In einem offenen Brief haben 22 namhafte Ökonomen, darunter der Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, dazu aufgerufen, das Rentenpaket der Bundesregierung zu stoppen. Statt rentenpolitischer Schnellschüsse, so die Wissenschaftler, solle man sich die notwendige Zeit für eine generationengerechte Lösung nehmen. Unter dem Titel „Rentenpaket zurückziehen“, veröffentlichten die Wirtschaftsexperten einen gemeinsamen Appell. Die Wissenschaftler hatten in ihrem Schreiben erklärt. „Für Stabilität, Verlässlichkeit und Vertrauen braucht es eine Rentenpolitik mit langem Atem, die berechenbar und fiskalisch nachhaltig ist“, heißt es in dem Aufruf, der heute unter anderem auf den Seiten mehrerer Wirtschaftsforschungsinstitute veröffentlicht wurde.
In einem gemeinsamen Gastbeitrag für das „Handelsblatt“ hatten drei der Unterzeichner, Michael Eilfort, Vorstand der Stiftung Marktwirtschaft, Ifo-Präsident Clemens Fuest sowie Jörg Rocholl, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesfinanzministerium, festgestellt, die Reformpläne der schwarz-roten Bundesregierung verstießen gegen zentrale Prinzipien erfolgreicher Rentenpolitik. Vor allem die Rentenniveauhaltelinie und die geplante Ausweitung der Mütterrente belasteten die öffentlichen Finanzen erheblich, kritisieren Fuest, Eilfort und Rocholl. Diese Maßnahmen verfehlten dieses Ziel, so stellt auch die Erklärung fest. Unterzeichnet haben die Erklärung ferner Axel Börsch-Supan, Friedrich Breyer, Lars P. Feld, Veronika Grimm, Christian Hagist, Justus Haucap, Friedrich Heinemann, Johanna Hey, Hanno Kube, Bernd Raffelhüschen, Bert Rürup, Klaus M. Schmidt, Monika Schnitzer, Moritz Schularick, Silke Übelmesser, Martin Werding, Volker Wieland, Berthold U. Wigger.
Nachdem zunächst die Junge Union und deren parlamentarischer Arm, die 18 jungen CDU-Abgeordneten, Widerstand gegen das Rentenpaket angekündigt hatten, brach eine Welle des Protests gegen die mit der heißen Nadel gestrickten Rentenreform los. Die sogenannte Haltelinie bis 2031 bedeutet nichts anderes, als dass die dringend nötige Reform der gesetzlichen Rente in eine unbestimmte Zukunft verschoben wird, was derweil mit 120 Milliarden Euro staatlicher Subvention für die Rentenkasse erkauft werden soll. Die jungen Abgeordneten wehren sich dagegen, dass ihnen immer mehr Lasten für die Rente auferlegt werden, während sie selbst kaum eine auskömmliche Rente erwarten können. Nach der Ablehnung der jungen Christdemokraten rissen die Proteste gegen das Rentenpaket nicht ab. Bereits am 14. November hatten 30 Verbände, die eigenen Aussagen zufolge mehr als die Hälfte der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland vertreten, ebenfalls in einem offenen Brief den Stopp des Rentenpakets gefordert und sich für eine generationengerechte Lösung eingesetzt.
Bis 2050 eine zusätzliche Belastung von fast 480 Milliarden Euro
Laut aktuellen Berechnungen, die die Prognos AG im Auftrag der INSM (Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft) vorgenommen hat, überstiegen die tatsächlichen Kosten die bisherigen Schätzungen deutlich, kritisieren die Verbände. Bis 2050 entstünde so eine zusätzliche Belastung von fast 480 Milliarden Euro – das entspreche in etwa dem gesamten Volumen des schuldenfinanzierten Sondervermögens für Infrastruktur und Klimaschutz, so die Verbände, zu denen auch der Deutsche Bauernverband gehört.
Ablehnung gegen die verschiedenen Stoppsignale kommt derweil erwartungsgemäß aus der Politik. Vertreter der Koalition halten am Zeitplan fest, dass das Paket am 1. Januar 2026 in Kraft treten soll. Das ist die Nachricht. Ohne das Paket würde zum Beispiel die geplante Aktivrente nicht kommen, so der erste Parlamentarische Geschäftsführer der Unions-Bundestagsfraktion, Steffen Bilger, heute Morgen auf dem Sender ntv. Mit der Aktivrente sollen Rentner bis zu 2.000 Euro im Monat steuerfrei dazuverdienen können. Das gilt allerdings nur für Angestellte und nicht für Freiberufler oder Selbstständige.
Auch Friedrich Merz und Jens Spahn reiten das tote Pferd des Rentenpakets, das nach jetzigem Stand nicht durch den Bundestag kommen wird, gegen jede Vernunft weiter. Die SPD setzt auf die in dieser Koalition bewährte Erpressungsstrategie. Kommt das Rentenpaket nicht, scheitert die (ohnehin eher mäßige) Bürgergeldreform, lautet die Botschaft von Bärbel Bas. Schaut man sich diese Drohung nüchtern an, ist es ein recht stumpfes Schwert, das nur durch die jeder Äußerung unterlegte Drohung des Scheiterns der Koalition überhaupt Wirktreffer erzielen kann. Der Kanzler zeigt erneut seine Unfähigkeit zu einer zielführenden internen wie auch externen Krisenkommunikation. Er zeigt sich unbeweglich angesichts des Widerstands gegen seine Kommunikationsverweigerung. Die immer wieder erneuerte Festlegung auf das Rentenpaket wiederholt am Ende nur die Fehler aus der gescheiterten Wahl von Frauke Brosius-Gersdorf, wo erst die Realität der Machtverhältnisse in der CDU-Fraktion die Spitzen von Regierung und Koalitionsfraktionen in Wirklichkeit zurückrief.
Der Widerstand gegen das Rentenpaket geht längst über die politischen Lager hinaus und ruft breite Proteste von Wirtschaftswissenschaftlern bis zu Wirtschafts- und Sozialverbänden hervor. Der Vorteil ist, wir haben erneut eine öffentliche Debatte über ein wichtiges Thema unseres Landes. Sowohl Bundeskanzler Friedrich Merz als auch Fraktionsvorsitzender Jens Spahn wären jetzt gut beraten, nicht nur die Notbremse zu ziehen, sondern die Rentenreform zudem auf eine breite politische, ökonomische und gesellschaftliche Basis zu stellen. In Koalitionshinterzimmern lassen sich derart bedeutende Fragen nicht ausmauscheln. Es wird dazu mehr Sachverstand gebraucht. Ohne wirtschaftlichen Aufschwung zerbricht der Sozialstaat, ohne bezahlbaren Sozialstaat gibt es keinen wirtschaftlichen Aufschwung. Last not least gilt auch, nimmt man nicht langsam die junge Generation, die das alles wird bezahlen müssen, mit an Bord, braucht man gar nicht erst beginnen. Hat man das akzeptiert, dann gibt es viel Arbeit, die sich jedoch lohnen wird, und es ergeben sich zwei Fragen: Erstens: Wer nimmt es auf sich, das Lars Klingbeil zu erklären? Zweitens: Wird er es verstehen?
Germoney hat Geld für die ganze Welt. Da bleibt nichts für doitsche Rentner übrig. Scheinbar scheinen diese aber bis zum bitteren Ende die Tagesschau zu glotzen und weiter ihren eigenen Untergang zu wählen. Ich frage mich, ob sie das am Ende nicht sogar verdient haben…
Sachverstand? Beherrscht die Politik doch vollendet. Allerdings nur in den Disziplinen: Prolongieren, Kalmieren, Schuld delegieren. Der deutsche Wähler könnte das eigentlich begreifen.
Er zieht es jedoch vor, bei einem vereiterten Backenzahn zu Duftlampen und D10 Kügelchen zu greifen. Faktische Lügner treffen auf praktische Leugner. Perfect match!
Das Thema belegt erneut die Unfähigkeit deutscher Regierungen. Die demographische Entwicklung ist seit Pillenknick offensichtlich, schon Adenauer hat sich massgeblich diesbezüglich in der Wirkung verschätzt. Auch der massenhafte Zuzug aus dem Ausland hat (da es nicht auf „Köpfe“, sondern auf tatsächliche Einzahler ankommt) diesbezüglich keine Unterstützung gebracht, im Gegenteil. Der Generationenvertrag hätte also schon vor Jahrzehnten um ein fondsbasiertes System zumindest ergänzt werden müssen, wenn nicht gar ersetzt werden müssen (siehe z.B. Norwegen). Zweitens ist es nicht hinnehmbar, dass Beamte nicht in die Rentenkasse einzahlen. Drittens: die Entnahme von Mitteln der Rentenkasse für sonstige Zwecke kommt Veruntreuung gleich. Sämtliche genannten Punkte wären für eine funktionale Regierung umsetzbar. Punto e basta.
Man lebt ja nicht für die Rente , sondern größtenteils schon davor.
Das Rentenpaket wäre aber ein weiterer wichtiger Schritt, das Ziel, die Zerstörung Deutschlands, noch schneller zu erreichen.
Wenn wir noch Millionen Arbeitslose durch KI dazusetzen bleiben nur noch Industrie und Handwerk übrig, die das Heer der nicht Arbeitenden bezahlen sollen. Wer rechnet durch?
„Bis 2050 eine zusätzliche Belastung von fast 480 Milliarden Euro“ -> Das wäre sogar machbar, wenn nicht jedes Jahr allein 50 Milliarden (macht nicht erst 2050, sondern schon bis 2035 500 Mrd.!) in die illegale Zuwanderungsmafia, weitere hunderte Milliarden in die Klimamafia, weitere hunderte Milliarden in die Rüstungsindustrie und zig Milliarden an linksgrünversiffte NGOs gezahlt würden. Man muss eben Proioritäten setzen – nicht wahr, liebe CDU/CSU/SPD-Wähler aus dem Rentnerblock?!