Dass unsere Politiker nichts auf die Reihe bekommen, wird ihnen gern nachgesagt, stimmt aber nicht ganz. Wenn es darum geht, sprachschöpferisch zu dilettieren, können sie durchaus Erstaunliches zustande bringen, sogar den Satirikern die Butter vom Brot nehmen. Auf dem Parteitag der SPD versprachen Schulz, Schwesig et al. eben erst wieder, nun doch mit der CDU über die Bildung einer neuen großen Koalition „ergebnisoffen verhandeln“ zu wollen.
Schon seit Monaten ist die sprachliche Wendung in aller Politikermunde. Selbst die Medien gebrauchen sie unterdessen bedenkenlos. Keine Zeitung, in der die Wortschöpfung noch in Anführungszeichen auftaucht, so wie es sich bei der Verwendung einer Contradictio in adiecto, bei der Wiederholung sprachlichen Unsinns, gehören würde. Nichts da, überall plappern sie nach, was keinen Sinn ergibt.
Wird doch stets „verhandelt“, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, eigene Vorstellungen und Pläne umzusetzen, wenigstens teilweise. Wer dagegen „ergebnisoffen verhandelt“, weiß nicht, was er will. Ihm geht es um gar nichts, außer vielleicht darum, Zeit in der Konversation zu schinden. Kurt Tucholsky hätte gesagt, man „tut so, als ob man täte“. Man plaudert, man redet dummes Zeug, weil einem Gescheiteres nicht einfällt.
Auf dem Weg ins Nirgendwo
Und kaschiert wird das hochtrabende Geschwafel dann obendrein mit Wortschöpfungen, für die die Deutschlehrer früherer Zeiten ihren Schülern die Löffel langgezogen hätten: Martin, Manuela, Angela, Christian nachsitzen! Ob das heute noch etwas nützen würde, wissen wir nicht. Den Versuch wäre es wert, zumal es den Durchgefallenen an der nötigen Zeit dafür nicht mangelt. Allein sie werden Tage, Wochen und Monate wohl weiterhin „ergebnisoffen“ vertun, um uns irgendwann zu erklären, dass sie nichts erreichen konnten auf dem Weg ins Nirgendwo.
Rot werden müssen sie dabei keineswegs. Haben wir uns doch längst damit abgefunden, das bereits der Weg das anvisierte Ziel ist: die Sondierung nach der Sondierung, „ergebnisoffene“ Politik um ihrer selbst willen. Business as usual der funktionalen Analphabeten.
Siehe auch: phoenix Runde: "Jein zur GroKo? – Die SPD in der Klemme" mit dem grossartigen Rudolf Dreßler

„Ergebnisoffen“heißt einfach: Immer fröhlich weiterwursteln mit einem munteren „bätschi“ zwischendurch.
Stimme Ihnen vollumfänglich zu. Der inflationäre, unreflektierte Gebrauch des Begriffs "ergebnisoffen" belegt doch, dass, um es salopp zu sagen, viele Politiker und Journalisten einfach nicht mehr ganz dicht sind.
Danke für den ironischen Text zum Neusprech. Ich schlage vor, den Begriff auch auf andere Bereiche zu übertragen. Wie wäre es denn mit z.B. "ergebnisoffenen" Fußballspielen? Oder mit "ergebnisoffer" Abiturprüfung? Vielleicht gibt es ja auch bald "ergebnisoffene" Operationen im Krankenhaus, "ergebnissoffene" Rentenzahlungen etc. Die Möglichkeiten sind unendlich und werden den Zwang Versprechen auch einzuhalten erfreulich minimieren. Ich zahle meinen Kinder jedenfalls ab sofort ein "ergebnisoffenes" Taschengeld!
Ebenso das mediale Geschwurbel vom “dramatischen“ Absturz, wenn “drastisch“, also deutlich gemeint ist. Als Deutschlehrer halte ich diese drastischen Defizite für dramatisch!
So viel politische Unfähigkeit, Untätigkeit, Ignoranz und das Aussitzen von Problemen die das ganze Land lähmen gab es vor längerer Zeit schon einmal in der DDR. Warum ist niemand da, der diesen Leuten mal ganz sachte auf den Kopf haut um sie aus ihrer Lethargie aufzuwecken. Das alles ist für mich keine Demokratie mehr. Es erinnert viel mehr an ein Land in irgendeinem alten Märchen aus vergangener Zeit. Den Politikern ist doch unser Land und die Sorgen der darin lebenden Bürger völlig egal. Die sind doch alle machtbesoffen und nur daran interessiert, ihren Hintern an die Wand zu bekommen und sich ihre Pfründe zu sichern, koste es was es wolle. Da werden Milliarden um Milliarden verschleudert und keinen interessierts. Jetzt knickt auch noch die SPD wieder ein und versuchts wieder mit der Groko. Die Ministerposten lassen grüßen. Und nochmal 4 Jahre den Mist der vergangen Jahre. Frei nach dem Motto: 'Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht.'
Man stelle sich das einmal im Wirtschafts Leben vor - zwei Konzerne verhandeln ergebnis äoffen über eine Fusion.
"Ergebnisoffen" heisst, dass man im Gespräch keine Lösung sucht geschweige finden möchte.