Neue Details zum angeblichen Umsturzversuch der Reichsbürger um den öligen Prinzen Reuß. Was die alles vorgehabt haben sollen, ist ja durchaus amüsant, aber man muss doch fragen: Wie hätten sie das denn anstellen sollen?
Jetzt kann ich es ja sagen: Als wir so vierzehn, fünfzehn waren, haben wir uns aus jugendlichem Übermut und einfach Spaß an der Freud‘ eine Art Zeitung ausgedacht. In der „berichteten“ wir vom Aufstieg unseres dörflichen Stadtteils zur Weltmacht, klebten Kriegsfotos ins Heft und erzählten in den Bildunterschriften von der Unterwerfung angrenzender Stadtteile, vom Sieg unseres Dorfvereins, in dem selbstverständlich wir spielten, über die Weltelf (7:0) und so weiter. Es war ein Gag, nichts weiter, keiner von uns hegte Pläne, diese Szenarien Wirklichkeit werden zu lassen. Die Nachbardörfer blieben intakt und die Weltelf sah gar keinen Anlass, sich mit unserem Turn- und Rasensportverein zu messen. Das war ein reines Phantasieprodukt, allein zur Gaudi von ein paar Mittelstufen-Gymnasiasten.
Zum Glück gab es da noch keine Nancy Faeser, die in unserem durchaus albernen Teenager-Treiben eine staatsgefährdende Straftat hätte sehen können. Pech für den graumelierten Cordhosen-Prinzen mit der Schmalztolle und seine Mitverschwörer sowie Gleichgesinnte (wir berichteten hier und hier), dass sie ihr unreifes Gequatsche in einer hysterischen Zeit verbreiten, in der die Regierung und die ihr zuarbeitenden Institutionen darauf geeicht sind, jeden vor den Kadi zu schleifen, der vermeintlich staatsgefährdendes Gedankengut hegt, denn der Feind steht rechts, da mag die Antifa auch mal „Hausbesuche“ bei Politikern einer Oppositionspartei empfehlen und die Adressen praktischerweise gleich mitliefern.
Gespannt warteten wir auf weitere erheiternde Details, die die hochoffizielle Verschwörungstheorie von allerlei grotesken „Umsturzplänen“ würzen würden. Am Wochenende war es dann endlich so weit: Bild berichtete, der Focus schrieb wie üblich von ihr ab, aber neben der reißerischen Schlagzeile „,Reichsbürger‘ wollten Scholz fesseln und ins TV zerren“ kam dann herzlich wenig.
„Nach BILD-Informationen aus Regierungskreisen hatten die ,Reichsbürger‘ um Prinz Reuß auch vor, bei einer Plenarsitzung des Bundestags das Reichstagsgebäude zu stürmen und alle anwesenden Minister nebst Bundeskanzler festzunehmen und zu fesseln, um das Kabinett so der Öffentlichkeit im TV vorzuführen.“
Reichlich dünne Andeutungen über die tatsächliche Gefahr
Donnerwetter! Das erinnerte ein wenig an den alten Witz: „Hätte mal wieder Lust, mit Scarlett Johansson zu schlafen.“ „Was?! Du hast schon mal mit Scarlett Johansson geschlafen?!“ „Nein, aber schon öfter Lust dazu gehabt.“ Es mag ja sein, vielleicht, dass der Prinz, nachdem er abends seinen Schlips abgebunden und die Cordhose zusammengefaltet und über den Stuhl gehängt hat, in Morpheus‘ Arme sinkt und selig davon träumt, Olaf Scholz zu fesseln und im Fernsehen vorzuführen, aber die Frage bleibt dann doch: Wie gedenkt er das denn anzustellen? Bei Bild liest sich das so:
„Diese Maßnahme sollte nach deren irren Einschätzung dazu führen, dass sich weitere Kritiker der Regierung aus Behörden und Institutionen den „Reichsbürgern“ anschließen würden.“
Eine irre Einschätzung, fürwahr! Denn das heißt ja nichts anderes, als dass der „Plan“ darin bestand, es irgendwie zu schaffen, das gesamte Kabinett zu kidnappen, auf ein Sendergelände vorzudringen und in aller Ruhe – die bewaffneten Organe des Staates stehen pfeifend mit den Händen in den Hosentaschen daneben – die Regierungsmitglieder als Gefangene in einer Live-Sendung vorzuführen, in der Hoffnung, es werde sich schon jemand anschließen, der die gegenwärtige Politik auch nicht ganz so prickelnd findet.
Auf eine solche Idee wären wir allerdings nicht mal als Teenies gekommen. Einmal mehr erfahren wir, was die Verschwörer alles vorgehabt haben sollen, nie jedoch, wie sie das hätten ins Werk setzen sollen, so ein Staatsstreich ist in einem Land mit einer großen Armee, Polizeikräften, Sondereinsatzkommandos et cetera ja nicht einfach mal mit 19 Leuten und drei Anhängern durchzusetzen, von denen konkret die Rede ist. Die Rote Armee Fraktion (RAF) in den Siebziger Jahren unterhielt immerhin noch enge Kontakte unter anderem zur IRA und der palästinensischen PLO und ließ sich z.B. in Jordanien, im Südjemen und später im Libanon in deren Trainingslagern ausbilden, aber wer soll glauben, dass sich eine 75-jährige Ex-Lehrerin oder ein betagter Prinz im Tweed-Sakko bis an die Zähne bewaffnen könnten? Einen Termin für den Umsturz soll es auch schon gegeben haben: „Am 8. Dezember sollte der Reichstag fallen" (Bild), am Tag zuvor wurde der Blaublüter festgenommen. Puh, das war knapp!
Wie aus dem Script eines überdrehten Zucker-Abrahams-Zucker-Films
Zum „Führungsstab / militärischer Arm“ zählt Bild im erstaunlich lückenhaften Organigramm der Umstürzler genau drei Leute: einen „Corona-Leugner und Ex-Oberst“, einen „Polizisten“ und einen Survival-Öhi mit Rauschebart, auch ein Garten- und Landschaftsbauer aus dem Erzgebirge soll eine Rolle spielen. Von Fußvolk ist nicht die Rede, ganz zu schweigen von ganzen Truppenteilen. Ein Führungsstab ohne Armee. „Militärchef“ ist ein Rüdiger von Pescatore, ein Ex-Fallschirmjäger und der einzige unter den Putschisten, der wenigstens äußerlich so wirkt, als würde er nicht nur in Birkenstock-Sandalen oder Pantoffeln herumlaufen. Aber soll der allein es mit 180.000 Bundeswehrsoldaten, 50.000 Polizisten und Spezialkräften aufnehmen wollen? Was erlaube Rüdiger?!
Allerdings muss man sagen: Mit einer Richterin, einer Juristin und einer Internistin wäre ein solches Kabinett rein fachlich auch nicht schlechter aufgestellt als unsere gegenwärtige Regierung.
Sogar eine Astrologin (!) sollte im Schattenkabinett der Umstürzler vertreten sein, ebenso wie ein Koch, der von den Umsturzplänen nichts gewusst haben wollen soll („Für mich ging es um die Frage einer Neustrukturierung von Bundeswehrkasernen. Ich ging davon aus, dass ich die Kantinenkonzepte überarbeiten soll.“). Der Verteidiger des öligen Prinzen wiederum bezeichnet die Vorstellungen der Beschuldigten laut BGH als „bloßen Wahn im Sinne eines psychiatrischen Befundes“.
„Teilweise fernliegendes gedankliches Fundament“
Obwohl das angebliche Komplott eher an das Script eines überdrehten Zucker-Abrahams-Zucker-Films gemahnt, lässt sich Bundesinnenministerin Nancy Faeser dazu wie folgt vernehmen:
„Militante ,Reichsbürger‘ verbindet der Hass auf die Demokratie, auf unseren Staat und auf Menschen, die für unser Gemeinwesen einstehen. Wir haben es nicht mit harmlosen Spinnern zu tun, sondern mit gefährlichen Extremisten, die von gewaltsamen Umsturzfantasien getrieben sind und viele Waffen besitzen.“
Die Richter sehen in dem „hochverräterischen Unternehmen“ einen „hohen Gefährlichkeitsgrad“ – trotz eines „teilweise fernliegenden gedanklichen Fundaments“.
Zu Deutsch: völlig abgedrehte Spinner, die im Ohrensessel mit einem Cognacschwenker vorm flackernden Kamin sitzen oder in ihrer Chatgruppe in absurden Fantasien schwelgen, das Fell des Bären verteilen, bevor man einen irgendwie halbwegs erfolgversprechenden Plan hat, wie er zu erlegen sei. Irgendwas zu unternehmen, um irgendwie irgendjemanden zu gewinnen, der mitmacht, damit die Bundesrepublik in einen rechtsgerichteten Feudalstaat transformiert wird, das hört sich immer noch nicht nach einem ohne Schmunzeln nachvollziehbaren Unterfangen an, das den Staat in seinen Grundfesten erschüttern könnte.
Unter humoristischen Gesichtspunkten verfolgen wir die Geschichte gern weiter, wir bitten aber doch um ein Minimum an glaubwürdiger Berichterstattung, um das Thema aus der Rubrik „Vermischtes“ oder „Kuriosa“ irgendwann mal politisch abhandeln zu können. Geben Sie sich doch wenigstens ein bisschen Mühe, Frau Faeser!
Claudio Casula arbeitet als Autor, Redakteur und Lektor bei der Achse des Guten.

„…verbindet der Hass auf die Demokratie, auf unseren Staat und auf Menschen, die für unser Gemeinwesen einstehen. Wir haben es nicht mit harmlosen Spinnern zu tun, sondern mit gefährlichen Extremisten, die von gewaltsamen Umsturzfantasien getrieben…“ Spricht Nancy von den Grünen?
Im Zweifelsfalle hilft bei Nancy Faser immer die Beweislastumkehr aus der juristisch dünnen Lage. Löffelprobe oder Hexenhammer, das sind bei Faser die Instrumente aus denen der moderne Rechtsstaat gemacht sein sollte. Es wäre tatsächlich komisch, wenn es nicht so traurig wäre. Ein früherer Verfassungsschutzpräsident hat mal die Behauptung aufgestellt, dass Teile der SPD von Verfassungsfeinden unterwandert seien. Leider muss ich inzwischen konstatieren, dass er recht hatte. Allein die Tatsache, dass eine Innenministerin die Beweislastumkehr als ernstzunehmende juristische Alternative anführt UND trotzdem im Amt bleiben kann, verrät viel über den Zustand des Staates.
Vielleicht war der Plan ein ganz anderer: Sie wollten den Behörden und Fancy Naeser einen vollkommen lächerlichen Köder hinwerfen, in der Hoffnung dass Faeser & Co ihn fressen und sich am Ende dabei komplett lächerlich machen? Das hat soweit geklappt. Womit sie nicht gerechnet haben, dass sich nur Leute wie wir darüber Schrott lachen und der Rest alles hirnlos mitmacht, was ihnen politisch vorgegeben wird? Oder ich denke einfach zu viel.
Wer glaubt, dass durch Fleischverzicht besseres Wetter wird oder dass es eine tödliche „Pandemie“ gab, die nur durch eine neuartige Geninjektion beendet werden konnte, der glaubt auch, dass Birgit Malsack-Winkemann im Rambo-Kostüm eine Hundertschaft der GSG9 ausgeschaltet, Scholzi gefangengenommen und ans Bundestagspult gekettet hätte. INSURRECTION!
„Diese Maßnahme sollte nach deren irren Einschätzung dazu führen, dass sich weitere Kritiker der Regierung aus Behörden und Institutionen den “Reichsbürgern„ anschließen würden.“ Gröhl! Gerade hat Faeser ja wieder verkündet, dass sie die gefährliche Reichsbürgerszene vollständig zerschlagen wird! Offensichtlich haben die Innenministerin und ihr Gefolge kein so rechtes Vertrauen in sich, die Bevölkerung, die Behörden und Institutionen! Warum sonst auf harmlose Spinner, wie auf die sprichwörtlichen Spatzen mit Kanonen schießen? Sind sie am Ende gar von einer feindlichen Übermacht umzingelt? Wem darf Faeser noch trauen, wer soll die Feinde verhaften, wenn sie selbst womöglich von diesen in Handschellen und Overall den Medien vorgeführt wird? Wird am Ende die Restle-Gruppe zwangsgeläutert darüber berichten müssen? Oder ein Monitor von einem Volontär moderiert, Restle in der Schandgeige vorführen!? Welch schreckliche Szenarien tun sich da auf! Ganz klar, es darf keine Milde geben! Davon abgesehen soll es in diesem Land ja auch noch wirklich gefährliche Gruppierungen geben, gegen die man aber nur mit Wattebällchen wirft.
„die bewaffneten Organe des Staates stehen pfeifend mit den Händen in den Hosentaschen daneben“….. Bei einer Verkleidung der „Reichsbürger“ als „Einmänner“ wäre dieser Punkt nicht der Unwahrscheinlichste!
Ich denke mir immer, wenn jeder, der, abends heimgekehrt, zu seiner Frau gesagt hat: „Und morgen bring ich den Chef um!“, dies in die Tat umgesetzt hätte, gäbe es heute keine Chefs mehr. „Ich bringe sie um, morgen bring ich sie um“, hat schon Loriots Knollennasenmännchen geraunt. Heute würde Loriot für diesen Cartoon wegen Aufruf zum Femizid durchs Internet gejagt. Ich glaube gern, daß dieser seltsame Prinz und sein Gefolge von einem Staatsstreich träumten, aber Herr Casula stellt die richtige Frage: Wie um alles in der Welt hätten sie das alles in die Praxis umsetzen sollen! Wie gut, daß die gute Nancy nicht weiß, was ich nachts träume…