Um Europa steht es nicht gut. Das gilt insbesondere für das Gebilde „Europäische Union“ (EU). Will man den Hauptakteuren der EU, die heute offenbar alle aneinander vorbei reden, keine bösen Absichten unterstellen, bleibt als Erklärung nur diese Vermutung: Jeder Einzelne von ihnen weiß im Grunde nicht, was er will. Aber einig sind sie sich alle über das, was sie nicht wollen: die Wahrheit über den geistigen Zustand und die wirtschaftlichen Perspektiven Westeuropas. Diese Wahrheit vernimmt man heute eher jenseits des Atlantiks als aus dem Mund europäischer Spitzenpolitiker.
Dabei hat die westeuropäische Einigung nach dem Zweiten Weltkrieg durchaus faktenbasiert und konstruktiv begonnen. Den Gründervätern des nach Westen orientierten Nachkriegs-Europas wie vor allem den Franzosen Jean Monnet und Robert Schumann war bewusst, dass die enormen Kriegsschäden, unter denen fast alle europäischen Länder litten, nur mithilfe eines starken Wirtschaftswachstums überwunden werden konnten. Um diesem den Weg frei zu machen, bedurfte es billiger Energie im Überfluss. Aus diesem Grunde setzten sich die beiden Franzosen mit Spitzen-Beamten der ersten Bonner Bundesregierung unter Konrad Adenauer zusammen, um jenseits der Feindbilder des Krieges die Gründung der „Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS)“, bekannt als Montanunion, auszuhandeln. Diese wurde im Jahre 1952 gegründet.
EWG und EURATOM
Die offizielle deutsch-französische Aussöhnung in Gestalt des zwischen dem französischen Staatspräsidenten General Charles de Gaulle und des deutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer am 22. Januar 1963 feierlich abgeschlossenen Élysée-Vertrages kam zwar erst später, aber in der Zwischenzeit kam es zwischen den Regierungen von sechs westeuropäischen Ländern zu wachsender Annäherung in der Wirtschafts- und Energiepolitik. 1957 unterzeichneten die Regierungen von Deutschland, Frankreich, Italien und den Benelux-Staaten in Rom den Vertrag über die Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG). Deren Hauptziel war die Förderung des Handels zwischen den Mitgliedsländern. Dabei lag wegen des damals noch großen Anteils der Landwirtschaft an der Wertschöpfung der Volkswirtschaften zunächst der Schwerpunkt auf Agrarprodukten.
Aber die Frage einer zuverlässigen und bezahlbaren Energieversorgung wurde dabei nicht vergessen. Parallel zur Vorbereitung der EWG-Gründung verständigten sich die Regierungen darüber, die Kohle-Verstromung nur als Übergangslösung zu betrachten. Sie setzten (vor allem auf Druck Frankreichs, wo die Entwicklung der Kernenergie zunächst vom bekannten Pazifisten Frederick Joliot-Curie vorangetrieben wurde) auf die Kernenergie. 1957 kam es zum Abschluss des EURATOM-Vertrages. Aber auch in Deutschland gab es nach dem Abbruch der Entwicklung von Kernreaktoren unter der Naziherrschaft (die wahrscheinlich weiter gediehen war, als die offiziellen historischen Darstellungen ahnen lassen) eine Lobby für die Erschließung der Atomenergie, die damals tatsächlich so hieß. (Ich wohne in Bad Nauheim in Mittelhessen selbst in einem Haus, das nach dem Krieg vom Kernphysiker Prof. Robert Jäger und dessen Bruder, dem Komponisten Willy Jäger erbaut wurde, wie eine Bronzetafel an der Fassade ausweist. Jäger gilt als einer der „Väter“ des bundesdeutschen Atomprogramms unter Franz Josef Strauß.)
Leider wurde der parallele Weg zwischen dem Aufbau der EWG und dem Ausbau von EURATOM später verlassen. Einer der wichtigsten Gründe für die Anstrengungen Westeuropas, eine preisgünstige Energieversorgung aufzubauen, war selbstverständlich der Kalte Krieg (Systemwettbewerb) mit dem kommunistisch beherrschten Osten. Nach dem Zusammenbruch der sozialistischen Volkswirtschaften im Osten ließen diese Anstrengungen sichtbar nach, und der von enttäuschtem Narzissmus genährte Selbsthass der Grünen begann sich in Form der Kohlenstoff-Phobie durchzusetzen.
2001: Die EU beginnt, Grün zu werden
Davon zeugt der Ausgang des Europäischen Rates von Barcelona im Jahre 2001. Auf einmal ging es im Grunde nicht mehr um die Sicherstellung einer preiswerten Energieversorgung als Basis für rasches Wirtschaftswachstum, sondern um die Verknappung und Verteuerung der Energie durch den Ausbau der unzuverlässigen, weil wetterabhängigen „dekarbonisierten“ Energiequellen Wind und Sonne. Das hätte die Stunde der Kernenergie sein können, da bei den bislang üblichen Kernkraftwerken über den gesamten Lebenszyklus nur sechs Gramm Kohlenstoffdioxid (CO2) je Kilowattstunde anfallen (Quelle), während Photovoltaik-Paneele zehnmal mehr CO2 produzieren. Doch die Kernenergie wurde von den Grünen aus uneinsichtigen Gründen verteufelt. Dabei decken alle zufallsabhängigen „Erneuerbaren“ zusammengenommen bis jetzt nicht mehr als 2,5 Prozent des europäischen Energiebedarfs. (Tatsächlich hat die Klimaentwicklung wenig bis nichts mit dem CO2-Gehalt der Atmosphäre zu tun.)
Ich erinnere daran, dass ich wie der geniale Geo- und Astrophysiker Thomas Gold keinen grundsätzlichen Unterschied zwischen „fossilen“ und biotischen Ressourcen sehe. Die Entscheidung der EU für die (vorgeblichen) „Erneuerbaren“ und die Abkehr von den „Fossilen“ impliziert aber die Abkehr von der historisch im Einklang mit dem Grad der Industrialisierung und Urbanisierung gewachsenen Elektrizitätserzeugung in zentralen Kraftwerken und die Rückkehr zu einer dezentralen Elektrizitätserzeugung, wie sie vor über 100 Jahren überwog. Diese bedarf aber einer Vervielfältigung der Übertragungsleitungen sowohl national als auch international. Während zwischenstaatliche Koppelstellen zwischen den Leitungsnetzen früher eher für seltene Notfälle ausgelegt waren, soll der zwischenstaatliche Elektrizitätstransport nun zur Dauereinrichtung werden. Um einen europäischen Binnenmarkt für Elektrizität für die inzwischen auf 27 Mitglieder angewachsene Europäische Union zu schaffen, legte der Europäische Rat zu Beginn des 21. Jahrhunderts eine Kopplungskapazität zwischen den Stromnetzen der EU-Mitgliedstaaten von mindestens zehn Prozent der installierten Produktionsleistung fest. Doch dieses Ziel wurde bis Ende 2025 von acht EU-Mitgliedstaaten nicht erreicht. Währenddessen hat die EU-Kommission bereits beschlossen, bis 2030 das Ziel von 15 Prozent zwischenstaatlicher Transportkapazität anzusteuern.
Zentrale und dezentrale Energiequellen
Um das Ziel einer optimalen Vernetzung dezentraler Energiequellen zu erreichen, bedarf es nach Schätzungen des Europäischen Rechnungshofes bis 2030 Investitionen von fast 600 und bis 2050 fast 2.000 Milliarden Euro. Denn viele schon fest geplante „Erneuerbaren“-Projekte warten wegen Leitungs-Engpässen noch auf ihre Genehmigung. Aber diese Investitionen finden nicht statt, weil sie wirtschaftlich unsinnig sind. Wer würde schon freiwillig Milliarden investieren, um überschüssigen Solarstrom von Spanien über Frankreich nach Deutschland zu leiten? (Das war übrigens eine der Ursachen für den Beinahe-Blackout, der im vergangenen Jahr Spanien heimsuchte.) Die EU-Kommission versucht, diesen Problemen mithilfe des im Dezember 2025 vorgestellten Programms „Grids Package“ zu begegnen. Doch Samuel Furfari, ehemaliger für Energie zuständiger hoher EU-Beamter, weist darauf hin, dass die Politik den Aufbau eines internationalen Stromnetzes nicht einfach dekretieren kann. Es braucht dafür Jahrzehnte.
Unter der Dysfunktionalität der gegenwärtigen unzureichenden Vernetzung zwischen „erneuerbaren“, das heißt zufälligen mit den zuverlässig steuerbaren Energiequellen Wasser- und Kernkraft leidet insbesondere Frankreich. Im vergangenen Jahr gab es wegen der wetterbedingten zeitweiligen Überproduktion von Solar- und Windenergie nicht weniger als 432 Stunden mit negativen Strompreisen. Dadurch drohen die Milliarden-Investitionen in den Bau von Kernreaktoren des Typs EPR2 unrentabel zu werden, denn diese sind auf eine hohe Zahl jährlicher Betriebsstunden und kontinuierlich fließende Einnahmen ausgelegt. Die Investitionskosten der sechs in Frankreich geplanten EPR2-Reaktoren werden auf etwa 83 Milliarden Euro veranschlagt. Die Kernkraftwerke können, um die Überproduktion abzufangen, höchstens um 20 Prozent gedrosselt werden. Die Zahl der Stunden mit negativen Strompreisen wird also in den kommenden Jahren weiter steigen, wenn nichts geschieht.
Deshalb erscheint es umso unverständlicher, dass der Entwurf für den nächsten französischen Zehn-Jahres-Plan der Energieversorgung (PPE3), der wegen der französischen Regierungskrise noch immer nicht verabschiedet ist, von einer Komplementarität zwischen planbaren und wetterabhängigen Energiequellen ausgeht. Aktuell zeigt es sich jedoch, dass beide schlicht inkompatibel sind. Sie ergänzen sich nur in seltenen Ausnahmefällen. Solange die EU-Kommission unter Ursula von der Leyen das Dogma der Dekarbonisierung nicht aufgibt, kann wohl keine Ordnung in das europäische Zusammenspiel der europäischen Elektrizitätsnetze einziehen. Das erscheint umso dringender, als die EU mit ihrer Politik der Dekarbonisierung inzwischen weltweit allein dasteht.
Beitragsbild: Gabriel Loppé - photolib.noaa.govImage ID: wea00602, Historic NWS Collection, Gemeinfrei, via Wikimedia Commons
Seht doch nicht alles so schwarz. Wennˋs hart auf hart kommt, schickt Uschi einfach eine SMS an die Sonne.
PUTLER HILFT! „Breaking News: Russia Will Nuke Germany & the UK if Ukraine War Continues, Warns Top Putin Advisor
Tucker Carlson“ rumble com
Wenn Inkompetenz auf Inkompatibilität trifft reden wir von dem EU-Moloch. Ein Konstrukt, was historisch gewachsene Kulturen zu einer Einheit vergewaltigen will; ein System was genau so wenig funktionieren kann wie eine „klassenlose Gesellschaft“ im Sozialismus. Nachdem die Lokomotive der EU durch „dysfunctionale hochkompetente Nomenklatura“ ausgefallen ist – sprich, pleite gemacht wurde, beginnt das Hauen und Stechen. Ein nahezu 80jähriges (theoretisches) Friedenskonzept droht an den Klippen rauer Realität zu zerschellen; ähnlich der „Netzübergänge“. Im Übrigen bin ich der Meinung, ein Europa der Vaterländer wäre die Lösung. Ganz ohne Eurobonds!
Nein, auch meine Ebay-Käufer zahlen und melden sich nicht… wir gehen gerade unter. ALLE!
Überhaupt kein Problem, Herr Gärtner. Die Froschfresser & die Krauts haben Blackouts gewählt, also haben wollen.
Man muss sich nur mal überlegen, in welchem Technologieberich, der sich schnell entwickelt (z.B. Mikroelektronik, Informatik, Künstliche Intelligenz) der erbitterte Streit tatsächlich darüber entbrennt, ob man dreißig Jahre alte Anlagen noch weitere dreißig Jahre betreiben soll. Wer nicht vollständig im Hirn berkleistert ist, erkennt einfach an dieser Diskussion, was mit der Nukleartechnik los ist. In keinem anderen Bereich sonst hält man dreißig Jahre alte Technik für „die sicherste“ der Welt und für den Höchststand menschlicher Ingenieurskunst. Es ist völlig absurd und völlig lächerlich, und trotzdem sind 90% der Deutschen intellektuell so weit entwickelt, dass sie tatsächlich inzwischen eine weitere Verlängerung der Laufzeiten sofort unterschreiben würden. Noch schlimmer, sie heulen laut, wenn ein seit Jahren funktionslos gewordener Kühlturm, der innen schon komplett verrostet ist, endlich gesprengt wird. Man muss sich nur das alles vor Augen führen, um den Zustand der Ingenieurskunst der Kerntechniker zu begreifen. Und den Zustand eines Landes, in dem jede Entwicklung entweder massiv blockiert wird oder von sich aus verhungert ist. Und NEIN; nicht die Grünen haben verhindert, dass in Deutschland die Entwicklung der Nukleartechnologie über den Status 1960 hinaus kommt. Die Grünen haben eher gefordert, dass die gravierendsten Anfangsfehler endlich gründlich behoben werden. ES GESCHAH NICHTS, außer unerträglicher Propaganda!
>>Doch die Kernenergie wurde von den Grünen aus uneinsichtigen Gründen verteufelt.<< ## Reine Ideologie! Die Kernenergie wurde nach 1945 vor allem deshalb von den meisten europäischen Staaten, insbesondere Frankreich und UK verherrlicht, weil die Atombefürworter unerfüllbare Heilsbotschaften verkündeten. Es war nach der Eisenbahn und dem Flugwesen eine weitere Technologie, die 99,99 % selbst der gebildeten Europäer nicht verstand, Es war immer im Hintergrund die Hoffnung auf die Bombe, nicht zuletzt in Deutschland. Man begriff einfach nicht, dass aus einem Kernkraftwerk erbrütetes Plutonium grundsätzlich nicht bombentauglich ist. Und so genau verstand das niemand. Sehr schnell wurde um die Nukleartechnologie eine Geheimhaltung gebaut, und zur Belustigung des Volkes gab es weiter die falschen Heilsversprechen. Nachdem sidn Sacharow in Russland und Szilard in Amerika gegen das nukleare Wettrüsten aussprachen, wurden die Nuklearphysiker als potentiell politisch unzuverlässige Kandidaten fast weltweit aus der Technologie gedrängt. Die Nukleartechniker, die von der Nuklearphysik nur den Klippschulanteil verstanden, übernahmen. Die Folge war technologischer Stillstand. Überall wurden erst Siedewasserreaktoren und dann Druckwasserreaktoren „in die Breite ausgerollt“, der Entwicklungsstand 1960. Das am Anfang tolerierte Risiko, dass man einen Reaktor nicht per schnellstopp einfach anhalten kann, und dass man ohne Strom für die Kühlung von außen zuzuführen, sicher in einen unbeherrschbaren Zustand bis zur Kernschmelze ging, WURDE VON DEN „EXPERTEN“ einfach nicht mehr wahrgenommen. Es wurde mit Parolen aus der Ideologieküche zugeblödelt. „Uran ist Leben“, „die deutschen AKW sind die sichersten“, „An radioaktiver Strahlung ist noch niemand gestorben“. Das war der ENDPUNKT einer Technologie, die in dem Umfeld aus Militär, „Sicherheits“-Neurotikern und Klippschülern nicht weiter entwicklungsfähig ist. Der Beweis heißt Fukushima. PUNKT!