Orit Arfa, Gastautorin / 13.11.2020 / 06:14 / 23 / Seite ausdrucken

Orit Arfa spricht mit Erica Kasraie: Trump und die Wahrheit über den Iran

Orit Arfa sprach mit der iranisch-amerikanischen Menschenrechtsaktivistin Erica Saghar Kasraie. Ihre Familie floh nach der iranischen Revolution in die Vereinigten Staaten, als die heute 42-jährige Kasraie noch ein Kind war. Als Expertin für den Nahen Osten setzt sie sich für einen freien Iran sowie gefährdete Minderheiten ein. In diesem Sinne organisierte sie vom amerikanischen Kongress veranstaltete internationale Konferenzen in Washington für andere Aktivisten, um die verfassungsmäßige Zukunft eines demokratischen Irans zu planen.

Anfang des Jahres sorgte sie mit einem Video für Furore, in dem sie „Danke, Mister Trump“ sagte, nachdem der iranische Quds-Kommandeur Qasem Soleimani durch einen von Donald Trump befehligten Raktenenangriff ums Leben gekommen war. In besagtem Video äußerte sie:

„Seit wann betrauern wir den Tod eines Terroristen? Manche meiner linken Freunde – sowohl Iraner als auch Amerikaner – haben mich dafür angegriffen, dass ich die Rhetorik meines Volkes wiedergegeben habe. Die Menschen im Iran sind glücklich, dass (Qasem Soleimani), der für das Abschlachten so vieler Menschen verantwortlich ist, weg ist (...) Ich bin gut über die Lage im Iran, im Irak, in Syrien und Afghanistan informiert. Die Menschen in diesen Ländern hassen weder Donald Trump noch Amerika. Im Iran trenden gerade Twitter-Hashtags wie #thankyoutrump. Seht es euch selbst an. Und ganz ehrlich: Alle, die keine Ahnung vom Nahen Osten haben, sollten ihren Senf am besten für sich behalten. Ihr verfälscht damit nur den Informationsfluss. Ihr übertönt die Stimmen derer vor Ort.“

Orit Arfa befragte Erica Saghar Kasraie näher über ihre Haltung zum Iran und wollte von ihr wissen, wie es für sie als Amerikanerin war, die Wahl von Europa aus zu verfolgen. Das lebendige Gespräch können Sie im Video auf Englisch mit deutschen Untertiteln verfolgen. Zusätzlich finden Sie im Folgenden das Gespräch auf Deutsch verschriftlicht.

„Das iranische Volk leidet seit 41 Jahren“

Orit Arfa: Willkommen Erica! Willkommen bei der Orit Arfa Show und willkommen auch in Deutschland!

Erica Saghar Kasraie: Vielen Dank, dass ich dabei sein darf!

Arfa: Sie kommen zu einem sehr interessanten Zeitpunkt nach Berlin. Zunächst einmal herrscht in Deutschland Lockdown. Damit haben Sie wohl nicht gerechnet, als Sie hier herkamen. Oder sagen wir: Es herrscht „Lockdown light“, aber man kann gerade keine Cafés und Restaurants in Berlin besuchen.

Außerdem befinden wir uns mitten in der US-Wahl, die Stimmen werden ausgezählt. Sie sitzen also wie auf glühenden Kohlen.

Kasraie: Absolut! Ich weiß nicht, ob ich es noch aushalte, aber ich versuche, geduldig zu sein. Es war interessant für mich, während der US-Wahlen in Europa zu sein. Ich war während der Wahlen noch nie außerhalb der USA. Deshalb war ich neugierig, zu erfahren, wie die Perspektive von außen nach innen aussieht.

Arfa: Und?

Kasraie: Ich habe mitbekommen, dass vor allem in Deutschland viele Menschen sehr gegen Trump sind. Ich verstehe das nicht, weil ich nicht weiß, wie das die deutsche Politik wirklich beeinflusst. Welchen Unterschied macht es für Deutschland, ob Trump gewinnt oder verliert? Das war also immer meine Frage an die Leute hier: Warum wollen Sie, dass er verliert?

Und so waren die Antworten interessant, besonders in Bezug auf den Iran. Für mich war es wichtig, die politische Position Deutschlands hinsichtlich der Islamischen Republik zu erfahren.

Arfa: Sie haben sich also danach erkundigt?

Kasraie: Nun, als ich nach dem JCPOA (Joint Comprehensive Plan of Action, bekannt als Atomabkommen mit dem Iran, Anm. d. Red.) gefragt wurde, ob Trump meiner Meinung nach das Richtige getan hat, indem er aus dem Abkommen austrat, sagte ich Ja. Und derjenige, der mich gefragt hatte, antwortete: „Aber leidet das iranische Volk nicht darunter?“ Und meine Antwort lautete: „Das iranische Volk leidet seit 41 Jahren. Welchen Unterschied macht es also, ob es Sanktionen gibt oder nicht? Das iranische Volk leidet.“

Und ich fügte hinzu, dass Obama während seiner Regierung der Islamischen Republik 150 Milliarden Dollar in bar gegeben hat. Und dieses Geld ist nicht an das Volk gegangen. Und mein Gesprächspartner war schockiert. Er wusste es nicht; er konnte dem nichts entgegnen.

Und ich glaube, er war irgendwie verblüfft. Er wusste nicht wirklich, was er sagen sollte. Aber während ich mehr und mehr mit den Menschen spreche, wird mir klar, dass Eure Medien sehr parteiisch sind. Diese Dinge werden also nicht diskutiert.

Arfa: Mit „Eure Medien“ meinen Sie die deutschen Medien. Ich bleibe Amerikanerin und Israelin.

Kasraie: Oh, Verzeihung. Ich meine, die Medien in Deutschland sind ein wenig voreingenommen, genau wie in den USA. Ich glaube, dass normale Bürger nicht wirklich genaue Informationen bekommen, wenn es um bestimmte politische Perspektiven geht.

Arfa: Glauben Sie, es geht um Trumps Politik oder um Trumps Persönlichkeit?

Kasraie: Ich glaube, die meisten Menschen haben Probleme mit Trumps Persönlichkeit. Trump ist kein Politiker, und es ist ganz offensichtlich, dass er mit geballter Faust nach Washington gekommen ist. Vielleicht sagt er nicht immer die richtigen Dinge, aber er hat die richtigen Dinge getan.

Er hat jedes Versprechen, das er dem amerikanischen Volk gegeben hat, gehalten. Seit ich in den USA lebe, habe ich viele Politiker Versprechungen machen sehen, die sie nicht gehalten haben, aber Trump war ein Mensch, der sein Wort gehalten hat. Und er hatte Spaß mit den Medien und hat sie herausgefordert, als sie herausgefordert werden mussten, ehrlich gesagt.

Arfa: Sie sind natürlich eine Befürworterin Trumps, weil sie „Iraner für Trump“ gegründet haben. Wann haben Sie damit angefangen? Und warum?

Kasraie: Ich habe ein kleines Fünf-Minuten-Video gedreht und Präsident Trump dafür gedankt, dass er Qasem Soleimani eliminiert hat.

Arfa: Dann schauen wir uns doch mal das Video an. Ich weiß nicht, wie viele unserer Zuschauer es gesehen haben, obwohl es ins Deutsche übersetzt wurde.

Kasraie: Ja, es wurde in viele Sprachen übersetzt. Und das Original auf YouTube hat jetzt über 5 Millionen Klicks. Über vier Plattformen hinweg wurde es weltweit 11 Millionen Mal angesehen. Donald Trump Junior hat es geteilt, und von da an hat es sich einfach irgendwie verselbstständigt.

Arfa: Okay. Dann ein Hoch auf die virale Sensation. Hier ist der Auszug (das Video kann man sich hier in deutscher Übersetzung ansehen):

„Es kommt mir so vor, als würden wir im Zwielicht leben. Ich bin vollkommen empört beim Gedanken daran, dass die Propagandamaschine, die sich Medien nennt, Qasem Soleimani verherrlicht. Wissen die Menschen, dass an den Händen dieses Mannes nicht nur das Blut von Amerikanern, sondern das Blut von Iranern, Irakern, Jemeniten, und Afghanen klebt?

Seit wann betrauern wir den Tod eines Terroristen? Manche meiner linken Freunde – sowohl Iraner als auch Amerikaner – haben mich dafür angegriffen, dass ich die Rhetorik meines Volkes wiedergegeben habe. Die Menschen im Iran sind glücklich, dass (Qasem Soleimani), der für das Abschlachten so vieler Menschen verantwortlich ist, weg ist.“

„Tod Amerika, Tod Israel“

Arfa: Zunächst einmal gefällt mir Ihr Haarschnitt. Wir könnten Schwestern sein.

Kasraie: Oh, dankeschön! Jemand hat mir mal das folgende Sprichtwort gesagt: „Go big or go home!“ Also dachte ich, ich komme frisurentechnisch lieber groß raus.

Arfa: Zurück zum ernsten Thema. Haben Sie jemals Donald Trump Jr. getroffen?

Kasraie: Ja, das habe ich.

Arfa: Haben Sie ihm Ihre Perspektive erläutert?

Kasraie: Ja, natürlich. Und ich danke ihm dafür, dass die Trump-Administration das iranische Volk so sehr unterstützt hat. Während der Obama-Regierung verlor das iranische Volk seine Moral, denn als es auf die Straße ging und fragte, „Obama, gehören Sie zu denen oder zu uns?“, war das eine klare Frage. Gehören Sie zum Regime oder zum Volk? Und Obama hat sich eindeutig für die Seite des Regimes entschieden. Durch dieses Video hatte ich die Möglichkeit, ein größeres Netzwerk im Iran aufzubauen. Und als ich begann, diese Kontakte zu knüpfen, wurde mir klar, dass das iranische Volk Trump wirklich liebt.

Sie betrachten ihn als jemand, der mutig genug war, der Islamischen Republik die Stirn zu bieten. Die Islamische Republik ist ein Tyrann, der in der Region und in der Welt eine Bedrohung darstellt. Ich glaube, Präsident Trump war mutig genug, sich gegen sie zu stellen. Präsident Trump war der einzige Präsident, der auf Farsi getwittert wird. Er sprach direkt zum iranischen Volk. Und ich als Aktivistin dachte: „Wie können wir diese beiden Nationen verbinden, denen beigebracht wurde, sich wegen der Propaganda, die die Islamische Republik ständig unternimmt, gegenseitig zu hassen?“

Als ich im Iran zur Schule ging, mussten wir singen: „Tod Amerika, Tod Israel.“ Wir Kinder wussten nicht, was wir da sagten, aber diese Propaganda hat 41 Jahre lang nicht funktioniert, weil alles, was die Islamische Republik den Menschen sagte, damit sie diese Lügen glauben, am Ende durch die Medien zerstört wurde. Oder vielmehr wegen der sozialen Medien, muss man sagen. Das iranische Volk hat keine Pressefreiheit. Es hat keine Informationsfreiheit, aber die sozialen Medien haben diesen beiden Welten die Möglichkeit eröffnet, sich zu verbinden.

Arfa: Wann sind Sie aus dem Iran geflohen?

Kasraie: Meine Familie floh kurz nach der Islamischen Revolution aus dem Iran. Anfang der 80er Jahre. Die Revolution geschah ja nicht an einem Tag. Sie hat über mehrere Jahre hinweg die gesamte Gesellschaft verändert, sei es durch das Verbrennen von Büchern, das Verbannen der Geschichte des Zweiten Weltkriegs oder durch die Leugnung des Holocaust. Der größte Teil meiner Generation im Iran hatte nie die Gelegenheit, etwas darüber zu erfahren, was während des Zweiten Weltkriegs unter Hitler geschah. Und so ist es für mich eine Ehre, die Kluft zwischen den beiden Ländern, die sich angeblich hassen, überbrücken zu können.

Im Bett mit dem Regime

Arfa: Wie viel Prozent der Iraner, würden Sie sagen, sind gegen das Regime?

Kasraie: Für diese Frage werde ich immer gekreuzigt, denn wenn man mich fragt, sage ich gewöhnlich 90 Prozent. Aber dann wird mir entgegnet: Wo ist Ihr Beweis? Woher wissen Sie das? Wie können Sie es wagen, 90 Prozent zu sagen? Ich denke, weil ich die letzten zehn Jahre meines Lebens damit verbracht habe, mich mit der iranischen Opposition, iranischen Menschenrechtsfragen, der iranischen Politik und außenpolitischen Fragen zu beschäftigen. Ich weiß, dass ich mich am Puls der Zeit befinde. Ich habe Beziehungen zu Menschen im Iran. Die junge Generation im Iran ist eine moderne Bevölkerung. Diese Generation hat es satt, dass ihnen der Islam aufs Auge gedrückt wird, dass ihnen die Religion, die Religiosität ständig vermittelt: „Tu dies nicht! Tu das nicht! Mach es so!“

Das iranische Volk will frei von der Islamischen Republik sein, und jeder, der das Regime noch immer unterstützt, tut es nur, weil er mit dem Regime im Bett liegt und mit ihm Geschäfte macht.

Arfa: Liegt Deutschland auch im Bett mit dem Regime? Und sind Sie von Deutschlands Bilanz enttäuscht?

Kasraie: Ich bin im Moment von ganz Europa enttäuscht. Eigentlich denke ich, dass Europa eine viel, viel stärkere Position einnehmen und die Sanktionen unterstützen sollte. Die Sanktionen funktionieren. Das Regime wird seiner Geldquelle beraubt. Das war der einzige Grund, warum die Islamische Republik an der Macht geblieben ist. Man kann keine Hände schütteln mit Händen, die blutig sind. Die Islamische Republik hat Blut an den Händen, das Blut von vielen, vielen Menschen. Sie exportiert ihren Terror. Und wenn Deutschland und das übrige Europa nicht aufpassen, wird (der Iran seinen) Terror auf eine Weise exportieren, die meiner Meinung nach für die meisten Menschen in dieser Region sehr gefährlich sein wird.

Ich meine, brauchen wir noch einen 11. September? Wir haben gerade gesehen, was in Wien passiert ist. In Frankreich. Was braucht es noch, damit Europa erkennt, dass es gefährlich ist, mit der Islamischen Republik Geschäfte zu machen?

Arfa: Und was motiviert diese Länder Ihrer Meinung nach, weiterhin zu versuchen, in dem sogenannten Iran-Deal zu bleiben, insbesondere Deutschland, das stolz auf sein „Nie wieder“-Versprechen ist?

Kasraie: Das ist ziemlich ironisch, nicht wahr? Ich habe festgestellt, dass die Deutschen sehr höfliche Menschen sind. Sie sagen, was sie meinen, und sie meinen, was sie sagen, und sie wollen nicht beleidigend sein, auch wenn sie sehr direkt sind. Europa fährt die Politik, sich nicht in die Geschäfte anderer Länder einzumischen.

Aber bis zu welchem Punkt? Zu welchem Preis? Stehen Sie dazu und lassen Sie zu, dass die Nummer Eins unter den Sponsoren des Terrors in der Welt weiterhin Terror exportiert und mit ihnen Geschäfte macht und ihnen die Hand schüttelt? Gerade Deutschland sollte es besser wissen.

Arfa: Und doch glauben Sie, dass es hauptsächlich wirtschaftlich motiviert ist?

Kasraie: Auf jeden Fall. Es ist motiviert durch die finanziellen Vorteile für beide Länder.

Manchmal wird es einen etwas kosten, auf der Seite der Wahrheit zu stehen

Arfa: Richtig. Und Sie haben sich hier auch mit Politikern getroffen, meistens von der AfD, richtig?

Kasraie: Ja, ich habe mich mit mehreren Mitgliedern der AfD getroffen. Ich finde, dass sie mutig sind, auch wenn sie eine Minderheit sind. Sie haben sich sehr stark und lautstark dafür eingesetzt, den Iran für seine Menschenrechtsverletzungen zur Rechenschaft zu ziehen.

Wir haben kürzlich einen Herrn namens Navid Afkari verloren. Er wurde vom Regime hingerichtet ...

Arfa: Der Ringer?

Kasraie: Es gibt nur sehr wenige Politiker auf der Welt, die einen politischen Gefangenen im Iran auch nur beim Namen nennen könnten. Und die Tatsache, dass die Mitglieder der AfD die Namen kennen, bereit sind, ins Parlament zu gehen und ihre Namen zu nennen und gegen das Islamische Regime aufzustehen – für mich ist es sehr wichtig, sie persönlich zu treffen und ihnen dafür zu danken. Denn sie werden zu Champions für die Iraner. Wie Sie wissen, werden ihre Reden übersetzt und auf Farsi untertitelt. Es gibt wirklich vielen Menschen im Iran Hoffnung, wenn politische Entscheidungsträger draußen in der freien Welt sie hören und sehen können und wissen, dass die Welt zuhört.

Arfa: Also sind die Iraner mit den anderen deutschen Parteien, die Sie vermutlich noch nicht getroffen haben, nicht zufrieden?

Kasraie: Ich bin offen für Treffen mit anderen Parteien. Ich würde mich gerne auf die „andere Seite“ einlassen, wenn Sie so wollen. Aber es braucht Zeit, um Beziehungen aufzubauen. Ich verstehe die Dynamik nicht, warum sie der AfD so kritisch gegenüberstehen. Ich muss den Grund dafür noch begreifen. Ich glaube, wir leben in einer Zeit, in der man, wenn man die Wahrheit sagt, manchmal Freunde verlieren kann. Ich habe Freunde verloren, weil ich Trump-Unterstützerin geworden bin, aber waren das überhaupt Freunde? Manchmal wird es einen also etwas kosten, auf der Seite der Wahrheit zu stehen.

Arfa: Und wie ist die Stimmung im Iran in Bezug auf die US-Wahl?

Kasraie: Als wir vorhin miteinander sprachen, vibrierte ständig mein Telefon, weil ich so viele Leute im Iran habe, die versuchen herauszufinden, was los ist. Sie nennen ihn „Amu Trump“. „Amu“ heißt auf Farsi „Onkel“, weil sie ihn wie seine Familie sehen. „Wir wollen wissen, ob Amu Trump noch Präsident ist.“

Sie wissen, was ihnen die beiden Ergebnisse bringen werden. Ein Votum für Biden bedeutet, einem Terrorregime weiterhin Macht und Legitimität zu verleihen. Die Alternative ist, dem Regime die Möglichkeit zu nehmen, weiterhin seinen Terror und sein Ansehen beim iranischen Volk zu verbreiten. Ich denke, das ist sehr klar.

Arfa: Sie glauben also, wenn Trump gewinnt, besteht die Chance, dass das Regime unter seiner Regierung fällt?

Kasraie: Auf jeden Fall. Wenn wir mit den Sanktionen fortfahren, wenn wir dem Regime weiterhin den Geldhahn zudrehen, kann das Regime nicht bestehen.

Arfa: Und es wäre ein Grund zum Feiern. Gibt es etwas, das Sie dem deutschen Volk sagen wollen? Sie haben hier die Gelegenheit dazu.

Kasraie: Ich möchte sagen, dass es vor nicht allzu langer Zeit in diesem Land eine Mauer gab, die das Volk aufgrund einer Ideologie spaltete. Und ich fürchte, dass diese Ideologie, die das Volk trennte, beginnt, wieder ihre hässliche Fratze zu zeigen. Und ich möchte den künftigen Generationen dieses Landes sagen, dass sie sehr vorsichtig sein müssen, damit so etwas nicht noch einmal geschieht.

Arfa: Und hinsichtlich des Irans?

Kasraie: Dann möchte ich sagen, bitte stehen Sie dem iranischen Volk bei. Dieses Regime wird sehr bald verschwunden sein, und eines Tages, so wie die UdSSR gestürzt wurde, wird auch die Islamische Republik fallen. Und diejenigen, die an die Macht kommen, werden die künftigen Führer eines freien und demokratischen Iran sein, die mit Deutschland befreundet sein werden, die mit der freien Welt befreundet sein werden, die mit Israel befreundet sein werden. Wir werden die besten Freunde der Vereinigten Staaten sein. Wir würden es begrüßen, wenn diese Beziehungen heute für die Zukunft des Iran gepflegt würden.

Arfa: Kennen Sie eigentlich die Sendung „Teheran" von Apple TV?

Kasraie: Nein, aber es haben mir schon so viele Leute gesagt, dass ich mir diese Sendung ansehen muss.

Arfa: Es geht um die israelischen Mossad-Agenten, die in Teheran eindringen. Man bekommt eine Vorstellung von Teheran. Ich meine, es wird nicht in Teheran gefilmt, aber es zeigt, wie sehr Frauen dort den Schleier tragen müssen. Die Kultur der Proteste und die Gegenkultur gegen die Herrschaft, die Sie sehr gut kennen.

Kasraie: Ja, natürlich. Ich hoffe, dass die diplomatischen Beziehungen eines Tages wieder zu dem werden, was sie vorher waren, und dass Israelis und Iraner hin- und herreisen können.

Arfa: Ich würde gerne mal den Iran besuchen. Ich bin zu einem Achtel Persisch.

Kasraie: Dann führen wir eines Tages vielleicht ein Interview in Teheran.

Arfa: Würden Sie mich rumführen?

Kasraie: Vielleicht nicht durch Teheran, aber auf jeden Fall durch den Nordiran, wo ich herkomme.

Arfa: Super! Können Sie sich gerade überhaupt Deutschland ansehen? Sind Sie in der Lage, das Land zu spüren und das Land im „Lockdown Light“ zu erleben?

Kasraie: Ich bin echt enttäuscht, dass ich keine Cafés und Restaurants besuchen kann, aber ich genieße Deutschland. Ich freue mich darauf, mehr davon zu sehen, ganz sicher. Ich werde viele andere Städte besuchen.

Arfa: Nun, dann müssen Sie wiederkommen, wenn es etwas mehr los ist, und ich werde Ihnen alles zeigen.

Kasraie: Ich nehme Sie beim Wort. Ich danke Ihnen. Vielen Dank für die Einladung.

Arfa: Danke, dass Sie da waren.

Foto: Orit Arfa Erika Kasraie

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Hans-Peter Dollhopf / 13.11.2020

“Arfa: Wie viel Prozent der Iraner, würden Sie sagen, sind gegen das Regime? Kasraie: Für diese Frage werde ich immer gekreuzigt, denn wenn man mich fragt, sage ich gewöhnlich 90 Prozent.” Fragt man mich: “Wie viel Prozent der Deutschen sind gegen das Parteienherrschaftsregime?”, sage ich: “10 Prozent”.

Gabriele Klein / 13.11.2020

PS: Hoffe Frau Kasraie schreibt ein Buch, es würde mich interessieren. Bis jetzt fand ich nichts in diesem Sinne, falls ich mich täusche und es Schriftliches gibt, wäre ich für Hinweise dankbar.

Gabriele Klein / 13.11.2020

Vielen Dank an Achgut, dass Sie dieses Interview möglich machten. Danke dafür es auch jenen zugänglich zu machen die kein Englisch können. Tolle Arbeit!

sybille eden / 13.11.2020

KASRAIE: ” ... ich meine die Medien in Deutschland sind EIN WENIG VOREINGENOMMEN.” Da muss aber jetzt jemand mal wirklich aufklären ! Mit diesem (Nicht)-Wissen darf die Frau nicht wieder nach Hause fahren !

K Bucher / 13.11.2020

Ja in der tat bei diesen Zwei Damen die noch dazu ein sehr Großes Politik wissen darbieten ziehe ich gerne und absolut freiwillig meinen Hut . Leider gibt es viel zu wenige davon . ich kann mich als Heute 55 Jähriger noch ganz Gut an ein ganz anderes Iran erinnern . Man wagt es kaum auszusprechen da haben sich die Frauen es sich tatsächlich getraut ganz Frei und ohne Einschränkung sich etwas am Westlichen Lebensstil zu Orientieren .Das Internet ist voll von Bildern die genau das Beweisen . Und Heutzutage ? IRAN nichts weiter als ein weiterer Islam Staat von 57 die wo nach wie vor den ALLEINIGEN Weltherrschafts Anspruch stellen . Vielleicht sollte man endlich mal berücksichtigen das es Nur einen Israelischen aber INZWISCHEN schon 57 Islam staaten gibt . Alleine um zu erkennen was da nun Wirklich Sache ist . Und was machen Deutsche Politiker ? die wo ANSCHEINEND absolut NICHTS aus dem Hitler Nazi - Islam Pakt siehe : Quelle Focus :  (Nazis und Moslems standen gemeinsam an der Front .. Nazis rekrutierten systematisch Moslems – etwa 600.000 kämpften in Hitlers Armeen. 24.12.2017 )  gelernt haben ? Ganz einfach Sie Gratulieren von HÖCHSTER STELLE dem Islam Mullah Regime zum Jubiläum und für mich ist inzwischen absolut klar Iran ist der zweite Islam Staat nach Pakistan was Real die Atombombe hat . Und da waren alle dabei genauso wie damals in Pakistan . Russland , USA und auch Deutschland , England und Frankreich .Weil Geld steht sei je her über JEDER MORAL .Und stinken tut es auch nicht Hauptsache der Rubel , Dollar Euro rollt .

Ralf Pöhling / 13.11.2020

Sehr schönes Interview mit sehr treffsicheren Aussagen in jede Richtung. Tut gut zu sehen, dass der ganze Aufwand Früchte trägt. Einen großen Dank an die beiden Damen! :-)

Hans-Peter Dollhopf / 13.11.2020

Associated Press Interview vom 10. November 2020: “Germany seeks ‘new deal’ with US under Biden” “The election of Joe Biden as the next US president is an opportunity for the US to rejoin the Iran nuclear accord signed in 2015, German Foreign Minister Heiko Maas told The Associated Press in an interview on Tuesday ... Maas said that, like Washington, Germany takes issue with Iran’s destabilizing role in the Middle East, its ballistic missile program and its threats toward Israel.” Noch mal: “Maas said that, like Washington, Germany takes issue with Iran’s destabilizing role”! Was die kleine rote Null da quasselt, ist Bullshit, weil Trump nämlich den Spieß umgedreht hat und erfolgreich dabei ist, das Terrorregime der Ayatollahs selbst erfolgreich zu destabilisieren, und das will unser Möchtegern-US-Außenmister Maas zusammen mit dem möglicherweise neuen Präsidenten tatsächlich wieder ändern. Die Welt der Schurkenstaaten freut sich schon auf die korrupte Biden-Maas-Connection!

beat schaller / 13.11.2020

@Karl Eduard Danke Herr Eduard für Ihren guten und ergänzenden Kommentar.  Ergänzen möchte ich, dass es natürlich nicht nur Geheimdienste von gewissen Ländern waren. Es gab in dieser langen Zeit auch eine industrielle Entwicklung, auch eine grosse gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung. Diese haben alle auch Facetten, die man nicht ausblenden kann. Das Öl und dadurch die Abhängigkeiten, Der Islam und seine Fanatiker, aber auch viel europäische Staaten haben in den 70zigerjahren gewaltig viel exportiert und von vielen profitiert. Ein Khomeini wurde ja auch von Frankreich beschützt und konnte zur richtigen Zeit ins vorbereitete Nest springen. Im wesentlichen bin ich aber mit Ihren Ausführungen einverstanden. Ich habe auch die Zeit von 1975 und 76 vor Ort gesehen und danach natürlich interessiert verfolgt. Man muss dabei auch die gesamte Instabilität der Region, zu der auch Afghanistan (damals schon mit den Russen ) oder Pakistan, Libyen und der Irak dazu gehörten, mit in die Betrachtung einschliessen.  Es sind schon Hexenkessel, die es da zu befrieden gäbe. Darum finde ich das Gespräch der beiden Damen sehr wichtig und und gut dass es von Frau Kasraie so klar angesprochen wird. Dass allerdings Mass oder Steinmeier oder Macron das gerne mögen, das glaube ich nicht.  b.schaller

Rolf Mainz / 13.11.2020

“Ich bin zu einem Achtel Persisch.” Na dann.

Volker Kleinophorst / 13.11.2020

@ Dr. J. Kunze “Die Aufhetzung der Pakistani gegen die Inder vor dem Abzug der Engländer vom Subkontinent.” Also das in an mehreren Punkten falsch. 1. Es gab vor dem Abzug der Engländer keine Pakistani nur Inder verschiedenster Glaubensrichtungen. Pakistani gab es erst mit der Gründung Pakistans. Ost- und Westpakistan waren erst ein Staat, der sich nach kriegerischen Auseinandersetzungen in Pakistan und Bangla Desh aufteilte. 2. Die Teilung Indiens erfolgte, weil die Verhandlungsführer (Muhammad Ali Jinnah) der Moslems nicht in einem Staat leben wollten, in dem sie nicht die Mehrheit stellen und auf einem eigenen (Gottes)-Staat bestanden.  (Heute wollen die Moslems natürlich auch Indien übernehmem mit Geburtendschihad und illegaler Einwanderung besonders aus den beiden ehemaligen Pakistans.) 3. “Die Radikalisierung der islamischen Welt wurde von den Kolonialmächten effizient voran getrieben.” Der Islam ist keine Folge der Kolonialzeit. Seine Feldzüge die Blutspur u. a. in Indien (Mogulherrschaft) ist nun wahrlich ausreichend dokumentiert. 4. Richtig ist: Die Kapos der Kolonialisten waren häufig die Moslems. Die gehorchten wohl einfach besser. 5. Der Bestseller “Um Mitternacht die Freiheit” (Collins/Lapierre) hilft weiter. Da erfährt man zum Beispiel auch, dass nicht etwa nur “Pakistani” aus Indien flohen, vertrieben wurden. Nein umgekehrt lief es genau so. Alle Ungläubigen flohen aus dem Reichen der Gläubigen. Und wer nicht gehen wollte, dem half man beim Packen.

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