Während anderswo Lappalien wie Syrien, Waffenlieferungen und Flüchtlingsprobleme besprochen werden, weiß man in Österreich, was wirklich wichtig ist: Bienen. Schon vor wenigen Jahren gab es diese apokalyptische Gewissheit, dass wir demnächst Hungers sterben werden, weil Pestizide die Bienenvölker ausrotten, und in spätestens vier Jahren (oder so) alle Blüten unbestäubt bleiben und so einem jungfräulichen Tod und damit mangelnder Fruchtfolge entgegensehen.
Das ist (noch) nicht passiert, aber der Teufel schläft nicht: Monsanto treibt immer noch sein Unwesen und kann wieder einmal für das Schlechte in der Welt zur Verantwortung gezogen werden. Und so gibt es neuerlich eine Welle der Entrüstung und Empörung, der Furcht und Verzweiflung wegen des apokalyptischen Bienensterbens, das zwar damals nicht eingetreten ist, aber jetzt, jetzt wird es endlich so weit sein. Die Grünen haben wieder ein vollmundiges Thema mit herzigen Tieren und entblöden sich nicht, bei Parlamentssitzungen in gelben T-Shirts mit der fröhlichen Aufschrift OHNE BIENE GEHN WIR MAJA (selbst für Dialekt-Affine ein nicht leicht zu deutender Spruch) zu polemisieren. Banner mit „Summ-Summ-Summ / der ÖVP-Lebensminister bringt uns Bienen um“ werden von ernst genommen werden wollenden Herren mit Krawatte (ohne Bienenmuster, welch’ ein Versäumnis!) hochgehalten, unterstützt von einer Parlamentspräsidentin, die sich offenbar als Bienenflüsterin versteht und sich zu diesem Anlass in einem gelb/schwarzen Kostüm zeigt. Peinlicher geht es wohl nicht mehr. Ich wiederhole: Parlamentspräsidentin! Warum sie sich nicht noch Fühler und Flügel aufgeklebt hat, bleibt rätselhaft. Wahrscheinlich, weil es die nur im Fasching zu kaufen gibt. Bienenplüschtiere gibt es allerdings zu kaufen, und die sitzen dann auch prompt auf den Parlamentstischen. Dass Gelb/Schwarz eigentlich nicht die Farbe der Biene sondern der Wespe ist, weist unleugbar auf die Quelle hin, aus der die Bienenkämpfer ihre Infos beziehen: Dem Trickfilm „Biene Maja“. Ebenso wie das der Serie (Zielgruppe: Volksschule) angepasste Verhalten.
Ein Umweltminister, der versucht hat, sich gegen diese Hysterie mit Fakten und Argumenten zu wehren und bei der EU-Abstimmung gegen das Verbot der verdächtigen Pflanzenschutzmittel namens Neonicotinoide stimmen ließ, wird zum Abdanken aufgefordert, wild beschimpft von den Grünen, GLOBAL 2000 (einer auf international tuenden österreichischen Umweltorganisation, die sich immer wieder mit besonders undifferenzierten Populärhysterien wichtig macht) und natürlich Greenpeace. Dass er sich bei Fragen nach der Menge der in Österreich verwendeten Neonicotinoide völlig unnötig (aber typisch österreichisch) hinter dem Amtsgeheimnis verschanzte, machte die Sache nicht besser und ihn zum „Bienenkiller“. Wie reagiert dann ein Minister – vor allem vor den Wahlen – in Österreich (und möglicherweise nicht nur da) in so einem Fall? Er schwenkt um 180 ° und ist jetzt, im Einklang mit seinem Parteivorsitzenden, „im Zweifel für die Bienen“!
Aber: Wer ist denn gegen die Bienen? Niemand!
Doch Chemie-Verteufelung ist ja so einfach und funktioniert garantiert wie beim Pawlowschen Hund. Statt die verschiedenen Gründe, die die Bienen dezimieren, wie Milben, Monokulturen, Darmparasiten oder Inzucht – nicht zu vergessen die falsche Anwendung von Pestiziden - zu Diskussionsthemen zu machen, vereinfacht man wieder einmal nach dem System Dumpfbacke und holt auch gleich noch ein paar beliebte Feindbilder wie Mobilfunkstrahlen und Genmais aus dem Ärmel. Und dann beruft man sich natürlich gerne wieder einmal auf die Wissenschaft - und wer ist wohl „wissenschaftlicher“ als Albert Einstein? Er soll gesagt haben: „Wenn die Bienen verschwinden, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben; keine Bienen mehr, keine Pflanzen, keine Tiere, keine Menschen mehr“. Abgesehen davon, dass das Zitat gar nicht von Einstein stammt, stimmt nichts daran, weder die vier Jahre noch diese „Monobestäubungstheorie“: In Amerika gab es vor dem Eintreffen der Europäer gar keine Bienen, aber sehr wohl Blüten und Früchte, bestäubt durch andere Insekten.
Dass aus dieser Verweigerung der Realität der Maiszünsler als absoluter Sieger hervorgeht, ein besonders perfider Falter mit sich in den Schutz der Stängel bohrenden Raupen, die auch gerne in den Wurzeln im Boden auf ihren „Ausflug“ warten und zunehmend Maisernten und nachhaltig flächendeckend die Felder infizieren und ruinieren, interessiert offenbar nur die „gewinnsüchtigen“ Bauern – nämlich die, die wirklich betroffen sind, im Gegensatz zu gelb/schwarz gekleideten Honig-aufs-Brot-und-anderen-ums-Maul-Schmierern.
Und weil wir gerade bei den großen Problemen dieser Welt sind, die jetzt vor allem die Wiener Grünen lösen: Man plant, die Radwege Wiens grün anzustreichen. Kostet bloß 10 Millionen Euro, ein Schnäppchen! Und um die Themen vollmundig zu verbinden, hier ein Vorschlag: Die gelben Trikots der Tour de France zeigen von nun ab schwarze Streifen und werden zur Pflichtbekleidung der Radfahrer in allen Sumsi-Ländern, wo dann Bienenverkleidung über Rasenimitation (oder Wahlwerbung?) radelt.
PS:
Ein besonders erfolgreicher Unternehmer in Sumsi-Land Österreich, der Bio-Tees und Kräuter zu horrenden Preisen anbietet, erfreut gerade seine, oft Esoterik-nahen, Kunden mit der Mitteilung, dass ab jetzt die EAN-Codes, die möglicherweise negative Schwingungen wie Elektrosmog aufnehmen und an das Produkt weiterleiten, mit einem Querstrich entstört werden. Vielleicht könnte man diese Methode auch bei Bienen mit ihren naturgegebenen Strichcodes anwenden?