Da nicht anzunehmen ist, daß der Grandiosflughafen Berlin-Willy-Brandtenburg-Horizontal auf die Schnelle, das heißt bis 2028 oder gar 24, fertig und eröffnet wird, bietet sich selbstverständlich eine Zwischennutzung als Olympisches Sommerspielfeld an. Nur wird man dann die zwölfeinhalb Milliarden Gäste, die aus dem Alphaquadranten erwartet werden, über Tegel einfliegen lassen müssen, und da könnte es ein bißchen eng werden. Also rechnet sich Hamburg gute Chancen aus, die Spiele zu bekommen, die andere deutsche Stadt, die nicht weiß, wohin mit ihrem vielen Geld. Hamburg ist immerhin von weither übers Wasser zu erreichen, und nicht von ungefähr gilt Schwimmen, im Gegensatz zum Fliegen, als olympische Disziplin.
Auf alle Fälle haben beide Städte große Erfahrung im Versemmeln und Vergeigen von Projekten im öffentlichen Raum, Berlin vielleicht sogar ein bißchen mehr, wenn man zum Wunderairport in Schönefeld die Stadtschloßplanung, die Lindenopernrenovierung, die Brachlanderzeugung in Tempelhof und noch so manche monumentale Unbegreiflichkeit aus jüngster Zeit hinzunimmt.
Allerdings gehört zu einer aussichtsreichen Kandidatur als Olympiastadt nicht bloß Routine im Umgang mit geplatzten Terminen, fehlerhafter Technik und unbrauchbaren Bauten, sondern es bedarf auch einer entschiedenen und fundamentalen Unverantwortlichkeit der Verantwortlichen, am besten in Verbindung mit selbstgefälliger Ignoranz. Das alles hat Berlin nicht nur zu bieten, sondern es kann dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) sogar garantiert werden. Außerdem versteht sich die vom DOSB verlangte Außerkraftsetzung der Grundrechenarten in der Berliner Verwaltung beinahe von selbst.
Aber natürlich schläft auch Hamburg nicht. Mit der Elbphilharmonie zeigt die Hansestadt seit Jahren, was sie auf dem Gebiet wahnsinniger Geldverschwendung zu leisten imstande ist, sodaß man den zwei bis drei Milliarden, die das olympische Gedöns mindestens verschlingt, mit Lockerheit entgegensieht. Hauptsache, die olympische Flamme brennt auch mal an der Elbe.
Denn darüber sind sich alle klar und einig: den Bürgern tut es gut, die besten Sportler der Welt zwei Wochen lang in einem abgezäunten Hochsicherheitscamp zu wissen und die sensationelle Tatsache des Abbaus von Adenosintriphosphat durch muskuläre Bewegung im menschlichen Körper im Stadion zu verfolgen. Auch die tägliche Unterrichtung des Publikums über Urinproben gehört zu den Kollateralgenüssen des sogenannten Sports, die den Preis der olympischen Spiele allemal wert sind.