Vera Lengsfeld / 12.12.2014 / 09:41 / 15 / Seite ausdrucken

Nicht die Migration, der Islam ist das Problem!

Das sage nicht ich, sondern weil jetzt auch auf der Achse von der “angeblichen Islamisierung” zu lesen ist, möchte ich noch einmal den großen Ralf Giordano zu Wort kommen lassen, der bereits vor fünf Jahren in einem Offenen Brief an den damaligen Bundespräsidenten auf die Probleme hingewiesen hat, die heute tausende Menschen auf die Straße treiben:

Sehr geehrter Herr Bundespräsident,

„Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland, das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland, das ist unsere christlich-jüdische Geschichte, aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland“. Dieser Satz in Ihrer Rede vom 3. Oktober anlässlich des 20. Gedenktags der Wiedervereinigung offenbart in seiner Pauschalität eine so verstörende Unkenntnis der Wirklichkeit und verfrühte Harmonisierung grundverschiedener Systeme, dass es einem die Sprache verschlagen will.

Ich maße mir nicht an, Ihnen Nachhilfeunterricht in Geschichte erteilen zu wollen, aber hier wird eine blauäugige Gleichsetzung des realexistierenden Islam mit einem EU-konformen Wunsch-Islam so sichtbar, dass energischer Widerspruch eingelegt werden muss. Denn der politische und militante Islam ist nicht integrierbar, aber auch der „allgemeine“ jenseits davon ist noch problematisch genug.

Ist er doch bisher auf die Frage, ob er vereinbar sei mit Meinungsvielfalt, Gleichstellung der Frau, Pluralismus, Trennung von Staat und Religion, kurz, mit Demokratie, jede überzeugende Anwort schuldig geblieben. Eine dunkle Wolke, die am Himmel des 21. Jahrhunderts schwebt, und von der auch die Bundesrepublik Deutschland durch eine total verfehlte Immigrationspolitik unmittelbar berührt wird.

Hier stoßen in der Tat zwei grundverschiedene Kulturkreise aufeinander, und das in sehr unterschiedlichen Entwicklungsstadien.

Einmal der judäo-christliche, in dem sich nach finstersten Geschichtsepochen mit Renaissance, Aufklärung, bürgerlichen Revolutionen und ihrer Fortschreibung das liberale Muster durchgesetzt hat, ein gewaltiger Sprung nach vorn. Dann der andere, der islamische Kulturkreis, der nach zivilisatorischen Glanzzeiten, die das Abendland nur beschämen konnten, bei aller inneren Differenzierung dennoch bis heute eine gemeinsame patriarchalisch-archaische Stagnation zu verzeichnen hat: gehorsamsorientiert, säkularitätsfern, auf Ungleichheit der Geschlechter, elterliche Kontrolle und fraglose Anerkennung von religiösen Autoritäten fixiert. Es ist der Zusammenstoß zwischen einer persönliche Freiheiten tief einengenden, traditions- und religionsbestimmten Kultur, und einer anderen, nach langen Irrwegen individualistisch geprägten, vorwiegend christlichen und doch säkularen Gesellschaft.

In dieser Auseinandersetzung türmen sich riesige Hemmnisse, und es sind Muslime selbst, die auf sie hinweisen. So der große türkische Schriftsteller Zafer Senocak, der das Seziermesser an der wundesten Stelle ansetzt: „Kaum ein islamischer Geistlicher, geschweige denn ein frommer Laie, ist willens und in der Lage, das Kernproblem in der Denkstruktur des eigenen Glaubens zu sehen. Sie sind nicht bereit zur kritischen Analyse der eigenen Tradition, zu einer schonungslosen Gegenüberstellung ihres Glaubens mit der Lebenswirklichkeit in der modernen Gesellschaft.“

Oder der unerschrockene Abbas Baydoun, langjähriger Feuilletonchef der libanesischen Tageszeitung „As-Safir“, der sich auf das ähnlich gefährliche Gebiet tabuloser Selbstkritik begibt: „Bei uns suchen viele nach Ausreden, nicht in den Spiegel zu schauen, um uns den Anblick eines fürchterlichen Gesichts zu ersparen, des Gesichts eines anderen Islam, des Islam der Isolation und der willkürlichen Gewalt, der nach und nach die Oberhand gewinnt und bald, während wir dem Höhepunkt der Verblendung zusteuern, unser tatsächliches Gesicht sein wird.“

Was, Herr Bundespräsident, sind Salman Rushdies „Satanische Verse“ gegen diese Beschwörungen? Hier machen Muslime Schluss damit, die Verantwortlichkeit für die eigenen, selbstverursachten Übel und Missstände an „Europa“, den „Großen Satan USA“ oder den „Kleinen Satan Israel“ zu delegieren. Hier prangern Muslime die Unfähigkeit der islamischen Welt zur Selbstreflexion an, hier wird die eigene Elite als der wahre Verursacher der Krise beim Namen genannt. Und dabei ausgesprochen, was auszusprechen kein Nichtmuslim je wagen würde: Nicht die Migration, der Islam ist das Problem!

Ein riesiger, revolutionsüberreifer Teil der Menschheit, die „Umma“, also die gesamte Gemeinschaft der Muslime, so differenziert sie auch in sich ist, droht an ihrer eigenen kultur- und religionsbedingten Rückständigkeit und Unbeweglichkeit zu ersticken. Ein gleichsam dröhnendes Ausrufezeichen dazu: die gespenstische Talmiwelt der Öl-Billionäre am Golf, das Fettauge auf der Bodenlosigkeit eines geld- und goldstrotzenden Zynismus – „Das kann nicht gutgehen“, so Orham Pamuk.

Aber auch in Deutschland, sehr geehrter Herr Bundespräsident, gibt es muslimische Stimmen, die Ihrer Einbringung des islamischen Kulturkreises in den judäo-christlichen skeptisch gegenüberstehen.

So etwa die iranische Theologin Hamideh Mohaghegni, die warnte, „dass die innerislamischen Klärungen auf dem Wege zu einem Euro-Islam noch zwanzig bis dreißig Jahren in Anspruch nehmen werden, und es auch dann immer noch fraglich sei, ob der sich hier durchsetzen oder dem traditionellen Islam unterliegen wird.“

Eine andere Stimme, die dazu aufruft, der Meinung des Volkes Beachtung zu schenken und muslimischen Verbands- und Moscheevereinsfunktionären kritisch gegenüber zu treten, ist die von Dr. Ezhar Cezairli, Mitglied der Deutschen Islamkonferenz: „Ich finde es verständlich, wenn Menschen, die keineswegs der rechten Szene zugehören, Angst vor Islamisierung haben.“ Und weiter: „Es ist eine Gefahr für die Zukunft Deutschlands, dass manche Politiker durch ihre Ignoranz gegenüber islamischen Organisationen dabei sind, die Grundlagen unserer aufgeklärten Gesellschaft aufzugeben.“

Das all den Pauschalumarmern, xenophilen Einäugigen, Sozialromantikern, Gutmenschen vom Dienst und Beschwichtigungsaposteln ins Stammbuch, deren Kuschelpädagogik auch nach Thilo Sarazzin noch so tut, als ob es sich um eine multikulturelle Idylle handelt, die durch sozialtherapeutische Maßnahmen behoben werden könnte.

Keine Missverständnisse, sehr geehrter Herr Bundespräsident: Es bleibt die Ehre der Nation, jeden Zuwanderer, Fremden oder Ausländer gegen die Pest des Rassismus und seine Komplizen zu schützen. Gleichzeitig aber ist es bürgerliche Pflicht, sich gegen Tendenzen, Sitten, Gebräuche und Traditionen aus der türkisch-arabischen Minderheit zu wehren, die jenseits von Lippenbekenntnissen den freiheitlichen Errungenschaften der demokratischen Republik und ihrem Verfassungsstaat ablehnend bis feindlich gegenüberstehen.

Die entscheidenden Integrationshemmnisse kommen aus der muslimischen Minderheit selbst, auch wenn man davon ausgehen kann, dass ihre Mehrheit friedliebend ist. Es bleibt jedoch verstörend, wie rasch in der Welt des Islam riesige Protestaktionen organisiert werden können, sobald Muslime sich angegriffen oder beleidigt fühlen. Wie stumm es aber in den hiesigen Verbänden und Moscheevereinen bleibt, wenn, zum Beispiel, in der türkischen Stadt Malatya drei Mitarbeiter eines Bibelverlags massakriert, Nonnen in Somalia erschossen und in Pakistan Christen wegen Verstoßes gegen das „Blasphämiegesetz“ in Todeszellen gehalten werden, wo sie auf ihre Exekution warten. Eisernes Schweigen…

Das Migrations/Integrationsproblem erfordert aber eine ebenso furchtlose wie kritische Sprache.

Wo sind wir denn, dass wir uns fürchten, zu Ausländer- und Fremdenfeinden gestempelt zu werden, wenn wir uns zu eigenen Wertvorstellungen bekennen? Wo sind wir denn, dass wir uns scheuen müssen, eine paternalistische Kultur, in der das Individuum nichts, die Familie und Glaubensgemeinschaft aber alles ist, integrationsfeindlich zu nennen? Was ist denn falsch an der Feststellung, dass in ungezählten Fällen der Zuwanderung der Anreiz nicht Arbeit gewesen ist, sondern die Lockungen der bundesdeutschen Sozialkasse?

„Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland“ – wirklich?

Nehmen Sie bitte zur Kenntnis, dass es nicht unbedrohlich ist, daran Zweifel zu äußern – ich weiß, wovon ich rede. Der Islam kennt die kritische Methode nicht. Deshalb wird Kritik stets mit Beleidigung gleichgesetzt. Was nicht heißt, daß es keine kritischen Muslime gibt.

Meinen Beitrag führe ich an ihrer Seite, mit so tapferen Frauen wie Necla Kelek, Seyran Ates, Mina Ahadi, Ayaan Hirsi Ali – und allen anderen friedlichen Muslima und Muslimen auf der Welt.

Noch ein Postscriptum zu meinem eigenen Antrieb: Als Überlebender des Holocaust kenne ich den Unterschied zwischen Hitlerdeutschland und der Bundesrepublik. Ihre Demokratie ist mir heilig, denn nur in ihr fühle ich mich sicher.

Deshalb: Wer sie antastet, hat mich am Hals, ob nun Moslem, Christ oder Atheist.

Mit vorzüglicher Hochachtung

Ralph Giordano

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Martin Lahnstein / 13.12.2014

Vielen Dank, Frau Lengsfeld, für die nochmalige Vergegenwärtigung seines Engagements - und   Hommage an den großen Verstorbenen.

Wolf-Dieter Schleuning / 13.12.2014

Da es zurzeit keine namhaften deutschen Intellektuellen mehr gibt, die die Courage für eine kritische Auseinandersetzung mit dem Islam aufbringen, werden wir die Stimme Giordanos, dieses standhaften Kritikers des Totalitarismus besonders schmerzlich vermissen. Von den Eliten der Feuilletons und den Talkshow-Dompteuren/sen ist nichts zu erwarten, weil denen die Angst in den Knochen steckt als islamophob oder Islamhasser denunziert zu werden. Nur noch eingewanderte Deutsche mit muslimischen Hintergrund (Necla Kelek, Mina Ahadi, Hamed abd el Samat) melden sich mutig zu Wort. In der deutschen Politik und den Leitmedien blüht dagegen das Wunschdenken, die Naivität, der Opportunismus und die Ignoranz. Tatsächlich genügt bereits eine kursorische Beschäftigung mit den heiligen Texten und ihrer Geschichte um die Deutung des Islam als Religion des Friedens als dreiste Lüge zu durchschauen. Die mit Feuer und Schwert erzwungene Ausbreitung des Islam hat grob geschätzt 300 Millionen Menschenleben gekostet. Reformbewegungen innerhalb des Islams wie die der Almorawiden, Almohaden und Fatimiden im Mittelalter oder der Wahabiten und der Muslimbrüder in der Neuzeit hatten stets das Ziel den Urzustand des Islam mit seinen grausamen Gesetzen möglichst getreu neu abzubilden. Insofern ist auch der IS eine Reformbewegung, die dem Koran und den Hadhiten näher steht als es die lässige religiöse Praxis des freundlichen Gemüsehändlers an der Ecke tut. Es ist demnach nicht so, dass der IS den Islam missbraucht sondern dass im Gegenteil der „moderate“ Islam im Umgang mit den rigorosen Vorschriften des Koran auch mal fünfe gerade sein lässt. Der Koran ist das ewige und unwiderrufliche Wort Gottes und eins seiner Attribute, wie die Barmherzigkeit. Die Hoffnung auf eine theologische Reformation des Islam ist deshalb völlig illusorisch. Das Beste was wir erhoffen können ist, dass sich hiesige Muslime langsam säkularisieren, wie es die Christen ja auch getan haben. Das wird aber noch einige Generationen dauern. Die schamlose Anbiederung der christlichen Kirchen an die muslimischen Verbände, denen man sich offenbar näher fühlt als den auf grob 70 % unserer Bevölkerung geschätzten Agnostikern und Atheisten, wird diesen Prozess verlangsamen aber nicht verhindern. Die aktuelle Attraktivität des radikalen Islam für Jugendliche ist beunruhigend und erinnert an den Fanatismus von Maos Roten Garden oder den Kämpfern der SS-Leibstandarte Adolf Hitler. Der Dschihadismus wird seine proklamierten Ziele nicht erreichen. Dennoch haben wir Anlass zur Sorge.  Es ist nur unserem Glück (und den Informationen befreundeter Geheimdienste) zu verdanken ist, dass es bei uns noch keine Anschläge mit Dutzenden von Todesopfern gegeben hat, wie sie in Bagdad und Kabul an der Tagesordnung sind. Wenn die Politik aber weiter konsequent weg schaut und beschönigt, ist es leider nur eine Frage der Zeit bis auch bei uns die Autobomben hochgehen.

Max Wedell / 13.12.2014

“Nicht die Migration, der Islam ist das Problem!” sagte aber auch Ralph Giordano nicht. Ralph Giordano sagte sicherlich, daß der Islam ein Problem ist, aber er spricht auch von einer “total verfehlten Immigrationspolitik”. D.h. der Islam wird für uns ja überhaupt erst durch Einwanderung zum Problem. Man kann den Menschen nicht verbieten, “gehorsamsorientiert, säkularitätsfern, auf Ungleichheit der Geschlechter, elterliche Kontrolle und fraglose Anerkennung von religiösen Autoritäten fixiert” zu sein. Geradezu wahnwitzig wäre so ein Verbot, wenn es westliche Gesellschaften gegenüber arabischen Gesellschaften aussprächen. Aber westliche Gesellschaften können ein solches Verbot auch nicht gegenüber Menschen aussprechen, die in ihrer Mitte leben. Wenn ein Mann die Unterordnung der Frau so lebt, wie sie ihm Koran und andere religiöse Autoritäten nahelegen, und seine Ehefrau die eigene Unterordnung so akzeptiert, wie sie ihr Koran und andere Autoritäten diktieren, dann ist doch die “heilige Demokratie” machtlos, und, kaum zu glauben, aber sogar Frau Schwarzer ist machtlos. Es gibt nur zwei Möglichkeiten, unerwünschte Verhältnisse zu bekämpfen, wenn sie aus dem Ausland importiert werden, wie das beim Islam der Fall ist… entweder man unterbindet überhaupt schon den Import, oder man versucht, die Menschen so umzuerziehen, daß die Probleme verschwinden. Den Import zu unterbinden wäre die naheliegenste, weil einfachste Lösung, die mit den geringsten Kosten verbunden wäre. In Deutschland ist das aber aus verschiedenen Gründen nicht möglich. So gibt es hierzulande massenhaft Tugendhelden (die neuerdings “Gutmenschen” genannt werden), die Zeter und Mordio schreien, wenn in der Einwanderungsfrage ein anderer Willen berücksichtigt wird als der des Einwanderers. Das Tugendheldentum, das fordert, Millionen aus menschenunwürdigen Verhältnissen durch Massenumsiedelung an ganz andere Stellen des Globus zu retten, wird auch nicht im geringsten gebremst durch die Tatsache, daß im gleichen Zeitraum, in dem Millionen aus menschenunwürdigen Verhältnissen durch Massenumsiedelung an ganz andere Stellen des Globus gerettet werden, eine vielfache Zahl von Millionen in menschenunwürdige Verhältnisse in den Herkunftsländern hineingeboren werden, oder durch Ausdehnung menschenunwürdiger Verhältnisse millionenfach weitere Umsiedelungskandidaten entstehen. Wo dieser Tugendwahn enden wird, muß ja noch nicht diskutiert werden, es ist ja “erst” jeder fünfte hierzulande ein Einwanderer… Was die Umerziehung angeht… Es ist ja zu beobachten, daß die Rückwärtsorientierung (Reislamisierung) in der muslimischen Bevölkerung um sich greift, anwächst, Distanzen zu Werten und Auffassungen der Mehrheitsgesellschaft sich in zweiten und dritten Generationen wieder vergrößern, und dies obwohl diese Menschen das Bildungssystem durchlaufen, in dem es an Willen, kritikwürdige Einstellungen zu bekämpfen, garantiert nicht fehlt. Die Umerziehung trifft hier also scheinbar auf Grenzen ihrer Möglichkeiten. Die Antwort der Politiker lautet: Noch mehr Bildung, d.h. noch mehr Umerziehung. Weil die Umerziehungsnotwendigkeit bei einem kleinen Teil der Bevölkerung so dringend ist, will man die Kinder der gesamten Bevölkerung in die Ganztagsschule stecken, und kommt mit solchen Forderungen merkwürdigerweise sogar durch… na ja, an “zuviel Bildung” ist noch niemand gestorben, scheint man angesichts der eigenen Kinder zu denken. Beweise aber, daß durch solche Maßnahmen die gegenwärtigen Trends der Rückbesinnung bzw. steigender Religiosität bei den Muslimen gestoppt werden können, hat niemand, man versucht es halt einfach… könnte klappen, aber auch nicht. Die Menschen sind so, daß der Verstand teilweise auch mal gern ausgeschaltet wird, wenn die Emotionen walten. Besonders emotionsanfällig sind die Menschen, wenn es um Fragen geht, die jenseits des Hier und Jetzt liegen, um den Sinn des Lebens, o.ä. Fragen. Jahrzehntelanger Physikunterricht auf hohem Niveau konnte den Esoterikboom hierzulande also nicht verhindern. In Einzelfällen gibt es eben immer genug Gründe, warum spezifische Erziehungsversuche nur wenig bewirkten… Unterricht verschlafen, ständig geschwänzt, usw. In Fragen der Weltanschauung bestimmt aber auch regelmäßig leider der Bauch mehr als der Verstand. Wenn Menschen angesichts einer weitgehend aufs Materielle ausgerichteten Gesellschaft auf eine Sinnsuche gehen, sich aus Gründen der Tradition oder Herkunft dem Islam zuwenden, dort sich dann an den Autoritäten aus der islamischen Welt orientieren, und dann eben am Ende dieser Ereigniskette Einstellungen pflegen, die mit denen der Mehrheitsgesellschaft nicht konform gehen, wird man dies, so meine Meinung, mit den üblichen Umerziehungsmitteln des Bildungssystems nicht verhindern können. Man wird damit leben müssen. Wer aber damit nicht leben will, der kann nur die Einschränkung der Einwanderung von Muslimen fordern. Ob man dies unbedingt unter dem Banner “Stop der Islamisierung” machen sollte, darüber kann man ja diskutieren. Daß man Menschen, die so etwas fordern, postwendend “Rechtsextreme” nennen wird, weil Rechtsextreme dies auch fordern, oder entsprechende Bürger-Bewegungen unterwandern, oder auch nur, weil das das einfachste “Argument” ist, mit dem man jemanden kaltstellen kann, ist bedauerlich, aber dann halt nicht zu vermeiden. Ich habe Ralph Giordano jedenfalls auch immer so verstanden, daß er nicht der Meinung war, man müsse in unser Land möglichst viele Muslime einwandern lassen, um die dann mithilfe unseres wunderbaren Bildungssystems von all ihren aus unserer Sicht defizitären Vorstellungen zu befreien, weil er es eben nämlich auch für relativ hoffnungslos hielt, dies in ausreichendem Umfang erreichen zu können, sondern daß er der Meinung war, der Zuzug von Muslimen sollte beschränkt werden. Ich persönlich fände es noch besser, wenn in der Immigrationspolitik der Fokus auf “Lokal-Kultur-Ferne” läge statt auf Muslimen, denn darum geht es ja eigentlich: Die Vermeidung von Einwanderung von Menschen in größerer Zahl, deren Kultur zur hiesigen eine solche Distanz aufweist, daß künftige sozialen Spannungen vorprogrammiert sind, der soziale Friede gefährdet wird. Was aber haben wir jetzt: Noch eine Beschleunigung der Immigration Kulturferner aus der muslimischen Welt, die von Tugendhelden als unausweichlich deklariert wurde. Unsere Probleme, die sich in der Zukunft daraus ergeben werden, diskutiert kein Mensch. Das ist aber auch nicht verwunderlich, denn was die Probleme angeht, die sich jetzt schon aus der bisherigen Einwanderung ergeben haben, wird ja in der öffentlichen Diskussion abgewiegelt und gelogen, daß sich die Balken biegen.

Thomas Schlosser / 13.12.2014

Diese wahren Worte, die Giordano vor einigen Jahren an den ( nach Gauck ) zweitunsäglichsten Bundespräsidenten geschrieben hat, bilden die Motivation von 99% der Pegida-Sympathisanten ab. Um nicht mehr und nicht weniger geht es den Menschen, die sich jeden Montag, bei Kälte und Nässe, versammeln, um einen Appell zu richten, an eine Politik, die das viel beschworene “Wohl des deutschen Volkes” schon lange aus den Augen verloren hat. Danke, Frau Lengsfeld, dass Sie an den großen Mahner und Warner Ralph Giordano erinnert haben.

Bianca Darius / 13.12.2014

Ein weiterer Grund, vor Herrn Giordano, dem großen Selbstdenker, auch noch einmal posthum den Hut zu ziehen! Wohltuend auch seine Wahrnehmung der mutigen muslimischen Frauen: Eine sehr große Zahl von ihnen wissen die Freiheit, die sie in Deutschland leben können, zu schätzen. Und diese Freiheit wird von diesen muslimischen Frauen, die deshalb größtem Druck, sogar Morddrohungen, seitens ihrer Familien und der muslimischen Verbände ausgesetzt sind, entschlossener vertreten und verteidigt als von der Mehrheit unserer Parteien und Medien… Wer immer eine undifferenzierte, kritiklose “Islam-ist-Frieden”-Idylle propagandistisch vertritt, fällt diesen Frauen in Rücken und lässt sie in einem Kampf allein, der eigentlich der aller mündigen Bürger in diesem Lande sein müsste.

Dr. Christoph Heger / 13.12.2014

Eine Islamisierung des Staates ist unverkennbar - und sie ist auch unvermeidlich, sobald man erklärt, der Islam gehöre zu Deutschland. Denn dann gehört der Islam auch zum dem Grundgesetz zugrunde liegenden ordre public, und die im Grundgesetz verwendeten Begriffe müssen dem Rechnung tragen. Mit anderen Worten: Das Grundgesetz wird im Wege des semantischen Betrugs verändert. Man kann das derzeit an der schleichenden Veränderung der grundgesetzlichen Begriffe von “Ehe und Familie” sehen. Obwohl Bigamie noch immer strafbar ist, akzeptiert und finanziert der Staat die islamische Polygamie.

Klaus Lepinat / 12.12.2014

Sehr geehrte Frau Lengsfeld, Sie zitieren einen offenen fünf Jahre alten Brief von Ralph Giordano an den damaligen Bundespräsidenten. (Man kann diese Zeilen nicht oft genug lesen!). Ich möchte mit einem Zitat antworten: Artikel 20 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland lautet: “(1) Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat. (2) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt. (3) Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden. (4) Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.” Ende des Zitats. Mit freundlichen Grüßen Klaus Lepinat

Thomas Schmied / 12.12.2014

Sehr geehrte Frau Lengsfeld! Ich möchte Sie nur auf einen Link aufmerksam machen, der mich wütend macht. 3sat nennt Ralf Giordano einen Brandstifter - nur wenige Tage nach seinem Tod. Das ist mir unerträglich. Man sieht ein ausgewählt unvorteilhaftes Bild des Mannes am Anfang eines Videofetzens. Darunter dieser Text: ““Diese Großmoscheen sind ein falsches Signal.”: Ralph Giordano, einer, der deutsche Debatten angefacht hat, der gegen Ende seines Lebens manchmal ein Brandstifter war, ist mit 91 Jahren gestorben.” (Screenshot gesichert) Der tote jüdische “Brandstifter” hatte also was “angefacht”. (3sat) 3sat Mediathek - Video: Kulturzeit, Ralph Giordano, Clip vom Mittwoch, 10. Dezember Sowas darf nicht unkommentiert bleiben. Mir kommt die Galle hoch wie selten zuvor.

Francesco Salatino / 12.12.2014

Ralf Giordano sagte und schrieb 2007: “Nicht die Moschee, der Islam ist das Problem”. In der letzte Sendung, bei Anne Will, liebe Vera Lengsfeld, standen Dir gegenüber zwei Vertreterinnen der GRÜNEN und der Linken Meinung gegenüber, die den Islam für reformierbar halten (das kennen von den Eurokommunisten 70er Jahre), die für unbegrenzte Zuwanderung sind, damit wir in Deutschland und in Westeuropa Zustände wie in Malmö, in Libanon und Nigerien bekommen. Linksgrün will den importierten Antisemitismus forcieren. Die Folge solcher GRÜNEN-LINKEN Asylpolitik ist die Vertreibung der Juden aus Europa und gleichzeitig das Ende des Christentums.

Gert Cok / 12.12.2014

Danke, Frau Lengsfeld, für dieses Zitat! Einfach großartig!

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