“Nuclear-Pride”-Bewegung - dürfen die das?

Zum ersten Mal seit längerer Zeit stehen energiepolitische Themen in diesem Herbst wieder ganz oben auf der Agenda. Im Hambacher Forst stehen sich militante Umweltschützer, RWE und Staatsgewalt unversöhnlich gegenüber. Die Umweltverbände BUND und Greenpeace ketten sich im Rheinland an jeden einzelnen Baum und drohen mit dem Ausstieg aus der Kohlekommission. Inzwischen haben sie gerichtlich einen Rodungsstop erwirkt. Zur gleichen Zeit stellt der Berliner Bundesrechnungshof der Regierung in seinem neuesten Energiewende-Bericht ein verheerendes Zeugnis aus. 

Die deutsche Energiewende hat demzufolge, außer dem Atomausstiegsbeschluss, keines ihrer selbstgesetzten Ziele erreicht. Sie ist kein Weg zu mehr Umwelt- und Landschaftsschutz: Windparks und Biomasse-Monokulturen bewirken große ökologische Schäden in gewachsenen Kulturlandschaften. Vor die Motorsägen der Windkraftindustrie wirft sich kein BUNDist und Greenpeacer, denn ein Hambi-Baum ist bekanntlich wertvoller als ein anonymer Irgendwo-Baum, der einem Windpark zum Opfer fällt. Die Energiewende à l’allemande ist auch kein Weg zum Klimaschutz: Die selbstgesteckten deutschen CO2-Ziele wurden nicht erreicht. Sie ist kein Weg in eine sichere Stromversorgung: Unregelmäßige Einspeisung und stückweise Zurückdrängung der gesicherten Leistung sorgen für immer mehr Instabilität in unseren Stromnetzen. 

Darüber hinaus ist die Energiewende heute weder wirtschaftlich, noch sozial. Die mit über 30 Milliarden Euro jährlich Stromkunden- sowie Steuergeld-finanzierten Maßnahmen tragen kaum zu einer gesicherten Stromversorgung bei. Fossile und die verbliebenen nuklearen Kapazitäten sichern unsere Netze und erschaffen die Illusion, dies sei ein Verdienst der Erneuerbaren. Indessen steigen die Strompreise weiter.  

Wer „Atomkraft, nein danke!“ rief, hat Braunkohle bekommen

Wer  „Atomkraft? Nein danke!“ rief und durchsetzte, hat als Belohnung die Braunkohle bekommen, gegen die jetzt so heftig protestiert wird. Doch wer vom RWE-Kernkraftwerk Emsland nicht sprechen will, der sollte zu RWE im Hambacher Forst schweigen. Das Kernkraftwerk könnte den Forst retten. Aber das ist nicht erwünscht. Emsland wird spätestens 2022 vom Netz gehen, Grund: Die deutsche Post-Fukushima-Panik-Gesetzgebung. Und so bahnt das politische Verbot der sicheren, luftschadstoff- und CO2-armen Kernenergie einer anderen, sicheren und preiswerten – aber nicht sauberen – Stromversorgung den Weg. Es ist dieser Zusammenhang, der von unserer klassischen Umweltbewegung und ihrer parlamentarischen Vertretung, den Grünen, systematisch unter den Teppich gekehrt wird.

Nun soll auch die Braunkohle gehen, des Klimaschutzes wegen – aber eine andere gesicherte und saubere Leistung ist nicht in Sicht, genauso wenig wie bezahlbare und schnell umsetzbare Stromspeichertechnologien. Insgeheim liebäugelt die Bundesregierung daher bereits mit russischem Erdgas als Exit-Strategie. Bevor sie einen Netzzusammenbruch riskiert, verstrickt sie unser Land lieber in neue fossile Abhängigkeiten. 

All das verträgt sich aufgrund der Verlagerung unserer Stromwirtschaft aufs Fossile überhaupt nicht mit den deutschen Klimazielen. Indessen verschweigt unsere Regierung in Gestalt der Bundes-Umweltministerin selbst im Rahmen des eigenen Argumentationshorizonts jene Tatsachen, die nicht ins Schema „Erneuerbare retten uns“ passen. Dazu gehört das systematische Ignorieren jener Teile der ansonsten als Offenbarung gelesenen IPCC-Klima-Sachstandsberichte, welche die Kernenergie als eine der Lösungen für die Abmilderung des – wie man annimmt – CO2-bedingten Klimawandels anspechen (So Kapitel 4 des neuesten Sonderberichts, Seite 4-19). 

Beständig drückt man sich um die Tatsache herum, dass innovative Ansätze für CO2-Einsparungen in (noch) heimischen Industrien ohne Stromerzeuger mit hoher Energiedichte nicht zu haben sind. Möchte man beispielsweise bei der Stahlherstellung entstehendes CO2 weiterverwerten oder die Kohlenstoffreduktion bei der Stahlherstellung durch Wasserstoffreduktion ersetzen, ist der Stromverbrauch zur Produktion des benötigten Wasserstoffs enorm. 

Nun baut man den Hochtemperaturreaktor in China

Immer wieder ins Feld geführt wird in diesem Zusammenhang die Elektrolyse, genauer der Einsatz von Überschuss-Strom aus der wetterbedingten, ungeplanten Überproduktion von Windkraftanlagen, um speicherbare Energieträger wie den Wasserstoff zu erhalten. Nicht diskutiert wird jedoch, dass Windstrom-Kapazitäten für die Bedarfe eines CO2-armen Stahlwerks mit Wasserstoffreduktion und Elektrolichtbogen-Öfen lange nicht ausreichten, und dass man für großindustrielle Bedarfe das gesamte Land mit Windparks und (noch nicht vorhandenen) Speicher- und Umwandlungs-Industrien pflastern müsste. Eine viel kompaktere und elegantere Lösung für dieses Problem wäre der Einsatz eines Hochtemperaturreaktors. Aber diese Technologie ist in Deutschland, wo sie maßgeblich mitentwickelt wurde, inzwischen verpönt. Nun baut man den Hochtemperaturreaktor in China.

Das heißt: Die von oben auferlegte Matrix – von Kernenergie ist um jeden Preis zu schweigen, und Lösungen dürfen nur „erneuerbar“ sein – verkompliziert, verlangsamt und verteuert selbst jene Transformationsprozesse, die man selber befürwortet. So weit, bis die betroffene Industrie entnervt das Land verlässt. Oder die immer neuen staatlichen Beihilfen, ohne die solche Vorhaben gar nicht erst realisiert werden können, der Bevölkerung, die das alles finanziert, die Luft abdrücken. Auch Anhängern des Klimawandel-Ansatzes sollte dieser innere Widerspruch mit der Zeit auffallen. 

Diese Situation bereitet vielen Bürgern und Fachleuten inzwischen großes Unbehagen, und etliche fangen an, wieder über die Kernenergie nachzudenken, die wir leichtfertig aus dem Land getrieben haben. Aber die meisten scheuen ein Coming-Out: Wer sich aus der Deckung wagt, riskiert was in seinen politischen, wissenschaftlichen oder menschlichen Lebenswelten. Eine gut organisierte Erneuerbaren-Lobby und eine zu großen Teilen auf antinukleare Berichterstattung eingenordete Journalistenschaft beschimpft solche Leute als Ewiggestrige oder gleich als Rechtspopulisten. 

Ist Kernenergie „rechts“?

Aber ist Kernenergie überhaupt „rechts“? Tatsächlich ist sie seinerzeit, nachdem sie als links-progressiver Tiger und Liebling der Sozialliberalen gestartet war, als bräsig-konservativer Bettvorleger in der bundesrepublikanischen Wirklichkeit gelandet. Die Kernkraftwerke wurden mit der Zeit ein unspektakulärer Teil unserer ländlichen Regionen – nicht gerade begeistert aufgenommen, aber in der Regel akzeptiert: Sie brachten gute Gewerbesteuereinnahmen. So richtig unterstützt wurden sie aber bald nur noch von den Straußens, Filbingers und Kohls meiner Jugend. Damit war Kernenergie für uns natürlich total uncool. Wir, die Wildlederjacken-Linken, waren natürlich dagegen. 

Aber wir waren nicht in der Mehrheit, weswegen wir eifrig an den Kraftwerkszäunen demonstrierten, während die verhassten Anlagen stoisch ihre Megawatts in die Netze bliesen und ihre Belegschaften unter unseren Pfiffen zur Arbeit gingen. Was waren das für Zeiten! Die AfD möchte heute am liebsten wieder dahin zurück, ohne viel Migrations-, Klima- und Gendergedöns, und ist um der Vollständigkeit halber deswegen auch für Kernenergie. Und die heutigen Grünen und Linken denken an die eigene Heldenjugend in den Schlachten von Brok- und Wackersdorf. Sie möchten auch, dass das Bild so bleibt. Links die sanften Wind- und Sonnenjünger, denen eine Verzichts- und Mangelökonomie am Ende mehr zusagt als ein CO2-armes Stahlwerk. Rechts der Atomstaat und der Nuklearkapitalismus.

Doch jenseits dieser Frontenbildungen der Vergangenheit macht sich neuerdings ein bunter Haufen von Leuten auf, die Schützengräben zuzuschütten. Es gibt in Deutschland wieder Leute, die das Redetabu über die Kernenergie brechen – aber nicht „von rechts“ kommen. Es sind Natur- und Geisteswissenschaftler, Philosophen und Techniker. Leute, die sich im ökologisch-progressiven Spektrum verorten und sich dafür aussprechen, den Atomausstieg zu überdenken. Sie tun das, weil sie liebgewordene vorherige Überzeugungen in Lernprozessen geändert haben und weil sie angesichts der gescheiterten Energiewende und der Herausforderungen von Luftverschmutzung, Bevölkerungswachstum und Klimawandel auch über die nukleare Lösung wieder diskutieren wollen

Sie tun sich zusammen mit Konservativen und Liberalen, welche die Kernenergienutzung von jeher für eine vernünftige Sache hielten, auf das Klima-Argument verzichten und ins Feld führen, dass angesichts des Stromhungers einer sich entwickelnden 4.0-Industriegesellschaft und angesichts des Entwicklungsversprechens an die Gesellschaften der Südhalbkugel eine globale Energiewirtschaft allein auf Basis der Erneuerbaren nicht machbar sei. Sie argumentieren, dass die Kernenergie eine technisch ausgereifte, landschaftlich minimal-invasive und luftschadstoffarme Form der Elektrizitätsversorgung sei, und dass fortgeschrittene Formen von Kerntechnik, zum Beispiel inhärent sichere Schmelzsalz- oder Thorium-Reaktoren, wesentlich mehr könnten, als Strom zu produzieren: Fernwärme für Wohngebiete und Prozesswärme für die Treibstoffsynthese bereitstellen, medizinische Radionuklide generieren und Atommüll verwerten. Kernenergie ist auch aus dieser Perspektive nicht „gegessen“. 

„Nuclear Pride"-Fest auf dem Münchner Marienplatz 

Am 21. Oktober wollen sich diese Initiativen auf dem Münchner Marienplatz beim „Nuclear Pride Fest“ vorstellen, mit den Bürgern diskutieren und sich gegenseitig vernetzen. Die Analogie zur „Pride“-Bewegung diskriminierter Homosexueller ist gewollt: man will raus aus der Zone der Tabus und gesetzlichen Verbote. Träger der Veranstaltung ist die Nuclear Pride Coalition, ein europaweiter Zusammenschluss von Initiativen, die sich gegen religiösen und ökologischen Obskurantismus, gegen Pseudowissenschaften und für den Primat wissenschaftlicher Evidenz bei der Entscheidungsfindung über Zukunftsfragen einsetzen. In Deutschland mobilisiert vor allem die Nuklearia für die Veranstaltung, ein kleiner, aber zunehmend beachteter Verein, der sich um die nukleare Re-Alphabetisierung des Entwicklungslands Deutschland kümmert.

Dass etwas in Bewegung geraten ist, zeigen die wüsten Angriffe auf diese Initiativen. Lange Zeit wähnte sich die deutsche Alt-Ökobewegung als alleinige Herrin des Umweltschutz-Diskurses. Weil man zu Hause den Atomausstieg ja schon erreicht hat, behilft man sich seit einiger Zeit – unterstützt von WDR und ARD – mit Angstkampagnen gegen belgische Kernkraftwerke, oder man engagiert sich ersatzhalber eben gegen Braunkohle und neue Stromtrassen. Militante „Besetzis“ im „Hambi“ zu verniedlichen, gehört zum Pflichtprogramm. Man überlässt es den Netzbetreibern, sich darüber den Kopf zu zerbrechen, ob Deutschland aus aller gesicherter Leistung gleichzeitig aussteigen sollte, ohne absehbare Speicherlösungen, Leitungen und Reserven für dunkle (oder, wie in diesem Sommer, heiße) windstille Tage. 

Mit dieser Diskurshoheit ist jetzt Schluss – und die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Getreu der Gandhi-Regel, der zufolge eine neue Bewegung vom Establishment erst ignoriert, dann verspottet und sodann bekämpft wird, sind die Sanfte-Energien-Adepten inzwischen beim Bekämpfen angelangt. Sie schrecken auch vor sexistischen Angriffen und wüsten Denunziationen gegen Vertreterinnen und Vertreter der Initiative nicht zurück; Die Autorin dieses Beitrags hat es am eigenen Leibe erfahren. Denn wenn es ums Ganze geht, ist bekanntlich alles erlaubt, auch Sprechweisen, welche in diesem Spektrum immer gerne als Problem der anderen, der „Rechten“ identifiziert werden. Für den guten Zweck darf auch mit Fäkalien geschmissen werden, ob im Hambacher Forst oder auf Facebook.

Auch die Diskurs-Mauern stehen nicht ewig

In dieser Kampfzone bewegen sich die Ökomodernisten leichtfüßig, gutgelaunt und selbstironisch. Sie präsentieren sich mit einer Art Hippie-Ikonografie, Satire (nuklearia...) und flotten Sprüchen, was die Dunkelgrünen und Alt-Antis erst recht auf die Palme bringt. Das ist nicht der Gegner von damals. Lahme Vorwürfe, hier sei die „Atomindustrie“ am zersetzenden Werk, zerfallen angesichts einer Realität aus ehemaligen Atomkonzernen, die sich gerieren, als wären ihre Ingenieure alle in Solar-Hüttendörfern groß geworden. Die Dunkelgrünen sind längst in Staat, Eliten und Wirtschaft angekommen, doch sie wachen eifrig über ihren sauer erarbeiteten Stromrebellen-Mythos. Umso mehr ärgert es sie, dass von unerwarteter Seite plötzlich Atomstromrebellen auftauchen.  

Fest steht, dass die Kernenergie der Zukunft anders aussehen wird als die, welche wir heute in der deutschen Provinz sehen. Aber ob sie verschwinden muss – das sei dahingestellt. Mauern stehen nicht 100 Jahre, nur weil ein Honecker das ein Jahr vor Mauerfall behauptet. Auch die Mauern der deutschen Diskurse, der deutschen Mehrheitsverhältnisse und des deutschen Atomgesetzes sind da keine Ausnahme.   

Dr. Anna Veronika Wendland ist Osteuropa- und Technikhistorikerin am Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung in Marburg. Sie forscht zur Geschichte und Gegenwart der Kerntechnik und der ReaktorsicherheitDieser Artikel ist die bearbeitete und aktualisierte Form eines Beitrags, der bei den „Salonkolumnisten“ publiziert wurde. 

Foto: Gendarmerie nationale CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

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Thomas Weidner / 16.10.2018

Die “Nuclear-Pride”-Bewegung dürfte es in Bayern resp. München schwer haben. Berichtet doch Z.B. das “Antenne Bayern”-Radio bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit (auch noch 2018), dass das AKW-Unglück in Fukushima für die 20.000 Toten in Japan verantwortlich ist. Vom Tsunami ist dagegen keine Rede…

Werner Baumschlager / 16.10.2018

Ein einziges Atomkraftwerk könnte 10.000 Windräder ersetzen. Das muss man sich mal vorstellen.

Michael Löhr / 16.10.2018

Lasset uns 60 moderne KKW bauen und die Energieversorgung ist sauber und sicher. Und falls es Protest gibt, einfach nicht hin hören. Irgendwann hört das Gekreische auch wieder auf. Ist wie bei kleinen Kindern…, wenn die ihren Willen nicht kriegen.:-)

Martin Lederer / 16.10.2018

@Marc Stark / 16.10.2018 Mal abwarten. Wenn die Vereinigte Linke (aus Medien linken Parteien, “Künstlern, NGOs, ....) beschließen, dass etwas “rechts”, “böse”, “Nazi”, ... ist, dann ist es das einfach. Es wurden schon Metzger von linken Gruppierungen angegriffen, weil sie “Tiermörder” sind. Soldaten sind sowieso Mörder. “Klimaleugner” haben es auch immer schwerer. ... Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass die “Atomfreunde” nicht auch angreifen - ganz egal wie die das “verkaufen”.

Martin Lederer / 16.10.2018

“Am 21. Oktober wollen sich diese Initiativen auf dem Münchner Marienplatz beim „Nuclear Pride Fest“ vorstellen, mit den Bürgern diskutieren und sich gegenseitig vernetzen.”: Nur damit Sie sich innerlich darauf vorbereiten können: Wenn das so statt findet und wenn diese “Bewegung” groß genug ist, um auf dem Radarschirm zu sein, dann werden Sie mit linker Gewalt rechnen müssen. Das ist keine “Angstmache”, sondern das wird einfach so sein. Sie werden als “Menschenfeinde”, “Neoliberale”, “Faschisten”, “Nazis”, .... beschimpft werden. Und auch körperlich angegriffen - wenn die die Chance dazu haben. Natürlich mit abgefackelten Autos, beschmierten Wohnhäusern und Büros, Outing als “Nazis” etc. Leute, die das noch nicht erlebt haben, glauben das vorher nicht. Aber diese linken Organisationen sind fest eingespielt. Die können sich gegen jeden richten, der den linken Vorstellungen nicht entspricht.

Gudrun Meyer / 16.10.2018

Es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass die Mehrheit der grünen Prominenz Ihren Artikel verstehen würde. Es ist noch unwahrscheinlicher, dass sie es versucht.  Claudia Roth, KGE und weitere grüne Geistesgrößen beschäftigen sich auch gar nicht mit Umweltgedöns.  Achgut ist “rechts”, AKWs sind unter allen Umständen noch “rechter”, wesentlich mehr muss man nicht wissen.. Am wichtigsten ist aber, dass keine Partei weiter als von zwölf bis Mittag, also bis zum nächsten Wahlabend, denkt. Für die meisten Politiker, und gerade für grünlinke Politiker, ist “Öko-und-so” ein Laberthema, das man ab und zu aufwärmt, um die Stimmen von (vermeintlich vielen) Leuten abzugreifen, die noch nicht kapiert haben, dass das “Öko”-Engagement der Grünen eine undurchdachte Serie von Schlagworten ist, deren Relevanz weit, weit hinter der von Genderquatsch und supi multkrimiikulti No-go-areas zurücksteht.

Margit Broetz / 16.10.2018

“Atomausstieg” und “Energiewende” sind ja von der Sache her gut begründet (wer an die Sicherheit nuklearer Anlagen in Zeiten von Jihad glaubt oder an ewige Kohlenutzung, und das ohne ohne Umweltfolgen, hat sich aus vernünftiger Debatte längst verabschiedet, genau wie diejenigen, die an ewiges Wachstum glauben). Nur in beiden Fällen ist die reale Umsetzung ja nichts anderes als Korruption in ganz großem Stil, und da liegst auch das Problem, und deshalb ist bei uns der Strom so teuer. In einigen Fällen haben ja die Politiker sogar die Juristen der Energiekonzerne um Rat gefragt, wie das Gesetz formuliert werden soll, damit der Konzern nachher den Staat auf Schadenersatz verklagen kann. Gar nicht in der Debatte erscheint, welche Rolle Energieeinsparungen spielen können (an denen die Konzerne freilich kein Interesse haben). In den 1970ern wurden mehr oder weniger flächendeckend die elektronischen Geräte in Röhrentechnik durch solche in Transistortechnik ersetzt, das ermöglichte den Verzicht auf mehrere Großkraftwerke, die nur der Röhrenheizung dienten. Heute haben wir zunehmend Beleuchtung in LED-Technik, die Leuchtstofflampen und Glühbirnen ersetzen. Bei einer Glühbirne wird 97% der eingesetzten Energie verschwendet (es entsteht Abwärme). Und solange ich in Deutschland immer noch Kühltürme an Kraftwerken sehe, deren Aufgabe es ist, Abwärme loszuwerden, ist das Einsparpotential immer noch gigantisch.

Engelbert Gartner / 16.10.2018

@ Walter stein:  Sie schreiben “Was ich bei achgut und ähnlichen Seiten störend finde, ist die latente bis offene Klimaskepsis Das ist schlicht dumm und .....”.  H. Stein, ich habe beruflich mit diesem physikalische Effekt gearbeitet. Die Analysenmethode nennt sich Infrarotspektroskopie ( IR Spektroskopie ). Es ist richtig, dass es in einem engen IR-Wellenbereich zu einer Wechselwirkung mit CO2 kommt. Das heißt, dass IR Strahlung in Wärme umgewandelt wird. Die Menge an CO2 in der Atmosphäre ist ( wahrscheinlich schon menschengemacht ) von 0,036 % auf 0,04 % angestiegen das sind 0,004%. Diese Zunahme ist sehr gering und kann für die Klimaerwärmung nicht allein verantwortlich gemacht werden. Das entscheidende Klimagas ist, und dies wird selten angesprochen, das sich in der Luft befindliche Wasser. Wie bedeutend Wasser als Klimagas ist,  kann man sehr gut in Wüstengebieten beobachten. Fast jeder weiß, dass es in Wüstengebieten in der Nacht sehr kalt werden kann. Warum ist das so ?  In Wüstengebieten ist der CO2 Gehalt in der Luft wie fast überall bei 0,04”%. Der Wassergehalt in diesen Regionen ist aber sehr sehr gering. Die Erde strahlt in der Nacht im IR Bereich Energie in das Universum ab. Da kaum Wasser vorhanden ist kann es zu keiner Wechselwirkung kommen. Die Atmosphäre wird sehr kalt. Wenn Sie nachdenken, werden Sie ähnliche Phänomene auch in unseren Breiten feststellen können. Klare Nächte ( Wenig Wasser in der Luft ) im Winter sind besonders kalt. Die Skepsis, dass der Klimawandel mit dem höheren CO2 zusammenhängt, ist durchaus berechtigt. Man kann zu diesem Thema noch deutlich mehr schreiben, möchte es aber bei diesem westlichen Punkten belassen. MfG E Gartner

C. Knollmann / 16.10.2018

Dieser ist eine der ersten Artikel die ich zu diesem Thema lesen konnte. Vielen Dank dafür . Inhaltlich kann ihn nur voll unterstützen. Ergänzend möchte ich noch einiges anführen. Mit den Thorium Flüssigsalz Reaktoren lässt sich auch die Angst der „Technikanalphabeten“ vor dem „Strahlendem“ nehmen.  Im Gesprächen frage ich manchmal, “was passiert denn, wenn so ein Behälter platzt?”. “Das austretende Salz, sei es gasförmig oder flüssig erstarrt, wird wieder fest und bleibt vor Ort und damit auch die radioaktiven Stoffe”. Es kann eben nicht, zu einer Wasserstoffexplosion, wie wir sie ja alle aus dem Fernsehen aus Fukushima kennen,  kommen (Zirkonium-Wasser Reaktion). Im BMWi – Grünbuch Energieeffizienz wird auf die Steuerung des Verbrauches von Energie eingegangen. Herr Gabriel soll sich diesbezüglich so geäußert haben, dass „Energie ein teures Gut werden müsse”, weil der „doofe“ Verbraucher weiterhin durch den Reboundeffekt bestärkt soviel Energie raushaut. Gemeint ist damit auch der Preis für die elektrische Energie. Was für eine Menschenverachtung. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir im Gegenteil eben einen möglichst niedrigen Energiepreise brauchen, nicht nur aus sozialen oder wirtschaftlichen Gründen, sondern, wovon noch nicht gesprochen wird (jedenfalls habe ich noch nichts davon gehört) für die Rückgewinnung der Rohstoffen! Diese sind nämlich endlich! Darum sollte es gehen (s.a. „Cradle to cradle – Konzept),  wenn von Nachhaltigkeit und die nachkommenden Generationen u.s.w. gesprochen wird. Anzuführen sind diesbezüglich nicht nur Edelmetalle, seltene Erden, sondern z.B. auch die für die Ernährung einer wachsenden Population unverzichtbar benötigten Phosphate, diese können z.B. in Klärschämmen nur mittels Energieeinsatz zurückgewonne werden (die Verbringung auf die Felder passe´). Die Hauptlagerstätten sind in ein paar Jahrzehneten erschöpft. Was machen wird denn dann?

Ulli Drübbisch / 16.10.2018

Eine kleine Anmerkung zur Dämonisierung der AKW,s nach Info eines Ingeneurs über Nutzung von AKW,s und Kernbrennstoffen, schrieb er, dass Kernbrennstoffe zur Herstellung bombenfähigen Urans auf 90% “schweres Uran” angereichert werden müssten, um eine Bombe zu bauen. Zum Betrieb eines AKW,s benötigt man nur eine Anreicherung auf 10%! Es bedeutet also, es hat NIE in AKW,s echte Kern-Explosionen gegeben, weil es gar nicht mit 10%igen Kernbrennstoff funktioniert. Was wir publikumswirksam gesehen hatten, waren Wasserdampf-Explosionen, welche konterminiert war (Kühlwasser!) und weite Strecken versuchte. Über das eigentliche Übel ist jedoch auch von unseren altvorderen “Kernkraftgegnern” NIE publiziert worden: Es entsteht für die Kernumwandlung im Uran nämlich radioaktives Plutonium, welches nätürlich hier auf diesem Planeten gar nicht vorkommt. Wir schaffen also ein unnatürliches gefährliches neues Element, welches selbstherrliche “Verwertungs-Unternehmen in wasserdurchdrifteten Salzstollen vollmundig ablagern, für deren Dauerbetreuung aber der Steuerszahler dann bis zum Sanktnimmerleins-Tag aufkommen muss. Umkehrschluss: Schiessen wir das Plutonium ins All, würden unsere AKW,s uns keine Probleme mehr bereiten und wir könnten sie sorglos nutzen, wie unsere Erfahrung in den letzten Jahrzehnten de facto beweist.

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