Am 18. Januar dieses Jahres hat der Deutsche Bundestag die geschäftsführende Regierung aufgefordert, einen „Antisemitismus-Beauftragten“ zu berufen. Ihm sollte ein „unabhängiger Kreis“ von Experten aus „Wissenschaft, Bildungspraxis und Zivilgesellschaft“ beratend zur Seite stehen. Der gemeinsame Antrag von CDU/CSU, SPD, FDP und den Grünen entsprach einer in Deutschland weit verbreiteten Praxis: „Wenn du nicht mehr weiter weißt, gründe einen Arbeitskreis!“
Der Antisemitismus, obwohl kein neues Phänomen, sorgt immer wieder für Überraschungen. So zum Beispiel, als „arabischstämmige“ Jugendliche vor dem Brandenburger Tor Israel-Fahnen verbrannten und dabei die Hamas hochleben ließen, die sich ein judenfreies Palästina wünscht. Worauf sich in den Medien Experten zu Wort meldeten, die den Vorgang sehr verschieden interpretierten. Für die einen war es klassischer Judenhass, projiziert auf Israel, für die anderen legitime „Israelkritik“ in einer etwas rabiaten Form.
Die Entscheidung über solche Fragen würde wohl in die Zuständigkeit des „Antisemitismus-Beauftragten“ fallen, wenn es denn einen gäbe. Aber danach sieht es derzeit nicht aus. Ersatzweise hat der – inzwischen aus dem Amt geschiedene – Innenminister de Maizière erklärt, Deutschland sei „dem Staat Israel und allen Menschen jüdischen Glaubens in ganz besonderer Weise verbunden“.
Aber damit war das Thema nicht vom Tisch. Letzte Woche kamen in Potsdam 40 Vertreter von Bund, Ländern und jüdischen Gemeinden zusammen, um über weitergehende Maßnahmen zu beraten. Es sei nicht genug, einen Antisemitismus-Beauftragten auf Bundesebene zu berufen, es müsse Antisemitismus-Beauftragte in allen 16 Bundesländern geben, forderte unter anderen der Direktor des Moses Mendelssohn Zentrums für europäisch-jüdische Studien, der das Treffen initiiert hatte. Ich halte das für eine ausgesprochen konstruktive Idee.
Es gibt inzwischen Gleichstellungsbeauftragte in allen Bundesländern, in den meisten Kommunen, Unternehmen und Hochschulen. Eine „Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen“ dient als Info-Zentrale für die etwa 500 Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten in der ganzen Republik. So muss man auch das Problem des Antisemitismus angehen. Mehr Beauftragte braucht das Land!
Zuerst erschienen in der Züricher Weltwoche
PS. In der März-Ausgabe von Cicero beschreibt Philipp Peyman Engel, wie die Berliner Bevollmächtigte des Landes Berlin beim Bund und Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales, Sawsan Chebli, es beinahe geschafft hätte, zur Antisemitismus-Beauftragten des Bundes ernannt zu werden. Sie brachte sich selbst geschickt ins Gespräch, indem sie plötzlich ihre Liebe zu den Juden entdeckte, vor allem den toten. Dabei wäre sie die Idealbesetzung gewesen – jung, schön und ahnungslos. Den Artikel von Philipp Peyman Engel finden Sie hier, allerdings müssen Sie, um ihn lesen zu können, einen kleinen Obolus entrichten. Es lohnt sich.
Beitragsbild: Creative Commons CC0 Pixabay

Sigmar Gabriel wäre sicher auch eine Alternative für die Position des Antisemitsmus-Beauftragten, wie ich gehört habe ist er z.Zt. auf Jobsuche. Man muss halt nur verhindern, dass er nach Israel fährt und irgendjemanden trifft. Oder irgendwas sagt. Oder macht. Ansonsten aber die perfekte Besetzung.
Wenn man den muslimischen Antisemitismus institutionalisiert, dann haben die Judenfeinde endlich, was sie wollen: eine demokratische Diskussion über Antisemitismus. Grotesk.
"Beauftragte(r)" für was-auch-immer ist eine sehr praktische Einrichtung zur Unterbringung von (ein bisschen oder auch ganz) studiert Habender, die der richtigen Partei angehören.
@Herr Decke, schade, dass sie meine Zeilen nicht als das verstanden haben, was sie waren: ein Scherz! Frau Chebli ist durchaus apart anzusehen, aber so durch und durch defizitär, dass ich körperliches Unbehagen verspüre, wenn ich sie reden höre und das ist keineswegs ironisch gemeint. Ebenso geht es mir, wenn ich hier ihre Kommentare lese.
@Judith Hirsch, was empfinden Sie als „schön“? Weshalb bereitet es Ihnen körperliche Schmerzen, dass es Menschen gibt, die Frau Chebli als „schön“ empfinden? Nicht jede Frau muss dem sogenannten klassischen Schönheitsideal entsprechen, also zB. der Venus von Milo, Statue der Göttin Aphrodite, um trotzdem als schön wahrgenommen zu werden. Entsprechen Sie dem klassischen Ideal? Herr Broder hat aus dem „Cicero“ zitiert und zum Begriff „schön“ kein persönliches Statement abgegeben. Somit läuft Ihr Verlangen, Broder möge weiblichen Lesern so etwas nie wieder antun (welche weiblichen Leser Sie auch immer meinen), aus meinem Horizont geurteilt, ins Nirgendwo.
Frau Chebli wäre in der Tat eine "interessante Besetzung" dieser Position ! Mit dem Hinweis auf ihre "Vorbilder" (nach wiki, siehe link im Text) : "Ein wichtiges Vorbild war ihr ältester Bruder, der als Imam in Schweden arbeitet und die dortigen Behörden in Integrationsfragen berät." wäre zu befürchten, das sie die vermutlich hervorragende Tätigkeit ihres Bruders in Schweden hier mit einem "krönenden" Abschluss versieht !
Frau Chebli wäre eine ganz wundervolle Wahl für dieses Amt. Sie hat in den letzten Jahren auf eindrucksvolle Weise Kompetenz, Eloquenz, Grundgesetztreue, immer freundliche Sachlichkeit (ich empfehle ihre charmanten Pressekonferenzen auf youtube) und den Mut zu außergewöhnlichen Ideen bewiesen. Wenn ich es jemandem zutraue ihren palästinensischen Brüdern in den Arm zu greifen, wenn diese tausendfach "Juden ins Gas" brüllen, dann dieser wundervollen Frau.