Vera Lengsfeld / 30.03.2008 / 23:13 / 0 / Seite ausdrucken

Neues vom ZDF: Geschichtsklitterung zur besten Sendezeit

Heute Abend in Bericht aus Berlin mit Peter Hahne: ein Stück über die Achtundsechziger, an denen in diesem Jahr niemand vorbeizukommen glaubt. Es kommen drei Herren zu Wort: Herr Kauder von der CDU, Herr Benetter von der SPD und Herr Bisky von der SED, die seit 68 vier mal den Namen gewechselt hat und im Augenblick Linke heißt.
Herr Kauder findet, dass die randalierenden Studenten ein richtiges Anliegen mit den falschen Mitteln vertreten haben. Will wohl heißen: Wenn sie nicht mit Bildern von Massenmördern demonstriert , sondern sie mit ins Seminar gebracht hätten, um dort mit den Kauders die Mao-Bibel zu diskutieren, wäre alles in Ordnung gewesen. Aber der Ausfall von Lehrstunden war dann doch zu viel. Herr Kauder, der zum 30. Jahrestag dieser Bewegung noch ganz anders geredet hat, übt sichtbar schon für Schwarz-Grün im Bund. Wir dürfen gespannt sein, ob in der Koalitionsvereinbarung festgelegt wird, dass Joschka, Joscha und Dany die eigentlichen Gründungsväter der deutschen Nachkriegsdemokratie sind.
Herr Bisky durfte bekunden, dass die Rebellen von damals bei ihrem langen Marsch durch die Institutionen sehr an Schärfe verloren hätten. Weshalb die SED-Linke heute die Einzige ist, die noch die Systemfrage stellt.
War da nicht noch etwas? Ach ja, in Prag gab es auch ein 68. Weshalb das ZDF uns Bilder von Alexander Dubcek zeigt, als es in den Straßen von Prag noch Blumen statt sowjetische Patronen regnete. Rechts und links des Eisernen Vorhangs wurde, glaubt man dem ZDF, munter für mehr Demokratie geworben. Das die Prager 68er den Ho Ho Ho-Chi-Minh rufenden und Pol-Pot-Bilder schwenkenden Demonstranten im Westen bestenfalls mit Nichtachtung gestraft wurden, wurde ebenso wenig thematisiert, wie Bisky eine kritische Frage zu seiner Unterstützung des sowjetischen Einmarsches in Prag gestellt wurde.
Da ist man schon fast erleichtert, dass Herr Benetter bekennt, schon damals das gewollt zu haben, was er heute noch vertritt. Da er nicht Brechts Herr Keuner ist, erbleicht er nicht mal dabei.
Auch Herr Hahne wirkt bei der Abmoderation unbeeindruckt, obwohl diese Art Geschichtsklitterung im krassen Gegensatz zu den Prinzipien steht, die er als Bestsellerautor
verkündet.

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