Dominik Krause? Nie gehört? Allenfalls auf der Achse? Zumindest in München und Bayern wird sich das ändern, denn ein Politiker dieses Namens wird der neue Münchner Oberbürgermeister. In der Stichwahl am Sonntag siegte der 35-jährige No-Name klar mit 56,4 Prozent der Stimmen. Sein Gegner, der amtierende OB Dieter Reiter von der SPD, kam nur auf 43,6 Prozent. Reiter gestand noch am Wahlabend seine Niederlage ein und kündigte seinen Rückzug aus der Politik an. Der SPD-Mann ist seit 2014 im Amt und nach dem etwas zwielichtigen CSU-Politiker Erich Kiesl der zweite Münchner Rathauschef, der im Amt abgewählt wurde, eine Demütigung für ihn und für seine Partei, die auch in Rheinland-Pfalz abgestraft wurde. Sozen-Dämmerung.
Seit Kriegsende wurde München fast durchgängig von SPD-Oberbürgermeistern regiert. Angefangen mit dem KZ-Überlebenden Thomas Wimmer über Hans-Jochen Vogel, der die Olympiade nach München holte und nach dem Sturz Helmut Schmidts erfolglos für das Amt des Bundeskanzlers kandidierte, gefolgt von Georg Kronawitter und Christian Ude bis zu Dieter Reiter. Nur zweimal saßen mit Georg Scharnagel (1945–1948) und Erich Kiesl (1978–1984) für ein paar Jahre CSU-Politiker auf dem Münchner Chefsessel.
Eigentlich galt Reiters Wiederwahl als Formsache, bis wenige Tage vor dem Urnengang herauskam, dass er jahrelang Einnahmen aus seiner Tätigkeit im Verwaltungsbeirat des FC Bayern eingestrichen hatte, ohne sich dies, wie vorgeschrieben, vom Stadtrat vorher genehmigen zu lassen. Für einen Mann, der sich auf Wahlplakaten als vertrauenswürdiger Hüter des Sozialen präsentierte, eine missliche Angelegenheit, zumal sich Reiter anfangs auch noch herauszureden versuchte, bis er „Fehler“ eingestand.
Und dann unterlief ihm bei der letzten Stadtratssitzung noch ein unverzeihlicher Fauxpax, als er beim Durchblättern von Unterlagen offenbar den Überblick verloren hatte und vor sich hinmurmelte: „So, wo samma, sagen die Neger“. Da war es gefallen, öffentlich, das N-Wort, das nicht mehr existieren darf und niemals existiert hat, selbst wenn man, wie sich Reiter nachher rechtfertigte, nur den bayerischen Volkssänger Fredl Fesl zitiert habe, der dereinst, ohne besonderes Aufsehen zu erregen, mit dem Nonsenslied „Riesenneger im Nieselregen“ über die Dörfer gezogen war.
Wer also ist Dominik Krause?
Die Quittung bekam Reiter am Kommunalwahlabend vor zwei Wochen mit einem blamablen Ergebnis von 35,6 Prozent, das ihn in eine Stichwahl mit dem zweitplatzierten grünen OB-Kandidaten (29,5 Prozent) zwang. So schlecht hatte ein SPD-Oberbürgermeisterkandidat der SPD in München seit dem Krieg noch nie abgeschnitten. Nun war Schadensbegrenzung angesagt. Reiter zog sich von allen Ämtern beim FC Bayern zurück und spendete das Geld, das er bisher dafür erhalten hatte, für einen guten Zweck. Um zu retten, was offenbar nicht mehr zu retten war, stürzte sich Reiter noch einmal in den Straßenwahlkampf. Aber die Mehrheit der Wähler nahm ihm seine späte Reue nicht ab und votierte für einen Neuanfang im Rathaus.
Wer also ist Dominik Krause? Im Juni 2024 brachte die Münchner Abendzeitung (AZ) eine Homestory über den neuen „grünen Hoffnungsträger“. Der ist seit Oktober 2023 zweiter Mann im Münchner Rathaus; vorher war er Sprecher der „Grünen Jugend“ und grüner Fraktionsvorsitzender im Stadtrat. Weil die Grünen im Münchner Stadtrat seit 2020 die stärkste Fraktion stellen, haben sie einen Anspruch auf den nicht besonders prestigeträchtigen Posten eines Vizebürgermeisters, der aber zuweilen als Sprungbrett für höhere Weihen taugt.
Krause ist jung, und er ist schwul, was eigentlich nichts Besonderes ist, aber irgendwie dann doch wieder. Die AZ traf Krause, studierter Physiker, zusammen mit seinem zwei Jahre jüngeren Partner Sebastian Müller, einem Arzt, und berichtete im Bunte-Stil: „Der eine ist Arzt geworden, der andere der zweite Bürgermeister – geblieben sind sie ein Paar, zwei Männer, die sich spürbar unheimlich gerne mögen, sich im Gespräch mit der AZ sehr viel anschauen, anlachen, ständig einen Gedanken, eine Erinnerung aufgreifen und noch ergänzen.“ Hach!
Die beiden Jungs sind verlobt und wollen heiraten. Da steht irgendwann, so darf man erwarten, eine von viel wohlwollendem Medienrummel begleitete „Traumhochzeit“ an. Das Paar hatte der AZ ein paar schöne Fotos aus dem gemeinsamen Familienalbum zugesteckt. Eines zeigt die beiden im Teenie-Alter bei einem Tanzstundenball. Krause und Müller lernten sich vor knapp zwanzig Jahren in einer Tanzschule kennen – ganz erwachsen wirken sie immer noch nicht.
Das Private ist politisch, insbesondere bei Linken und Grünen. Doch wie steht es bei Dominik Krause mit der „richtigen“ Politik“? In seiner eher unauffälligen Zeit als Vize-Bürgermeister kümmerte er sich unter anderem um Radwege und die Eisbachwelle, ein innerstädtisches Surferparadies am Englischen Garten. Nach einem tödlichen Unfall und einer anschließenden Bachauskehr war die Welle plötzlich verschwunden, soll aber baldmöglichst wiederbelebt werden, damit sich die woken Surfer nicht langweilen müssen.
Dezent-bayerisch und so realo-seriös
In einem Sofortprogramm zu seiner OB-Wahl sind vor allem viele neue Kommissionen (und wohl auch Ämter) vorgesehen, etwa eine „Umwandlungsagentur für Wohnungen statt Leerstand“, eine „Zentralstelle für Mietwucher“, eine „Taskforce für Kultur und Gründung statt Leerstand“, außerdem ein „Baustellenfonds“ für besseres Baustellenmanagement und eine „Bündelung der Zuständigkeiten beim ÖPNV“. Mächtig viel heiße Luft, wie auch sein angekündigtes Bestreben, für eine bessere Gesprächskultur im Rathaus sorgen zu wollen. Natürlich steht bei ihm auch der „Klimaschutz“ ganz oben auf der Agenda, Autofahrer müssen sich in München wohl auf noch härtere Zeiten einstellen. Am „Kampf gegen rechts“, der schon unter Reiter Chefsache war, dürfte sich wenig ändern.
Krause galt mal als Linker, gibt sich unterdessen aber dezent-bayerisch und so realo-seriös wie der baden-württembergische Ministerpräsident in spe Cem Özdemir. Auf einem Wahlplakat, das ihn mit breitem, jungenhaften Lachen zeigte, trug er sogar Schlips. Auf einem anderen posierte er in Tracht mit einem Maßkrug in der Hand. In München ziemt es sich, gelegentlich ein pseudorurales Trachtengewand anzulegen, vor allem bei der alljährlichen Eröffnung des Oktoberfestes. Da hat er noch etwas gutzumachen, bezeichnete er die Wiesn doch einmal keck als „weltweit größte offene Drogenszene“, was bei den Wiesnwirten und der politischen Konkurrenz Schnappatmung verursachte.
Um seine Solidarität mit Israel und der jüdischen Gemeinde zu bekunden, machte er Charlotte Knobloch seine Aufwartung. Ohne den Segen der 93-jährigen Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern geht nichts in München, auch wenn die linksgrüne Basis lieber Palästinenserfahnen schwenkt. Dass er für das neue Amt zu jung und unerfahren sein könnte, wies Krause stets von sich, schließlich sei Hans-Jochen Vogel bei seiner Amtseinführung als Münchner OB 1960 sogar noch etwas jünger gewesen.
Jetzt sind es also nur noch ein paar Monate, und Krause wird sich zusammen mit seinem Partner (oder vielleicht schon Ehegatten) im Prachtgespann des Oberbürgermeisters zur Theresienwiese kutschieren lassen, um dort das erste Fass anzustechen und Ministerpräsident Markus Söder, dessen CSU bei der Kommunalwahl ordentlich Federn lassen musste, die erste Wiesn-Maß zu reichen. Dieses Ereignis ist Garant dafür, dass Münchner Oberbürgermeister wenigstens einmal im Jahr bundesweit wahrgenommen werden. Ein Lichtblick für die Grünen. Immerhin auf das gut situierte Münchner Kuschel- und Cargorad-Bürgertum ist noch Verlass.

Warum hat Markus Walbrunn nicht performt?
4,4 Prozent im ersten Wahlgang, FDP-Niveau.
Dieter Reiter hat mittlerweile seine Profile in den sozialen Medien gelöscht. Der eigentliche Gewinner.
„O’zapft is!“ Jetzt wird abgezapft. Unter einem Moslem-Bürgermeister hat es sich in München dann irgendwann ausgezapft. Man nennt es, glaube ich, Dekadenz.
Herr Taterk, wenn ich Millionen ins Land hole und Das Bauen ohne Ende verteure, dann setze ich Kommissionen ein?
Die Münchner Stadtkasse war vorher schon ausgeplündert, da helfen jetzt auch keine noch so diversen Sondervermögen mehr. Aber der Anstich am Oktoberfest, das könnte eine Riesengaudi werden. Nur nicht für den Söder. Ich bin mal gespannt, ob der Grüne Bub die legendären Anstiche eines Manfred Rommel auf dem Cannstatter Wasen toppen kann :-)
Achja, er (der Grüne Bub) ist ja Physiker. Üble Erinnerungen an eine gewisse Angela D. Merkel müssten jetzt bei dem einen oder anderen hochsteigen … aber ach, es ist schon zu spät.
Krause ist sehr aktiver Befürworter und Förderer der Drag Queen-Szene in München (u.a. Schirmherr eines Drag Festivals) und befürwortet ausdrücklich Drag Lesungen vor Kindern. Mehr muss man eigentlich nicht wissen. Dass er seine Haltung geändert hat, nachdem bekannt wurde, dass ein Berliner Drag-Darsteller (Mario O. aka „Jurassica Parka“) wegen Besitz von Kinderpornographie verurteilt wurde – also genau das eingetreten ist, was Kritiker dieser Veranstaltungen immer schon thematisiert haben – ist mir nicht bekannt.
@Lutz Herrmann : >>„Wobei ich, der immerhin Augen im Kopf hat“
Eigenlob stinkt.
Lukas 14, 11<<
## Ihre Maßstäbe sind derartig niedrig … Es ist NORMAL, dass man Augen im Kopf hat. Es ist keine Besonderheit. Wenn Sie in einer so simplen Tatsachenfeststellung schon Angeberei erkennen, muss es wirklich schlimm um Sie stehen.
Schluss jetzt mit den Frauenfeinden und den Homophoben.