Alt und krank werden, ist eine kostspielige Angelegenheit. Nie kostet ein Mensch mehr als im letzten Drittel seines Lebens. Dass die Medizin voranschreitet, ist dabei eine gute Nachricht für den Menschen, nicht jedoch für Krankenkassen, die immer ältere Menschen mit immer teureren Therapien, Behandlungen und Medikamenten versorgen müssen. Würde man dafür sorgen, dass die Menschen lieber sterben wollen, anstatt weiterzuleben, wäre es finanziell jedenfalls ein Gewinn. Die Geschichte der Euthanasie ist entsprechend eine Erzählung überforderter Kranken- und Pflegesysteme. Sorgten früher Großfamilien noch selbstverständlich selbst für die Pflege ihrer Alten und Kranken, herrscht heute Pflegenotstand und die Frage: Wer soll die teuren Behandlungen bezahlen?
Man muss so deutlich und zynisch formulieren, um die ganze Wahrheit rund um Euthanasie-Debatten in zahlreichen Ländern zu verstehen. Was mit den herzzerreißenden Geschichten über schwer leidende, sterbenskranke Menschen beginnt, um gesetzliche Optionen zu schaffen, endet immer in dem Druck auf Patienten, diese Möglichkeiten dann auch bitte zu nutzen.
Der Freitod als Heldentat zum Wohle der Mitmenschen
Derzeit wird es dem schwerkranken Patienten noch nicht offen ins Gesicht gesagt, dass er eine Zumutung sei, aber auch das ist möglicherweise nur noch eine Frage der Zeit, der Subtext von Euthanasie ist jedoch als Botschaft unmissverständlich: Stirb schneller, Mensch, und sei bis in den Tod bitte noch nützlich.
Wir sterben alle sowieso, könnten wir da nicht unsere Familien, das Gesundheitswesen und die Gesellschaft von unserer kranken Anwesenheit vorzeitig entlasten, uns freiwillig zum sozialverträglichen Frühableben entscheiden und davor heldenhaft auch noch nützlich für den Rest der Gesellschaft sein?
Wer glaubt, solche Überlegungen seien nur zynische Theorie, muss nur wenige Jahre zurück in die Corona-Krise schauen. Denn dieser Frage gingen damals Julian Savulescu and Dominic Wilkinson an der Universität Oxford nach und haben ein paar Vorschläge ausgearbeitet zum Thema „Extremer Altruismus in Zeiten von Pandemien“, nachzulesen auf dem Blog der Journal of Medical Ethics.
Natürlich wollten sie niemanden zwingen, noch schnell zum Helden zu werden, bevor er stirbt. Man plädierte aber dafür, die Menschen müssten doch die „Möglichkeit bekommen“, falls sie es tun wollten.
Und so fordern die beiden Wissenschaftler Savulescu, Professor für Angewandte Ethik am St. Cross College Oxford, und Wilkinson, ebenfalls Professor für Ethik und Leiter des Uehiro Centre für praktische Ethik in Oxford, das Recht auf Altruismus in Zeiten von Pandemien.
Wenn jemand seine geistigen Kräfte beisammen habe und alle Fakten und Risiken kenne, sollte er die Möglichkeit bekommen, seine Gesundheit oder sein Leben für Andere oder auch für die Allgemeinheit zu riskieren oder gar zu opfern. Die Argumentation war gewinnend einfach: Wenn es Menschen erlaubt sei, nur zur persönlichen Erbauung zum Beispiel beim Bergsteigen, Boxen oder Fallschirmspringen ihr Leben zu riskieren, warum sollte es ihnen nicht erlaubt sein, dasselbe für etwas Sinnvolles zu tun, etwa zum Nutzen seiner Mitmenschen? Die Herren machten also eine Gegenüberstellung zwischen sinnvollem und sinnlosem Riskieren des eigenen Lebens und vertraten die These: Wenn es Menschen erlaubt sei, sich aus jedem persönlichen Grund selbst umzubringen, gäbe es keinen Grund, ihnen den Selbstmord aus Nächstenliebe oder zum Wohle der Gesellschaft zu verbieten.
Konkret machen Savulescu und Wilkinson die Vorschläge, dass ältere Leute, die sowieso nur eine geringe Lebenserwartung hätten, weil bereits mit dem Corona-Virus infiziert, sich freiwillig als Testperson für neue Corona-Impfstoffe zur Verfügung stellen sollten.
Patienten, die sowieso bald sterben könnten, sollten aber auch entscheiden dürfen, dass an ihnen Methoden zur Euthanasie getestet werden, damit später Andere von diesen Erkenntnissen profitieren. Auch das sichere Töten muss schließlich erprobt werden! Nicht, dass was schief geht und einer aus Versehen den Heldentod überlebt!
Nützliche Organe
Die Forderung ging aber auch noch ein Stück weiter. Patienten sollten demnach auch das Recht bekommen, sich, solange sie noch bei Atem und Verstand sind, präventiv als potenzielle Organspender eintragen zu lassen, damit ihre Organe entnommen werden können, sollte man die Beatmungsgeräte irgendwann auf der Intensivstation abstellen.
Aber warum nur Alte und Kranke zum Helden machen, wenn man das auch jungen gesunden Menschen bieten kann? Und so findet sich auch der Vorschlag, Soldaten könnten sich freiwillig an riskanten Impfstoff-Testungen beteiligen und im Tausch dafür von ihren Kampfeinsätzen befreit werden. Diese seien ja schließlich auch lebensriskant, man soll das Risiko also freiwillig wechseln können als Soldat. Warum nicht gleich die Kandidaten in den Todeszellen weltweit einmal fragen?
Wenn ein paar Gesunde darüber nachdenken, wie man ein paar Alte und Kranke noch nützlich verwenden kann, wird es schnell makaber. Die Vorschläge aus Oxford lösten damals kein Entsetzen und auch keine Empörung aus. Es waren ja nur „Optionen“ und „Vorschläge“, damit niemand mehr sinnlos sterben muss, alle tun es dann nur noch selbstbestimmt und sogar für den guten Zweck.
Tod statt Therapie
Man kann die Geschichte überforderter Krankenkassensysteme und ihrer Sanierung auf Kosten von Schwerkranken auch anders erzählen, nämlich am Beispiel Kanadas. Dieses vermeintlich so fortschrittlich-moderne Land hat in den vergangenen zehn Jahren die Sterbehilfe für Alte und Schwerkranke zum neuen Erfolgsmodell für das finanzielle Wohlergehen der Krankenkassen gemacht.
Im Jahr 2016 legalisierte Kanada die ärztlich assistiere Sterbehilfe aber auch die aktive Sterbehilfe durch Ärzte und Krankenhausmitarbeiter unter dem Namen MAiD – Medical Assistance in Dying. Was rhetorisch als Ausnahmeangebot für Schwerkranke und nur für einwilligungsfähige Erwachsene begründet wurde, die „unerträgliches Leid“ erdulden und deren natürlicher Tod absehbar ist, wie etwa bei Krebs im Endstadium, wurde 2021 auf weitere Personengruppen ausgeweitet.
In der neuen Kategorie tötet man jetzt auch Menschen mit schweren oder unheilbaren Krankheiten oder auch Menschen mit Behinderungen, deren Tod gar nicht bevorsteht, die aber körperlich oder auch nur psychisch darunter leiden. Gerade diskutiert man zudem, ob man die Sterbehilfe auch auf Minderjährige, also Kinder und Jugendliche und rein psychisch Kranke ausweiten kann, aber auch auf nicht einwilligungsfähige Menschen.
Innerhalb von nur fünf Jahren stieg daraufhin die Zahl der Euthanasie-Fälle in Kanada von 970 Fällen in 2016 auf 10.064 Fälle im Jahr 2021, insgesamt waren es bis 2021 ganze 31.664 Kanadier, die sich mit ärztlicher Hilfe das Leben nahmen. 2023 war die Zahl bereits auf 60.301 Fälle angewachsen, Tendenz steigend.
In manchen Provinzen wie Quebec sterben bereits sieben Prozent der Gesamtbevölkerung inzwischen nicht mehr eines natürlichen Todes, sondern durch Euthanasie, wie die kanadische Ärztin Ramona Coelho anhand der Ergebnisse ihrer Cambridge-Studie ausführlich darlegt.
Sterbehilfe für Long-Covid-Patienten und Kriegsveteranen
Was sich zunächst wie eine freie Willensentscheidung von lebensmüden Patienten anhört, ist nämlich nicht selten die Verweigerung und Verschleppung von Therapien und Behandlungen, sodass verzweifelte Patienten dann lieber den Tod wählen. Nicht nur Coelho, auch das österreichische Institut Imabe berichtet von Fällen, wo etwa bei Long-Covid-Patienten, Menschen mit Behinderung oder Kriegsveteranen die Option, sich selbst töten zu lassen, statt sich behandeln zu lassen, aktiv angeboten wurde, obwohl die Patienten selbst gar nicht danach gefragt hatten. In zahlreichen Krankenhäusern wird dies tatsächlich inzwischen von eigens angestellten Beauftragten eigeninitiativ als Option an Patienten herangetragen, die nie den Wunsch geäußert hatten, sterben zu wollen.
Bei FreePress berichtete erst vor wenigen Tagen die 84-jährige Miriam Lancaster, wie ihr als Patientin in der Notaufnahme in Kanada wegen ihren Rückenschmerzen noch vor der ersten Diagnose Sterbehilfe als Option angeboten worden war. Später stellte sich ein einfacher Knochenbruch als Ursache heraus, der durch Bettruhe wieder abheilen konnte. Man hatte ihr aber stattdessen den Tod angeboten.
Die Medien in Kanada berichteten auch von dem Fall der 50-jährigen Tracey Thompson, die wegen Long-COVID mit chronischer Erschöpfung und anderen schwerwiegenden Symptomen zu kämpfen hatte und deswegen arbeitsunfähig war. In der Begründung für ihren Antrag auf Euthanasie gab sie an, ihre Ersparnisse reichten nur noch für fünf Monate, sie wolle eigentlich nicht sterben, sie sehe jedoch keinen Ausweg aus ihrer Situation: „Es ist eine rein finanzielle Entscheidung, meine Optionen sind, langsam und schmerzvoll oder schnell zu sterben“. Es ist, als rufe man einem Suizidgefährdeten am Brückenrand zu: „Nun spring doch!“
Coelho berichtet von ähnlich gelagerten Fällen, wie etwa von einem Mann mit chronisch-entzündlicher Darmerkrankung und psychischen Problemen, dem die Selbsttötung während einer psychiatrischen Untersuchung als Option nahegelegt wurde, „obwohl seine psychischen und Suchterkrankungen weitgehend unbehandelt blieben“. Sie berichtet auch von einem klar erkennbaren Armutsgefälle in der Statistik jener, die sich „freiwillig“ das Leben nehmen lassen, aber auch von mangelndem Zugang der Patienten zu Therapien und Behandlungen. Die Daten zeigten, dass 2023 weniger als die Hälfte der Patienten aus der Kategorie der nicht Sterbenskranken Zugang zu psychischer Gesundheitsversorgung, Beratung oder Unterstützungsangeboten hatten. Fast 30 Prozent dieser Fälle betrafen Menschen, die in Armut lebten. 6,7 Prozent hatten keine feste Wohnadresse, waren also Obdachlose. Töten statt behandeln, ist eben billiger.
Einmal Töten für nur 2.327 Dollar
Unter Ökonomen in Kanada ist der Tod längst ein Rechenbeispiel für alle Altersklassen, die dem Krankenkassensystem auf der Tasche liegen. „Warum euthanasiert Kanada seine Armen?“, fragte der britische Spectator bereits im April 2022 in einem Beitrag.
Dort rechnet der Politikwissenschaftler Yuan Yi Zhu von der Universität Oxford vor, wie ärmere Menschen, die vollständig auf das staatliche Gesundheitssystem angewiesen seien, zum Kostenfaktor avancieren. Die Gesundheitsversorgung, insbesondere für chronisch Kranke, sei teuer, Euthanasie hingegen koste den kanadischen Steuerzahler nur 2.327 Dollar pro Fall und ist für den Patienten kostenlos.
Bereits im Oktober 2020 hatte das kanadische Parlament auf Anfrage eines Senators durch Ökonomen in einem Gutachten ausrechnen lassen, dass sich durch Euthanasie jährlich 149 Millionen kanadische Dollar in der Krankenversorgung einsparen ließen.
Die kanadische Regierung investiert Millionen, um Euthanasie überall verfügbar zu machen, während die Wartezeiten selbst für die medizinische Grundversorgung von Patienten ständig länger werden. Ein Schelm, wer Methode darin erkennt. Die ehemalige, kanadische Ministerin für Behinderteninklusion, Carla Qualtrough, selbst Rollstuhlfahrerin, hielt in einer Anhörung des kanadischen House of Commons dann auch die Tatsache fest, dass es in einigen Regionen Kanadas einfacher sei, Zugang zu Euthanasie zu erlangen als zu einem Rollstuhl für Menschen mit Behinderungen.
Wo Kranke zu teuer erscheinen, wird das Sterben bald zur Pflicht.
Dieser Beitrag erschien ursprünglich in englischer Sprache bei Statement und auf deutsch im Substack von Birgit Kelle.

@Marc Munich: Hatte ich nicht von palliativer Versorgung geschrieben? Palliativmedizin beinhaltet Schmerzmedikamente bis hin zu Opiaten.
Mein Mann ist (vor 14 Jahren) nach fast einem Jahr unter Palliativ-Versorgung – ohne alle Qualen – gestorben.
Ich kann auch mit anderen Erfahrungsberichten aufwarten, z.B. der „Pflege“ einer an Alzheimer erkrankten Frau, die schon zehn Jahre lang niemanden mehr erkannt hatte und nur noch in Embryohaltung im Bett lag. Man hat sie von diversen Lungenentzündungen kuriert, ihr einen abgestorbenen Fuß abgenommen und sie täglich über die übliche Sonde ernährt und sauber gehalten. Die Frau war ein gutes Geschäft!
Nach jahrelangem Kampf wurde den Angehörigen erlaubt, die arme Frau sterben zu lassen.
@Ilona Grimm, „Offensichtlich glauben Sie fest daran, dass mit dem Tod “alles aus„ ist. Das ist aber ein ganz böser Trugschluss.“ –
Manche Menschen denken nach. Andere glauben das, was andere Menschen (selbsternannte Propheten, vielleicht falsche gar?) ihnen vorerzählen.
Es sei grundfalsch oder gar die einzige Todsünde, sich zu suizidieren?
Ein Märtyrertod sei der Goldstandard?
Dunkelstes Mittelalter!
Das Leben ist eine merkwürdige, aber auch wunderbare Sache, lasst es uns sanft zu Ende bringen. Die Palliativmedizin ist dabei ein Segen. Sie hat den tröstenden Mantel der Hl. Georg für euch. Ich hatte mal wegen einer Brandverletzung ein Ampulle Morphium gekriegt – herrlich, kann ich nur sagen.
Da tun sich Abgründe auf, die ich lieber erst gar nicht diskutieren will. Zumindest so lange nicht, bis der Missbrauch von ganz jungen Mädchen in sogen. „Kinderehen“ nicht abgestellt ist. Der Raub der Kindheit ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit – Euthanasie auch? Es geht einmal um völlig wehrlose minderjährige Mädchen, zum andern Mal um Erwachsene, die ihr Leben leben durften und gelebt haben. dw:/de/unicef-prangert-kinderehen-an/a- … . Was sagt der Moslem? Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod. Was tun mit Lenin?
Ein Land, das sich leistet laut Merkels Migrationspakt Weltsozialamt für alle zu spielen, die den Sozialstaat nur ausnutzen, anstatt den Rotstift bei Missbrauch an zu setzen, ein Land das Gewaltstraftäter pampert und importiert, allein Charite im ersten Halbjahr musste mindestens 5000 Opfer von Gewaltstraftätern versorgen und diese gleich mit versorgt, gratis natürlich ohne Gegenleistungen zu fordern, muss sich nicht wundern, wenn die Kosten explodieren.
Statt das System zu reformieren und alle eingewanderten Asylparasiten zu versorgen, anstatt mit Bürgergeldbezug auch bei notorischen Faulenzern hin zu sehen, rechnet man ihnen wie aus der Gießkanne Krankengeldversicherungspunkte an, wo sie zu einer Gegenleistung zu faul sind, ausgenommen die wirklich Hilfe Bedürftigen. Statt Gewaltstraftäter die vorsätzlich anderen Menschen Schaden an Leib und Leben zufügen, mal kräftig zur Kasse zu bitten, bekommen sie alles umsonst und werden in der Gewaltspirale die sie anrichten, dank Krankenkassen Pampers nicht zur Rechenschaft gezogen und ihnen Versicherungsleistungen, die sie verwirkt haben entzogen. Dank politischer Billigausrede werden Mörder als psychisch krank behandelt, was bei den Krankenkassen auch zu Buche schlägt. Von daher fordere ich das nur Einzahler in die Krankenkassen und Einzahlende in die Krankenkassen, bis auf geringe Ausnahmen bei Schwachen und Kranken, nicht für staatlich krank erklärten Krankenkassen Leistungen zustehen. Gewaltverbrecher gehören abgeschoben oder in Haft. Solange es keine Konsequenzen für Gewaltverbrecher gibt, auch Rauswurf aus dem Krankenkassen System, werden die Kosten im Sozialparadies D. weiter explodieren. Während Einheimische lange auf ein Zahnimplantat warten, wird es dank Sozialarbeitern den Neusiedlern als Vorteilspatienten hinter her geworfen. Warum haften dann nicht die Sozialarbeiter für ihre Goldschätzchen die mit helfen unser Krankenkassen System zu ruinieren oder die Asylindustrie mit ihren KGE Goldstücken, die nicht daran denken eine Gegenleistung zu erbringen? Warum mussten Verwitwete damals für ihre Verstorbenen Krankenkassenbeiträge bezahlen, wenn für jedermann aus dem Füllhorn geschaufelt wird?
@Th. Gerbert … Es ist keine Frage der Christlichen Nächstenliebe. Denn handelte es sich um christliche Nächstenliebe, müßte die ja nur von 47% Christen in Deutschland finanziert werden. Unser Sozialwesen (für Deutsche) entstand aus den Erfahrungen des II. Reichs, zB den Verlust des Krieges, weil Ständestaat. Den heutigen Sozialstaat haben wir im wesentlichen den Nationalsozialisten zu verdanken, er ist quasi ein kulturelles Erbe, auch wenn die Nationalsozialisten keine Zeit hatten, den Ständestaat zu beseitigen. Deswegen haben wir diesen heute noch.