Neues vom Schrauber: Die Zusam

Extreme Regenfälle führten vielerorts zu Hochwasser in Süddeutschland. Sechs Tote waren zu beklagen. Medien und Politik beschworen die Notwendigkeit der "Klimarettung". Unser Hochwasser-Rückblick richtet sich allerdings auf ein Flüsschen abseits der Schlagzeilen: die Zusam.

Die Zusam ist ein Flüsschen in bayerisch Schwaben, das wohl kaum jemand kennen wird. Der Ort, den wir kurz betrachten wollen, Wertingen, gehört auch nicht unbedingt zu den touristischen Zentren unseres Vaterlandes, obwohl er doch, im Naturpark Westliche Wälder Augsburgs gelegen, von fahrradfahrenden Rentnern gerne angesteuert wird und wirtschaftlich in einer gewissen Blüte steht.

Die Zusam entspringt im Unterallgäu und läuft 97 Kilometer stracks nach Norden, um bei Donauwörth in eben die Donau zu münden. Fast ihr ganzer Lauf durchschneidet hügeliges Endmoränengelände, das die Alpengletscher zur in Ost-Westrichtung ablaufender Donau vorgeschoben haben. Daraus ergibt sich, dass eine Unzahl von Bächlein und Bächen in die Zusam fließen: Normalerweise kein Problem, aber wenn sich des Himmels Schleusen öffnen, gibt es nach links und rechts kein Entweichen. Die Flut muss nach Norden und hat oft auch nur begrenzte Ausweichflächen.

Weit wird das Tal erst, wenn die Zusam das sogenannte Donauried erreicht, eine Ebene von fast friesischer Anmutung, durchzogen von Baggerseen, wo lediglich große, sogenannte Schweighöfe eine extensive Landwirtschaft betreiben. Die sind jetzt gerade, wie man hört, evakuiert. Das Donautal ist breit, aber die Donau selbst durchreguliert, und die früher vielen Altwässer und toten Nebenarme sind auf jeden Fall zurückgegangen. Schon lange wird mit der Einrichtung von Überschwemmungsflächen gespielt, richtig ungemütlich wird es nämlich regelmäßig weiter donauabwärts, in Regensburg und Passau.

Nun ist wieder geschehen, was gelegentlich immer wieder passiert. Die Bächlein schwollen an, die Zusam lief voll, der Pegel stieg bis auf das Sechsfache und die niedrig gelegenen Ortsteile der anliegenden Siedlungen liefen voll. Die Zusam-nahen Teile Wertingens standen einen halben Meter unter Wasser. Natürlich waren die Keller vollgelaufen, und die tüchtige Feuerwehr konnte auch nicht viel machen: Abpumpen, ja, aber wohin. Erschwert wurde die Situation dadurch, dass auch die Donauanrainerorte schwer betroffen waren. Immerhin, die Bundeswehr füllte Sandsäcke, und Söder war da, bemerkenswerterweise ohne Gummistiefel. Das könnte ja an Schröder erinnern.

Die Zusam ist nicht die Ahr

Für die betroffenen Hausbesitzer war das natürlich eine Katastrophe: Keller auspumpen, trocknen, den Dreck wegräumen, womöglich das Auto unter Wasser und was da noch passieren kann. Mein Schrauberbruder wohnt in Wertingen, allerdings in einem höher gelegenen Stadtteil. Der Riesling im Keller scheint vorerst nicht gefährdet. Wir telefonierten, er sah sich die Bescherung im Städtchen an. Es gibt einen typisch nordschwäbischen Sarkasmus: „Do werds beim Edäka bald Sonderangebode geben, Vorgequollene Schpagetti, odder?“

Ich erinnere mich als Kind, dass die Wiesen in Zusamnähe zu bestimmten Jahreszeiten alle nass, überschwemmt oder sehr feucht waren. Aber die Gegend boomt, was Industrie und Handel anbelangt. Viele Flächen sind bebaut und versiegelt. Die Zusam ist nicht die Ahr, aber das Grundproblem ist vielleicht ähnlich. Im Netz tobt ein erbitterter Kampf um die Deutung des Geschehens: Für die einen ist der Verbrenner schuld, für die anderen sind es die Radwege in Peru, je nach politischem Gusto.

Wir glauben auch an das Klima als Ursache, und zwar an die durch die letzte Eiszeit entstandene Geographie in Kombination mit einer ungünstigen Großwetterlage: Iller, Isar, Lech und Inn fließen zur Donau hin. Das haben wir in der damals sogenannten Volksschule gelernt. Ob man das Verslein heutzutage noch kennt? Zusam und Schmutter, ein Bach mehr als ein Fluss, tun das auch. Da machste nichts dran!

 

Hubert Geißler stammt aus Bayern und war Lehrer für Kunst/Deutsch/Geschichte. Er schreibt diese Serie zusammen mit seinem Bruder Bernhard Geißler. Der gehört zu den sogenannten Fachkräften und Technikern, also zum gut ausgebildeten Teil der produktiven Arbeiterschaft, hier kurz „Schrauber“ genannt. Er arbeitet viel, kommt aber selten zu Wort, was diese Serie ein wenig wettmachen will.

Foto: Montage achgut.com

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Leserpost

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MarcusCato / 11.06.2024

Warum wohl lieben es Politiker, ob in der Exekutive oder Legislative, sich mit Dingen zu befassen, die niemand beeinflussen kann? Das Wetter war und wird immer Gutes und Unangenehmes - sogar Gefährliches bringen. Lokal könnte man mit Hochwasserschutz und Schaffung von Poldern etc. die Auswirkungen signifikant mildern. Aber viel leichter ist es, von den eigenen Versäumnissen durch Fehlallokation von Mitteln (z.B. für die Pharmalobby) abzulenken und ein transzendentes Klimawesen zu beschwören, und um es zu besänftigen, den Steuerzahlern noch mehr Geld abzuverlangen!

W. Renner / 11.06.2024

Möglicherweise handelt es aktuell ja nur um die Ergebnisse Söders neuer Wasserstrategie. „ Söder warnte, die Witterungssituation sei auf Dauer kritisch. Es könne immer mehr Trockenheit und Niedrigwasser geben. Nach den aktuellen Wetterprognosen dürfte es am Wochenende und danach zwar wieder Regen geben. Aber man stelle fest, dass die Regenmengen generell weniger würden und dass die Grundwasserspiegel sänken. Darauf müssen man langfristig reagieren. Söder berichtete, er habe deshalb das Umwelt- und das Agrarministerium gebeten, die bayerische Wasserstrategie weiterzuentwickeln.“ Quelle: FAZ vom 19.04.2019

Hubert Geißler / 11.06.2024

Na als Cisdanubier waren uns die transdanubischen Flüsse “wurscht”. Da hausten nur Franken und Oberpfälzer, ein fremdes Geschlecht. Kein Römer kam da hin. Und die “Rieser”, auch außerhalb der Zivilisation. Hubert Geißler

Lilja Wiese / 11.06.2024

@ Wilfried Cremer : der Neggor (Neckar), der Kocher, der Rhein,  der Main, der Hase, ???

Karl-Heinz Böhnke / 11.06.2024

Das Wichtigste für Sozialisten, den nimmermüden Weltverbesserern, ist die Tilgung oder treffender das Ungeschehenmachen alles Vergangenen, weil dieses Ausweis der Wirklichkeit ist, die ja der Idee, mithin der Ideologie widerspricht. Chroniken der Fluten - die Ahr unter Napoleon war doppelt so stark überflutet - können glücklicherweise nur ignoriert werden von den Medien, was allerdings reicht zur Verführung der Menschen, denn ansonsten würden die Archive zerschlagen. Natürlich werden die kommunistischen Kinderträumer lediglich mißbraucht zur Ergreifung totalitärer Macht durch Oligarchen, aber siegen wird am Ende der Brutalste, der deshalb von den Massenjüngern vergötterte und somit unter deren Zustimmung die überraschten Initiatoren und Trittbrettfahrer beseitigende.

Klaus Keller / 11.06.2024

Iller, Lech, Isar, Inn fließen rechts zur Donau hin…. Die Gefahr kommt von rechts! Da nutzt es auch nix wenn wenn Altmühl, Naab und Regen von links entgegen kommen, vor allem dann nicht wenn sie das gleiche vor haben. Was soll die arme Donau denn machen? Sie bleibt halt nicht im Bett und läuft in Passau und Regensburg dann halt wo anders rum. Ggf sollte man sich das mit dem Ausweisen von Bauland in Überschwemmungsgebieten noch mal überlegen. Wer hat in der Region in letzter Zeit regiert und über so etwas entschieden ? Ich meine jetzt nicht das es regnet sondern die Geschichte mit dem Bauland.

R. Lichti / 11.06.2024

Wenn die Kapazitäten der Raum- und Umweltplanung voll damit ausgelastet sind, die Belange des “Klimawandels” (der mit Sicherheit ganz anders sein wird wie die Szenarien der Klimalügner) umzusetzen, weil es dafür Geld aus diversen Bundes- und EU-Fördertöpfen gibt, kann man sich nicht auch noch um die ganz normale Planung der Entwässerung im Rahmen der üblichen Variationen des Wetters kümmern.  Da muss man halt auch mal die ein oder andere Überflutung hinnehmen.  Auch kann es passieren, dass man die Entwässerungsfunktion eins Vorflutung der Renaturierung opfert, ohne die Folgen zu berücksichtigen.

Emil.Meins / 11.06.2024

Der Spruch heißt eigentlich so: „Iller, Lech, Isar, Inn fließen rechts zur Donau hin. Altmühl, Naab und Regen kommen links entgegen. “ Das war ein beliebter und im Erdkundeunterricht auch sehr wertvoller Merksatz, um sich die wichtigsten Donaunebenflüsse auf bayerischem Gebiet einzuprägen. Teilweise ist noch die Wörnitz eingefügt, mit den Himmelsrichtungen wird daraus: Iller, Lech, Isar und Inn fließen aus Süden zur Donau hin. Wörnitz, Altmühl, Naab und Regen kommen von Norden entgegen. Es gibt übrigens noch andere kleine, fast unbekannte Flüsse zur Donau, die auch bei Regen zu reißenden Gewässern werden können. Ich ging in den 80ern öfter Paddeln und dabei auf die BÄRA, die nur 26km lang, auf der Schwäbischen Alb entspringt, und bei Fridingen in die Donau mündet, wo sie zur Stromerzeugung genutzt wird. Abends noch ein harmloses Bächlein zwischen Wiesen, war nach nächtlichem Regen ein reißendes Wildwasser daraus geworden. Ich erinnere mich noch, wie einer der Mitpaddler nach mehrmaligem Kentern mit völlig zerfetztem Regenanzug schließlich an Land kroch. Wikipedia weiß dazu: “Die Bära ist ein uralter Fluss. Die Ur-Bära ist wahrscheinlich sogar älter als die Urdonau. Sie ergoss ihr Wasser und die Fluss-Schotter („Juranagelfluh“-Schotter) in die Graupensandrinne, die vor der Entstehung der Donau die Hauptentwässerungsrinne war. In der Vergangenheit hat ein immer mal wieder sehr großes Bära-Gewässer ein breites, tiefes Tal geschaffen.” Man sieht, es gab immer “Hochwasser” bzw. Änderungen der Flussläufe und Wassermengen, und der Mensch kann nur durch Erfahrung und entsprechende Vorsicht beim Bauen in den Tälern vermeiden, irgendwann weggeschwemmt zu werden. Und Einfluß hat das Menschlein auf diese Entwicklungen so gut wie keinen, über lange Zeit betrachtet, schon gar nicht, indem er ans “Klima” glaubt, und dieses durch “Einsparen” von CO₂ beeinflussen zu können. Wie im Witz Ameisen gegen Elefant, wo die herunter gefallenen der letzten zurufen: Erwin, erwürg ihn!

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