Holger Krahmer
Der US-Präsident meldet sich in der Klimapolitik zurück. Die amerikanischen CO2-Emissionen sollen bis 2030 um etwa die Hälfte gesenkt werden. Vorgaben für Kohlekraftwerke und staatliche Bürgschaften für erneuerbare Energien kündigt er an. Beim genaueren Blick auf die US-amerikanische Energie-Realität wird schnell deutlich: Obamas Vorstoß ist ein Bluff. Denn die angekündigten Anstrengungen sind in Wahrheit keine und die Reduktion der CO2-Emissionen für die USA ohne zusätzliche Kosten zu erreichen. Die amerikanischen CO2-Emissionen sinken seit Jahren ganz ohne Zutun der Regierung – seit günstiges Gas aus unkonventionellen Lagerstätten Kohle als Energieträger ersetzt. Man könnte die Schiefergas-Revolution auch marktwirtschaftliche Energiewende nennen.
Das in den USA billig zu fördernde Gas verbrennt effizienter als Kohle. Dadurch sinken die amerikanischen CO2-Emissionen. Ein Blick auf die Zahlen untermauert das: Der Anteil von Kohle am Energiemix der USA sinkt seit 2007 stetig von damals 48,9% auf 37,4% in 2012. Hingegen stieg der Anteil von Gas auf 30,4% von 21,7% im gleichen Zeitraum. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass der Anteil erneuerbarer Energien im gleichen Zeitraum von 2,6 Prozent auf 6,7 Prozent zwar gestiegen aber dennoch unbedeutend geblieben ist.
Die US-amerikanischen CO2-Emissionen sind im gleichen Zeitraum um 13,5 Prozent gesunken. Es wäre unseriös diese Entwicklung bis ins Jahr 2030 einfach linear fortzuschreiben. Es ist aber absehbar, dass Gas in den USA auch weiterhin ungebremst boomt und mit einer deutlichen Verschiebung im Energiemix zu Gunsten von Gas zu rechnen ist. Obamas Klimaversprechen nehmen eine Entwicklung vorweg, die offensichtlich völlig unabhängig von politischen Maßnahmen der US-Regierung verläuft. Mit anderen Worten: Eine Reduktion der US-CO2-Emissionen basiert auf dem Glücksfall der Verfügbarkeit neuer, gewaltiger Gasressourcen und kostet die USA nichts.
Versprechen die nichts kosten, sind bekanntlich leicht gegeben. Und genau das hat Obama in seiner jüngsten Rede an der Universität Georgetown getan. Er gibt der Klimapolitik, die er seit seinem Amtsantritt im Jahr 2009 betreibt, einen grünen Anschein. In Wahrheit hat er für Klimaschutzgesetze keine Mehrheit im Kongress und dass die USA keinem internationalen Klimaschutzabkommen beitreten, das ihre politischen Handlungsmöglichkeiten einschränkt, wissen wir schon seit den Zeiten von Bill Clinton.
Europäische Politiker, darunter der Bundesumweltminister, haben Obama vorschnell applaudiert. Stattdessen sollten sie auf diesen Bluff nicht hereinfallen. Die USA verfügen über derart gewaltige Gas-Ressourcen, dass die Frage, ob man das Gas demnächst exportiert weniger relevant ist als die Frage, was die USA mit der Kohle machen, die sie selbst nicht mehr benötigen. Die Antwort liegt auf der Hand: Die Kohle wird exportiert. Im Jahr 2012 exportierten die USA 125,7 Millionen Tonnen Kohle. Im Jahr 2007 waren es noch 59,1 Millionen Tonnen. Die USA haben also innerhalb von fünf Jahren eine Verdoppelung ihrer Kohleexporte zu verzeichnen. Dankbarer Abnehmer von US-Kohle ist ausgerechnet die selbsternannte Klimaschutz-Hochburg Europa, wohin im Jahr 2012 die Hälfte der gesamten US-Kohlexporte gegangen sind. Wenn Obama seine Klimaversprechen ernst meint, dann stellt er nicht, wie angekündigt, die finanzielle Unterstützung zum Bau von Kohlekraftwerken im Ausland zur Disposition, sondern die amerikanischen Kohleexporte. Das damit nicht zu rechnen ist, braucht man im Licht von Freihandelsgesprächen mit Europa nicht weiter auszuführen.