Emmanuel Macron, der Sunnyboy Frankreichs, hat zur Nation gesprochen und vorher jede Menge Kreide gefressen. Macron versuchte in seiner Rede (Deutsche Übersetzung hier) empathisch zu wirken, indem er die Terminologie der Gelbwesten nachahmte – er sprach von den „Verletzten“ der Gesellschaft – den Geschiedenen, den Alleinerziehenden, den Geringverdienern, die nicht mehr über die Runden kämen, während er mit anderen Dingen beschäftigt war, während seine Prioritäten woanders lagen. Das klang fast wie ein Schuldeingeständnis.
Empathie ist aber nicht wirklich Macrons Stärke. Er übernahm – im Stil von modernen Politikern – nur „einen Teil der Verantwortung“ für die Wut und Entrüstung. Gleichzeitig schob er den Löwenanteil der Misere seinen Vorgängern der letzten 40 Jahre in die Schuhe.
Nach vier Wochen der Rebellion, nach dutzenden Verletzten, nach vier Toten, nach Wochen des Schweigens sagte Macron: „einige Forderungen“ der Gelbwesten seien legitim, er selbst fühle die Wut „zum Teil“ mit. Viele werden sich ob der Absurdität der Situation gefragt haben: Warum dann trägt Macron bei seiner Rede keine gelbe Warnweste? Macron schaute wie ein ertappter Lausbub drein, als er eine Art sozial-ökonomischen Notstand ausrief.
Dann gab Macron irgendwie den Sarkozy. Er versprach in seiner Rede notgedrungen den wütenden Bürgern, die nicht genug Brot haben, ein paar Kuchenkrümel. Was soll er auch machen, die Kassen sind leer. Der Präsident versprach die Anhebung des Mindestlohnes um 100 Euro pro Monat, Zurücknahme der Sozialabgabenerhöhung der Renten, Zurücknahme der geplanten Steuererhöhungen auf Kraftstoffe und Energie, eine künftig unversteuerte Überstundenbezahlung. Er appellierte an Unternehmer, die – wenn das Unternehmen es sich leisten könne – eine Art „Jahresendprämie“ zahlen sollten, die dann nicht versteuert würde.
Die französische Presse lässt nicht alles durchgehen
Da half auch kein Make-up. Macron gab während seiner Rede kein gutes Bild ab. Sein Einlenken geht mit einem Gesichtsverlust einher. Aber er tut niemandem leid, weil er sich selbst in diese peinliche Lage manövriert hat. In Frankreich funktioniert das Aussitzen von Problemen nicht so wie in Deutschland. Die Presse in Frankreich lässt der Regierung nicht alles durchgehen.
Ich werde den Eindruck nicht los, dass heute etwas anders war als sonst bei den Diskussionen im Fernsehen. Normalerweise sind die französischen Eliten stolz auf ihre Diskussionskultur. Man drückt sich gewählt aus, lässt den Anderen ausreden, bleibt höflich und zurückhaltend. Den eingeladenen Politikgrößen stand gestern abend die Furcht ins Gesicht geschrieben. Sie überschrien sich gegenseitig, die charmanten Moderatorinnen wirkten irgendwie hilflos. Der Grund für diese Panik ist wohl, dass die Politik spürt: Die sozialen Ankündigungen werden die gelbe Revolution nicht mehr besänftigen können. Verlangt werden nämlich längst nicht mehr nur soziale Maßnahmen, verlangt wird mehr Demokratie. Forderungen nach Volksentscheiden und mehr Volksbeteiligung an der Politik stehen im Raum. Das macht den oberen Zehntausend mehr Angst als alle Staatsschulden und Sozialausgaben zusammen.
Ab 2019 werden wohl für die Kleinverdiener 50 bis 100 Euro mehr im Portemonnaie sein. Das reicht dann eventuell für die Bezahlung der Telefonrechnungen der ganzen Familie. Die Franzosen wollen aber von ihrem Einkommen nicht nur telefonieren, sie wollen wieder so würdig lebe, wie sie das noch vor einigen Jahren konnten. Macron wird notgedrungen einige Fehler der letzten 18 Monate korrigieren: Er sagte dazu: „Wir sind an einem historischen Moment für unser Land angelangt, der auch eine Chance ist“. Das hätte er wohl gerne. Ich habe da meine Zweifel, ob die Gelbwesten eine Chance für die Regierung Macron sind. 80 Prozent der Franzosen aller politischen Richtungen sympathisieren mit den Gilets Jaunes. Davor zittern die Eliten und haben womöglich Albträume.
Und alles in allem sind das auch keine guten Nachrichten für Angela, Annegret und Andrea.
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Es ist keine gute Nachricht für den deutschen Steuerzahler. Denn die sozialen Wohltaten, die Macron nun notgedrungen verspricht, werden zum Schluss auf unserem Zettel stehen. Aber wie heißt es immer so schön bei Politikern und in den deutschen Medien: "Wir sind ein reiches Land".
Das französische Volk ist mündig genug zu protestieren, und der französische Regierungschef ist couragiert genug, eine direkte Diskussion mit dem Souverän zu suchen und zu führen sowie einige seiner Entscheidungen zu revidieren. Tut mir leid, aber ich finde keinen Grund, das alles mit Deutschland zu vergleichen. Gibt es doch hier nicht mal im Ansatz ähnliche Tendenzen.
Dass Macron ein abgehobener arroganter Vertreter der elitären Klasse Frankreichs ist, war doch jedem vernünftigen Menschen klar, als er großspurig mit seiner angeblich von ihm gegründeten Bewegung "La République en marche" ans Licht der Öffentlichkeit trat. Offensichtlich erkennen die Franzosen aber im Gegensatz zu ihren deutschen Nachbarn sehr schnell, wer ein Scharlatan und Schaumschläger ist. Denn das Macrönchen hat bei den Präsidentschaftswahlen einen mehr als mageren Sieg eingefahren. Was ist von seinem großspurigen von der Europahymne untermalten Auftritt geblieben? Ein nicht mehr ganz so perfekt geschminktes Männlein, das mit vagen Versprechungen ans Volk um sein politisches Überleben kämpft. Ich zolle den Franzosen großen Respekt für ihr mutiges Eintreten für ihre Rechte. Und dass die einheimische Presse diese Bewegung mit regierungskritischen Beiträgen unterstützt, ist ein sehr gutes Zeichen und eigentlich selbstverständlich für ein demokratisches Land. Ganz anders geht es ja in der Bananen- und Schlafmützenrepublik D zu. Hier liegt die Presse - bis auf wenige mehr als zaghafte Ausnahmen - nach wie vor unserer total unfähigen Kanzlerin zu Füßen und segnet sogar den Migrations-Teufelspakt enthusiastisch ab, der heute in Marrakesch unterschrieben werden soll. Man kann nur hoffen, dass sehr bald ein Funke des von den Gelbwesten initiierten Aufstands gegen staatliche Willkür auf Deutschland überspringt. Und man darf gespannt sein, wie AM und der Merkel-Klon mit dem sperrigen Namen darauf reagieren werden. Lieber Herr Haferburg, halten Sie uns bitte weiter über die Verhältnisse in Ihrer Wahlheimat Frankreich auf dem Laufenden. Ich lese Ihre Beiträge stets mit großem Interesse.
Sehr geehrter Herr Haferburg, Sie treffen es wiederum vollkommen. Mehr muss man hiuerzu nicht mehr sagen. Danke! b.schaller
Natürlich ist Macron ein Jammerlappen, und ich würde keinen petit noir am zinc auf eine regulär ablaufende Amtszeit mehr setzen. Aber dennoch: Wer kann sich die Bundesraute vorstellen, wie sie zumindest für die Dauer einer Rede an die Nation, pardon, an die Menschen, die schon länger hier leben, ein wenig Demut mimt? "Ich habe verstanden" statt "wüsste nicht, was ich falsch gemacht habe"? Mir fehlt dazu die Fantasie. Merkel, man sieht es gerade wieder aktuell am Pakt, fährt das ganze Land eher an die Wand, als sich einzugestehen, dass ihr Platz in der Geschichte nicht der sein wird, den sie sich vorstellt. Warum sollte sie auch? Standing Ovations statt Verhaftung auf offener Bühne geben ihr recht. Das Land möchte gegen die Wand gefahren werden.
Vollrente mit 62, 35-Stunden-Woche als Standard,Mindestlohn höher als in "wir schaffen das -Land", dazu 10 Millionen Minderleister- oder Nichtsnutze, die seit Jahrzehnten herangezüchtet und durchgefüttert werden. Vor Macron war eine Reihe von Schwätzern und Lügnern am Ruder, die das System "Laissez Faire" immer weiter betrieben haben, wie die anderen Länder des "Club-Med" unter der Schirmherrschft von Draghis Euro-Plünderungs-Verein. Irgendwann fliegt der Schwindel auf, Kasse leer, wenn kein Dummer nicht noch mehr zahlt. Ohne Dummland- Schuldenununion wäre die "Grande Nation" längst pleite,schön das es noch Naive in Mittel- und Nordeuropa gibt, wenn aber die ihren A... hochkriegen, Euro- Finito.
Eine armselige Figur… Der Blick war fast starr, Mimik kaum vorhanden, die Hände flach auf dem Tisch. Souveränität geht anders; offenbar steht ihm das Wasser bis zum Hals. Er redete abgehoben, mit allen Liaisons der Feiertagsrede, eine ganz andere Sprache als die der Bürger. So wird das nichts. – Der „wirtschaftliche Ausnahmezustand“ war eine Nebelkerze; wahrscheinlich braucht das Land einen knallharten Notstand, in dem der Staat alle Vermummten, Steinewerfer und Plünderer hart angefasst und für Monate wegsperrt. Ein Großteil der Chaoten sind die üblichen Männer™ aus nichteuropäischen Kulturen. – Wenn Macron scheitert, werden die Nationalen das Land auf Vordermann bringen. « La France aux Français » wäre wohl nicht das Schlechteste.