Vera Lengsfeld / 14.07.2018 / 14:00 / 23 / Seite ausdrucken

Ohren nach innen, Nobbi kommt

Lange nichts gehört von „Die Rente ist sicher“ Norbert Blüm, Dauerminister der Regierung Kohl, Bezieher einer üppigen Politiker-Altersentschädigung, die er als Laien-Kabarettist aufbesserte. Als Kabarettist war Nobbi, wie er sich gern nennen ließ, etwa so erfolgreich wie mit seiner Rentenprognose. Seine „Ost-West-Vis-à-Vis“ mit Peter Sodann war laut FAZ ein Horror: „Man wünschte sich, die Ohren nach innen krempeln zu können.“

So auch jetzt wieder. Nobbi wettert diesmal nicht gegen Banken und die böse Industrie, sondern gegen seine Politikerkollegen, vor denen er sich ekelt, wenn er ihnen zuhört.
Warum sich Blüm dieser Folter überhaupt unterwirft, verrät er nicht. Die Vermutung liegt nahe, dass er es nur tut, um seinen Ekel medienwirksam in Szene setzen zu können.

Ganz Europa sieht Blüm vor der „moralischen Insolvenz“, wenn es nicht wenigstens fünf Millionen Flüchtlinge aufnähme, verkündet er in einem Gastbeitrag der „Süddeutschen“.
„Wir, die Bewohner der Wohlstandsinsel Europa, sind die Hehler und Stehler des Reichtums der sogenannten Dritten Welt. Auf deren Kosten und Knochen haben wir uns bereichert.“

An dieser Stelle würde man schon gern wissen, wieviele Flüchtlinge bequem in die Blümsche Villa in Bonn passen würden und wieviele er tatsächlich aufgenommen hat.  Hat er Bürgschaften übernommen, als es die Möglichkeit dafür gab, zusätzliche Syrer ins Land zu holen? Für ein, zwei, drei „verzweifelte Flüchtlinge“? Oder für keinen?

Der Herz-Jesu-Marxist Blüm

„Die Bodenschätze Afrikas haben wir ausgeraubt“, behauptet der Mann, der damit seine historische Unkenntnis beweist. Ein Land wie Schweden beispielsweise (anders als z.B. Frankreich oder Grossbritannien) war nie Kolonialmacht. Warum sind die Schweden im internationalen Vergleich nur so wohlhabend geworden? 

Der Herz-Jesu-Marxist Blüm bietet marxistische Dependenztheorie in Reinkultur, vermischt mit Hypermoral. Kein Wunder, dass er bei Linksradikalen so gut ankommt, dass sie eine ihrer Aktionen nach ihm benannt haben.

Erinnern wir uns: Im März 2016 genehmigte sich Blüm einen ganz besonderen Abenteuerurlaub. Er bestieg ein Flugzeug nach Griechenland, fuhr ins Flüchtlingslager Idomeni, übernachtete medienwirksam in einem Zelt und kehrte, sobald die Bilder im Kasten waren, unverzüglich nach Bonn zurück.

Während Nobbi wieder im Trocknen saß, rief ein „Kommando Norbert Blüm“, eine Bezeichnung, die an den RAF-Terrorismus anknüpft, Flüchtlinge dazu auf, illegal die Grenze zu Mazedonien zu überqueren. Deutschland würde noch Flüchtlinge aufnehmen – mit diesem Versprechen wurden hunderte Menschen dazu verleitet, sich auf einen lebensgefährlichen Weg zu machen.

Damit sie sich nicht verliefen, gab es entlang der Route Flüchtlingshelfer, die sich als Schleuser betätigten. Besonders medienwirksam wurde die Überquerung eines reißenden Flusses inszeniert. Die Fotografen scheuten auch das Bad im kalten Wasser nicht, um möglichst wirkungsvolle Fotos zu schießen. Am anderen Ufer warteten Kamerateams, die sich mit ihrem Equipment nicht in die Fluten wagten.

Diese Fotos dokumentieren, dass sich die humanitären Helfer nicht scheuten, selbst Kinder den Gefahren des von ihnen inszenierten Marsches auszusetzen. Mindestens drei Menschen sind bei dieser Aktion ertrunken, ob im Treck, oder bei einem Einzelversuch, den gefährlichen Fluss zu überqueren, geht aus der Berichterstattung nicht hervor. Ziemlich klar scheint dagegen zu sein, dass alle Aufgebrochenen der Aufforderung des Flugblatts vom „Kommando Norbert Blüm“ gefolgt sind.

Spätestens da hätte Norbert Blüm moralische Insolvenz anmelden oder wenigstens für immer schweigen müssen. Aber dafür hat der kleine Mann eine zu hohe Meinung von sich.

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

Ruedi Tschudi / 14.07.2018

Diesen Sozialschmarotzer müßte die CDU aus ihrer Partei werfen. Außerdem wegen Unterstützung beim Schleusen und schwerer Körperverletzung mit Todesfolge.

Frank Stricker / 14.07.2018

Die “Demenz ist sicher” , zumindest bei dem Gerne-Groß aus der ehemaligen Resterampe von Helmut Kohls “geistig-moralischer Wende”. Wieso war Herr Blüm denn in den letzten Wochen nicht bei seinen Freunden , der Hamas im Gazastreifen , um fleißig Steine zu werfen und Reifen anzuzünden ? Er hat doch Zeit als Politrentner.  Offenbar hat er seine Gene auch   hypermoralisch weitervererbt. Sein Sohn ist ja Schlagzeuger bei der Kölner Karnevalstruppe Brings, und die sind ja auch ganz dolle gegen rechts……..

A. Witzgall / 14.07.2018

Ich erlaube Herrn Blüm nicht, für mich (wir) mit zu sprechen. Er möchte doch bitte jedesmal “ich” einsetzen und dann nochmal lesen, wie es sich dann anhört. Mit vollen Hosen lässt es sich prima stinken.

Weitere anzeigen Leserbrief schreiben:

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Vera Lengsfeld / 03.08.2020 / 12:00 / 14

Psychogeografie: Die Stunde der Plattmacher

Ich kann an keiner Bücherkiste vorbeigehen, auch nicht bei OBI. Obwohl ich weiß, dass außer den zur Plage gewordenen Krimis und Historienromanen kaum Brauchbares zu…/ mehr

Vera Lengsfeld / 02.08.2020 / 11:00 / 16

Roter Hunger – Stalins Krieg gegen die Ukraine

Es gibt Bücher, die zu lesen es viel Überwindung kostet. Bei der Lektüre von Anne Applebaums „Roter Hunger“ musste ich mich mehrmals zwingen, weiterzumachen. Was hier…/ mehr

Vera Lengsfeld / 28.07.2020 / 16:00 / 7

„Die letzte Adresse“: Stolpersteine für Opfer des Stalinismus

Das Projekt „Stolpersteine“ kennt fast jeder. An vielen Orten gibt es die kleinen in den Boden eingelassenen Platten, in denen Namen von Menschen eingraviert wurden,…/ mehr

Vera Lengsfeld / 26.07.2020 / 10:00 / 1

Sonntagslektüre: Georgien und Russland – Eine schwierige Beziehung

Der letzte sowjetische Botschafter in Bonn Juli Kwizinski äußerte einmal, dass die Russen beim Zerfall der Sowjetunion die Sezession der islamischen Staaten Mittelasiens, ja selbst…/ mehr

Vera Lengsfeld / 25.07.2020 / 11:00 / 5

Ein Hauch Glyndebourne auf Schloss Heringen

Es gibt sie noch, die perfekten Sommerabende ohne Party-Randale, dafür mit bezaubernden Arien, gesungen von wunderbaren Stimmen. Dazu ein strahlend blauer Himmel, garniert mit leuchtenden…/ mehr

Vera Lengsfeld / 19.07.2020 / 06:25 / 17

Sonntagslektüre: Wie überlebt man es, Stalins Tochter zu sein?

Ich ging am Morgen nach dem Neuen Hambacher Fest im schönen Örtchen Deidesheim spazieren, als mir an der Katholischen Kirche eines der Bücherregale auffiel, die…/ mehr

Vera Lengsfeld / 12.07.2020 / 08:00 / 4

Sonntagslektüre: Die Wende im Leben des jungen W.

Es gab wenige literarische Sensationen in der DDR. Ulrich Plenzdorfs „Die neuen Leiden des jungen W.“ war unzweifelhaft eine Sensation. Die Geschichte erschien als Buch…/ mehr

Vera Lengsfeld / 08.07.2020 / 12:00 / 58

Die Maske als Machtinstrument

Vor wenigen Wochen fanden in Berlin riesige Black-lives-matter-Demonstrationen statt, bei denen zehntausende Teilnehmer maskenlos und dicht gedrängt stundenlang beieinander standen. Die Polizei schaute machtlos zu.…/ mehr

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com