Die Königlich-Schwedische Wissenschaftsakademie in Stockholm hat entschieden: neben William Nordhaus wird Paul Romer 2018 mit dem Nobelpreis für Wirtschaft ausgezeichnet. Der 62-jährige Romer arbeitet an der Stern School of Business der New York University. Romer, der früher als Chefvolkswirt bei der Weltbank arbeitete, hätte dabei "Methoden entwickelt, die Antworten auf die drängendsten Herausforderungen unserer Zeit liefern", erklärte die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften.
Er beschäftigt sich mit Problemen der Wirtschaft in Entwicklungsländern, den besonderen Effekten der Verstädterung auf das Wachstum dort, Folgen technischer Neuerungen sowie der Verteilung des wirtschaftlichen Wohlstands. Im Jahr 2009 erweckte er viel Aufsehen: Er schlug die Gründung von künstlichen „Charter Cities“ als Mittel zur Armutsbekämpfung vor. Die Idee: Die Regierung eines struktur- und wachstumsschwachen Landes wählt ein nicht-besiedeltes Stück Land aus, um es komplett an eine ausländische Regierung abzugeben.
Diese Sonderzone solle als Wachstumsmotor dienen, die Auslandsinvestitionen anlocke und dank ihrer Vorbildsfunktion positiv auf das Umfeld wirken könne. Romer nannte als Erfolgsbeispiel häufig Hongkong unter britischer Kolonialherrschaft.
Lebensqualität im eigenen Land finden
Charter Cities sind eine unkonventionelle, radikale Idee. Romer hat sie den Regierungen in Honduras und Madagaskar bereits 2012 vorgeschlagen, aber bislang mit wenig Erfolg. Das Ziel ist, Städte als Zufluchtsorte und Lebensräume für Millionen Menschen zu errichten, die eine Art Sonderwirtschaftszone mit einem neuen Regelwerk für soziale, ökonomische und politische Reformen bilden. Eigene rechtliche und politische Verfassungen sollen sich an den Vorbildern westlicher Länder orientieren. Möglicherweise sollen andere Länder die Verwaltung führen. Richter aus stabilen Rechtssystemen sollen angeworben werden.
Wenn diese Ausgangspositionen geschaffen sind – so Romer –, werden Investoren Infrastruktur und Arbeitsplätze schaffen. Zielgruppen dieses Stadtkonzepts sind, laut Romer, nicht Menschen die eine Steueroase suchen, sondern Menschenmassen aus ländlichen Gebieten, denen eine Berufsausbildung geboten werden soll. Sie sollen nicht mehr ihr Leben riskieren müssen, um einen Job zu bekommen, sondern Lebensqualität im eigenen Land finden.
Kritiker halten die Idee für neo-kolonialistisch. Allerdings widerspricht Romer: arme Länder gäben ihre Flächen freiwillig in die Hand von Garantiemächten, und jedem stünde frei, dort zu leben. Romer ist nicht nur Wissenschaftler, sondern war auch ein erfolgreicher Unternehmer. Das zeichnet ihn meines Erachtens besonders aus.
Leider hatte Romer bislang wenig Erfolg. Allerdings habe ich die Hoffnung, dass er als Nobelpreisträger doch noch die Möglichkeit bekommt, die Idee mittels eines Pilotprojekts auszuprobieren. Vielleicht scheitert das Projekt, aber aus den Fehleranalysen könnten wir viel lernen. Vor allem brauchen wir in der Armutsbekämpfung keine Beschönigungen, Bagatellisierungen und selektiven Informationen mehr.
Volker Seitz war von 1965 bis 2008 in verschiedenen Funktionen für das deutsche Auswärtige Amt tätig, zuletzt als Botschafter in Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik und Äquatorialguinea mit Sitz in Jaunde. Er gehört zum Initiativ-Kreis des Bonner Aufrufs zur Reform der Entwicklungshilfe und ist Autor des Buches „Afrika wird armregiert“. Die aktualisierte und erweiterte Taschenbuchausgabe erschien im September 2018. Volker Seitz publiziert regelmäßig zum Thema Entwicklungszusammenarbeit mit Afrika und hält Vorträge.
Siehe zum gleichen Themenkomplex auch folgenmde Achgut.com-Beiträge:
Freie Privatstädte: Gehen wir zurück auf Anfang
Beitragsbild: Jay Hill CC BY-SA 4.0 via Wikimedia

Fantastische Idee mit dem richtigen Ansatz. Wie das ganze im Detail umgesetzt werden könnte, sollte jetzt umgehend erörtert werden. Natürlich auch mit den zu fördernden Ländern am Tisch, um den Vorwurf des Neo-Kolonialismus und der Fremdbestimmung direkt abzuwürgen. Die Migrationsströme nach Europa könnten damit in die Herkunftsländer direkt zurückgeleitet werden. Es macht weit mehr Sinn, wenn Menschen ihre eigenen Länder aufbauen, anstatt aus dem Elend zu fliehen und in unseren Ländern in den Sozialsystemen hängenzubleiben. Wir haben weder das Geld, noch den Platz, um dreiviertel der Weltbevölkerung bei uns aufzunehmen und zu versorgen. Interessant, dass Romer gerade jetzt geehrt wird. Setzt das Umdenken ein?
Es dürfte so sein, dass in der deutschen Entwicklungshilfe-Politik Erfahrene, wie Herr Seitz, fehlen. Jedoch nicht gefragt sind. Weil durch Schwerpunktewahl sich schnell herausstellen könnte, wie uneffektiv, verschwenderisch und dumm Minister aller Regierungen bislang handelten. Weil diese weder die spezifischen Verhältnisse noch geeignete Ansprechpartner unter Afrikanern kennen. Sie werden sich die Rudel deutscher Politiker, Berater, Jornalisten und Wirtschaftsleute auf Reisen mitnehmen -- und keinen Willen zur grundhaften Aushilfe durch die vergl. superreiche westliche Welt. Man hört von US-Milliardären, dass diese ein Mehrfaches privat leisten als EU-Entwicklungshilfe. Siehe Gates von Microsoft. In den USA gilt es als ehrenrührig, mit goldenem Löffel im Mund geboren zu werden, um dann mit drei dieser Löffel zu sterben. Außerdem tut der Fiskus das seine. Jeder Industriestaat sollte seine ehem. Kolonien unter seine Fittiche nehmen. So ein Konzept zur Fluchtbekämpfung, die sonst aussichtslos ist. Keine Flucht der Weißen mehr vor der teuren, eigentlichen Hilfe !
Es wäre besser, den Herrschenden in Afrika , segensreich im Fall Simbabwe (früher brit. Rhodesien), das Land abzukaufen und zur Übersee-Provinz zu machen. Preiswerter wäre es, wenn die Machthaber weggejagt würden. Ein größeres Regiment der Scotch Gards dürfte reichen. Ich glaube nicht, dass sich viele Jung-mannen bei neuer Aussicht auf das bessere Leben bis in den Tod wehren würden. Im Gegenteil. Diese Strategie wird unter moralisch-juristischen Vorwänden von der EU nicht mal angedacht. Lieber lässt man Arme und Hilflose in den Ländern, den Wüsten und im Mittelmeer auf der Flucht verkommen. Es dürfte wohl klar geworden sein, dass Afrika ohne ausländ. Druck und Hilfe nicht neu entsteht. Bei solchen Gelegenheiten könnte man den Islamisten den Garaus machen.
Hat doch etwas von Titus Gebels Freien Städten, oder?
Die ominösen 1,5 Grad Celsius... Sind das denn nicht alles nur CO2 Nebelkerzen? Weltweit blubbert (schmilzt) doch das Methanhydrat in allen Weltmeeren vom Nordpol bis in die Antarktis. Gleichzeitig taut Sibirien auf und emittiert Millionen Tonnen Methan in die Atmosphäre. Ich hab Mojib Lativ wegen des Methan angeschrieben, keine Antwort. CO2 war gestern, heute und morgen ist Methan. Leider nicht mehr reversibel. Der Zug für die Weltrettung ist abgefahren. Es geht nur noch ums Wohlfühlen und Subventionen natürlich. Weltrettungspolemik ist heutzutage ein funktionierendes Geschäftsmodell, aolange halt Subventionen fließen.
Also, urbanistische Großprojekte wie "Stadtgründung am Reißbrett" beginnen immer als visionäre Utopie u. endeten bisher fast immer dysfunktional, verödet dystopisch. Dafür wird ein halber NobelPrizeMedal verliehen? ;-) Und dass "westliche" Demokratien "kapitalistisch" Großprojekte dank einer gegen Korruption immunisierten Bürokratie realisieren können, ist sicherlich Ausdruck eines neoinstitutionalistischen Ansatzes, der für Afrika uebrigens seit der "Kenya-Debatte" bereits ab Ende der 1970er diskutiert wird ... aber auch für europäische Verhältnisse eine eher naive Konzeption ...
" Kritiker sehen darin Neo-Kolonialismus." NICHT nur Kritiker, JEDER KLAR DENKENDE MENSCH Muß darin den NEU KOLONIALISMUS erkennen!! Und dafür bekommt er den Nobelpreis ? Ob sich Nobel im Grabe umdreht, wenn er wüßte, was-teilweise- aus seinem Preis geworden ist ?? Er arbeitete früher als Chefvolkswirt bei der Weltbank !! " Möglicherweise sollen andere Länder die Verwaltung führen. " Wäre das nicht die optimale Aufgabe für Frau Merkel ?? Sie würde es im handumdrehen SCHAFFEN !!