Die erste Tränengasgranate flog heute früh um 8:45 Uhr. Ich hatte gerade meinen Morgenlauf angetreten und joggte die Verlängerung der Champs-Elysées hoch in Richtung Place de l‘Etoile. Einige hundert „Gelbwesten“ waren lose auf der wohl 200 Meter breiten Avenue Grande Armée verteilt, als es am Arc de Triomphe das erste Mal knallte.
Eine Stunde später war es nicht mehr möglich, den Place de l‘Etoile, in dessen Mitte der Triumphbogen prangt, weiträumig zu umrunden. Ich rannte in eine riesige Tränengaswolke, die mir spontan jede Lust am Beobachten der Ereignisse nahm. Die „Felder der Seligen“, wie sich die Prachtstraße übersetzt nennt, waren gesperrt und in Qualm und Tränengas gehüllt. Es waren etwas weniger Demonstranten da als letzten Samstag, aber ihre Zusammensetzung hatte sich sichtbar verändert. Die Casseurs (Kaputtmacher) waren zur Gelbwestendemo gekommen.
Die Randalierer trugen schwarze Kleidung, waren vermummt und mit Helmen, Rucksäcken und Gasmasken ausgerüstet. Sie waren jünger als der Demonstranten-Durchschnitt und hatten in ihren Rucksäcken Werkzeuge mitgenbracht. Ein vermummter Bursche stemmte mit Hammer und Meißel den Asphalt des Trottoirs auf. Ein Mann in gelber Weste forderte ihn auf, damit aufzuhören, doch er und seine Truppe lachten nur frech. Hilflos standen die friedlichen Demonstranten herum.
Die Casseurs hatten ihre Guerilla-Taktik mitgebracht. Sie demonstrierten nicht, sie agierten in kleinen beweglichen Gruppen in den Zugangsstraßen zum Arc de Triomphe mit einem Zerstörungswillen, der mich zutiefst erschreckte. Diese Leute haben offenbar keinerlei Moral. In den Avenuen Friedland, Wagram, Hoche, Kleber und McMahon zündeten sie Autos und Barrikaden an und zerstörten alles, was nicht niet- und nagelfest war. Der Place de Trocadero wurde genauso verwüstet wie die Avenue Kleber. Bei vielen der Luxusgeschäfte wurden die Scheiben eingeschlagen und es gab Plünderungen. Es gibt offensichtlich auch in Frankreich genügend Leute, die nur auf solche Gelegenheit warten.
10.000 gewaltbereite Personen
Auf der Avenue des Ternes sah ich, wie die Frauen des schwarzen Blocks Luftballons mit Farbe füllten, die sie in Flaschen in ihrem Rucksack mitgebracht hatten. Die Männer warfen sie dann eine Straße weiter auf die Polizisten, die einem wirklich leid tun konnten. Was mich erschütterte, war das Alter dieser Farb-Chaoten. Das waren Leute Mitte dreißig, gut gekleidet und gut ausgerüstet. Wenn die RCS-Polizeigruppen eintrafen, waren sie längst weg und verrichteten woanders ihr feiges Zerstörungswerk. Die französischen Behörden sprechen von einer Klientel von 10.000 gewaltbereiten Personen in Frankreich aus dem links- und rechtsextremen Spektrum.
Gegen 15:00 ging ich auf die Champs-Elysées. Der Arc de Triomphe war in schwarze Rauchwolken gehüllt. Weißer Tränengasnebel hüllte den ganzen Platz ein. Tausende Demonstranten standen trotzdem auf dem Platz und verhielten sich recht ruhig. Die Prachtstraße Champs-Elysées war mit einem Demonstrationszaun geschlossen, der von einem RCS-Kordon Schulter an Schulter bewacht wurde. Ich fragte einen dieser RCS-Ritter, ob ich auf die Champs-Elysées durchdürfe. Er tastete mich ab und gab freundlich den Weg frei. Als die CRS-Männer ihren Kordon für mich öffneten, wünschte ich ihnen: „Bon courage“. Sie werden es brauchen.
Auf der Champs war es vollkommen friedlich, einige hundert Gelbwesten standen da und schauen auf den Arc de Triomphe, der von sechs Demonstranten erklommen worden war, die ihre Trikolore auf dem Dach schwenkten. Sie schienen zu den Helden des Tages zu werden, wie haben die das geschafft, fragte ich mich. Später sah ich, dass sie das Gesicht einer der gigantischen Relief-Statuen eingeschlagen hatten, durch das Loch eingedrungen waren und auch das Innere dieses Nationalsymbols verwüstet haben. Ich begriff jetzt, dass die Polizei nicht nur die Bürger, sondern auch die Gelbwesten vor den Chaoten schützen musste.
Wollen die Casseurs die Gelben Westen diskreditieren?
Vergangenes Wochenende demonstrierten in Frankreich etwa 81.000 Menschen. Dieses Wochenende waren es nach offiziellen Angaben 75.000. 65.000 Ordnungskräfte waren mobilisiert. Weit über 200 Menschen wurden verhaftet. Es giab 110 Verletzte, davon über 20 Polizisten. Ein Demonstrant der Gelbwesten wurde schwer verletzt, als ein Parkzaun-Gitter der Tuileries auf ihn stürzte, welches die Chaoten aus den Halterungen gerissen hatten.
Die Casseurs werden es womöglich schaffen, die Bewegung der Gelben Westen total zu diskreditieren. Vielleicht ist dies sogar ihr heimliches Ziel. Meinen höchsten Respekt haben die CRS-Polizisten, die versuchten, gegen eine Horde Asozialer die Ordnung aufrechtzuerhalten. Leidtragend ist auch das Anliegen der „Gelbwesten“. Während all dies in Frankreich geschieht, rettet Macron in Buenos Aires die Welt. Es würde mich nicht wundern, dass nach seiner Rückkehr ein Demonstrationsverbot erfolgt oder der Ausnahmezustand ausgerufen wird.

@Hubert Bauer / 02.12.2018___ Das kann man vermuten (gekaufte Randalierer, von wem auch immer?), gezielte Diskreditierung. Aber was könnten die "normalen" Demonstranten dagegen tun? Ich habe da keine Idee.
In Deutschland haben ja einige Medien bereits bevor es hierzulande überhaupt zu einer Protestbewegung kommt bereits festgestellt das die in der BRD nicht existierende Gelbe Westen Bewegung von Nazis unterwandert ist. Inzwischen wird jeder Protest und Kritik an den Verhältnissen diskreditiert, und dass mit allen Mitteln und im Sinne der Herrschenden. Der angebliche Nazi auf dem Trauerzug in Chemitz, der den Hitlergruß zeigte, war so ein Provokateur aus der linken Szene, der dazu dient den Protest der aus der Bevölkerung heraus zu entstehen droht zu diskreditieren. Das gleiche galt eingeschränkt auch für den G7 Gipfel in Hamburg. Friedliche Demonstranten haben sich kein Gehör verschaffen können, die ganze Veranstaltung wurde von gewalttätigen Linksextremisten und unpolitischen Gewalttätern die ihre Gewaltphantasien ausleben wollen, übernommen und damit diskreditiert. Die friedlichen Demostranten haben praktisch keine Chance gegen solche Leute. Das Ganze ist z.T. mit sehr wenigen Provokateuren zu erreichen., Manchmal reichen schon 1- 2 Personen einen an sich friedlichen Demonstrationszug mit 5000 Teilnehmern auseinanderzunehmen indem diese beginnen Flaschen und Böller auf die Polizei zu schmeißen, wie in Köln geschehen.
Ein korruptes fischiges System mit einem entsprechenden Oberhaupt agiert korrupt und fischig. Es wäre ja gelacht, wenn der französische Geheimdienst nicht jede Menge Leute - und vor allen Dingen auch Provakateuere - bei den Gelbwesten und den "Zerstörern" eingeschleust hätte. Denn sonst wäre Frankreich ein Nachtwächterstaat, schlimmer noch als Deutschland, und Macron hätte mit dem Dampfer nach Südamerika aufbrechen müssen. Es sind also mit Sicherheit nicht "natürliche Gewalten", sondern sehr wahrscheinlich auch vom Geheimdienst mitveranstaltete Exzesse, die aus dem Protest gewalttätigen Terror machen. Entsprechende Taktiken hat man ja auch bei der friedlichen Revolution in der DDR angewandt. Und ähnlich hat der VS hier in der NPD agiert. Die Zeiten für friedliche Revolutionen scheinen vorbei zu sein. Andererseits: Wer hat denn eigentlich diesen amorphen selbstgefälligen Alleinherscher und seine geschirrverrückte Gattin gegen jeden besseren Verstand gewählt? Und wen wollt Ihr nächstes Mal wählen, Franzosen, seinen Klon? Freiwillig gehen wird er nicht, weil ein paar tausend Leute auf die Straße springen. Auch nicht nach einer Woche Generalstreik. Es geht um Größeres: Es geht darum, Euch ein für alle Mal zum Schweigen zu bringen.
Europäische Nationalgarde? Die gibt es doch längst: European Gendarmerie Force (EGF oder Eurogendfor).
In Heiligendamm (MV) wurde zum damaligen G8- Gipfel ein Polizist (nicht aus MV) von Demonstranten als Teilnehmer enttarnt. Demonstranten behaupteten und die Polizei bestritt, dass dieser zur Gewalt aufforderte. Auch in Italien wurden bei ähnlichen Gelegenheiten schon Polizisten enttarnt. Wer sich hinter Vermummten verbirgt, ist also schwer zu sagen. Die meisten sind sicher nur nützliche Idioten.
Lieber Herr Haferburg, der schwarze Block ist immer dabei. Wem diese Fans von Zuständen der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts in Deutschland gegenüber loyal sind, ist schwer zu sagen. Zunächst einmal geht es natürlich ganz allgemein ums 'Schweinesystem', Danach wird es aber schon komplexer. Denn der 'Kampf gegen Rechts' bringt einiges durcheinander. In Deutschland ist die Allianz der Berliner Herrschaft mit der gewalttätigen Antifa ja gelungen. Sie bildet so eine Art SA des Merkelstaates. Oder wie soll ich die verharmlosenden Reaktionen auf den Straßenterror beim G20 Gipfel in Hamburg und die anfeuernden Aufrufe von quasi staatstragenden Demos und Konzerten in Chemnitz und die präsidialen Belobigungen Deutschland hassender Pseudopunkbands sowie die finanzielle Unterstützung der Antifa aus dem Familienministerium heraus interpretieren? In Frankreich traut sich das die offizielle Politik noch nicht, aber das Phänomen der gewaltbereiten mobilen Terrortruppen ist grenzüberschreitend. Die Bürger werden das alles auseinanderhalten können. Und ein Demonstrationsverbot würde Macron teuer zu stehen kommen. Dessen Zukunft ist ohnehin ungewisser denn je.
Die Beschreibung der Gewalttäter passt perfekt auf Linke. Rechte, auf die diese Beschreibung passt, hat es noch nicht gegeben. Es wäre eine völlig neue Entwicklung, ich glaube nicht daran. Sie werden aber nicht von "oben" gesteuert, sie suchen sich ihre Tätigkeitsfelder selbst. Sie haben etwas Zeit benötigt, sich zu organisieren, weil sie vom neuen Bürgerprotest selbst überrascht wurden. Jetzt aber sind sie da und verrichten ihr Werk. Perfekt im Sinne der Mächtigen, die ja bereits die Gelbwesten anhand der Gewalt diskreditieren und von linkem UND rechtem Protest reden, denn genauer will man das ja gar nicht wissen. Ganz wie bei uns. Europa wächst eben doch zusammen.