Thomas Rietzschel / 11.06.2019 / 11:30 / Foto: Bildarchiv Pieterman / 25 / Seite ausdrucken

Öko-Jäger, unterwegs mit Pfeil und Bogen

Unter den Deutschen spricht sich herum, was die Alten schon immer sagten: Früher war alles besser. Sogar die Jäger wollen jetzt ihre Flinten verschrotten. Statt mit dem Schießgewehr möchten sie wieder mit Pfeil und Bogen auf die Pirsch gehen.

Nach Art der germanischen Vorfahren sollen die Wildschweine demnächst in Brandenburgs Wäldern erlegt werden, ohne Büchsenknall und Pulverdampf. Weil sich aber auf die Schnelle keine „wissenschaftliche Einrichtung“ fand, die bereit gewesen wäre, „dieses Pilotprojekt“ zu begleiten, hat es die rot-rote Landesregierung zunächst auf Eis gelegt. 

Die bereits Anfang März erteilte Genehmigung wurde vorübergehend zurückgezogen, die seit 1976 verbotene „Bogenjagd“ aufgeschoben, nicht abgeblasen. 2020 sollen „zuschlagfähige Ergebnisse“ vorliegen. Bis dahin können die Schützen schon einmal das Spannen der Bögen üben und sich auch sonst auf die ökologisch vertretbare Hatz vorbereiten.

Denn natürlich gehen wir davon aus, dass sie dann nicht mehr mit dem SUV in den Wald brettern, sondern dem Wild auf einem Drahtesel mit Federgabel nachsetzen, begleitet von Radlern, die nachher die Beute auf ihren Lasten-Fahrrädern abtransportieren, vorbei an Feldern, die glückliche Landwirte mit schweren Kaltblütern bestellen.

Wie einst in der guten Stube

Gerade in den letzten Tagen waren in verschiedenen Zeitungen wiederholt Fotos zu sehen, auf denen sich kräftige Ackergäule in den Boden stemmten, um ihn mit dem Pflug umweltverträglich aufzubrechen: Bilder, wie sie, in Öl gemalt, einst die gute Stube der Bauern schmückten, damals, als alles noch besser war, kein Diesel die Luft verpestete, um in Stunden zu erledigen, wofür sich die Großväter tagelang plagten. 

Wen würden solche Szenen nicht anrühren. Welchem Großstädter schlüge das Herz nicht höher beim Gedanken an die Zukunft dieser Vergangenheit, bei den Nachrichten über die Rückkehr der Wölfe in die heimischen Wälder?

Welcher Pendler würde sich nicht freuen über die Eröffnung eines „Radschnellwegs“ zur Entlastung des Berufsverkehrs zwischen Darmstadt und Frankfurt? Dreißig Kilometer lang gibt er selbst dem trainierten Strampler morgens und abends die Möglichkeit, wenigstens anderthalb bis zwei Stunden auf dem Hin- sowie auf dem Rückweg von der Arbeit außer Atem zu kommen. 

Und wenn er Glück hat, läuft ihm dabei auch noch eine angeschossene Wildsau in die Speichen, mit den lustig wackelnden Pfeilen der Bogenjäger im Rücken. Halali und ein Hoch auf die „Pilotprojekte“ der alten Germanen! 

Foto: Bildarchiv Pieterman

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Leserpost

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Sabine Schönfelder / 11.06.2019

Hey, Ihr versierten Bogenschützen, wie stellt ihr Euch das vor? Der Jäger trägt die Verantwortung für seine Jagd und für alle damit verbundenen Schäden. Wieviele Menschen können so gut mit Pfeil und Bogen umgehen, daß sie weder sich selbst bei einem schlechten Treffer gefährden, noch das Tier unangemessen leiden lassen? Wildschweine nehmen überhand und selbst der fleißige Jäger kommt mit der Reduzierung des Bestandes kaum noch nach. Also immer schön realistisch bleiben. Vielleicht können die modernen Wilhelm Tells die Jäger unterstützen.

Fritz Mueck / 11.06.2019

Der Autor ist sicher kenntnisreich. Aber über die Jagd sollte er besser nicht schreiben. Weder über die mit der Büchse noch über die mit dem Bogen. Beide Jagdarten haben ihre Berechtigung und ihren Einsatzzweck. Für einen Laien sicher schwer verständlich. Macht ja nix, man kann ja nicht alles wissen. Horrido und Waidmannsheil!

Thomas Holzer, Österreich / 11.06.2019

Passend dazu auch die nahezu religiös inspirierte “Berichterstattung” im heutigem “ZDF-Mittagsmagazin” über die “Indigenen” in Brasilien; der “Reporter” wurde von seiner eigenen Ehrfurcht nahezu erschlagen :)

Wolfgang Richter / 11.06.2019

Das mit den sich vor dem Pflug o. ä. Gerät in den Boden stemmenden Kaltblut läßt sodann vermutlich PETA und Gleichgesinnten das Blut aufkochen und zu wütenden Protestaktionen anstacheln. Somit wird auch an allen “anrührenden” Szenarien der Zukunft irgend ein neu-moralisierender Zeitgenosse das zu bekämpfende Haar in der Suppe finden.

Uta Buhr / 11.06.2019

Ich bin ganz bei Ihnen, liebe @Claudia Maack. Die Dekadenz des französischen Adels ging während der jakobinischen Terrorherrschaft sogar soweit, dass die Damen sich ein blutrotes Bändchen um das zarte Hälschen schlangen - genau dorthin, wo die Guillotine aus “einem Aristokraten zwei” machte. Weit ist unsere Gesellschaft von diesem Irrsinn nicht mehr entfernt.

Leo Hohensee / 11.06.2019

Um Himmels Willen, Herr Rietzschel, was haben denn Radwege zu tun mit Pfeil und Bogen? Im heraufziehenden Zeitalter der Elektrizität (öko) ist EINE bahnbrechende Entwicklung zu forcieren, zu erwarten hin zum Lasergewehr. Das schont die Ohren und setzt - logisch - den fehlenden Star-Wars-Meilenstein. Die Strecke (Wildsau) wird mit Lasermessern aufgebrochen und dann erst mit Elektro-Lastenfahrrädern abtransportiert. Trotzdem, und das bleibt unverrückbar, aus der Häuten der Sauen werden KEINE Schuhsohlen gemacht ! Auch keine Bettvorleger!

Martin Nauland / 11.06.2019

Ich teile Ihre prinzipiellen Vorbehalte gegenüber den Grünen, und rieche einen perfiden Plan, Jagdwaffen zu verbieten, aber wegen der Bogenjagd muss ich widersprechen. Ich bin dieser Tätigkeit im Ausland bereits nachgegangen, und muss sagen, dass es ebenso anspruchsvoll wie befriedigend ist, ein Wild mit einem Bogen zu erlegen. Befriedigend ist es, weil es anspruchsvoll ist, und anspruchsvoll ist es, weil man erst innerhalb der Fluchtdistanz nah genug ist, um den Schuss zu platzieren. Das bedeutet, dass Bogenjäger häufig ähnlich getarnt sind, und auch ähnlich vorgehen, wie Scharfschützen beim Militär. Damit meine ich die Art von Scharfschützen, bei denen Tarnung der Ausbildungsschwerpunkt ist. Tatsächlich gibts sogar große personelle Überschneidungen. Bogenjäger, die ihr Hobby ernst nehmen, gehen als zotteliges Sumpfmonster verkleidet aus dem Haus, und achten bei ihrem Outfit auf jede Kleinigkeit. Es wird nichts gewaschen, weil Tiere das Waschmittel riechen können, und Waschmittel die Kleidung auch UV-reflektierend macht. Viele Tiere können UV-Licht und das nahe Infrarotspektrum sehen. Einige Bogenjäger, die ich kenne, haben deshalb moderne Multispektral-Nachtsichtgeräte, die sie verdächtig häufig nur dafür nutzen, ihre Sumpfmonster-Verkleidung so zu gestalten, dass sie für militärische Aufklärungsdrohnen unsichtbar wären. Da deren Infantriegeräte nicht UV-empfindlich sind, machen sie zusätzlich noch UV Bilder, um sicherzustellen, dass sie auch im UV-Spektrum nicht herausstechen. Und genau darum geht es. Wer gut in der Bogenjagd ist, hat im Prinzip den großteil einer Scharfschützenausbildung hinter sich gebracht. Ohne Permethrin-imprägnierte Kleidung geht man nicht vor die Tür, weil DEET und Icardin gerochen werden würde, etc. Im Vergleich zu den traditionsbewussten (sprich langweiligen) Jägern (deren Vorgehen nüchtern nicht auszuhalten ist) findet man unter Bogenjägern eine ziemlich militaristische und staatskritische (also förderungswürdige) Partisanenkultur.

Petra Wilhelmi / 11.06.2019

Das erinnert mich immer wieder an den Feudalismus, als es chic war, in den Gärten des Schlösser, kleine Bauernhäusschen hineinzubauen, mit vielen Blumen von Gärtnern gepflegt, weil die Frau Comtesse, sich doch nicht das Händchen schmutzig machen konnte. Dann tummelten sich noch kleine Schäfchen auf den Wiesen und fertig war die Landidylle. Man feierte dort Schäferstündchen mit Speisen und Getränken von den Dienern bereitet und gereicht. Die Linksgrünen würden sich dabei sicherlich wohlfühlen, zumal sie dann die Nettosteuerzahler abstellt, für Speis und Trank zu sorgen. Leider kam die verdammte Revolution dazwischen und hat die Schäfchen geschlachtet. Wahrscheinlich wollen die Linksgrünen es noch einmal versuchen, aber dieses Mal sehr viel besser ... bis, verdammt nochmal, wieder eine Revolution dem Müßiggang der Schmarotzer ein Ende setzt.

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