Roger Letsch / 20.09.2021 / 10:00 / Foto: Eva Rinaldi / 23 / Seite ausdrucken

Nicki Minaj zeigt den Mittelfinger

Rapperin Nicki Minaj besitzt genug von dem, was man in Amerika gern als „Fuck off Money“ bezeichnet. Also eine derart solide ökonomische und Fan-Basis, dass sie sich eine eigene Meinung leisten kann. 

Zugegeben, ein Fan bin ich nicht gerade. Denn was die Musik der Rapperin Nicki Minaj angeht, bin ich in völliger Unkenntnis. Im Gegensatz zu Nena, von deren Oeuvre mir zumindest einige Tonfolgen im Gedächtnis haften, fällt mir zu Nicki Minaj nicht eine Note ein. „Not my cup of tea“, wie der Engländer sagen würde – auf den Premierminister der Insel kommen wir noch zurück.

Die „Queen of Rap“ (Wikipedia) ist mir bisher eher als eine Art Karikatur ihrer selbst mit großem Ego denn als erfolgreiche Musikerin vage in Erinnerung. Was sie mit Nena trotz Genre- und Generationsunterschieden verbindet, ist, was man in Amerika gern als „Fuck off Money“ bezeichnet. Also eine derart solide ökonomische und Fan-Basis, dass sich beide Künstlerinnen etwas leisten, was sich heute in der Öffentlichkeit als rarer Luxusartikel erweist: eine eigene Meinung, die von der anzustrebenden, genehmigten Mehrheitsmeinung abweicht. Politiker leisten sich sowas manchmal nach ihrer Karriere, Professoren nach ihrer Emeritierung, deutsche „Kulturschaffende“ meist erst nach Verlust ihres Sendeplatzes, auch wenn hinter vorgehaltener Hand und ganz privatim alle vor Mut zum Widerstand geradezu bersten.

Nena hat eine eigene Meinung und ein nicht verhandelbares Prinzip. Gerade sagte sie ihre Tournee 2022 ab, weil sie keine „G“-Unterschiede zwischen ihren Fans zulassen will. Nicki Minaj hat offenbar auch ihre eigene Meinung und im Fall dieser Rapperin ist es noch dazu die Unverblümtheit ihrer Sprache, die ihren entsetzten Kritikern gerade selbige verschlägt.

Für die Medien Zeit, Minaj unter den Bus zu schubsen

Das was wir gern „Establishment“ nennen, weidet sich für gewöhnlich nur zu gern an denen, die vermeintlich aus der Gosse kommen und es zu ihnen „hinauf“ geschafft haben. Doch im Gegensatz zu politischen „My-Fair-Lady-Projekten“ wie AOC (Alexandria Ocasio-Cortez) bewahrte sich Minaj ihr Vokabular und den „Ihr-könnt-mich-mal-Appeal“, mit dem sie groß geworden ist. Und während die erstere der medial leuchtende Mittelpunkt einer geradezu obszönen Met-Gala ist, sitzt die andere trotz Einladung zu Hause und twittert zu ihrer Öffentlichkeitsabstinenz (Faksimiles siehe hier)

Wir lernen, Minaj hat ein Baby, offenbar wegen Covid keine Nanny und gewichtet ihre und die Gesundheit ihres Kindes höher, als sich mal wieder vor Kameras sehen zu lassen und für den guten Zweck Champagner zu schlürfen. Und sie legt noch eins drauf, was sie Risikoabschätzung angeht.

Wenn sie sich impfen ließe, dann sicher nicht wegen der Met-Gala. Sie recherchiere noch, was gut für sie sei und gehe bis dahin lieber auf „Nummer Sicher“. Außerdem habe sie sich vor einiger Zeit schon bei einem Videodreh angesteckt und durfte dann für über eine Woche nicht in die Nähe ihres Kindes kommen und Drake (ein anderer Rapper) sei sogar erkrankt, obwohl er geimpft sei und überhaupt müsse doch jeder selbst entscheiden, was er mit seinem Körper mache. Als sie dann auch noch von ihrem Vetter auf Trinidad erzählte, dessen Freund durch die Impfung impotent geworden sei, war es für die Medien endgültig an der Zeit, Minaj unter den Bus zu schubsen, denn „zur Vernunft“ ließ sie sich einfach nicht bringen.

Vergessen wir mal für einen Moment den Freund ihres Cousins und seine „swollen testicles“ – was würde man lieber tun, als dieses Bild aus dem Kopf zu bekommen – und folgen dem Aufschrei der Medien. Nicki Minaj sei verrückt geworden und statt ihre Fanbasis zur Impfung zu drängen, erzähle sie Geschichten aus dem Paulanergarten und agitiere gegen die Impfung! Das Problem ist nur, dass Minaj das gar nicht getan hat und sich auch nicht so einfach abschalten lässt.

Denn sie ist geradezu der Prototyp eines Social-Media-Stars mit einer riesigen Anhängerschaft rund um den Globus. Allein bei Twitter hat sie fast 23 Millionen Follower und auf Instagram sind es irrwitzige 157 Millionen. Eine Tatsache, die etwa der MSNBC-Moderatorin Joy Reid hart auf der Seele lastet, die es auf Twitter gerade mal auf zwei Millionen Follower bringt und die deshalb ihrer „Sister“ ins Gewissen redet. Die Rede des Onkels von Peter Parker alias Spiderman von Macht und Verantwortung lag in der Luft, hierzulande würde in einem solchen Falle wohl ein Kommentator der Süddeutschen in den Tagesthemen von „Solidarität“, „Gemeinsam“ und „Wir“ sprechen.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Roger Letschs Unbesorgt. Dort finden Sie auch die hier erwähnten Tweets als Faksimile.

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Leserpost

netiquette:

Ines Sack / 20.09.2021

Sie kennen die Songs von Nicki Minaj nicht? Hören Sie sich mal “Superbass” an, eins meiner all time favorites in der Kategorie Rap. Und lesen Sie die Lyrics und gucken das Video. Ohne so eine Persönlichkeit kann man so etwas gar nicht erschaffen. Nicki, du hast mich nicht enttäuscht, danke. Und danke, Herr Letsch, dass Sie mich darauf hingewiesen haben, dass die Schöpferin eines meiner Lieblingssongs so tickt, das hätte ich sonst nicht mitbekommen (folge ihr nicht auf Social Media o.ä.).

Jan des Bisshop / 20.09.2021

Angesichts der Zahlen aus den Intensivstationen, die jetzt bekannt wurden, müssen alle Corona Maßnahmen sofort beendet werden. Die Menschen müssen selber entscheiden dürfen, ob sie sich die Spritze geben sollen und wenn sie krank werden, dann sind sie auch immun. Besser im Sommer oder im sonnigen Herbst krank werden, wo die Abwehrkräfte hoch sind, als im November oder Dezember, wo traditionell die Menschen an dem schlechten Wetter sterben. Im übrigen sollte man die “großen” Kirchen endlich sterben lassen, sie sind so unwichtig für das Wohl der Gesellschaft, dass es nur wenige merken würden, wenn sie dahinscheiden.

Angy Malinksi / 20.09.2021

Nur mal so ganz nebenbei gefragt: Werden eigentlich auch Twitter-Accounts gelöscht, wenn sie ‘medzinische’ Unwahrheiten verbreiten? Dann bleibt nur noch f*ck-off, aber kein money mehr ...

Stefan Weyhenmeyer / 20.09.2021

es ist immer wieder schön, wenn Marktmacht in den Sozialen Medien für gute Zwecke genutzt wird. Ich muss noch ein bisschen an der Zahl meiner Follower und der Größe meines Fuck-Off-Money-Sparschweins arbeiten…

Erwin Engelbogen / 20.09.2021

Das war auch das Problem der NS. Was ist wenn sich von den dummen sozialistischen Parolen und den schleimigen Bucklern der Geldeliten keiner mehr einscgüchtern läßt? “fuck the rich and their EUnuches”

Richard Loewe / 20.09.2021

bevor jemandem auf Trinidad die Cojones geschwollen sind, hatte ich von der noch nie gehört und daß jemand 157 Millionen “Follower” auf Instagram hat, konnte ich auch nicht glauben @ Wolf Hagen: anders als Sie, ist mein Vertrauen in den deutschen und den T&T Gesundheitsminister so hoch wie meine Bewunderung für Idi Amin war, aber für einen “homophoben Rassisten” wie mich ist das natürlich auch einfach. Ein wunderbares, erst 10 Tage altes Phänomen hier in den USA sind die “Fuck Joe Biden” Rufe in den Stadien. The Gateway Pundit postet dazu immer mal wieder schöne Links, die mir ein Lächeln auf die Lippen zaubern. Seit diesem Wochenende sogar beim College Football.

Christoph Schmid / 20.09.2021

Das Gefasel und die Beleitigungen der anderen Seite, sollen wir “ungeimpfte” uns aber gefallen lassen, oder wie? - Wenn wir schon bei der wahrheit sind, warum redet dann keiner über die Dunkelziffer von Impfschäden, die aufgrund des komplizierten Meldeverfahrens oft garnicht gemeldet werden. Oder schlichtweg weil durch die ewige Panikmache und die Scheuklappen im Kopf die Impfschäden garnicht als solche erkannt werden…? Es kann nicht sein was nicht sein darf… In der ganzen sog. “Pandemie” wurde es mit der Wahrheit von vorne herein nicht sehr ernst genommen, angefangen bei der Bestimmung der “an und mit” Verstorbenen, über Bilder von Särgen im Fernsehen die aus einem ganz anderen Kontext stammten (Archivbilder), weiter über das Märchen von den Überlasteten Intensivstationen ohne den Bettenschwund von über 6000 Plätzen zwischen Sommer 2020 und Anfang 2021 zu erklären usw. Und dabei gehen wir nochnicht mal auf die Tests ein und darauf dass es keine offizielle Meldung gibt dass das Virus überhaupt je isoliert wurde, und der Test daher höchstwahrscheinlich einfach am Computer entstanden ist usw. Die Wahrheit hat schonlange keinen allzu hohen Stellenwert mehr… es geht nur noch um Macht und Einfluss… und das Problem der Lügenpresse und ihrer Zensurinstrumente ist, dass sie diese junge Frau nicht einfach abschalten kann, ohne dass es richtig knirscht im Getriebe… eine “loose Cannon”... Jemand der ihnen die Deutungshoheit streitig macht… und das geht im Zeitalter der Meinungsdiktatur mal garnicht…

Sabine Lotus / 20.09.2021

Zja, das Problem in einem Detail unter dem Brennglas: 157mio ‘Follower’ für ‘dicke Eier’. Nebensätze versteht kein Schwein mehr und die oh so konservative Welt (bruharhar) ist heute mal wieder mit was vollgestopft? Annlena, Scholz, Annalena, Ärzte, Scholz, ach Mensch…und noch so ein dynamic pussipussi Gruppenphoto mit dynamic Scholz und Trampellena. Die Schwabjugend für Ihre Gebühren im Einsatz. YoYo, Dicke Eier.

Gregor Horn / 20.09.2021

Hallo Herr Letsch, was soll ich sagen ? Ich höre den Namen „ Nicki Minaj“ hier und heute das erste Mal überhaupt.

Timm Koppentrath / 20.09.2021

„Fuck off Money“...ein würdiger, neuer Eintrag im Duden sinngemäß zitiert nach Roger Letsch: eine derart solide ökonomische Basis, dass sich Künstler/innen etwas leisten, was sich heute in der Öffentlichkeit als rarer Luxusartikel erweist: eine eigene Meinung, die von der anzustrebenden, genehmigten Mehrheitsmeinung abweicht. Politiker leisten sich sowas manchmal nach ihrer Karriere, Professoren nach ihrer Emeritierung, deutsche „Kulturschaffende“ meist erst nach Verlust ihres Sendeplatzes, auch wenn hinter vorgehaltener Hand und ganz privat alle vor Mut zum Widerstand geradezu bersten. Und deswegen habe ich auch die Heiligenverehrung von Sarrazin und ähnlichen Protagonisten nie verstanden. Dem seit 90er Jahren eintretenden Verlottern von Deutschland zuzusehen und Jahrzehnte später aus der Rente heraus aus Deckung wagen, hat wenigstens ein Geschmäckle. Vom Diskussionsklima und von den zu befürchtenden Nachteilen, wäre es rückblickend betrachtet wirtschaftlich und gesellschaftlich risikoloser gewesen, vieles 20-30 Jahre vorher zu veröffentlichen.

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