Lachsfarbene Zeitungsseiten lassen sich durchaus unterschiedlich bedrucken. So kann man heute bei Thomas Fricke in der Financial Times Deutschland lesen:
“In den USA wird in diesen Tagen heiß debattiert, wie man Konjunkturpakete optimiert - indem man Steuernachlässe oder Leistungen nur befristet gewährt (um Ängste vor dauerhaft höheren Defiziten gar nicht erst aufkommen zu lassen)? Oder indem man das Geld gezielter denen gibt, die es auch ausgeben? Und wie Automatismen wirken könnten, um in kritischen Zeiten schnell (vorher beschlossene) Konjunkturhilfen zu aktivieren. Ob es klappt, eine Rezession zumindest abzufedern, ist damit noch nicht beantwortet. Fortsetzung folgt. Die US-Debatten wirken aber beruhigender als das gruselige deutsche Gequassel darüber, dass man in Zeiten akuter Konjunkturabsturzgefahr am besten spart, also noch weniger Geld ausgibt - und irgendetwas reformiert.”
So so, gruseliges deutsches Gequassel ist das also, wenn daran erinnert wird, dass man eine Blase nicht durch eine neue Blase ersetzen sollte. Die Vorgeschichte der gegenwärtigen Wirtschaftskrise blendet der Autor hingegen mit einer Blauäugigkeit aus, die einen Terence Hill verblassen lässt.
Aber es geht auch anders. Im lachsfarbenen Original, der Londoner Financial Times, kommt nämlich Ricardo Hausmann zu Wort, der an der Harvard University das Center for International Development leitet:
“Returning to a sustainable path is good for the US and the world economy over any horizon that assigns some value to what happens after 2008. Sustainable growth is not the consequence of an unsustainable consumption boom but of the progress and diffusion of science, technology and innovation – which show no sign of slowing down. ... Macroeconomic policy should not be based on a panicky attempt to avoid a 2008 recession at all costs but on a forward-looking strategy that achieves the needed reduction in consumption at the lowest cost in terms of the stable growth. ... The US should face its need for adjustment with courage and reason, not fear. It should stop behaving as the whiner of first resort, ready to waste all its dry powder on a short-sighted attempt to prevent a 2008 recession.”
Bei so viel “gruseligem deutschen Gequassel” war es vielleicht nicht die schlechteste Entscheidung, dass sich die Eigentümer der Londoner FT entschlossen haben, sich von ihrer verlustbringenden deutschen Tochter FTD zu trennen.
Nachtrag: Nachhilfe für Chefökonom Fricke gibt es bei Statler von den Antibürokraten.