Joe Lohmann, der sich in letzter Zeit für Achgut öfters als Kanada-Korrespondent über die Trucker-Demos betätigte, liefert dieses Mal die vorliegende Bildergalerie mit Fotos von den gestrigen Ottawa-Protesten.
Am heutigen Montag wird wieder in ganz Deutschland demonstriert. Auch weltweit gibt es mehr und mehr Corona-Widerstand. Aktuell stechen natürlich die Trucker-Proteste im kanadischen Ottawa besonders hervor. Joe Lohmann, der sich in letzter Zeit für Achgut öfters als Kanada-Korrespondent über die Trucker-Demos betätigte (siehe hier, hier und hier), liefert dieses Mal die vorliegende Bildergalerie mit Fotos von den gestrigen Ottawa-Protesten. Über seine Beobachtungen schreibt er:
„Verliert der Freedom Convoy an Fahrt? – Es sieht nicht so aus, nicht im Mindesten, nein dazu verbreitet sich hier zu viel positive Energie. Wenn ich sagen sollte, was der ergreifendste Tag war, den ich in den Jahren erleben durfte, dann war das heute, Sonntag, 13. Februar 2022, in Ottawa. Ohne (viele) weitere Worte soll eine kurze Bilderstrecke die Magie dieses Tages transportieren.
Einfach weil es mir nicht, noch nicht gelingt, diese überirdische Herzlichkeit, die da heute in den Straßen von Ottawas Innenstadt über alle Altersstufen, Konfessionen, Hautfarben, unter Truckern, Menschen aus der Stadt und aus bis zu 1.200 Kilometern Entfernungen durch unzählige Umarmungen geflossen ist, gepaart mit ebenso großer Sorge, dass dies die letzte Gelegenheit sein könnte, ein global ausuferndes, globales dirigistisches System auszuhebeln, und die Entschlossenheit, genau das jetzt zu tun, aus dem Stand in eine nüchterne Reportage zu fassen.
Die Stimmung dieser so komplett ungewöhnlichen Demonstration großer Menschlichkeit, wie ich sie mir in Europe nicht vorstellen könnte, versuche ich morgen in Worte zu übersetzen. Versprochen.“
„Nur keine Covid-Masken“
Wir dürfen also gespannt auf Herrn Lohmanns textlichen Bericht sein und lassen an dieser Stelle erst einmal seine Fotos sprechen. Einen interessanten Kontrast bilden auch in diesem Fall die gängigen Medienberichte im deutschsprachigen Raum. „Ottawa im Belagerungszustand“, titelte kürzlich etwa die Frankfurter Rundschau und warf den Protestlern „die Blockade der Innenstadt und die Belästigung der dort lebenden Menschen“ vor. Die Trucker werden zu einer Gefahr für die Allgemeinheit stilisiert: „Eltern berichteten von den Ängsten ihrer Kinder, die nicht schlafen konnten und immer wieder aufschreckten. Ältere und Menschen mit Behinderung wagten sich nicht auf die Straßen.“
Antje Passenheim vom ARD-Studio New York ist der Ansicht, dass die meisten Kanadier die Corona-Maßnahmen befürworten. Und stempelt die von Existenznot bedrängten Truckerfahrer und ihre Unterstützer zu geistlosem Party-Volk ab:
„Die Stimmung trübt auch Kälte und Eisregen nicht. Vor dem beleuchteten Uhrenturm des Parlaments in Ottawa geht es wie am Rand eines Hockeyspiels zu: Menschen mit Flaggen umwickelt, Hupen und Techno. Nur keine Covid-Masken (...) Dabei sind 80 Prozent der Kanadier voll geimpft und haben keine Probleme mit den Corona-Maßnahmen ihrer Regierung. Doch die Minderheit, die anders denkt, lässt sich vor den Polizeiblockaden feiern. Menschen winken, danken den Truckern, umarmen sie. Essensstände, Kinderspielflächen, Musiker – betonte Volksfeststimmung.“
Und Peter Rásonyi fordert in der NZZ gar, dass die kanadische Regierung härter einschreiten sollte. Und überhaupt: Wozu müssen sich diese albernen Trucker eigentlich versammeln? „Die Trucker protestieren mit ihrer Aktion gegen Corona-Massnahmen und Impfgebote der Regierung, mit denen sie nicht einverstanden sind. Kritik zu üben und zu protestieren, ist ihr gutes Recht. Doch niemand macht ihnen dieses streitig. Dafür benötigen sie ihre Stimme oder ihre Mobiltelefone oder Computer. Tonnenschwere Lastwagen benötigen sie dafür nicht.“
Hat sich der Autor etwa bei unserer neuen Innenministerin Nancy Faeser inspirieren lassen? Diese hatte am 19. Januar auf Twitter in Bezug auf die Corona-Demos verkündet: „Ich wiederhole meinen #Appell: Man kann seine #Meinung auch kundtun, ohne sich gleichzeitig an vielen Orten zu versammeln.“
Richtig. Politiker sind ja bestens dafür bekannt, dass sie ihre Agenda ändern, wenn man sie leise und höflich darum bittet.