„Die Partei, die Partei, die hat immer recht“ – so lautete die Hymne der „Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands“ (SED). Die DDR ist gottlob Geschichte, aber der Hang zu Bevormundung und Inanspruchnahme der absoluten Wahrheit ist offenbar nicht totzukriegen. Dennoch: Der Wind dreht sich.
Lange Zeit sah es so aus, als sei der rot-grün dominierte politisch-mediale Komplex, der woke Ampel-Zeitgeist voll guter Absichten und irrsinniger Fehlplanungen, schier allmächtig und unüberwindbar. Eine Politik, wie der Handwerkspräsident schrieb, „die mit ihrem Bürokratismus und ihrem Mikromanagement krachend scheitert und deren Ansinnen, die Kräfte des Wandels mit Formularen einzuhegen, zu einer noch größeren Unwucht führt“.
Nun aber scheint sich der Wind zu drehen. Nicht nur die neuesten Umfragen und Wahlergebnisse zeigen es: Die Blase aus endemischem Moralismus, obstinater Selbstgerechtigkeit und rechthaberischer Arroganz platzt. Was mit dem famosen „Heizungsgesetz“ von Robert Habeck anfing und sich über das „Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz“, die „Kindergrundsicherung“ – das Stuttgart 21 der außer Rand und Band geratenen Sozialbürokratie – und jenes „Selbstbestimmungsgesetz“ fortsetzte, das den jährlichen Wechsel des eigenen Geschlechts erlaubt, hat mit dem Ergebnis der Wahlen zum Europäischen Parlament ein vorläufiges Ende gefunden.
Der Aufruhr in der rotgrüngelben Chaos-Koalition wird immer heftiger, die gedemütigten Grünen lecken ihre Wunden, und die geschredderte Sozialdemokratie hadert mit ihrer Parteiführung – und ihrem Kanzler. Selbst der kurzfristige Bruch der „Fortschrittskoalition“ ist keineswegs ausgeschlossen, sollte es nicht zu einer raschen Einigung über den Haushaltsentwurf für 2025 kommen.
Die SPD lässt ihre Wähler im Stich
Angesichts der katastrophalen Wahlkampf-Inszenierung der Kanzlerpartei urteilte der Kolumnist Harald Martenstein, nicht die SPD-Wähler hätten ihrer Partei den Rücken zugekehrt, sondern umgekehrt, die SPD ihren Wählern.
Selbst der alerte Generalsekretär Kevin Kühnert, dem man sogar ein chinesisches E-Auto abkaufen würde, wenn er nur eine Minute Zeit zum Reden hätte, findet nun auch nicht mehr die passenden Worte, um die desaströse Lage der deutschen Sozialdemokratie rhetorisch glattzubügeln.
Ähnlich geht es bei den Grünen zu, deren Krisenkommunikation eine Mischung aus angedeuteter Einsicht, taktischen Rückzugsgefechten und ausgewachsener Ratlosigkeit ist – natürlich unter Verteidigung ihrer grundsätzlich völlig richtigen Politik, die aber selbst bei der Jugend keinen Anklang mehr findet.
Ohne es zu beabsichtigen, hat die preisgekrönte Publizistin Carolin Emcke, eine woke Zeitgeist-Ikone mit antrainierter Leidensmiene, jüngst auf einem Konklave der linksgrünen „Netz-Gemeinde“ namens „re:publica“ das wahre Narrativ des Ampel-Zeitgeists enthüllt. Es erinnert an die gute alte Zeit, in der nur eine Meinung galt. Unter großem Beifall sagte Emcke wörtlich: „Ich würde wirklich dazu aufrufen, dass niemand, der eingeladen wird in einer Rahmung, die Pro und Kontra heißt, teilnimmt. Ich würde wirklich inständig darum bitten, es muss aufhören.“
Frau Ehmcke hat eine Bitte
Und noch einmal für alle, die nicht glauben wollen, dass eine linke Intellektuelle in Deutschland, die mit den aufklärerischen Gedanken von Theodor W. Adorno und Jürgen Habermas groß geworden ist, das Ende des kritischen Diskurses ausruft – Schluss der Debatte, Ruhe im Bau: „Es wird uns beständig vorgemacht, es gäbe zu allen Fragen gleichermaßen wertige, gleichermaßen vernünftige, einander widersprechende Positionen. Das ist, mit Verlaub, einfach Bullshit. Wir müssen es abschaffen.“
Dieses peinliche Bekenntnis bestätigt das Gefühl von Millionen Menschen, dass die rotgrüne Obrigkeit gar nicht an Argumenten der Bürger „draußen im Lande“ interessiert ist, die mehr sind als die sprichwörtlichen „Sorgen und Nöte der Wählerinnen und Wähler“.
„Die Partei, die Partei, die hat immer recht“ – so lautete die Hymne der „Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands“ (SED). Die DDR ist gottlob Geschichte, aber der Hang zu Bevormundung und Inanspruchnahme der absoluten Wahrheit ist offenbar nicht totzukriegen.
Auch die beiden Chefinnen der „Grünen Jugend“ beharren auf einer zeitlosen Wahrheit, die sich von keiner historischen Erfahrung irritieren lässt. Im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ teilten sie jüngst der deutschen Öffentlichkeit mit, was schon für Wladimir Iljitsch Lenin glasklar feststand: „Das kapitalistische System funktioniert nicht, es bringt immer neue Krisen hervor. Es produziert immer wieder systematisch Ungleichheit, und der Zwang zu immer weiterem Wachstum führt den Planeten ins Verderben. Dieses System kann und darf nicht das Ende der Geschichte sein. Der Kapitalismus ist aus der Zeit gefallen. Unser Ziel ist ein demokratischer Sozialismus.“
Der ewige Traum vom Paradies auf Erden
Da stöhnt nicht nur manch älterer Sozialdemokrat auf, sondern auch der Autor Rainer Zitelmann (jüngstes Buch: „Weltreise eines Kapitalisten“). Er ist einer der wenigen deutschen Intellektuellen, die unermüdlich, theoretisch, historisch wie empirisch, die unleugbaren Vorzüge des Kapitalismus vulgo Marktwirtschaft ins Feld führen und an das Scheitern jeder Art von Sozialismus erinnern.
Aber was zählen Fakten schon, wenn es um den ewigen Traum vom Paradies auf Erden geht. Immer wieder werden neue Wolkenkuckucksheime errichtet, die sich schon beim nächsten Talkshow-Geschnatter in heiße Luft auflösen. All das spricht für die tiefe Verwirrung der rotgrünen Geister, eine politische Implosion, die mit einer Kommunikation einhergeht, die niemand mehr verstehen kann. Nie war die Kluft zwischen Regierung und Volk größer, nie die Sprachlosigkeit offenkundiger.
Doch die gesellschaftliche Atmosphäre ändert sich, ob in der Migrationspolitik oder beim Bürgergeld. Plötzlich werden hier Verschärfungen und dort Kürzungen – etwa für Flüchtlinge aus der Ukraine – gefordert, die eben noch Entrüstungsstürme hervorgerufen hätten. Selbst im politisch korrekten Deutschlandfunk erfährt man nun Genaueres über die Herkunft der Messer-Attentäter, und die Gefahr durch radikale Muslime wird nicht mehr so routiniert heruntergespielt, dass der „Kampf gegen Rechts“ als alleinige Staatsaufgabe übrigbleibt. Auch das öffentlich-rechtliche Gendern ist nicht mehr ganz so präsent. Unverkennbar, dass der branchenübliche Opportunismus auch jetzt seine Wirkung entfaltet, selbst wenn die Lieblingsvokabeln immer noch „Weltoffenheit“, „Vielfalt“ und „Klimagerechtigkeit“ lauten.
Es scheint, dass sich am Ende doch die immer drängender werdenden Herausforderungen der Realität gegen die rotgrüne Phrasen-Maschine durchsetzen. Den Rest erledigt der demokratische Druck der Wähler, die dafür sorgen, dass vor allem bei Grünen und SPD existenzielle Ängste ausbrechen. In Thüringen und Sachsen laufen die Sozialdemokraten Gefahr, zur Splitterpartei zu werden.
Wie oft im Leben setzt die Angst vorm Untergang neue Kräfte und neue Ideen frei, womöglich den Mut, sich einfach, soweit vorhanden, des eigenen Verstandes zu bedienen. Immanuel Kant, der Alte aus Königsberg, hätte sich jedenfalls gefreut.
Zuerst erschienen in der Preußischen Allgemeinen Zeitung für Deutschland
Reinhard Mohr, geb. 1955, schrieb als Journalist u.a. für den Pflasterstrand, die taz, die FAZ, Die Welt und den stern. Von 1996 bis 2004 war er Kulturredakteur beim Spiegel.
Beitragsbild: Nachoman-au - A digital photograph taken by myself., CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Meint man den [!!] Immanuel Kant, der den Todtenkopf und die [Auferstehung] der Phönix angebetet hat, zu Königsberg? Echt jetzt? ++ Den eigenen Verstand benutzen. Welchen Verstand soll jemand denn sonst benutzen? ++ Verehrter Autor, ich empfehle Ihnen ein Interview mit dem französischen Arzt und Chirurg Maurice Caillet. ++ Herr Kant? Das mit der Auferstehung ist soooo einfach. Gott ist als perfektes Geschöpf definiert. Sie nicht. Sie sind nicht perfekt. Jetzt sagt die Logik, daß ein unperfektes Wesen einem perfekten Wesen nicht das Wasser reichen kann: die Sünde leugnen, gegenüber Gott, ist die Torheit schlechthin. [Wir reden hier nur über die logische Ebene. Wie die Dinge definiert sind. Mit Glaube hat das nix zu tun, Herr Kant!] Wer das dennoch tat, wie Sie, Herr Kant, ist bereits auf der Bananenschale ausgerutscht, befindet sich noch in der Luft und kurz vor dem Aufschlag. ++ Weil Kant das Geschenk Gottes, aus Stolz ablehnte, wie auch Jean-Paul Sartre übrigens, u. sehr v. a., „glaubte“ Kant an die Auferstehung der Phönix. ++ Nun, darauf können Sie ewig warten, Herr Kant. Schade drum. Irren ist menschlich, korrekt Denken sehr, sehr schwer (vgl. Henry Ford) und Sie haben es vergeigt, Herr Kant.
Die Regierung hat ihre eigene soziale Frage und Daseinsberechtigung geklärt. Friendly Fascism, Proudhon -->„Die Bürokratie hat das Herrschen zu ihrem Beruf gemacht und sich in eine mächtige Kaste von Spezialisten der Futterkrippe verwandelt. Sie hat die Wirtschaft übernommen oder umgekehrt jedenfalls sind sie zu einem untrennbarem Koloss verschmolzen. Bürokratismus, wächst direkt proportional zum Entwicklungsgrad der Eigentumsvorrechte der Minderheit und umgekehrt proportional zum von der Gesellschaft erreichten Grad der sozialen Harmonie. Ihrem sozialen Wesen nach Bewahrerin der Ungleichheit und materiellen Privilegien einer Minderheit, schöpft die Bürokratie selbstredend den Rahm für sich selbst ab. Wer Güter verteilt, ist noch nie zu kurz gekommen. So erwächst aus dem sozialen Bedürfnis ein Organ, das über die gesellschaftlich notwendige Funktion weit hinaus wächst, zu einem selbstständigen Faktor und damit zur Quelle großer Gefahren für den Gesamtorganismus der Gesellschaft wird. Die zweite Funktion des Staates (“Hüter der Ungleichheit„) mächtig übertreibend, hat sich die Bürokratie in eine ungeheuerliche und ständig wachsende soziale Verirrung verwandelt, die ihrerseits zur Ursache bösartiger Geschwüre der Gesellschaft wird. Nachdem sie ihre eigene soziale Frage gelöst hat und mit den bestehenden sozialen Verhältnissen durchaus zufrieden ist. Der Staat/Bürokratie schafft und erhält gesellschaftliche Ungleichheit um seine Daseinsberechtigung stets auf Neue zu beweisen.“
Ich kann gar nicht glauben, dass es Leute gibt, die in einer großen Koalition mit CDU-Kanzler jetzt das Licht am Ende des Tunnels erkennen wollen. Es geht auch gar nicht so um die Kluft zwischen Regierung und Volk, denn von den herrschenden Ideologien hängt nicht alles ab. Die breite Masse ist für Politiker und politische Beamte so ganz nebenher auch das Mittel, um Reichtum anzuhäufen. Alle unsere Politiker können sich mit dem Gedanken anfreunden, als Millionäre in den Ruhestand zu gehen und ein privilegiertes Leben zu fühlen, das haben auch die Grünen längst bewiesen, auch die ehemaligen gefühlten Revoluzzer. So ein Stand formt auch das operative Denken über die Probleme, die alle betreffen. Politische Entscheidungen, die allen Vorteil bringen, gibt es kaum. Jeder Politiker ist darum in der Ausübung seines Mandats stets auch Privatmann und Egoist. Das wird zum Problem, wenn das gesamte Parlament aus dieser Spezies Mensch besteht und neu Hinzukommende sofort in diese Richtung erzogen werden. Aus diesem Grund muss man, meiner Ansicht nach, eine Hinwendung zum Sozialismus aus dem Parlament heraus nicht befürchten. Und für Revolutionen von der Straße aus geht es vielen Menschen heute zu gut. Niemand, der überdurchschnittlich verdient oder Rente bekommt, möchte, dass davon etwas genommen und an andere verteilt wird. Sozialismus ist ein Prinzip der Verteilung. Von Ressourcen, Einkommen und notwendigen Pflichten. Davon sehe ich nichts, weder bei den Grünen noch bei der SPD. Das große Wutgeheul kann erst mal steckenbleiben.
Frau Emcke ist eine sehr , sehr dumme Frau .
Das gilt auch für all Diejenigen , die dieses Weib
für intelligent halten .
Mehr ist dazu nicht zu sagen .
DIE DEUTSCHE QUALLE – Es lebte eine fette Qualle irgendwo im großen Meer, sagte: „Ich liebe euch doch alle!“, schwamm Opfer suchend hin und her. – Liebespartner ließen sich finden, um diese fest an sich zu fesseln, musste sie die mit Garn umwinden, benutzte dafür ihre Nesseln. – Doch die Objekte der Begierde ließen sich gar nicht überzeugen, empfanden Nesseln nicht als Zierde, wollten sich ihrem Gift nicht beugen. – Die Liebe währte nur kurzzeitig, denn Liebesopfer merkten bald, die Quallenliebe ist einseitig und wird bei Ablehnung Gewalt. – Sie war an die Falschen geraten, die Qualle mit den langen Fäden, gefälscht waren auch ihre Daten, durchschaubar eigentlich für jeden. – Das Gleichnis sollte jetzt genügen, wer mit der Qualle ist gemeint, der schwimmt in einem Meer von Lügen, ist mit Regierungsmacht vereint? – Wie eine Qualle glibbrig schleimt im Staat der Bund der Altparteien, doch eine zarte Hoffnung keimt, im Osten schließen sich die Reihen, könnten das Land vom Schleim befreien.
Sollte der Wind sich tatsächlich drehen und Normalität in kleinen Schritten zurückkehren, würde ich mich von Herzen freuen. Bis es soweit ist, bleibe ich misstrauisch. Der sich drehende Wind kommt in D nämlich ganz zuletzt oder gar nicht an. Im übrigen baue ich nicht auf menschliche Weisheit.
Gleichgültig wie man zu dem wissenschaftlichen Versuch von Stephane Courtois steht, die Zahl der Opfer kommunistischer Systeme zu berechnen, ob es nun zwischen 65 und 93 Millionen oder noch viel mehr sind: eine Empfehlung ist das in keinem Fall. Möglicherweise sind die Grünen angetreten – Interviews der grünen „Vordenkerin“ Ulrike Herrmann legen das nahe – den Sozialismus im Zuge ihrer geplanten Gesellschaftstransformation neu zu erfinden? Ich persönlich habe nie viel für hochfliegende Utopien übrig gehabt, alle Veränderung fängt beim Individuum an – also bei mir selbst.