Zünder“ – damit bloß keine Unruhe verbreitet wird, das könnte ja Vorurteile schüren. Wenn aber herauskommt, dass der potenzielle Bösewicht ein einheimischer Erpresser ist, dann ist dieselbe Bombe hochgefährlich. Und überhaupt, geehrte Journalisten, ist die Bezeichnung „Polenböller“ nicht diskriminierend? Müsste es nicht wenigstens politisch korrekt „Pol*innenböller“ heißen? Und stammen Polenböller nicht in Wirklichkeit aus China?

Nun zurück zum andersartigen Nachbarland Frankreich. Es gibt auch hier Weihnachtsmärkte. Der Weihnachtsmarkt auf den Champs-Elysées, den „Feldern der Seligen“, ist eine schöne Tradition, die hunderttausende Kinderaugen zum vorweihnachtlichen Strahlen bringt. Auf einem Kilometer zwischen Metro Clemenceau und Metro Concorde sind rechts und links der achtspurigen Prachtallee auf den 25 Meter breiten Trottoirs Karussells und Buden mit schwer verkäuflichen Erzeugnissen aus China oder klebrigem Glühwein aus Deutschland aufgebaut. Aber wer ein bisschen sucht, findet auch so manche Köstlichkeit aus allen Teilen Frankreichs und der Welt.

Ich habe mich des Öfteren an einem Stand mit deftigen ungarischen Schmankerln versündigt. Hunderte Buden sind aufwendig dekoriert, es gibt sogar in 10 Meter Höhe einen Weihnachtsschlitten mit einem dicken Weihnachtsmann und ausgestopften Rentieren, der an Seilen hin- und herfährt. Es duftet nach gebrannten Mandeln, und Weihnachtslieder erklingen leise aus hunderten kleiner Lautsprecher. Dazu die mit einem Lichtermeer geschmückte Allee. Über mangelnden Zuspruch können sich die Betreiber nicht beklagen. Im vergangenen Jahr hatte dieser Weihnachtsmarkt 15 Millionen Besucher.

Wehe, wenn die Franzosen „ras le bol“ haben

Wie schützt man einen solchen Touristenmagnet vor Jünglingen in Lastkraftwagen, die sich nach 72 Jungfrauen im Himmel sehnen? Im letzten Jahr hatte die Stadt zur Straße hin ineinander verhakte Absperrgitter aufgestellt, die alle 15 Meter mit einem Betonklotz verstärkt waren. Das war eher eine optische Maßnahme, als ein Schutz vor durchbruchswilligen Lastwagen. Auch liefen schwerbewaffnete Polizei, Sentinel- oder Vigipirat-Streifen auf und ab. Auch dies war eher für die Moral als zum Schutz, wurden doch die Streifen selbst schon zu Angriffszielen.

Doch in diesem Jahr hat die schöne und kluge – ja, das darf man in Frankreich noch sagen – Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, eine Lösung gefunden, wie der Weihnachtsmarkt auf den Champs-Elysées ganz ohne Betonklötze und bis an die Zähne bewaffnete Militärstreifen zuverlässig vor Terrorangriffen geschützt werden kann.

Der Weihnachtsmarkt auf den Champs-Elysées findet nicht mehr statt.

Die offizielle Begründung der Stadt Paris lautet politisch korrekt: Uns gehen die undurchsichtigen Geschäfte des Weihnachtsmarktkönigs Marcel Campion zu weit. So wird auch sein Riesenrad auf dem Place de la Concorde nächstes Jahr nicht mehr unsere schöne Prachtmeile verschandeln.

Frankreich ist anders als Deutschland. Ja, auch Frankreich hat sich durch Zuwanderung von Kriminellen und Terroristen drastisch verändert. Aber hier wagt es keine durchgeknallte Weltretter-Parteivorsitzende, den Sozialmissbrauch durch Zuwanderung zu befürworten und sich öffentlich darauf zu freuen, dass ihre Flüchtlingspolitik das Land „drastisch verändert“.

Die Franzosen gehen nämlich auf die Barrikaden, wenn sie „ras le bol“ – die Schnauze voll – haben. Barrikade ist nicht umsonst ein französisches Wort, das sich ableitet von „barriques“ (französisch: „Fässer“). Aus denen bauten sich die Pariser Bürger Schutzwälle, um sich gegen ihre Despoten zu wehren.

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Leserpost (4)
Pierre Gross / 06.12.2017

Abgesehen von der traurigen Tatsache des abgesagten Weihnachtsmarktes auf den Feldern der Glückseligen : Frau Hidalgo ist schon eine atemberaubend schöne Frau und Paris ist ihr auf den Leib geschnitten. Wie traurig ist unser Leben mit unserer grauen Mutti geworden…irgendwie Küchenmief gegen Chanel…

Karla Kuhn / 06.12.2017

” Aus denen bauten sich die Pariser Bürger Schutzwälle, um sich gegen ihre Despoten zu wehren.” Mich hat ein Franzose in der S Bahn gefragt, WARUM wir Deutschen nicht auf die Straße gehen. Meine Antwort kann ich hier nicht wiederholen.  Es scheinen viele glücklich mit eingepackten, bunten “Legosteinen ” zu sein, sonst würden sie auf die Straße gehen oder Weihnachtsmärkte meiden.  Aber vielleicht gehört der Masochismus bei vielen Deutschen dazu ???  “Die Großen hören auf zu herrschen, wenn die Kleinen aufhören zu kriechen:” Schiller. Die Franzosen haben anscheinend aufgehört zu kriechen.

Werner Arning / 05.12.2017

In Frankreich wäre eine so plötzliche Massenzuwanderung, wie sie in Deutschland stattfinden konnte, wohl undenkbar. Die Bevölkerung hätte dem Treiben schnell ein Ende bereitet. Natürlich leben in Frankreich viele arabisch- und schwarzafrikanisch stämmige Menschen. Doch ist diese Tatsache aufgrund der kolonialen Vergangenheit Frankreichs normal. Trotzdem liegt darin hohes Konfliktpotenzial. Unruhen in hauptsächlich von arabisch - und afrikanisch stämmigen Menschen bewohnten Stadtvierteln und Pariser Außenbezirken werden nur mit Mühe eingedämmt. Vergleichbare Erfahrungen stehen Deutschland noch bevor. Der Unterschied zu Frankreich : In Deutschland wurde die zukünftige Konfliktsituation mutwillig herbeigeführt. In Frankreich hat sie historische Gründe.

Michael Lorenz / 05.12.2017

Und worauf warten die Franzosen dann noch? Und worauf die Schweden? (Worauf die Deutschen warten, weiß ich schon: auf den Erlaubnisschein zum Rasenbetreten!)

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