Gastautor / 31.05.2021 / 12:00 / 8 / Seite ausdrucken

„Operation Abendsonne“ außer Rand und Band 

Von Florian Simon Eiler.

Wissen Sie, was die „Golden Hour“ ist? Nein? Es ist der hypnotisierende Effekt, der entsteht, wenn das letzte Brennen der Abendsonne allmählich verblasst und die Sonne sich am Horizont langsam verabschiedet. In diesen engen Zeiträumen muss man den Auslöser drücken und zwar pausenlos. Uli Weber, ein deutscher Starfotograf, und so etwas wie der „Godfather“ der Sonnenuntergangfotos, macht genau das und dient vielen Lichtbildnern als Inspiration. 

Gut, die Schnappschüsse der Bundesbürger in dieser Kategorie fallen dieses Jahr vielleicht ein bisschen anders aus: Man sitzt und schwitzt nicht in Santorin, sondern auf der Dachterrasse von Neumünster (eine gemeinsame Ablichtung wird schwierig zwecks 1,5 Meter Sicherheitsabstand!) und hat nicht einen „Hugo“ vor der Nase, sondern ein partikelfiltrierendes, dreilagiges Vliesteil. Liest sich erst einmal deprimierend, doch es gibt Hoffnung! Der Superlativ des Sunsets befindet sich nämlich aktuell im Herzen Berlins – genauer – zwischen Bendlerblock und Kanzleramt. 

„Operation Abendsonne“ durchflutet dort die Flure und Büros der Ministerien. Hier ist alles Andere angesagt als Füße mal schön nach oben legen und abchillen, sondern die Devise lautet: auf der Lauer sein, Ellenbogen ausfahren und monetär mitnehmen, was zum Mitnehmen ist, bevor der untergehende Planet einen mitreißt!

Die Namensgebung für diesen Aktionismus der Politiker-Elite erfolgte durch kritische Journalisten (die gab es wirklich!), die sich in grauer Vorzeit erdreisteten, die Beförderungspraktiken der Regierenden am Ende einer Legislaturperiode anzuprangern. Das Prozedere ist wie folgt: Ein paar Monate vor der Wahl versorgen die Giffeys, die Kramp-Karrenbauers und die Maasens den einen oder anderen Weggefährten mit einem lukrativen Pöstchen auf Lebenszeit. Es wird eingestellt und befördert, „was das Zeug hält“ so, als gebe es kein Morgen. 

Gehen wir das Thema tiefenpsychologisch an

Bei der Signierungsgeschwindigkeit eines Peter Altmaier auf Ernennungsurkunden verblasst Uli Webers Fotografen-Daumen vor Neid. Laut Bild am Sonntag gönnte sich die Regierung seit Jahresbeginn 71 neue Top-Jobs – doppelt so viele wie in den zwei Jahren zuvor. So schuf beispielsweise das Wirftschaftsministerium unter dem schwergewichtigen Pitbull (CDU) seit Jahresbeginn 18 neue Stellen für besonders Talentierte in Besoldungsstufe B (mind. 8305 Euro/Monat).  Ihm folgt das Verteidigungsressort unter AKK (CDU) mit elf, Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) mit zehn und Andreas Scheuer (CSU) mit fünf und so weiter…

Stopp! Jetzt nur nicht vorschnell den Daumen über unsere politische Elite senken. Gehen wir stattdessen das Thema tiefenpsychologisch an mit einem personifizierten Beispiel und zwar mit unserem Andi, dem Star der neuen, jungen, erfrischenden Politikergeneration: Mobilitätsvisionär, „Mautdesastor“ und Bazi in einem. Die untergehende Sonne ist für ihn nicht nur ein Bild – sie ist sein Schicksal. Was mag gerade in seinem Kopf vorgehen? Wie kann er diesem Defätismus entfliehen?

Ganz einfach – er lässt noch mal richtig die „Sau raus“ und schmeißt eine Runde nach der anderen in der Bundestagskantine nach dem Motto: „Ahh, is eh scho wurscht. Zoin doan eh de andern.“

Ortswechsel: Zurück nach Neumünster. 

Tja, und was bleibt uns als „Lockdown – erprobten“ Bürgern noch übrig? Improvisieren! Den verstaubten Kassettenrekorder aufs Dach holen und den Titel vom sonnenverwöhnten Vico Torriani abspulen: „Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt… ziehen die Fischer mit ihren Booten aufs Meer hinaus …und sie legen im weiten Bogen die Netze aus…“

 

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Foto: Pixabay

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Leserpost

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F. Michael / 31.05.2021

Die Politiker greifen mit vollen Händen in unsere Steuergelder, als gebe es kein morgen mehr, die übigen Rentenansprüche muss dann das Volk wieder mit Steuern erwirtschaften bei einem Reallohn der zum Leben kaum reicht und zum Dank wird die Rente durch Doppelbesteuerung immer weiter gekürzt. Danke an die Blockparteien, das ist nicht mehr mein Land, verkommenes Politikerpack (lt. Hr, Gabriel umgangsprachlich).

Lutz Jordan / 31.05.2021

@ Michael Schneider: Rudi Schuricke hatte es 1943 drauf, das Lied endet mit der Perle des Tenors, dem hohen C!  Schuricke war mit der später aufgenommenen Version in den 50ern der Star, wir Gören haben aber immer “Wenn bei Capri die Rote Flotte im Meer versinkt” gegröhlt.

Lin Fischer / 31.05.2021

Was für eine romantische Art, Karriere zu machen - leider auf Kosten der Qualität!

Wolfgang Richter / 31.05.2021

Da wegen irgendwas mit Plandemie Karneval abgesagt wurde, fiel also auch das beliebte Kamellewerfen aus. Dafür gibts halt jetzt Euronen wie bei Frau Holle die Schneeflocken. Scheint ja noch genug in den Kassen zu sein. Und ob das Loch in Scholzens Staatskasse nun 100 Milliarden ausmacht oder 101, macht doch den Kohl nicht mehr fett. Zahlen im übrigen doch eh die Anderen, zu finden in der stetig schrumpfenden Zahl der Noch-Steuern-/Beitragszahler. Am Ende wird einfach die Insolvenz ausgerufen und mit 40 Euronen für alle an irgend einem sonnigen Feiertag der Neustart ausgerufen.

Dr.Jäger / 31.05.2021

Das Lied der “Capri-Schubser”: “Wenn am Abend der rote Capri im Meer versinkt, und das Lied der Antifa dazu erklingt, dann weiss jeder, jetzt ist es soweit, nach Zivilisation kommt die grüne Steinzeit” Oder so.

alf graef / 31.05.2021

Das Schöne oder auch Beschissene daran ist, dass dies nicht nur auf Bundesebene der Fall ist, sondern auch in den Länder gängige Praxis darstellt. Liebe Leute, “die schon länger hier leben”. Man muss festhalten, dass das Politikerpack in einer eigenen Blase lebt. Da hat niemand anderes was darin zu suchen, jedenfalls solange regiert wird. NUR die Wahlen bieten die Möglichkeit für Veränderung.  ABER hat sich bisher je was verändert? Nö. Nix. Nothing. Auch künftig bleibt alles beim Alten. Wetten dass… Mein Motto. Wir finanzieren eine unglaublich hohe Anzahl pol. Blindgänger, da kommt es auf ein paar mehr nicht mehr an. Tut weh, richtig weh. Aber es ist wie es ist. Was bleibt? Resignation pur!

Michael Schneider / 31.05.2021

Die Capri-Fischer sind von Rudi Schuricke, veröffentlicht 1943.

Florian Bode / 31.05.2021

Das der Scheuer Andi im Siedlungsgebiet ein Ministeramt bekam, sagt sehr viel über die Havarie des Narrenschiffes aus.

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