Wolfgang Zoubek, Gastautor / 22.01.2022 / 06:00 / Foto: Pixabay / 41 / Seite ausdrucken

Omikron in Japan

In Japan verläuft der Winter bisher normal. Im Nordwesten fiel, auch wenn es seit Weihnachten recht kalt war, bei weitem nicht so viel Schnee wie letztes Jahr. Und die Sorge, dass durch einen starken Wintereinbruch die flächendeckende Energieversorgung wegen möglicher Engpässe gefährdet sein könnte, hat sich bisher als unbegründet erwiesen. Die Energiepreise sind im neuen Jahr allerdings auf ein sehr hohes Niveau geklettert.

An der Virusfront verlief die Entwicklung nicht so positiv, da gab es starke Einbrüche in die Verteidigungslinie. Bis Ende letzten Jahres war die Lage noch entspannt, doch im Januar änderte sich die Situation rasant. Auch ohne Experte zu sein, war diese Entwicklung absehbar, denn das Auf und Ab der Infektionswellen ist mittlerweile seit zwei Jahren bekannt.

Nicht nur in Japan, überall geben die verantwortlichen Politiker vor, dass sie mit ihren Maßnahmen das Infektionsgeschehen beeinflussen und einschränken könnten. Doch dabei markieren sie vor den Kameras nur den starken Max, während sie tollpatschig wie Clowns mit ihren überlangen Schuhspitzen den bunten Luftballon Corona nur immer weiter durch die Manege kicken, ohne ihn zu fassen zu kriegen. 

Japan hat zwar keinen Lauterbach und keinen Mückstein, was den Unterhaltungswert senkt, denn so offensichtlichen Unsinn wie diese beiden redet in Japan niemand. Aber es gibt doch auch den einen oder anderen, bei dem man sich an Comical Ali aus dem Irakkrieg erinnert. Der behauptete in Fernsehinterviews auch, dass Saddam Hussein alles unter Kontrolle hätte und der Krieg gewonnen würde, während im Hintergrund schon die feindlichen Panzer durchs Bild rollten.

Bis Mitte Dezember hatte sich die Regierung in Japan noch zurücklehnen und so tun können, als hätte sie alles bestens im Griff, denn da verharrte die Inzidenz über Wochen auf äußerst niedrigem Niveau. Es gab im ganzen Land im Schnitt nur 100 bis 150 Neuinfektionen pro Tag, und in vielen Regionen lag die Zahl sogar über lange Zeit bei 0. Erst kurz vor Weihnachten stiegen die Zahlen wieder leicht an, ehe im Januar die Infiziertenzahl überall stark nach oben schnellte. 

Am 30. November ging der erste Fisch ins Netz 

Dass es so kommen würde, war aber nach den bisherigen Erfahrungen zu vermuten gewesen. Es wiederholte sich damit einerseits die Entwicklung vom Vorjahr, andererseits hatten sich seit Ende November Meldungen gemehrt, dass aus Südafrika kommend eine neue Corona-Mutation weltweit auf dem Vormarsch sei. Daraufhin hatte der neue Premierminister Kishida Ende November umgehend ein Einreiseverbot für Ausländer erlassen und war dafür nicht nur in den Medien als Retter Japans gefeiert worden, sondern konnte damit auch seine bisher eher mäßigen Beliebtheitswerte aufmöbeln.

Ich weiß nicht, wer in Japan so naiv war, ernsthaft zu glauben, dass die Omikron-Variante damit auf Dauer von Japan ferngehalten werden könnte. denn Omikron war Ende November nicht nur in Afrika, sondern längst auch in Europa und Amerika nachgewiesen worden. Und was vor allem hätte stutzig machen sollen, sogar in Australien, obwohl dort noch eine viel rigorosere Abschottungspolitik als in Japan verfolgt wird. Dorthin sind Flugreisen noch viel mehr eingeschränkt, und trotzdem war die neue Virusvariante ins Land gekommen. Kishidas Maßnahme war daher schon unter diesen Umständen fragwürdig, und als die tatsächlichen Verbreitungswege bekannt wurden, erwies sie sich vollends als Witz.

Da sich auf japanischen Flughäfen alle aus dem Ausland ankommende Passagiere PCR-Tests unterziehen müssen, war es nur eine Frage der Zeit, wann der erste Omikron-Infizierte auftauchen würde. Und siehe da, prompt ging schon am 30. November der erste Fisch ins Netz. Es betraf einen Diplomaten aus Namibia, und schon am nächsten Tag folgte ein weiterer Passagier aus Afrika. Der aufmerksame Medienkonsument lernte also, Ausländer ist nicht gleich Ausländer. Für Inhaber von Diplomatenpässen gilt das Einreiseverbot nicht. 

Kishida konnte sich aber vorerst noch in seiner Rolle als Beschützer Japans sonnen, denn es sah ja so aus, als seien seine Maßnahmen von Erfolg gekrönt. Als nächstes fanden sich unter den Omikron-Infizierten aber auch Japaner, die von Auslandsreisen zurückkehrten, und das nicht nur aus Afrika, sondern aus allen Teilen der Welt. Und alle erwiesen sich als doppelt, manche sogar dreifach geimpft. Der weise Staatenlenker hatte aber zusätzlich angeordnet, dass nicht nur die positiv getesteten, sondern alle im selben Flugzeug befindlichen Passagiere unabhängig von ihrem Testergebnis als Kontaktpersonen eingestuft und in Hotels am Flughafen interniert werden sollten. 

Innerhalb weniger Tage stieß man an Kapazitätsgrenzen

Diese Maßnahme führte sehr rasch zum Chaos, denn täglich kamen nun Flugzeuge mit Passagieren, die positiv auf Omikron getestet wurden, an. Bislang galt die Regel, dass man sich als aus dem Ausland kommender Reisender auch bei negativem PCR-Test für zwei Wochen in Selbstisolation begeben musste. Doch wer bei der Heimfahrt nicht auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen war, konnte die 14 Tage auch in seinen eigenen vier Wänden verbringen. Jetzt wurden ganze Flugzeugladungen in Hotels verfrachtet, und das stieß natürlich innerhalb weniger Tage an Kapazitätsgrenzen.

Hinzu kam, dass bald auch im Inland mit Omikron infizierte Japaner entdeckt wurden, die gar nicht im Ausland gewesen waren, sondern sich irgendwo in ihrem Umfeld angesteckt hatten. Der erste dokumentierte Fall betraf eine Familie in Osaka, aber bald gab es solche Fälle in allen größeren Städten. Omikron war längst in Japan präsent, ohne dass irgendeine Maßnahmen das hätte verhindern können. Und der Clou war, dass von den Einreiseverboten nicht nur ausländische Diplomaten exkludiert waren, sondern sie für eine gewisse Gruppe überhaupt nicht galten, das waren die in Japan stationierten US-Soldaten. Die konnten und können ungehindert einreisen, brauchen sich weder von den japanischen Einreisebehörden kontrollieren zu lassen noch sich PCR-Tests zu unterziehen. 

Kurzer Exkurs: Japanische Politiker handeln in der Beziehung aus Eigeninteresse, und auch Kishida findet nichts dabei, dass amerikanische Militärs in Japan machen können, was sie wollen. US-Jagdflieger lieben es, in Tiefflügen über Wohngebiete hinwegzurauschen, und Landungsmanöver können an Küsten, wo die Natur zerstört wird, geprobt werden, ohne dass Politiker dagegen Einspruch erheben. Yukio Hatoyama war der erste und einzige japanische Premierminister, der es gewagt hatte, sich an die Seite der Bevölkerung Okinawas zu stellen und von den Amerikanern – damals noch unter Obama – die Verlegung eines Stützpunktes zu verlangen. Das Ergebnis seines Vorhabens war, dass er auf voller Linie scheiterte und 2010 nach nur neunmonatiger Amtszeit zurücktreten musste.

Zurück in die Gegenwart: Im Januar 2022 gab es im Camp Hansen auf Okinawa einen großen Cluster mit Omikron-Infizierten. Selbstverständlich hatten die Japaner keine Möglichkeit, dagegen einzuschreiten. Und die amerikanischen Militärs ließen sich mit der Verhängung einer Quarantäne Zeit. Die Soldaten konnten noch tagelang ungehindert das Camp verlassen, um Einkäufe zu machen, Restaurants oder Kneipen zu besuchen. Daraufhin explodierten in Okinawa in kürzester Zeit die Infektionszahlen. Ähnlich ging es in der Präfektur Yamaguchi zu, wo sich ebenfalls ein amerikanischer Militärstützpunkt befindet. 

Krankenhäuser in Okinawa hoffnungslos überfüllt

Seit der Zeit hörte man nichts mehr von Passagieren, die bei der Einreise positiv auf Omikron getestet worden waren. Dafür hatten sich Kishida und sein Beraterstab eine neue Maßnahme ausgedacht, um Omikron unter Kontrolle zu bekommen. Es wurde angeordnet, dass alle im Inland positiv getestete Personen in Spitäler zur Beobachtung eingeliefert werden sollten, unabhängig davon, ob sie Symptome zeigten oder nicht. Diese Anordnung führte innerhalb weniger Tage dazu, dass die Krankenhäuser in Okinawa hoffnungslos überfüllt waren, sodass die Maßnahme, kaum verhängt, wieder zurückgenommen werden musste.

Und eine weitere Regelung wurde binnen kurzem korrigiert. Bei bekannt gewordenen Omikronfällen mussten alle Kontaktpersonen – egal ob infiziert oder nicht – sich für vierzehn Tage in Selbstisolation begeben. Das hatte aber den Effekt, dass in den besonders belasteten Krankenhäusern auch viele Ärzte und Pflegekräfte als Kontaktpersonen eingestuft wurden und darum nicht zum Dienst erscheinen durften. Diese glorreiche Maßnahme wurde aber nicht aufgehoben, sondern nur entschärft. Es wurde verlautbart, dass die Selbstisolation für sogenannte essential workers auf 10 Tage reduziert werden und in Notfällen mit negativen PCR-Tests sogar ganz ausgesetzt werden könnte. Wenn Letzteres aber gefahrlos möglich ist, stellt das im Grunde die ganze Maßnahme infrage.

Inzwischen steigt die Zahl der Neuinfektionen von Tag zu Tag sprunghaft an. Am 17. Januar waren es in ganz Japan über 20.000, am 18. waren es über 30.000, am 19. schon über 40.000 und am 20. Januar 46.000. In Tokyo allein steuert die Zahl auf 10.000 täglich Infizierte zu. Das sind Höchstwerte, wie es sie weder vor einem Jahr noch im August und September zur Zeit der Olympischen Spiele gab. Die hohen Zahlen hatten im September den Premierminister Suga noch das Amt gekostet, aber an Kishida wurde noch keine Kritik laut.

So wie in anderen Ländern steigen in Japan nur die positiven PCR-Testraten, nicht die Zahlen der schweren Fälle und der Toten. Kishidas Strategie, Japan omikronfrei zu halten, ist zwar grandios gescheitert, aber er bleibt bei seinem Aktionismus. Vor einer Woche ließ er schon in Okinawa, in Yamaguchi und in Hiroshima den Ausnahmezustand ausrufen, und ab 21. Januar gilt der auch in Tokyo und 12 weiteren Präfekturen. Dies erlaubt Einschränkungen bei den Öffnungszeiten in Restaurants und Kneipen, bis hin zu Verboten von Alkoholausschank, sowie eine Beschränkung der Anzahl von Gästen.

Das Konzept der erlernten Hilflosigkeit

Die Reaktion der Bevölkerung in Japan ist weitgehend zustimmend, von Protesten keine Spur. Selbst die Kneipenbesitzer, denen Verdienstausfälle drohen, geben sich verständnisvoll. Bezeichnend war ein Interview mit einer Kneipenwirtin in Okinawa, deren Lokal sich in unmittelbarer Nähe des Camp Hansen befindet und darum oft von amerikanischen Soldaten frequentiert wird. Sie sagte, sie hätte sich gewünscht, dass die Maßnahmen gegen Omikron eher gekommen wären, und die Amerikaner schon früher Ausgangsverbot erhalten hätten. Aber ihre Kneipe selbst zu schließen, oder die amerikanischen Gäste mit Hinweis auf die Ansteckungsgefahr abzuweisen, den Mut hatte sie nicht. Als dann die Verbote von oben kamen, fand sie das okay, denn so brauchte sie keine Verantwortung zu übernehmen.

Aus meiner Sicht ist das ein typisches Verhalten in der Coronakrise, das sich in vielen Ländern, nicht nur in Japan, beobachten lässt. Das erinnert an das Konzept der erlernten Hilflosigkeit. Menschen geben jede Eigeninitiative auf, lassen sich von politischen Willkürmaßnahmen piesacken und dabei einreden, dass die Regierenden es doch nur gut mit ihnen meinen. Sie sitzen wie das Kaninchen vor der Schlange, starren mit schreckgeweiteten Augen auf die verkündeten Infiziertenzahlen und nehmen alle Verordnungen hin, ob sie Sinn machen oder nicht. Nach zwei Jahren Pleiten, Pech und Pannen glauben noch immer viele, das Virus wäre zu besiegen, wenn nur alle im Kampf dagegen mitmachten. Solange es solche unbedarften Leute gibt, ist es begreiflich, dass Politiker keine Gelegenheit auslassen, die Bevölkerung zu kujonieren, weil es ihre Position stärkt und ihre Machtfülle erweitert. Für Fehlentscheidungen brauchen sie nicht geradezustehen, sie können darauf zählen, dass es nicht hinterfragt wird, wenn sie falsch lagen.

Ich muss aber sagen, dass mir die Situation in Japan, so sehr sie sich auch verschlechtert, im Vergleich zu Europa immer noch relativ entspannt erscheint. Die Medien haben ihren alarmistischen Ton aufgegeben, und dort, wo ich wohne, sind die Infiziertenzahlen derzeit noch niedrig, sodass vorerst kein Ausnahmezustand droht. Die Leute in meiner unmittelbaren Umgebung gehen recht locker mit der Corona-Gefahr um. Im ganzen letzten Jahr erlebte ich so gut wie keine Einschränkung. Sowohl Reisen im Inland als auch ins Ausland waren möglich, auch wenn sich die Regierung einige Schikanen ausdachte, um Leute davon abzuhalten. An meinem Arbeitsplatz gab es ebenfalls keine Probleme, an der Universität fand von April 2021 bis jetzt ungestörter Präsenzunterrricht statt, nur Exkursionen und Studentenpartys wurden abgesagt. 

Das Ideal einer harmonischen Gesellschaft

Am Misslichsten empfand ich, dass zu Weihnachten kein Heimatbesuch möglich war, denn aufgrund des Einreiseverbots hätte ich dann nicht mehr nach Japan zurückkommen können. Ansonsten kann ich mich im Land frei bewegen, kann überall ungetestet hingehen und werde nirgends nach dem Impfstatus gefragt. 

Über 70 Prozent der Japaner sind doppelt geimpft, und die Booster-Impfungen für Senioren liefen im Dezember an, aber das war bereits vor dem Auftauchen von Omikron so geplant. Obwohl auch in Japan bekannt ist, dass die genbasierten Vakzine von Pfizer und Moderna gegen Omikron nicht wirken, wird dennoch die dritte Impfung empfohlen. Kishida gab bekannt, dass er sich mit Moderna boostern lassen will. Die Kombination zweimal Pfizer und ein Booster mit Moderna soll angeblich eine gewisse Wirkung entfalten. Eine Impfpflicht ist bislang in Japan kein Thema, aber die Impfempfehlung für Kinder ab fünf Jahren kam wieder auf die Agenda, denn Kinder sollen sich mit Omikron öfter anstecken als mit früheren Virusvarianten. Es mussten deshalb einige Kindergärten vorübergehend gesperrt werden.

Mein Eindruck ist, dass sich in Japan schon seit Sommer die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass die „Impfungen“ allein keinen Ausweg aus dem Infektionsgeschen bieten. Stattdessen geht man dazu über, mit neuen Medikamenten frühzeitig eine Behandlung infizierter Personen zu beginnen. Bisher wurden positiv Geteste wie auch in anderen Ländern zuerst nach Hause in Quarantäne geschickt und dort ihrem Schicksal überlassen. Eine medizinische Betreuung bekamen sie erst, wenn sie schwere Symptome entwickelten, was dann in manchen Fällen zu spät geschah.

Angeblich sind in den von Corona besonders stark betroffenen Gebieten derzeit zwischen 20 bis 30 Prozent der Krankenhausbetten mit Covid-19-Fällen belegt. Das sind allerdings keine Durchschnittszahlen, in Nachbarregionen sind es viel weniger. Was in Japan jedoch verblüfft, ist, dass über das Verhältnis zwischen Geimpften und Ungeimpften bei den Hospitalisierungen keine Zahlen veröffentlicht werden. Es gibt dafür drei mögliche Gründe. Erstens, dass die Zahlen nicht erhoben werden. Zweitens, dass man in Japan auf das Ideal einer harmonischen Gesellschaft Wert legt und darum die Bevölkerung nicht unnötig spalten will. Drittens wäre es denkbar, dass eine zu hohe Zahl von Geimpften in den Spitälern kontraproduktiv für die Impfpropaganda wäre und man deshalb auf die Veröffentlichung verzichtet.

Im Großen und Ganzen ist die Reaktion bisher recht vernünftig 

In meinem japanischen Bekanntenkreis habe ich in den letzten beiden Jahren von keiner Ansteckung gehört. Nur im Herbst 2020 saß einmal eine infizierte Studentin in meinem Kurs. Da ich keine überfüllten öffentlichen Verkehrsmittel benutzen muss, komme ich selten in nahen Kontakt zu anderen Menschen, denn man hält in Japan schon aus kulturellen Gründen meist Abstand. Zum Beispiel gibt man sich beim Begrüßen nicht die Hand, sondern begnügt sich mit Verbeugungen. Küsschen zur Begrüßung wurden auch in Zeiten vor Corona nie verteilt und Besuche in Privatwohnungen finden auch nur in Ausnahmefällen statt, zum Beispiel im Rahmen der traditionellen Festlichkeiten zu Neujahr. So ergaben sich nur selten Gelegenheiten, bei denen ich mich hätte anstecken können, es genügte, dass ich mich an die üblichen Hygiene-Maßnahmen hielt.

Alles Geschilderte stellt allerdings nur eine Momentaufnahme dar, schon morgen kann sich wieder etwas ändern. Es braucht nur einen Omikron-Fall unter den Studenten zu geben, und die Uni stellt wieder auf Digitalunterricht um. Allerdings beginnen im Februar schon die Semesterferien. Die Infektionswelle wird wie gehabt in den nächsten Wochen weitergehen, ehe sie im wärmer werdenden Frühjahr wieder abflaut. So war es bisher immer, egal welche Maßnahmen ergriffen wurden.

Von Ausnahmen abgesehen, muss ich sagen, dass mir im Großen und Ganzen die Reaktion auf Corona in Japan bisher recht vernünftig erschien, vor allem im Vergleich mit den überzogenen Maßnahmen in Deutschland und Österreich. Ob man auch in Japan so wie in Spanien und England umschwenken und es zulassen wird, dass sich mehr Menschen mit der relativ harmlosen Omikron-Variante anstecken und sich damit auf natürliche Weise immunisieren, wird man sehen. Bei einer Parlamentsdebatte hatte Kishida noch einen Strategiewechsel abgelehnt, nachdem ein Abgeordneter gefordert hatte, mit Omikron wie mit einer normalen Influenza umzugehen. 

Foto: Pixabay

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S.Buch / 22.01.2022

Danke für den interessanten Bericht.

lutzgerke / 22.01.2022

@ Kostas Aslanidis Keine Sorge, Herr Aslanidis. Schauen Sie die 2 Arte-Dokus “Das Erbe des arabischen Frühlings”. Das ist nur die Ruhe vor dem Sturm.

Ludwig Luhmann / 22.01.2022

Schade, dass keine Zahlen zur Exzessmortalität oder zum Thema Mortalität durch und mit Corona inkl. der Komorbiditäten vorliegen. Benutzen die Japaner auch den von Drosten eingestellten PCR-Test? Wie lauten die Meinungen der Japaner zu diesem Schlüsselelement - “PCR-Test” - dieser sog. “Pandemie”?

Ralf Pöhling / 22.01.2022

Und weiter: Dieses Phänomen zeigt sich auch in der Coronakrise. Eine gute Organisationsstruktur funktioniert nur dann, wenn man diese Struktur jeweils vor Ort anhand einfacher Zielsetzungen selbst autark agieren lässt. Wenn die ganze Organisationsstruktur von einer einzigen Spitze aus gesteuert wird und dieses Spitze aufgrund mangelnder Kompetenz/Überblick oder eventuell durch Fremdsteuerung versagt, dann versagt das ganze System. Die Grenzen komplett zu schließen und jeglichen Reiseverkehr zu unterbinden, also so, wie man es in Japan zunächst andachte,wäre richtig gewesen. Wie man auch die Schotten in einem U-Boot schließt, wenn ein Teil des Bootes leckschlägt, damit in den Rest des Bootes kein Wasser eindringt. Das funktioniert aber nur dann, wenn wirklich alles geschlossen wird und niemand mehr durchkommt, bis die Infektion außerhalb des Landes ausgebrannt ist. Wer die Leute aber dann doch einreisen lässt und erst im eigenen Land in Quarantäne verschiebt oder dies nicht einmal tut, weil sie diplomatische Sonderrechte haben oder sogar nur dem Ausland unterstehen und an der japanischen Regierung vorbei ein und ausreisen, funktioniert das natürlich nicht. In Deutschland haben wir exakt das selbe Problem: Während die Zivilbevölkerung weitgehend eingesperrt worden ist, ist der Zustrom von Reisenden über den Flugverkehr, der Autoverkehr innerhalb der EU und besonders auch der Zustrom illegaler Flüchtlinge gar nicht unterbunden worden. Was dann unweigerlich dazu führte, dass sich die Infektion hier ausgebreitet und die Wirtschaft lahmgelegt hat. Was nicht nur unzählige Existenzen ruiniert hat, sondern die Inflation durch die Hilfszahlungen in selten gesehene Dimensionen treibt. Eigentlich hätte es von oben nur eine Order an alle Länder geben müssen: Sofort Tür zu. Denn wenn man nicht das ganze Land vor der Infektion schützt, muss man am Ende jeden einzelnen im Land in Quarantäne setzen. Und das ist weit mehr Aufwand und weit mehr Schaden, als ein temporäres Abschotten.

Ralf Pöhling / 22.01.2022

Vielleicht kennt der ein oder andere hier die japanischen Godzilla Filme aus den 60ern und 70ern. Die Handlung ist immer die selbe: Ungetüm zerstört Stadt, Politik schwafelt im Sitzkreis, das Militär richtet mehr Schaden an als Nutzen und am Ende retten ein paar Wissenschaftler und ihr bürgerliches Umfeld die Menschheit. Das hat einen Grund, warum die Filme alle so angelegt sind: Nach Ende des Zweiten Weltkrieges ging die Stimmung der Japaner gegen ihr eigenes Militär und seine Führung, weil es faktisch versagt hat und die Japaner den Krieg verloren.  Den Krieg gewonnen hat aber nicht das amerikanische Militär, sondern die Wissenschaftler mit der Atombombe. Es gibt zwischen Japan und Deutschland durchaus Parallelen. Nicht umsonst nannte man Japan mal das Preußen Asiens. Militärischer Drill und die daraus entstehenden exzellenten Organisationsstrukturen sind einer Gesellschaft förderlich. Es macht sie krisenfest, weil jeder einzelne gedrillt wird. Aber: Je zentraler diese Organisationsstrukturen dann gesteuert werden, desto mehr schlägt die Fehleinschätzung eines einzelnen auf das gesamte System durch und lässt es versagen. Die Wehrmacht hat in der ersten Hälfte des Zweiten Weltkrieges mit dem “Blitzkrieg” nie gesehene Geländegewinne erzielt. Was einen Grund hatte: Jede Einheit hatte nur die Aufgabe aus der preußisch dominierten Militärführung bekommen, ein bestimmtes Ziel umzusetzen. Wie, wurde jedoch den jeweiligen Führern der jeweiligen Einheit vor Ort überlassen. Die Franzosen, wie auch die Briten haben zunächst genau umgekehrt agiert und immer auf die Befehle aus der Führung gewartet, was die Reaktionszeit soweit verzögerte, dass man überrannt wurde. Im Laufe des Krieges drehte sich das um und Hitler nahm immer mehr Einfluss auf die preußischen Militärspitzen, was in unsinnigen Befehlen und damit unweigerlich im Versagen enden musste. Was dann zum Widerstand um Stauffenberg führte.

Ulla Schneider / 22.01.2022

Kurz: Japan stoppt die Impfpflicht und warnt vor Myokarditis.  Ebenso hat Japan ein Verbot erlassen “Impfverweigerer” zu diskriminieren. Auf freie-impfentscheidung. de

Thomas Taterka / 22.01.2022

In Japan betrachtet man das Anzweifeln von Autoritäten bestenfalls als Unhöflichkeit, schlimmstenfalls als unverzeihliches Sakrileg. Das erhält die guten Traditionen über Jahrhunderte , Aussprachen über Missbrauch der Macht benötigen allerdings lange und oft sehr schmerzvolle Umwege . - Herzlichen Dank für die Lektüre von einem Fan Yoichi Takabayachis ” Irezumi ” ( 1981 , 5 ***** !!! ) .

Volker Seitz / 22.01.2022

Danke Herr Zoubek für Ihre Momentaufnahme zu Omikron in Japan. Nicht nur weil ich selbst vier Jahre in Kobe gearbeitet habe,  interessieren mich Ihre Berichte sehr. Bitte mehr davon.

D. Schmidt / 22.01.2022

@Dirk Jungnickel: Sie haben Recht! Wir haben verdammt viel Müll vor der deutschen Haustür. Ein Blick ins Ausland lohnt aber immer wieder. Schließlich ist Deutschland nicht der Nabel der Welt (wie manche immer glauben), sondern lediglich ein Blinddarm, rechts unten, oder oben, wie man es betrachtet, den keiner braucht. (haha, in Anlehnung an einen Politiker Kommentar) Deutschland ist absolut unwichtig auf der Welt. Wenn man keinen Dummen findet, der für irgendwas bezahlt, ist man beim Deutschen immer an der richtigen Adresse. Deutschland fällt nur noch wegen seiner Dummheit auf. Nicht wegen etwas Besonderem. Ansonsten interessiert Deutschland kein Land auf der Welt mehr. Kapiert es endlich und macht euch bei anderen Ländern schlau. Nicht jeder ist so doof wie Deutschland.

Sirius Bellt / 22.01.2022

In Deutschland lassen sich immer mehr Menschen die in Krankenhäusern und in der Pflege arbeiten krankschreiben. Die Caritas warnt bereits und bittet um Aussetzung der Impfpflicht. Das ficht aber die gutbezahlte Panikercombo nicht an. Es wird weiterhin unermüdlich Öl ins Feuer gegossen.

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