Wolfgang Meins / 28.07.2022 / 06:15 / Foto: Pixabay / 51 / Seite ausdrucken

Nimmt die Zahl der „Hitzetoten“ in Deutschland zu?

Die behauptete Zunahme der „Hitzetoten“ stützt sich bei näherem Hinsehen nicht nur auf dürftige Quellen. Notwendige Einordnungen werden nicht vorgenommen, zu kurze Zeiträume betrachtet, Kältetote ignoriert. 

Stellt man dem Internet diese Frage, wird sie – Überraschung – vehement bejaht, und es wird gleich auf vier Belege bzw. Medienbeiträge verwiesen, die sich aber allesamt auf dieselbe Quelle beziehen: eine 2021 in der medizinischen Fachzeitschrift Lancet publizierte Studie. Skeptisch macht bei diesen Belegen für eine Zunahme der „Hitzetoten“ der ebenso willkürlich erscheinende wie auch recht kurz bemessene Vergleichszeitraum von 2000 bis 2004 mit 2014 bis 2018.  

Vielleicht hilft bei der Beantwortung der hier interessierenden Frage ausnahmsweise mal eine jüngst im Deutschen Ärzteblatt erschienene Studie mit dem Titel: „Hitzebedingte Mortalität in Deutschland zwischen 1992 und 2021“. Der Titel hält leider nicht ganz, was er verspricht, denn im Wesentlichen beschränkt sich die Analyse auf den sehr übersichtlichen Zeitraum von 2018 bis 2020. Warum? Weil in diesen drei Jahren recht hohe Sommertemperaturen herrschten und sich deshalb, besonders 2018, auf der Grundlage von Schätzungen, vergleichsweise viele „Hitzetote“ ergaben. 

Ein Datensatz über einen Zeitraum von 30 Jahren wäre eigentlich doch eine zumindest halbwegs solide Grundlage, um einen zeitlichen Trend zu berechnen: Hat die hitzebedingte Mortalität nun zugenommen, abgenommen oder ist sie gleichgeblieben? Nicht nur dass die Autoren diese sich aufdrängende Frage unbeantwortet lassen, sie präsentieren dem Leser auch bloß die Daten der zehn Jahre von 2012 bis 2021 – mit den besonders eindrucksvollen Zahlen für den Zeitraum von 2018 bis 2020. Die vorangegangenen 20 Jahre von 1992 bis 2011 muss sich der besonders interessierte Leser aus einer im Internet „versteckten“ Tabelle dagegen selbst besorgen. 

Keine Zunahme erkennbar

Es genügt dann allerdings ein Blick, um den begründeten Verdacht zu entwickeln, dass zwischen den ersten 15 Jahren von 1992 bis 2006 und den zweiten von 2007 bis 2021 keine Zunahme der hitzebedingten Todesfälle erkennbar ist. Schreitet man zum Äußersten und berechnet jeweils das arithmetische Mittel, ergeben sich für die ersten 15 Jahre 2.773 hitzebedingte Sterbefälle pro Jahr, für die zweiten 15 Jahre 2.780, also praktisch ein identisches Ergebnis. Zudem gab es in beiden Zeiträumen jeweils nur sechs Jahre, in denen es überhaupt zu einer statistisch signifikanten hitzebedingten Übersterblichkeit kam. Mit solchen Ergebnissen möchte das Ärzteblatt die Leser aber nicht behelligen, passen sie doch nicht so recht ins Narrativ der „Klimakatastrophe“. 

Auch kommen die Autoren angesichts einer recht eindeutigen Grafik nicht umhin, feststellen zu müssen, „dass im Allgemeinen dieselbe Wochenmitteltemperatur in der Dekade 2012 bis 2021 weniger stark auf die Mortalität einwirkte als etwa in der Dekade 1992 bis 2001. Dies kann als Hinweis auf eine gewisse Anpassung der Bevölkerung an wiederkehrende Hitzeperioden interpretiert werden.“ Was im Übrigen nichts Neues ist, sondern durch entsprechende Studien, z.B. für die USA oder auch Spanien, längst gut belegt ist. 

Angesichts ihrer – im Vergleich zu der eingangs erwähnten Lancet-Studie – um schlappe 130 Prozent (8.700 vs 20.000) niedrigeren „Hitzetoten“-Schätzung für das Jahr 2018 weisen die Ärzteblatt-Autoren kollegial auf eine „vereinfachte“ Methodik bei Lancet hin, die zu solchen Differenzen führen könne. Ok, das kann mal passieren. Aber bestimmt fallen Lancet-Schätzungen für andere Länder dafür entsprechend niedriger aus, wie uns jedenfalls die Ärzteblatt-Autoren versichern. 

Auch in der hier interessierenden Studie bleibt ein ganz wesentlicher Aspekt unberücksichtigt: der vor allem in älteren Studien mitgeteilte Befund einer einige Tage bis wenige Wochen nach „Hitzewellen“ typischerweise auftretenden kompensatorischen Untersterblichkeit. Das wiederum liegt daran, dass in vielen oder gar den meisten Fällen der „Hitzetod“ bereits todgeweihte, oder wie der Mediziner sagt, moribunde, auch kognitiv meist stark eingeschränkte, hochbetagte Menschen trifft. 

Die Kältetoten im Winter

Autoren einer wissenschaftlichen Publikation sind grundsätzlich gehalten, den Stellenwert ihrer Ergebnisse kritisch in den bisherigen Forschungsstand einzuordnen. Dazu gehört bei diesem Thema nach meinem Empfinden zwingend auch ein wenigstens kurzer Blick auf die andere Gruppe der Temperaturopfer – die „Kältetoten“ bzw. die kältebedingte Übersterblichkeit –, der hier nachgeholt werden soll: Eine im Auftrag der WHO erfolgte Analyse schätzt für Deutschland die Zahl der kältebedingten Übersterblichkeit im Winter jährlich auf durchschnittlich gut 32.000, davon etwa 9.500 infolge von zu niedrigen Innentemperaturen. Damit führen (zu) kalte Temperaturen insgesamt fast zwölfmal häufiger zum Tod als zu warme. Allein durch ungenügende Raumtemperaturen versterben jährlich im Mittel mehr Menschen als temperaturbedingt im Hitzesommer 2018. 

Während die Risikogruppe in Bezug auf ein „hitzebedingtes“ vorzeitiges Ableben vorzugsweise die Hochbetagten sind, gilt als Risikogruppe für einen vorzeitigen kältebedingten Tod die Altersgruppe ab 65 Jahren – sofern zusätzlich relevante Vorerkrankungen bestehen. Gemeint sind damit vor allem Bluthochdruck, chronisch obstruktive Lungenerkrankung und koronare Herzkrankheit. Hauptsächlich für diese in unserer alternden Gesellschaft nicht kleine Risikogruppe wird die als gerade noch ausreichend angesehene Raumtemperatur von mindestens 18 Grad – auch mangels einschlägiger Studien – nicht mehr als überwiegend gesichert angesehen.  

Aber das alles ist weder für den Medizinbetrieb noch die Medien ein ernsthaftes Thema. Angesichts der infolge eines Energiemangels drohenden kältebedingten Sterbewelle im kommenden Winter gefällt man sich darin – offenkundig unbelastet von jeglichem speziellen Wissen –, launige Tipps zu geben. Stellvertretend sei hier der Weser-Kurier angeführt, der den entsprechenden Artikel aufmacht mit: „Frieren bei Gasmangel? Wieso kühlere Wohnungen gesünder sind. Wegen des Konfliktes mit Russland wird über niedrigere Mindesttemperaturen diskutiert. Aus medizinischer Sicht kein Problem – im Gegenteil.“

Hier geben Mediziner wertvolle Tipps, wie: „einfach mal um den Block zu laufen, dann kommt uns die Wohnung gleich viel wärmer vor“, oder: „Wer seiner Gesundheit etwas Gutes tun möchte, kann auch vor dem Fernseher Liegestütz machen.“ Nicht zu vergessen natürlich der Klimaschutz, denn „mit jedem Grad, um das ich die Raumtemperatur senke, spare ich sechs Prozent Energie.“ So sind das Leiden und vielleicht gar der Tod wenigstens nicht umsonst, sondern dienen einem höheren Zweck.

 

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Hans Reinhardt / 28.07.2022

Mein Gott, Leute! Hitzetoter oder nicht, das ist doch ganz einfach: jeder, der an einem Tag verstirbt, an dem irgendwo in Deutschland 30 Grad und mehr gemessen wurden, hat in Zukunft als Hitzetoter zu gelten. Das gilt auch für alle, die in einem Zeitraum von 14 Tagen danach versterben (Inkubationszeit!) Bei Corona hat das doch auch funktioniert, ein positiver Test bei dem Verstorbenen genügte und schon hatte man einen Coronatoten mehr.

Albert Pelka / 28.07.2022

Ob’s ätiologisch mit seiner strengen Salzrestriktions-Diät zutun hat, dass der Bundesminister Laberbach mit unserem Tod statistisch so rumschindludert und sich damit so enthemmt überschwänglich auf einmal mal wirklich pfundig was gönnt, sozusagen? Muss der vielleicht dort am fremden Objekte vielleicht überkompensieren, was er am Eigenen korintken-kackerisch-zwanghaft bis zum Exzess kontrolliert? Jedenfalls lebten wir wahrscheinlich gesunder, angstbefreiter und vor allem statistisch länger, wenn dieser Karl Laberbach uns wie das Salz der Erde behandeln und uns also seinerseits völlig unbeleckt lassen würde. PS: Kann der sein Wässer (bei Lanz und sonstwo überall) ewig net halten, bloß weil ihm das Salz dazu fehlt, Oder ist schon das Salzdinges bei ihm Ausdruck seiner selben, aber eben viel weiterreicherenderen Oberstübchenmalaise? Jedenfalls, was seine sehr glücklich von ihm Geschiedene ist, die neigt öffentlich ganz klar zur letzteren Laberbach-Rundumhypothese, wo das Salzgedöns eben nur cum crano salis zählt und das ganze Kaleidoskop seiner multiplen Dysfunktionalitäten und Absurditäten in toto sozusagen herausgehoben wird.

Sabine Schönfelder / 28.07.2022

Dr. Jürgen Kuntze, Ihr Kommentar schließt sich perfekt an die infantilisierungskampagnen der Regierungen an. Auf den Totenscheinen der Impfopfer steht auch nicht „Impftote durch SARS-CoV-2-Impfung“, sondern z.Bsp. Herzinsuffizienz oder Hirnvenenthrombose. „ Das liegt u.a. daran, dass wir eine Körperkerntemperatur von ca. 37 Grad haben“, soso, eine interessante Erkenntnis. Stimmt mit meinem Fieberthermometer überein. Tatsächlich stammen wir aus Afrika, wir alle. Das läßt auf eine bestimmte Hitze-Resilienz schließen. Und Heimbewohner werden bereits betreut. Halten Sie ein. Ihr Vergleich führt wieder auf einem Nebenschauplatz. Ein menschlicher Körper verstirbt a u c h bei all zu langem Verharren in wesentlich „geringeren Minusgraden“. Ach so, man kann sich vor Kälte schützen !! Vor Wärme auch. Nach Ihrem Beitrag wäre die Menschheit nach der ersten Klimaerwärmung ausgestorben. Was dürfen wir demnächst von Ihnen erwarten ? Überleben mit Dr. Kuntze? Da müssen Sie aber noch einmal Ihren Impfplan überarbeiten….

j. heini / 28.07.2022

Mal überlegen: Die Zahl der Alten steigt. Sie gehören zur besonders bedrohten Gruppe. Schlussfolgerung: Zahlenmässig ja. Anteilsmäßig ich denke nicht. Fazit: Es wäre unheimlich wichtig, dass die Bundesregierung einen Arbeitskreis zu diesem Thema einrichtet.

Dr Stefan Lehnhoff / 28.07.2022

Und selbst diese Zahlen sind nicht korrekt. Auch hier müsste man wieder relative Alterskohorten bilden. Denn wie bei einem Atemwegsinfekt stirbt man an sommerlicher Hitze nicht als Grund, sonder als Anlass. Normiert man das korrekt, sieht man, dass die Zahlen rückläufig sind. Mehr Menschen und noch mehr Alte heißt mehr Sterben- ob Winter oder Sommer. Und jeder, der wie ich, schon mal in der Notfallmediziner gearbeitet hat, weiß um die Infarkte, die sich stapeln, wenn Rentner Schnee schippen. Da hätte ich keine Statistik für gebraucht. Irgendwie ziehen die US Rentner auch alle ins heiße Florida und nicht uns kalte Alaska oder Michigan. Todessehnsucht?

Arno Josef / 28.07.2022

Wir werden es hoffentlich nicht erleben, aber wir sind weniger auf Mangel an Energie in Form von Strom und Wärme vorbereitet als wir denken. Die Ampel bereitet uns mit ziemlich fadenscheinigen Vorschlägen vor, die aber nicht ins Eingemachte gehen. Die Zeit dezentraler Wärmeversorgung ist vorbei, die Wohnungen (Mietskasernen) lassen sich nur noch in seltenen Fällen individuell beheizen. Wenn dann noch ein Stromausfall erfolgt, kommt an schnell an die Grenzen. Die Baerbockschen 3 Tage bis zum Volksaufstand sind realistisch, denn dann wird in den Städten die Luft schon dünn. Aber das ficht Politik und Ampel nicht an, denn in ihrer Blase haben sie sich weit vom Leben auf der Straße verabschiedet. Nur eine vollständige 180° Wende würde zu einer Milderung der Folgen führen. Im aktuellen Status würden wir weder mit dem Boykott noch mit dem Gasbezug der Ukraine helfen.

Albert Pelka / 28.07.2022

Solche statistisch erzeugte Zunahmen wie hier bei den Hitzetoten dienen nur einem Zweck, im Chor der “jetzt isser da, der Klimawandel!”-Rufer, sich die vordersten Plätze zu erobern. So auch gerade wieder mal die ör-Anstalts-Jubelarien zum Brandstifter-Festspielsommer. Vor lauter Haltungzeugen für den Einsatz gegen Klimawandel, geht es diesen öffentlich-Unrechtlichen am Arsch vorbei, dass sie damit eine gesamteuropäische Brandstifterwelle erst recht anfachen. Denn schließlich ist bei den Brandstiftungen, wenn nicht gerade in Tourismus-hot-spots primär in rein pekuniärer Absicht der Ertrotzung von Bauland dienlich, immer die öffentliche Aufmerksamkeit, welche man mit ihnen erwirken lässt,  wohl das eigentliche, das Hauptmotiv für diese Täter. So einem Buhrow , dem ganze schnieken “Demokratieabgaben”-Zwangskomplex läuft dabei wohl ein wohliger Schauer über den Rücken bei soviel Fanalfeuern zur Klimagerechtigkeit jetzt, und er denkt sich dabei wohl: Lasst tausend Klimabrandherde glühen, womit wir dem Michel die Ohren, verdammt noch mal,  brandgefahrennachrichtendienstlich langziehen werden, bis der endlich zum Ausstieg aus den Fossilen, (äh, zum Frieren im Herbst und Winter, aber nicht weitersagen)  sich umstandslos bereit zeigen werden.

Bernhard Krug-Fischer / 28.07.2022

Im Zuge des “Klimawandels” müssen natürlich auch Angst und Panik geschürt werden. Da kommen die “Hitzetote” gerade recht, Die dienen auch bestimmt als ein gutes Argument, um einen Klimalockdown zu begründen. Ironieschalter ein: Was man bei der Hitze aber immer häufiger beobachten kann, so jedenfalls meine subjektive Beobachtung, dass bei vielen Leuten mangels Sonnenschutz bzw. Vorsorge das Gehirn austrocknet, und somit das Denkvermögen zerstört wird. Anders ist manches Verhalten nicht zu erklären. Ironieschalter aus.

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