Wolfgang Röhl / 24.10.2013 / 21:06 / 6 / Seite ausdrucken

No jokes with names!

Ich weiß, ich weiß. Es ist billig, unter jeder Gürtellinie, ja unter aller Sau, Leute wegen ihres Namens zu veräppeln. Fick ist in meinem ländlichen Lebensumfeld, wo es auch Ortschaften wie Hymendorf, Drangstedt und Flögeln gibt, ein nicht ganz ungeläufiger Nachname. So what? Niemand namens Fick will ja Bundeskanzler_in werden. Die Spediteure Kai Rammelt und Harald Sticht, deren LKW mir manchmal auf der Hamburger Köhlbrandbrücke begegnen (leider nie in Parallelformation, anderenfalls ich wohl der Versuchung erlegen wäre, mein Smartphone zu zücken) - was können die dafür, dass sie so heißen? Wolke (Hegenbarth), Jimi Blue und Wilson Gonzales (letztere vom Stamme Ochsenknecht), alle drei sind Schauspieler. Da kann ein aparter Name als Alleinstellungsmerkmal ganz nützlich sein. Aber Peter Todeskino?

Peter Todeskino von den Grünen ist Bürgermeister von Kiel. Momentan geht sein Name über den Fördebereich hinaus durch überregionale Medien. Weil nämlich die Oberbürgermeisterin der Stadt, Susanne Gaschke, ziemlichen Mist gebaut hat und auch er, Peter Todeskino, natürlich dazu befragt wird. Ich nehme an, er meldet sich am Telefon mit Todeßkinnó. Oder ganz unpersönlich, wie der Kieler „Tatort“-Brummelbulle Borowski alias Axel Milberg mit „Ich höre“. Aber hilft das auf Dauer wirklich? Angenommen, der Vollblutpolitiker würde mal Kulturstaatssekretär und müsste beim Filmfest Schleswig-Holstein sprechen? Womöglich gar die „kulturelle Filmförderung“ kräftig kappen, weil es seinem Bundesland an Geld gebricht?

Nicht auszudenken, welche wohlfeilen Witze die Journaille dann reißen würde.

Für einen solchen Fall mein Vorschlag. Wäre es nicht irgendwie namensrechtlich machbar, „Todeskino“ mit jemandem zu tauschen, für den dieser Name viel passender ist? Und im Gegenzug fortan dessen Allerweltsnamen zu führen? Graf (Dominik) oder Gremm (Wolf) fallen mir spontan ein. Die beiden sind Film- und Fernsehschaffende, welche sich seit Jahrzehnten – auf durchaus unterschiedliche Art, aber gleichermaßen erfolgreich – darum bemühen, möglichst wenige Zuschauer vor ihren Werken zu versammeln. Graf kassiert zur Belohnung einen Grimme-Preis nach dem anderen. Zehn hat er schon, wenn ich auf dem Laufenden bin. Gremm ist leider weder beim Publikum noch bei der Kritik angesagt. Hat dafür eine hochkarätige Gattin an seiner Seite, die sein Hobby Filmemachen unterstützt (die Berliner Produzentin Regina Ziegler).

Peter Gremm oder Peter Graf: das wäre ein Name für den Kieler Bürgermeister, der sicher noch eine große Zukunft vor sich hat! Und Dominik (beziehungsweise Wolf) Todeskino, das würde Film- und Fernsehinteressierte gleich auf die richtige Spur bringen und manche Enttäuschung vermeiden helfen.

Ansonsten gilt, wie schon gesagt: No jokes with names.

 

 

 

 

 

 

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Paypal via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

Robert Dupuis / 25.10.2013

@Christian Schulz: Die Akelei wird in der Schweiz auch „Schlotterhose“ genannt. Bei ungewöhnlichen Familiennamen lohnt ein Blick in eines der Namenslexika um nach deren Herkunft und Bedeutung zu recherchieren.

Rüdiger Bäcker / 25.10.2013

Ich mag den Mann auch nicht. Weil er ein grüner Spießer ist, und weil er ein Grüner ist. Aber der Name ist heikel. Dort, wo ich herkomme, gab es viele Menschen mit dem Namen Todeskino. Ein paar saßen in der Grundschule neben bzw. vor mir. Eines Tages beschloß ich, dem Namen nachzuforschen. Ich hatte da so einen Verdacht ... In Zeiten ohne Internet bedeutete dies: Vom Stadtarchiv in die Unibibliothek, von dort ins Landesarchiv, und am Ende saß ich einem Überlebenden des Naziterrors gegenüber, der mir erklärte, dass Todeskino einerseits der KuK - Monarchie entstammt, andererseits aber auch ein eingedeutschter Romaname sei. Sie können sich vorstellen, was mit denen passiert ist? fragte er, während er mir ein x-tes Glas selbst gebrannten Fusels in ein Marmeladenglas goß. Damals las ich Manes Sperber, und so konnte ich mir das natürlich nicht vorstellen, weil man sich das Unvorstellbare als junger Mensch eben nicht vorstellen kann. So ist das also mit ehrbaren Namen: Sie haben leider kein Recht darauf, dass der Träger ihre Ehre bewahrt ... Es gibt übrigens viele Sinti und Roma Familiennamen, die urdeutsch klingen. Man denke nur an Reinhardt ... Es gibt auch jüdische Namen, die unanfechtbar urdeutsch klingen. Auf einer Auswandererliste der HAPAG fand ich kürzlich die Familie Shlomo Bäcker. Für mich als Protestanten war das ein Schlag, reicht man Stammbaum doch angeblich bis in das frühe Mittelalter zurück ...  So kann es eben kommen, wenn man Namen auf deren Träger reduziert.

Hans-Peter Hammer / 25.10.2013

Peter Graf wäre wohl ebenso ungeeignet! Damit könnten Erinnerungen an jenen Peter Graf - den Vater der “Tennis-Gräfin” Steffi Graf - wach werden, der 1997 wegen Steuerhinterziehung verurteilt wurde. Obwohl, angesichts der Kieler Zustände, eventuell doch nicht ganz unpassend!

Christian Schulz / 25.10.2013

Nicht unerwähnt sollte auch die Bremerhavener Maschinenfabrik „Schlotterhose GmbH & Co KG“. Das 1906 gegründete Unternehmen war führend im Bau von Fischmehlanlagen. Wurde dann später aufgekauft. Eventuell waren sie zu furchtsam im Verkauf.

Christian Herms / 24.10.2013

Es gibt doch für alles eine Erklärung. Die hat auch ein gewitzter Namensvetter des Herrn Todeskino auf seiner Internetseite parat. Beste Grüße Christian Herms

Robert Dupuis / 24.10.2013

Laut Gutachten der Universität Leipzig ist der Familienname Todeskino ursprünglich italienischer Herkunft und ist die germaniierte Form von “Todeschino”. Dieser Familienname bedeutet “der Deutsche” oder “der nach Deutschland Gereiste”. Der Familienname Fick ist die niederdeutschge Kurzform des Namens Friedrich (andere Schreibweisen: Vick, Ficke).

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Wolfgang Röhl / 19.04.2024 / 06:00 / 72

Künstliche Intelligenz vs natürliche Dummheit: Wer siegt?

Mainstream-Journalisten fürchten, dass ihre Jobs durch KI entbehrlich werden. Zu Recht. Die herrschende Meinungseinfalt können auch Maschinen bewerkstelligen. Doch ein paar Journos werden an Medienbord…/ mehr

Wolfgang Röhl / 06.03.2022 / 06:00 / 94

Vom Imagewandel der Prepper

Grüne und Linke sind besonders staatsgläubig. Der Prepper ist ihr natürlicher Feind, weil er dem Staat misstraut und individuell für sich selbst vorsorgt. In Zeiten…/ mehr

Wolfgang Röhl / 02.01.2022 / 14:00 / 43

Wenn das Fernsehvolk den Lümmel macht

Zwei aufwändig produzierte, von vielen Medien hoch gelobte TV-Serien, mit denen die ARD zum Jahresende punkten wollte, fielen beim Publikum durch. Anlass zur Hoffnung, Zuschauer könnten…/ mehr

Wolfgang Röhl / 21.03.2021 / 06:28 / 171

Der Fisch stinkt auch vom Leib her

In der Hall of Fame ausgelatschter Fußmattenweisheiten findet sich der Spruch, die Freiheit sei „immer Freiheit der Andersdenkenden“. Das Zitat, verfasst von der Bolschewismus-Apologetin und…/ mehr

Wolfgang Röhl / 07.03.2021 / 06:45 / 92

Rettet den Hass!

„Der See ist trüb, die Luft ist rein / Hans Habe muss ertrunken sein.“ Aber hallo! Ein Hassgesang war das, nach aktuellen Standards, was der…/ mehr

Wolfgang Röhl / 11.10.2020 / 06:25 / 101

Rehabilitiert Relotius!

Was macht dieser Konditor feinsten Politkitsches, dessen Entlarvung als Lügenbold seinerzeit, im Dezember 2018, ein paar sehr naive Spiegel-Mitarbeiter in Tränen ausbrechen ließ? Wo hält…/ mehr

Wolfgang Röhl / 26.07.2020 / 06:15 / 70

Meine gesammelten Weltuntergänge

Barry hatte ein tiefes, reibeisenhaftes Kellerkneipenorgan, das diesen Hey-Leute-ich-hab-schon-alles-gesehen-Sound verströmte. Und was er sang, stellte uns die Nackenhärchen auf. Das Ende sei gekommen. Nämlich die…/ mehr

Wolfgang Röhl / 14.06.2020 / 06:15 / 39

Lieber Filterblase als Gummizelle

Mit 31 Jahren gelang dem Amerikaner Eli Pariser ein Durchbruch. Bis dahin hatte der linke Aktivist nur so im Internet herumgeraschelt. Hatte Online-Petitionen für eine…/ mehr

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com