In seinem Fastenhirtenbrief wendet sich der Bischof von Magdeburg, Gerhard Feige, gegen die AfD. Nach einer Analyse der internationalen Situation, in der der Oberhirte von Magdeburg feststellt, dass immer mehr die Grundsätze des Völkerrechts ignoriert und Menschenrechte mit Füßen getreten würden, wendet er sich der Lage in Deutschland zu. So würde, stellt der Kirchenmann fest, auch in unserer Gesellschaft eher Stimmungen als Argumenten gefolgt. Ferner verbreiteten sich Hass und Hetze, es sei eine zunehmende Verrohung festzustellen. Die Manipulierbarkeit der Menschen habe sich während der Hitler-Diktatur und zu DDR-Zeiten gezeigt. Dies, so Feige, treffe erschreckenderweise auch heute wieder zu.
Der Bischof nimmt danach Bezug auf die biblischen Texte, die die Kirche für den ersten Fastensonntag vorgesehen hat, an dem der Hirtenbrief erschien. Die Bibel sei höchste Richtschnur für Christen, zitiert der Bischof das II. Vatikanische Konzil, um von dort aus weiterzuentwickeln, wie katholische Christen sich zu Fragen der Zeit verhalten und aus der Lehrtradition der Kirche zu Einschätzungen in Fragen der Zeit kommen. An dieser Stelle erwähnt der Bischof völlig zu Recht die Katholische Soziallehre. „Ihr Ausgangspunkt liegt in den drängenden sozialen Konflikten des 19. Jahrhunderts“ schreibt der Bischof, um in der Folge die Fortentwicklung dieses Lehr- und Gedankengebäudes fortzusetzen. Zwar reichen die Wurzeln wesentlich tiefer und gehen auf Thomas von Aquin, also tief ins Mittelalter, zurück, was wir zumeist davon berücksichtigen, nimmt in der Tat seinen Ausgang in der Enzyklika „Rerum novarum“.
Katholische Soziallehre
Für Deutschland, insbesondere nach dem zweiten Weltkrieg, spielte die katholische Soziallehre eine wesentliche Rolle in der Entwicklung der Sozialen Marktwirtschaft. Diesen Punkt erwähnt der Bischof nicht, er rekurriert auf die Auseinandersetzung der katholischen Soziallehre mit den totalitären Ideologien des Faschismus, des Nationalsozialismus und des Kommunismus. Im ausgehenden 20. und im beginnenden 21. Jahrhundert folgten ferner Themen wie Frieden und Armut oder Globalisierung. Die umfassendste Kapitalismuskritik, das sei an dieser Stelle ergänzend zum Hirtenbrief von Feige erwähnt, nahm Papst Johannes Paul II. in der Enzyklika „Centesimus annus“ vor.
Der Bischof wird in seinem Hirtenbrief etwas grundsätzlicher, was inzwischen offensichtlich notwendig ist. Die Grundsätze der Katholischen Soziallehre, die sich im Dreischritt Personalität, Subsidiarität und Solidarität entwickeln, gilt es nicht nur immer wieder neu zu erklären, es ist unbedingt notwendig, sie auch immer wieder mit Inhalt zu füllen. Der Mensch hat seine Würde als Ebenbild Gottes, damit muss er, der Bischof zitiert hier die Enzyklika „Mater et Magistra“, „Träger, Schöpfer und das Ziel aller gesellschaftlichen Einrichtungen“ sein. Subsidiarität besagt, dass der jeweils kleinsten Einheit die möglichst größten Vollmachten zuzubilligen sind. Familie vor Gemeinde, Gemeinde vor Landkreis, Landkreis vor Bundesland, Bundesland vor Bundesstaat, so könnte man es Stichwortartig umschreiben. Der letzte Aspekt ist die Solidarität. Die jeweils stärkere Einheit, ganz gleich, ob Person, Gemeinschaft oder Körperschaft hat immer auch eine Verantwortung gegenüber der schwächeren Einheit. Dabei gilt immer, dass eine Hilfe vorrangig Hilfe zur Selbsthilfe zu sein hat und den Schwächeren nicht in Abhängigkeit zum Stärkeren belässt oder bringt.
Bis zu diesem Punkt ist der Hirtenbrief ein guter Beginn, der, hätte man ihn konsequent fortgesetzt, zu einem wirklichen Grundlagendokument hätte werden können. Doch mit der Benennung des Gemeinwohls gleitet er gedanklich ab und der Bischof tappt hier in eine Falle, die man von einem katholischen Denker nicht erwartet hätte. Der Absatz über Gemeinwohl gipfelt in und schließt mit dem Satz: „Gemeinnutz geht vor Eigennutz.“ Das der Text diesen Satz wie ein Zitat in Anführungszeichen setzt, macht die Sache nicht besser. Es sieht aus, als mache sich der Bischof den Propagandasatz wirklich zu eigen.
Das könnte strafbar sein
Es handelt sich bei dieser Aussage, der dem historisch gebildeten Leser und Zuhörer schier die Luft anhalten lässt, um Nazipropaganda in Reinkultur. Womöglich hat sich der Bischof von Magdeburg mit der zustimmenden Zitierung dieses Satzes sogar des „Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen“ nach §86a StGB schuldig gemacht.
Der von Bischof Feige verwendete Satz war ein zentraler Propagandaslogan und Programmpunkt der NSDAP. Er war der Punkt 24 des 25-Punkte-Programms von 1920 der Partei. Die Aussage sollte der Etablierung einer Volksgemeinschaft dienen, die das Individuum der nationalsozialistischen Ideologie unterordnete und rassistisch definierte, wobei der Eigennutz dem vermeintlichen Wohl des Volkes weichen musste. Dieser Slogan wurde von Adolf Hitler genutzt, um die völkische Gemeinschaft zu beschwören und sie von Gegnern des Regimes abzugrenzen. Der Satz zielte auf die Schaffung einer opferbereiten Gemeinschaft, die den Einzelnen als unwichtig gegenüber dem Volk darstellte, was sich im dem ebenfalls der nationalsozialistischen Propaganda dienenden Satz: „Du bist nichts, dein Volk ist alles!“ ausdrückte.
Ein gefährlicher Satz
Zugunsten des Bischofs darf man annehmen, dass hier mangelnde historische Bildung vorliegt. Doch diesem Satz liegt auch ein von der katholischen Soziallehre zu begründender Irrtum zugrunde. Es geht bei Solidarität nicht um Gemeinnutz, sondern Mitfühlen und Mitdenken mit dem Bedürftigen. Und es geht bei der Subsidiarität nicht um Eigennutz, sondern um Verantwortung der kleinen Einheit gegenüber, die der Verantwortung für die größere Einheit immer vorgelagert sein muss. Das entsprechende biblische Gebot ist das Gebot der Nächstenliebe, das seinerseits einen Dreischritt darstellt, indem es die Nächstenliebe der Eigenliebe gleichsetzt und beide der Gottesliebe unterordnet. Selbst ein katholischer Bischof hätte mit ein bisschen Nachdenken darauf kommen können, dass der oben zitierte Satz geradezu toxisch ist.
Bezeichnenderweise reißt der Brief an der Stelle ab und es kommen ein paar fromme Formeln, die natürlich in einem Hirtenbrief ihren Platz haben, aber der Bischof macht sich und seinem gutgemeinten Hirtenbrief zunichte, wenn er sich eine NS-Formel zu eigen macht, um damit gegen „Extremismus und Populismus, alle nationalistischen und fremdenfeindlichen Tendenzen“ vorgehen will. Ernst zu nehmen und eine Basis für Diskussion wäre dieses Schreiben gewesen, hätte der Bischof von Magdeburg berücksichtigt, was die Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Beate Gilles, auf der Abschlusspressekonferenz zur Vollversammlung der DBK am vergangenen Donnerstag sagte: Da nun von der AfD Wahlprogramme in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern vorlägen, könne man sich mit diesen ja nun inhaltlich auseinandersetzen.
Eine Analyse wäre gut gewesen
Das und nichts anderes wäre einem Hirtenbrief, der sich in der Einleitung aufmacht, so dicke Bretter bohren zu, wie es Bischof Gerhard Feige in seinem Fastenhirtenbrief vorgab zu tun, wirklich angemessen gewesen. In der Tat kann man zeigen, wo sich das Menschenbild der AfD von einer christlichen Anthropologie unterscheidet. Man kann anhand der Katholischen Soziallehre beschreiben, welche sozialen und ökonomischen Forderungen der AfD der Lehre der Kirche klar widersprechen. Erst dann, wenn man die Differenzen dezidiert aufzeigt, lässt sich beurteilen, ob eine Partei für einen Christen wählbar ist oder nicht. Eine solche Analyse wäre von großem Wert.
Einen Hirtenbrief, der mit einem solchen Anspruch gestartet ist, quasi in einem NS-Zitat gipfeln zu lassen, muss jeden Katholiken erbleichen lassen. Das ist so unsäglich, dass man im Grunde nur fordern kann, dass Bischof Gerhard Feige unverzüglich Papst Leo XIV. seinen Rücktritt anbietet. Dieser Bischof ist nicht mehr satisfaktionsfähig. Der Löwe von Münster, der selige Kardinal von Galen, rotiert vermutlich gerade in seiner Grablege im Münsteraner Dom so sehr, dass die Türme des ehrwürdigen Gotteshauses schon wackeln müssten.
In Magdeburg muss ein klerikaler Virus grassieren. Ich habe die Flucht aus meinem protestantischen Verein ergriffen, der sich als Beutejäger entpuppte, wo es mir nicht gut ging, hätte man mich nicht mit dem Arsch angeschaut, geschweige denn geholfen. Das Fell der anderen verteilen machen die Klerikalen dieser selbst geizigen Grünen Sekte gerne. Sie missbrauchen den Begriff Mission in ihrem Wahne nicht Hirten für die eigene Herde, das eigen Volk zu sein, bevor es fremde Wölfe reißen. Ausgerechnet Magdeburg, haben LB Feige und LB Kramer auch nach dem schrecklichen Weihnachtsmarkt Attentat immer noch nicht genug davon, wenn sie vom Menschenhandel und den Import von nicht integrierbaren Menschen mit radikalen fanatischen Vorstellungen voller Hass auf die Gast gebende Herde, die christliche eigene Herde mörderisch bedrohen? Wirkliche Missionare helfen vor Ort, Heuchler wie Feige und Kramer betrügen ihre eigen christliche Herde mit gefährlichen Wölfen anderer Länder., weil sie eben keine Verantwortung bewussten Hirten sind, bald Türsteherpersonal brauchen, um Menschen aus der eigenen christlichen Herde für Asylschätzchen aus der Kirche zu werfen und vor Bequemlichkeit nicht vor Ort verfolgten Christen, wie im Irak beistehen wollen. Diese Doppelmoral ist zum Kotzen und ich spreche nicht von integrierten Migranten, sondern von dem klerikalen Wahn dieser Hirten unser kleines an Kapazitäten begrenztes Land für die globalen Wahnideen dieser Hirten, als Hauptverdiener am Menschenhandel und Asylindustrie zu missbrauchen. Wenn solche verantwortungslosen Hirten billigend in Kauf nehmen, das das ein oder andere Schäfchen ihrer Herde durch unkontrollierte Migration zu Schaden kommt, sind sie Pharisäer vom ideologischen Opfer Glauben abhängig.
Leider geht der Autor der wichtigsten Frage aus dem Weg, und viele Teilnehmer sind in dieses Loch getappt. Das Problem des Slogans „Gemeinnutz vor Eigennutz“ besteht nicht darin, dass Nazis diese Worte genutzt haben, denn sie haben viele Worte genutzt, zB „es regnet“ (wenn es geregnet hat). Das Problem ist vielmehr, dass „Gemeinnutz vor Eigennutz“ das Grundprinzip aller Art Totalitarismus ist, und wer so denkt, denkt totalitär par excellence. Ein katholischer Bischof, der solche Worte benutzt, ist ein absoluter politischer Selbst-Widerspruch, so etwas wie ein liberaler Faschist oder ein kommunistischer Großunternehmer. Am schrecklichsten ist aber die Tatsache, dass der Herr Feige diesen Widerspruch nicht zu erkennen vermag, dass also in Deutschland eine Person zum Bischof werden kann, deren intellektuelles und Bildungsniveau unterhalb des Niveaus eines durchschnittlichen Gymnasiasten liegen.
@Volker Kleinophorst: Baron de Montesquieu war zwar ein bedeutender Vordenker des modernen Rechtsstaats, jedoch auch und immer noch Feudalherr. Er folgt daher immer noch einem autoritären Ansatz, denn wo kämen wir denn da hin, wenn der französische Leibeigene dem ausbeuterischen Baron einfach „Je refuse“ entgegenriefe. ;-) Tatsächlich hat er auch nicht „GgvE“ in dieser Schärfe gesagt, sondern daß das persönliche Wohl vor dem öffentlichen Wohl weichen müsse. Im modernen Rechtsstaat sind öffentliches und persönliches Wohl Abwägungsgüter, einen absoluten Vorzug des einen vor dem anderen gibt es nicht und darf es nicht geben. Sämtliche sozialistischen Ansätze, ob nun mit N oder mit K, sind im Übrigen eigentlich Wiedergänger des absolutistisch-feudalistischen Gesellschaftsbilds, die lediglich das Abstammungsprinzip („Blaues Blut“) durch das Haltungsprinzip („Parteibuch“) ersetzen.
@Ilona Grimm: Auch bei der Auslegungen von Koran-Suren lauten die drei Hauptgebote : 1. Kontext beachten | 2. Kontext beachten | 3. Kontext beachten. Traute Einigkeit bei den Weltreligionen!
Bischof Feige soll nicht mehr satisfaktionsfähig seun, nur weil er beim Bätzing abgeschrieben hat?!
Volker Kleinophorst: Ebend! Das ist sozusagen „Deutsche Mathematik“ (noch nach Adam Riese und später Humboldt), was da an unseren Schulen gelehrt wird! Aber – ach, auch egal. NICHT egal ist Folgendes: Der schlaue Historiker Götz Aly hat herausgefunden, daß die Krankenversicherung für Rentner – durch die Nazis eingeführt wurde. 1941! Früher, damals, also unter dem Kaiser, unter Bismarck und in Weimar war das ganz anders. Krankenversichert war man, solange und wenn man GEARBEITET hat. (das klingt jetzt in den Ohren von Endlos-Studenten, Berufs-Demonstranten, Aktivisten und anderen Dauer-Arbeitsscheuen möglicherweise „unschön“). Als Rentner lebte man nach dem fleißigen Arbeitsleben solange, wie man den Arzt seines Vertrauens bezahlen konnte. Oder man hatte viele oder wohlhabende Kinder oder beides. Wie gesagt, erst die Nazis haben das 1941 geändert, weil sie dachten, Millionen Zwangsarbeiter würden den notwendigen Bakschisch schon erarbeiten. – Das heißt: Unsere Rentner, bald auch ich, verdanken ihre Krankenversicherung … . Ebend! Jetzt haben ja die Krankenversicherungen zu wenig Geld. Und die Rentenversicherung steht vor der Pleite. Und es gibt (zu) viele Rentner, die im Regelfall (viel zu) lange leben. Und dabei keine eigenen Kinder haben. Ich will jetzt die Reformkommissionen nicht auf Ideen bringen; aber muß doch fragen, ob „in unserer Demokratie“ Kranken-Versicherungs-Recht aus dem Jahr 1941 in dieser Form „noch zeitgemäß“ ist. Jeder „gute Deutsche“ sollte das einsehen!
@Wilfried Düring. „Man darf vielleicht darauf hinweisen, daß die vielfach praktizierte Umsetzung des bekannten Gegen-Mottos: “Wenn jeder (nur) an sich denkt, ist (auch) an alle gedacht!„ NICHT zu befriedigenden und segenreichen Zuständen geführt hat. Ger-Money und EU-Europa sind dafür gute Beispiele, wenn auch bei weitem nicht die einzigen.“ Ihr Kommentar ist eine dreiste Verdrehung der Realität. Unser gesamter Wohlstand beruht auf der kapitalistischen Leistungsgesellschaft. Der aufgeklärte kapitalistische Rechtsstaat hat in den letzten 350 Jahren zu einer enormen volkswirtschaftlichen Leistungskraft geführt. Insbesondere zu gewaltigen wissenschaftlichen und technischen Fortschritten, und zu einer vorher nie gekannten Lebenssicherheit. ++ Der deutsche Beamtenstaat und die Beamten-EU ist das genaue Gegenteil einer aufgeklärten Leistungsgesellschaft. ++ Realität in Deutschland: 60% Staatsanteil am BIP (wenn man richtig rechnet), weltweit höchste Steuern und Abgaben. Vom einem leidlich guten Arbeitgeberbrutto im Privatsektor kassiert der fette „Staat“ alles in allem 70% (indirekte Steuern und Abgaben mitgerechnet). Gegenleistung des „Staates“: Staatsversgagen und Unfähigkeit in allen Bereichen. Die produktiv arbeitende Bevölkerung wird bis aufs Blut ausgepresst, um Abermillionen kontraproduktiver staatlicher Minderleister und „Kostgänger“ auf hohem Niveau durchzufüttern. Das Wort „Kostgänger“ ist dabei noch ein Euphemismus. Ein Euphemismus, der „unserer“ speziellen Meinungsfreiheit geschuldet ist. ++ Angesichts der simplen Fakten ist ihr Kommentar eine Volksverdummung. Wieviel soll denn die arbeitende Bevölkerung noch an den fetten Beamten- und Sozial-Staat abdrücken? Am Besten 100%, das wird allerdings immer noch nicht reichen.