Rainer Bonhorst / 07.06.2011 / 12:43 / 0 / Seite ausdrucken

Nichts für ungut

Neulich saß ich mit Leuten zusammen, die man mit etwas bösem Willen als Gutmenschen bezeichnen könnte. Und ich habe mich den ganzen Abend gefragt: Was ist eigentlich so schlecht an diesen Leuten?

Dumme Frage? Keineswegs. Das Wort „Gutmenschen“ ist ja kein Kompliment.  Früher gab es gute, mittlere und schlechte Menschen. Die Gutmenschen sind erst entstanden, als ihre ständige Pose der moralischen Überlegenheit, ihre Entschlossenheit, Gesinnung wichtiger zu nehmen als die oft unangenehme Wirklichkeit, den weniger Guten auf die Nerven gehen. Die meisten Menschen, die von mittlerer Moral, sind froh, wenn sie halbwegs heil die Klippen des Lebens umschiffen. Die Gutmenschen wirken auf sie zu gut um wahr zu sein. Das vor allem sagt der gemeine Name aus.

Und doch, und doch. Wo wären wir ohne die Guten? Die, mit denen ich zusammensaß, tun zum Beispiel Gutes für das Zusammenleben der Menschen unterschiedlicher Herkunft in Deutschland. Sie kümmern sich um Migranten, also um Einwanderer und ihre hier geborenen Nachkömmlinge. Und ich frage mich: Wo wären wir, wenn das keiner machen würde? In den deutschen Städten haben mehr als ein Drittel der Bürger den berühmten Migrationshintergrund. Was wäre wohl los, wenn wir die einfach ignorieren würden?

Das Traurige ist: Offiziell haben wir sie lange ignoriert. „Deutschland ist kein Einwanderungsland“ war die wirklichkeitsfremde Devise der Politik. Und auf einmal spricht mehr als ein Drittel der Städter mit Akzent und viele beten sogar zu einem anderen Gott.  Jetzt holt die Politik das Versäumte mit einer hastig zusammengeschusterten Integrationsbastelei nach. Die würde schon im Ansatz scheitern, hätten sich nicht viele gute Leute schon lange vorher um die Einwanderer gekümmert. Vor allem in den Städten konnte man nicht übersehen, was die große Politik in vermeintlich populärer Blindheit ignorierte.

Das offizielle Wegschauen und das gutherzige Kümmern hatten leider eines gemein: Beide, die Blinden und die Guten übersahen aus Desinteresse oder aus beschönigendem Idealismus, dass sich in den Kreisen der Migranten eine hässliche und gar nicht mal so kleine Minderheit breitmachte. Diese Leute meinen, unser Grundgesetz, unsere Menschenrechte, unsere Frauenrechte gelten für sie nicht. Jetzt müssen wir auch dieses Versäumte nachholen, und uns umso unangenehmer mit den niedergelassenen Frauenunterdrückern, Zwangsverheiratern und Bluträchern herumschlagen.

Das ist nichts für die Guten. Das machen jetzt die, die die Schattenseiten sehen. So ist es halt, nicht nur bei der Einwanderung: Das Bild wird komplett, wenn beide drauf sind, die mit den leuchtenden Augen und die mit dem skeptischen Blick.

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