Die Republikanische Partei der USA versteigt sich in ihrer Verzweiflung, die Bundesmacht im Weißen Haus, im U.S. Senat und im Repräsentantenhaus durch Arroganz, Korruption, gravierende politische Fehlentscheidungen und das Geschäkere mit christlich-fundamentalistischen Bettgenossen verloren zu haben, zu immer absurderen Behauptungen. Während der kürzlich zum Vorsitzenden der Partei gewählte Michael Steele, ein Afroamerikaner aus Maryland, durch hirnverbrannte Albernheiten in Rekordgeschwindigkeit zur nationalen Lachnummer geworden ist, wirft sich der Radioschreihals Rush Limbaugh zum de facto Führer der konservativen Extremisten auf; ihn und den ähnlich bescheuerten Fox TV-Agitator Sean Hannity äfft seit Tagen eine Mischpoche verbitterter republikanischer Verlierer beim hysterischen Geplärr nach, Obama habe bei den Haushaltsberatungen sozusagen seine sozialistische Fratze gezeigt—und zwar mit seinem Plan, die Steuerobergrenze für Großverdiener (über 250.000 Dollar netto pro Jahr, ca. 5% der Bevölkerung) von 35% auf 39,6% anzuheben. Nun ist das zwar nichts Neues, damit macht er nur ein immer wieder deutlich ausgesprochenes Wahlkampfversprechen wahr. Zudem ist 39,6% genau der Prozentsatz, mit dem es Clinton gelungen war, in den Neunzigern das Staatsdefizit zu beseitigen, wogegen George W. Bush mit seiner Steuersenkung auf 35% zumindest teilweise die heutige Wirtschaftskatastrophe mitpropellierte. (Um gutverdienende deutsche Steuerzahler auch bei 39,6% nicht unbedingt nach amerikanischen Verhältnissen lechzen zu lassen, sollte man jedoch bedenken, daß dies lediglich die Bundessteuern sind; dazu kommen noch die von den einzelnen Staaten—den meisten—erhobenen Einkommensteuern von zusätzlichen 5% oder mehr.)
Unter Präsident Eisenhower lag die steuerliche Obergrenze übrigens bei unglaublichen 91% (übertrifft das den schwedischen Wohlfahrtsstaat?), unter Nixon bei 70% und während der ersten Reagan-Amtszeit bei 50%—allesamt wohlbekannte Sozialisten, wie man weiß.
Die Zeitschrift “Washington Monthly” hat zur amerikanischen Steuersatzgeschichte einen interessanten, statistisch untermauerten Artikel veröffentlicht:
http://www.washingtonmonthly.com/archives/individual/2009_03/017201.php