Zum Einstieg in das Thema einige Zeilen aus der WELT vom 17. Februar 1990. Dort schrieb Jürgen Serke:
„Dort, wo sich die Moldau mit der Elbe vereinigt, liegt das unansehliche Städtchen Všetaty. Fragt man einen Tschechen nach der Bedeutung jenen Ortes 30 Kilometer von Prag, so weiß jeder: Dort ruht Jan Palach, der sich am 16. Januar 1969 aus Protest gegen die Sowjetokkupation verbrannte – auf dem Prager Wenzelsplatz, wo Vaclav Havel seiner vor einem Jahr noch als ein Ohnmächtiger gedachte, ein Ohnmächtiger wie Palach, der auf die Stärke der Ohnmacht vertraute. Das Zeichen wurde verstanden. [...] Jan Palach bleibt unvergessen.“
Dann leitete er zu Oskar Brüsewitz über: „Zehn Kilometer vor der alten sächsischen Bischofsstadt Zeitz, wo sich am 18. August 1976 der evangelische Pfarrer Oskar Brüsewitz vor der Michaeliskirche verbrannte, liegt der winzige Ort Rippicha mit seinen 200 Einwohnern. Von hier aus betreute der Geistliche elf Dörfer, hier liegt er begraben.“
Dort ging Serke im Frühjahr 1990 auf Spurensuche. Über die Motivation des Pfarrers schrieb er: „Brüsewitz sah, wie das SED-Regime die Würde des Menschen auszulöschen entschlossen war – im Anschlag auf das Wort. Um sich zu verständigen, hat der Mensch sprechen gelernt. Die Sprache der Stasi aber richtete sich gegen Verständigung. Sie zielte auf Verstummen aus Mißtrauen gegenüber dem Nächsten. In diese Vereinzelung und Sprechnot hinein setzte Brüsewitz ein Zeichen.“
Er fuhr fort: „Die Tat des Oskar Brüsewitz läßt sich vom Wort nicht glätten. Sie leuchtete ins Tote Haus DDR – im Glauben an das Leben, das wiederkehren wird.“
Doch sein Zeichen, so Serke, blieb im Gegensatz zu dem von Jan Palach unverstanden. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Ein Grund mehr, an ihn zu erinnern.
Ein durch und durch unkonventioneller Pfarrer
Zurück zum WELT-Artikel. Der Autor begab sich im Frühjahr 1990 unter anderem in das Zeitzer Hotel „Drei Schwäne“ und sprach dort eine Angestellte auf den Pfarrer an. Ihre Meinung sei eine Einzelstimme gewesen: „Es war der Anfang von dem, was jetzt geschehen ist“, so die Frau noch ganz unter dem Eindruck der Friedlichen Revolution von 1989.
Das meint auch Helmut Müller-Enbergs. Seine lesenswerten Ausführungen, die mir auch bei der Recherche zu diesem Text geholfen haben, beginnt er mit dem Satz: „Am Anfang der Herbstrevolution in der DDR 1989 stand der Pfarrer Oskar Brüsewitz aus Rippicha.“ Wer also war dieser Mann, dessen Name kaum noch jemand einordnen kann, falls er ihn überhaupt je gehört hat?
1929 in Willkischken im Memelland (heute Litauen) geboren, verschlug es Oskar Brüsewitz nach dem Krieg nach Burgstädt bei Chemnitz. Dort durchlief er als Sohn einer Bauern- und Handwerkerfamilie eine Schuhmacherlehre. 1947 zog er in den Westen und absolvierte 1951 an der Handwerkskammer Osnabrück seine Meisterprüfung. Er engagierte sich in Melle und Hildesheim in der Kirche, im CVJM. Im gleichen Jahr heiratete er. Das Paar bekam eine Tochter. Nach dem Scheitern seiner ersten Ehe zog er 1954 nach Weißenfels in Sachsen-Anhalt, heiratete ein zweites Mal. Das Paar bekam drei Kinder. Zunächst arbeitete er in Weißenfels in einer Schuhfabrik, bis er entlassen wurde wegen einer nicht genehmigten „Westreise“.
Ins Visier der Staatssicherheit geriet er schon in den 1950er Jahren, als er sich in der Leipziger „Christen-Gemeinde Elim“ engagierte. Es handelte sich um eine evangelisch-freikirchliche Gemeinde, die ihren Sitz zur damaligen Zeit in Hamburg, also im Westen, hatte. Die Stasi versuchte, Brüsewitz zu isolieren, damit er nicht eines Tages als „Märtyrer für seine religiöse Idee“ stehen konnte, wie sie es nannte. Auch die Elim-Gemeinde missbilligte seine ihr zu auffälligen Aktionen. So wechselte Brüsewitz, für den das kirchliche Engagement immer mehr zu einer Berufung und schließlich zum Beruf wurde, zur Evangelischen Landeskirche.
Vorher jedoch, 1955, machte Brüsewitz sich erst in Markleeberg bei Leipzig, später in Weißensee (Thüringen) mit einem eigenen Geschäft für Kinderschuhe erfolgreich selbstständig, bis er es 1963 aufgeben musste, weil es staatlicherseits vereinnahmt und der Produktionsgenossenschaft Handel Sömmerda zugeschlagen wurde. Er blieb aber im Geschäft als Zweigstellenleiter, bis es ihm 1964 in einem zweiten Anlauf gelang, von der Predigerschule in Erfurt aufgenommen zu werden, die er 1969 beendete.
Schon dort nahm er zur Kirchenpolitik im Kommunismus kein Blatt vor den Mund. Der sowjetischen Kirchenpolitik bescheinigte er, auf „Entkirchlichung“ und „Zersetzung“ zu zielen, darauf, „Christen gegen Christen auszuspielen“, mit dem Ziel, die „Kirchen willfährig zu machen“ durch einen totalitären Staat. Von dieser Einschätzung wich er bis zu seinem Tode nicht ab. Den Schlüssel zum Verständnis seines sprichwörtlichen Flammenzeichens vom 18. August 1976 muss man hier suchen.
In den Jahren 1969/70 arbeitete er als Hilfspfarrer und schließlich als Pfarrer in Droßdorf-Rippicha bei Zeitz. Brüsewitz entsprach so gar nicht dem konventionellen Bild eines betulichen Pfarrers. Er war sehr tatkräftig und praktisch veranlagt; so baute er eigenhändig rund um das Pfarrhaus Kartoffeln und Rüben an, hielt Schafe, Kaninchen und Hühner, schrieb Jürgen Serke im eingangs erwähnten Artikel der WELT.
„Wir klagen den Kommunismus an!“
In Rippicha fiel er durch für die SED höchst unerhörte Aktionen auf. Er engagiert sich in der Jugendarbeit, errichtete einen evangelischen Kinderspielplatz und initiierte eine ganze Serie von symbolischen Protestaktionen gegen die „Kirche im Sozialismus“. Das war der SED ein Dorn im Auge. Totale Überwachung und Psychoterror, staatliche Repressionen und Zersetzungsmaßnahmen, Isolierung durch das Streuen von böswilligen Gerüchten waren die Folgen.
Doch Brüsewitz ließ sich davon nach außen hin nicht beeindrucken. 1974 stellte er gegen das Plakat „25 Jahre DDR“ an seinem Pfarrhaus ein Plakat mit der Aufschrift „2000 Jahre Kirche Jesu Christi“ auf. Darüber hinaus installierte er an seiner Kirche ein großes, weit über das Dorf hinaus sichtbares Neonkreuz und scherte sich nicht um Drohungen vonseiten der SED, es gewaltsam zu entfernen.
Mittlerweile begann auch die Kirchenführung, die sich bisher hinter den unorthodoxen Pfarrer gestellt hatte, unter dem zunehmenden Druck zu schwanken und legte Brüsewitz einen Pfarrstellenwechsel nahe. Da fühlte er sich von seiner Kirche im Stich gelassen.
In einer aufsehenerregenden Aktion übergoss er sein Auto und sich selbst im Talar mit Benzin und verbrannte sich vor der Michaeliskirche auf dem Marktplatz von Zeitz. Als lebende Fackel rannte er vor den Augen einer entsetzten Menschenmenge über den Kirchplatz, wurde zu Fall gebracht; das Feuer wurde von Passanten mit einer Decke gelöscht.
Zuvor hatte er Plakate an seinem Wartburg und auf dessen Dach angebracht, auf denen leicht abgewandelte Sprüche wie dieser lesen war: „Funkspruch an alle... Funkspruch an alle...: Die Kirche in der D.D.R. klagt den Kommunismus an! Wegen: Unterdrückung in Schulen an Kinder und Jugendlichen!“ Die Plakate wurden sofort beschlagnahmt und entfernt.
Kein Suzid, aber Erinnerung an Jan Palach
Wie Jan Palach überlebte auch Oskar Brüsewitz das Feuer, Palach drei, Brüsewitz vier Tage; bei beiden Männern waren über 80 Prozent der Haut verbrannt. Auf der Intensivstation des Bezirkskrankenhauses Halle-Döhlau wurde Brüsewitz von der Stasi bewacht; seine Familie durfte ihn weder besuchen noch den Toten sehen, so steht es im eingangs erwähnten Artikel von Jürgen Serke
Über die Gründe der Selbstverbrennung sagte Dieter Ziebarth, damals ein Pfarrerskollege von Brüsewitz und Kritiker der offiziellen Haltung der Kirche zu Brüsewitz' Tod im September 1976 (Quelle: Neubert, s.u., Seite 279), er habe erst nach vielen Jahren eine Antwort für sich gefunden. „Er wollte uns fragen: Brennt ihr für etwas? Setzt ihr euch ganz und gar dafür ein? Er hat nicht nur unter seiner Kirche gelitten, sondern auch unter der Gleichgültigkeit der Leute. Das war für ihn das Schlimmste."
Die SED versuchte den Fall zu vertuschen und, als ihr das nicht gelang, ihn als Geistesgestörten abzustempeln. Zu seiner Beerdigung, deren Datum nicht bekanntgegeben wurde, fanden sich trotz Schikanen und Festnahmen von Trauergästen bei der Anreise über 400 Menschen ein, darunter viele Kirchenkollegen, obwohl die Kirchenleitung Vorkehrungen traf, dass es nicht zu weiteren Protesten kam. Brüsewitz' Anliegen blieb auf der Trauerfeier unerwähnt (Quelle: Neubert, s.u., Seite 278).
Aber war Brüsewitz, der auf alle Menschen zugegangen sei, egal ob sie christlichen Glaubens waren oder nicht, ein Geisteskranker? Die WELT fand hier deutliche Worte zu derlei Unterstellungen: „Wenngleich seine Beweggründe immer umstritten waren, so stand doch außer Frage, dass es sich um keinen Suizid gehandelt hat. Die Reminiszenz an die Selbstverbrennung von Jan Palach, 1969 in Prag, erschien zu deutlich. Zudem hatte Brüsewitz weder ein „Nervenleiden“ noch im Privatleben Probleme, die ein solches Handeln erklärten. Auch das angespannte Verhältnis zu seinen Vorgesetzten kann unmöglich der Auslöser gewesen sein.“
Bis in die heutigen Tage hinein wird Brüsewitz' Flammentod zuweilen dennoch als die Tat eines psychisch Kranken hingestellt. Freya Klier stellte dazu klar, die Selbstverbrennung lasse sich nur vor dem Hintergrund seines Lebens der „DDR“ verstehen. Und sie fügte ihre Sichtweise hinzu: „Das ist in der Diktatur als Zeichen glaubhaft. In einem Terrorregime werden die Menschen krank. Ich kenne etliche Fälle, wo die Menschen einfach zermürbt werden in solchen Systemen.“ Das ist, um es klar zu sagen, eine Verurteilung „solcher Systeme“, nicht eine der Menschen, die an ihnen zerbrechen.
„Ringen um individuelle Selbstbehauptung“ in einer Diktatur
Der Theologe und ehemalige Mitarbeiter der Gauck-Behörde, Ehrhart Neubert, wiederum verglich Brüsewitz mit Dietrich Bonhoeffer. Auch Brüsewitz werde eines Tages wie dieser eine positive Symbolfigur für Kirche und Pfarrer in einer Diktatur sein.
In seinem Buch „Geschichte der Opposition in der DDR 1949-1989“ schreibt Neubert auf Seite 275 (2. Auflage 1998): „Die Selbstverbrennung war eine Widerstandsaktion im Ringen um individuelle Selbstbehauptung und gegen die totalen ideologischen Ansprüche der SED. Seine Selbstaufopferung war eine bewußte Handlung, die auf eine öffentliche, politische und kirchenpolitische Wirkung zielte. [...] Zugleich machen die Vorgänge um die Selbstverbrennung deutlich, daß die Kirchenleitungen als Repräsentanten kirchlicher Willensbildung mehrheitlich weder in der Lag waren, die Ereignisse mit und um Brüsewitz als Politikum zu verstehen, noch sie politisch und kirchenpolitisch zu nutzen.“
Neubert weist zudem darauf hin (Seite 277), dass der SED-Führung die Parallelität zur Selbstverbrennung Jan Palachs sehr wohl sofort ins Auge sprang. Und er zitiert aus dem Abschiedsbrief Brüsewitz' dessen Unverständnis gegenüber der auf Ausgleich mit dem Staat bedachten Kirche. Sofort nach dem Ereignis in Zeitz, so Neubert, wurde ein gewaltige Maschinerie von SED und Staatssicherheitsdienst in Gang gesetzt, um die Vorkommnisse entweder völlig zu vertuschen oder die Kirche dazu anzuhalten, alles zu tun, um zu verhindern, dass über die Selbstverbrennung des Pfarrers im Westen in nicht genehmer Weise berichtet würde.
Manfred Stolpe zog Brüsewitz' Aktionen ins Lächerliche
Dazu gehörte auch die Idee, Brüsewitz als Psychopathen darzustellen, eine Idee, die der Magdeburger Probst Friedrich-Wilhelm Bäumer zwar zurückwies, allerdings nicht ohne zu betonen, dass es sich um ein persönliches Problem des Pfarrers gehandelt habe. Der Vorgang sollte unbedingt „entpolitisiert“ werden. Der damals zuständige Staatssekretär für Kirchenfragen, Hans Seigewasser, wurde in dieser Angelegenheit von dem späteren Konsistorialpräsidenten und noch späteren erstem Ministerpräsidenten des Bundeslandes Brandenburg, Manfred Stolpe, zu der Zeit Leiter des Sekretariats im „Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR“, unterstützt. Er, Stolpe, wollte „Solidarität mit dem Staat üben“. Drei Jahrzehnte nach Brüsewitz' Tod hat Stolpe immerhin eingestanden, dass er Brüsewitz damals verkannt und, wie er es nannte, „die Lösung von Einzelsorgen für dringlicher genommen [habe] als die klare Benennung des Grundübels Freiheit“.
Der Pfarrer Achijah Zorn dagegen wird deutlicher: Nach einem Plan B sollten die Medien der „DDR“ demnach der westlichen Propaganda energisch widersprechen und den Fall Brüsewitz folgendermaßen darstellen:
- Das war keine politische Tat, sondern der „Selbstmord eines Verzweifelten“.
- Brüsewitz soll als unnormaler, komischer und psychisch angeknackster Mensch charakterisiert werden.
- Die Kirche selber distanziert sich von diesem Pfarrer.
- Brüsewitz werde unberechtigterweise vom Westen für „verleumderische Hetze“ gegen die DDR instrumentalisiert.
Genau diesen Plan B hatte Stolpe seinerzeit ganz im Sinne der SED unter die Kirchenleute gebracht. Zu Plan A gehörte, die Geschichte von vornherein komplett zu verschweigen und jegliche Berichte in der Öffentlichkeit über die Selbstverbrennung des Pfarrers Brüsewitz sowie über seine Motive zu unterdrücken.
Brüsewitz war im übrigen nicht der einzige Pfarrer in der „DDR“, der sich aus Protest selbst verbrannte. Im vogtländischen Falkenstein zündete sich der weitestgehend unbekannte gebliebene Pfarrer Rolf Günther im September 1978 während eines Gottesdienstes an. Die Tat soll zwar nicht politisch motiviert gewesen sein, doch auch ihm wurde unterstellt, er sei psychisch krank gewesen. Entscheidend ist aber etwas anderes: Die Stasi nutzte das Ereignis, um zersetzenden Einfluss auf die Kirche zu erlangen. Das hatte sehr weitreichende Folgen; sie dürften bis in die Gegenwart hineinreichen.
Der Zeitzeuge und Pfarrer i.R. Edmund Käbisch schreibt dazu in seinem Buch: „Mit dem Fanal begann eine neue Ära der konspirativen Kirchenbearbeitung – besonders für die sächsische Landeskirche, die das Ziel hatte, die Kirche zu schwächen und in der Bedeutungslosigkeit versinken zu lassen. Die von der Stasi eingeleiteten Maßnahmen haben eine Langzeitwirkung, die nicht zwingend mit dem Untergang des DDR-Regimes aufgehört hat.“
So viel zum langen Arm einer untergegangenen Diktatur – die Kirche ist da nur ein Beispiel für.
„ Für mich bleibt das Gedenken an einen ungewöhnlichen, liebenswerten Menschen und Mitbruder. Ein gemeinsamer Freund schrieb Oskar Brüsewitz Gedanken zu aus den ‚Gebeten aus der Arche’; das Gebet der Wildgeiß. Worte, die er sicher nicht selbst gefunden hätte, die jedoch für ihn stimmig sind:
‘Herr, ich habe nach meiner Phantasie gelebt – Phantasie für dich. Ich brauchte ein wenig wilde Freiheit, ein wenig Taumel im Herzen und den fremden Geschmack von unbekannten Blumen. Die Schafe verstehen nichts! Sie rupfen alle und allzeit im selben Sinn und käuen dann endlos wieder.
Ich, ich bin gesprungen inmitten deiner Schöpfung, über Abgründe hinweg, über den Abgrund meines Herzens, dir in die Arme.‚ „
(Zitat: Pastorin Ursula Meckel – Thale)
Zitat:
„Der Theologe und ehemalige Mitarbeiter der Gauck-Behörde, Ehrhart Neubert, wiederum verglich Brüsewitz mit Dietrich Bonhoeffer. Auch Brüsewitz werde eines Tages wie dieser eine positive Symbolfigur für Kirche und Pfarrer in einer Diktatur sein.“
Sorry, aber Bonhoeffer darf hier nicht positiv angeführt werden – er war Nationalist, nicht fundamental gegen Hitler und auch Antisemit! Er störte sich wohl am Führerprinzip und war mit der Verfolgung von christlich getauften Juden nicht einverstanden – was die übrigen betraf war er durchaus deutlich „toleranter “! Sein nachdrücklicher Widerstand gegen Hitler entzündete sich denn auch weder an der Abschaffung der Demokratie, der Judenverfolgung oder dem Kriegstreiben gegen Europa – es war die Ablehnung der Kirchenreformen durch die Deutschen Christen und die Änderung der Gottesdienstordnung.
Bonhoeffer war vieles – aber kein Vorkämpfer für Demokratie und Menschenrechte im heutigen Sinne! Und lange nicht eine solch tragische Figur wie Brüsewitz!
Auch wenn ich die Selbstverbrennung (Was für ein schrecklicher, furchtbarer Tod!) von Pfarrer Brüsewitz als sinnlos verschenktes Leben eines Christen sehe – so haben mich hier einige eiskalte Kommentare – wie z.B. die von Herrn Büche – zutiefst erschreckt.
Wie kalt, wie abgebrüht muss man sein, um hier noch mit dem Argument zu kommen, dass Selbstmord eine Todsünde sei!
Es graust mich vor Ihnen und anderen, die ähnlich hartherzig sind.
Vielleicht wäre es in Ihrem Sinne, dass man Selbstmörder – wie noch vor wenigen Jahrzehnten bei den Katholiken üblich – VOR der Kirchhofmauer beigesetzt hat!
Es gibt Selbstmörder – übelste Verbrecher, die sich einer langjährigen Haftstrafe dadurch entziehen, dass sie sich selbst umbringen.
Und es gibt eben auch Menschen – und das ist die Mehrheit – die sich aus Verzweiflung selbst töten.
So – liebe strenggläubige Katholiken und Evangelen – dann gehen Sie doch bitte zu den trauernden Hinterbliebenen und erklären ihnen, dass ihr Angehöriger/Freund/Kamerad eine Todsünde begangen hat und – was die Katholiken betrifft – in der Hölle schmoren wird!
Nur zu!
Und dann widmen Sie sich aber bitte auch den unzähligen Sünden, die unchristlich sich verhaltende Kirchenleute jederlei Geschlechts nicht nur in der tiefen Vergangenheit, sondern gerade auch in der Gegenwart begangen haben und begehen.
Dankenswerterweise hat de MDR in Gedenken an den Pfarrer ein (zwar schon im Jahr 1992 geschaffenen) Film über Pfarrer Brüsewitz gesendet
„Fragt man einen Tschechen nach der Bedeutung dieses Ortes 30 Kilometer von Prag entfernt, weiß jeder: Dort ruht Jan Palach.“
Widerspruch: Fast niemand weiß es. Die meisten Tschechen sahen und sehen Palach anders als in der gängigen Darstellung. Erstens: Palach war kein Antikommunist. Zweitens: Seine Tat hatte nicht das von Schwärmer erhoffte Ergebnis. Kein Volksaufstand – und die Kommunisten mussten nichts unternehmen.
Ein sinnloser Tod.
Sorry…
Aus „Sorge vor der Ausbreitung des Islam“ verbrannte sich am 31. Oktober 2006, am Reformationstag vor 20 Jahren, der evangelische Pfarrer Roland Weißelberg. Die evangelische Kirche hat den Kompass weggeworfen. Sie tilgt Gewissheiten und unterwirft sich dem Zeitgeist! Hebt alte Bücher auf. Im Internet findet Ihr nicht mehr die wahren Texte. Selbst die Bibel wird laufend in angepasster Sprache neu aufgelegt. Moderne Pfarrer gehen kaum auf die Endzeit ein. Zum Ende des Kirchejahres macht man einen Familiengottesdienst und umgeht so manche Interpretationsnöte. Luthers „eine Feste Burg ist unser Gott“ geht in Vulvenmalen und Gleichgültigkeit gegenüber Lastern zu Grunde. Brüsewitz verzweifelte daran, aber auch unser gläubiger Pfarrer Michael Meusel der später in Großenhain unterging.
Die sogenannte Langzeitwirkung dessen, was mit dem Untergang des DDR-Regimes bei weitem nicht aufgehört hat, ist besonders in der Spitzenforschung noch heute erfahrbar. Nicht selten sind dort Vorhaltungen wie etwa: „Du weißt nicht, wovon du redest“. Jemand, der sich längst mit der Wahrheit vertraut gemacht und sie nicht nur mit dem Kopf, sondern vor allem mit dem Herzen verstanden hat, sieht sich dadurch gesellschaftlich ins Verhältnis gesetzt. Seine Psyche zeigt dann einen nicht-funktionalen Charakter, der bis zur Zerstörung der biologischen Funktionalität reichen kann. Kommt daraufhin ein Mensch zu Tode, sind hierzulande die juristischen Hürden für den Tatnachweis so hoch angesetzt, sodass Straflosigkeit fast schon von Staats wegen garantiert ist. Zwar stünde damit ein „perfekter Mord“ (Metall-Nachrichten v. 9.12.1981) im Raum. Die Kritik findet aber auch künftig kein Gehör.