Ein Schuhbeck-Comeback, wie ich es vor drei Jahren gehofft hatte, wird es nicht mehr geben. Trotz seiner großen Verdienste um die deutsche, insbesondere die bayerische Küche. Er ist selbstverschuldet zu weit unten angekommen.
„Es wäre ein Verlust, wenn Alfons Schuhbeck jetzt, geschäftlich ruiniert und stigmatisiert, vielleicht für alle Zeiten von der Bildfläche verschwinden und seinen tätowierten Krawall-Kollegen das Feld räumen müsste, die gerade dabei sind, das von ihm maßgeblich mit getragene deutsche Küchenwunder rückabzuwickeln.“
Diese Sätze schrieb ich, als im Oktober 2022 Alfons Schuhbeck, damals noch „Starkoch“, in einem Steuerstrafverfahren zu drei Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt worden war. „Ohne Originale wie ihn wäre die Welt wieder ein ganzes Stück ärmer.“
Jetzt ist der „Fonsi“, wie man ihn unter Bayern nennt, noch einmal vor dem Kadi gestanden, wegen Insolvenzverschleppung und Betrugs mit Coronahilfen. Diesmal lautete das Urteil auf vier Jahre und drei Monate Haft, wobei die erste Strafe in die neue mit eingerechnet ist – insgesamt 13 Monate kamen noch einmal obenauf. Ob er sie verbüßen muss, ist ungewiss. Derzeit befindet sich Schuhbeck auf freiem Fuß, weil er außerhalb des Gefängnisses eine offenbar unheilbare Krebserkrankung behandeln lässt. Schlecht sah er aus, als er diesmal vor seine Richter trat, ob es die Schmach ist, die ihm ins Gesicht geschrieben ist oder das Leiden, sei dahingestellt.
Schubeck ist das, was man ein bayerisches Original nennt, ein „Gschaftlhuber“, wie er im Buche steht, ein bodenständiger Macho mit großer Klappe. „Schlitzohrig“ nennt man solche Leute, wobei man müde geworden ist, dem eloquenten Koch moralischen Kredit einzuräumen. Man ist auch müde ob seiner Entschuldigungen und Beteuerungen, den Millionenschaden, den er angerichtet hat, wiedergutmachen zu wollen. Wenn man den Überblick verloren hat über das gastronomische Imperium, das er sich am Platzl, dem touristischen Herzen Münchens, zusammenkaufte, dann sucht man sich jemanden, der sich diesen Überblick verschafft. Wenn man sich als „Kochkünstler“ versteht, der kein Händchen fürs Ökonomische hat, dann beschränkt man sich auf das eine und überlässt anderen das, was sie besser können als man selbst.
Irgendwann ist der letzte Kredit verbrannt
Schuhbeck verfügte wohl über ein gerütteltes Maß an krimineller Energie, sein ganzes Leben war begleitet von Affären und Regelverstößen. Und er ist nicht der Einzige seiner Zunft, der mit dem Gesetz in Konflikt kam. Fernsehkoch Johann Lafer akzeptierte einen Strafbefehl wegen Steuerhinterziehung und Veruntreuung von Arbeitsentgelt. Besonders heftig trieb es der bayerische Fernsehkoch Max Inzinger, dem Konkursverschleppung sowie Immobilienbetrügereien vorgeworfen wurden. Mit internationalem Haftbefehl gesucht, setzte er sich nach Südafrika ab, wo er an den Folgen eines Herzinfarktes verstarb.
Das alles nur mit dem mörderischen Druck der „Sterneküche“ zu erklären, griffe zu kurz. Die Herren und (wenige) Damen „Starköche“ lassen sich schließlich ganz gerne verheizen und fühlen sich offenbar ab einem gewissen Zeitpunkt ob ihrer Reputation unverwundbar. „Ich kann nur sagen: Es ist eine harte Branche. Da sind der Rausch und das Glücksgefühl – und natürlich sehr viele Menschen, die einem ein ganz bestimmtes Gefühl geben“, sagte Lafer der „Bunten“ zum Fall Schuhbeck. Doch irgendwann ist das Maß voll, der letzte Kredit verbrannt. Schuhbeck ist jetzt ganz unten angekommen, noch tiefer als da, wo er als aus einfachen Verhältnissen stammender Fernmeldetechniker im Chiemgau seine fast märchenhafte Karriere begonnen hatte.
Keine Frage: Schuhbeck hat sich große Verdienste um die deutsche, insbesondere die bayerische Küche erworben, die er modernisierte, wie Paul Bocuse die französische modernisierte. Und seine Klassiker wie „Gebackene Weißwurstradln auf Linsensalat“ oder der „Geeiste Kaiserschmarrn“ werden bleiben wie seine Kochbücher, allen voran „Das neue bayerische Kochbuch“. Doch ein Schubeck-Comeback, wie ich es vor drei Jahren gehofft hatte, wird es nicht mehr geben. Und ob die beiden Kochbücher, an denen er nach eigenen Angaben im Gefängnis zu arbeiten begonnen hat, noch das Zeug zum Bestseller haben? Der Mythos Schuhbeck verblasst bereits.
Siehe auch dazu auf Achgut: „Fernsehköche, die Freibeuter in weiß“
Georg Etscheit schreibt auch für www.aufgegessen.info, den von ihm mit gegründeten gastrosophischen Blog für freien Genuss.
Beitragsbild: Manuel JacobCC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

So isses. In jungen Jahren verband mich eine Haßliebe zu den Produkten der Firma Citroen, eine teure reparaturaufwendige Liebelei. Aber es war halt geil mit 80 über unebene Bahnübergänge heizen zu können, welche die Mitbewerber mit max. 20 Km/h bewältigen konnten. In der GS/GSA-Phase hatte ich es tatsächlich geschafft, die ganze Vorderfront & den Leichtmetall-Boxer auszubauen, um Kupplung & Getriebe zu wechseln. Ich brauchte allerdings 15 Stunden, ein geübter Mechaniker 4, max. 5. Wenn man es finanzieren kann, immer Profis ranlassen. Bei Urteilen bezüglich Steuerhinterziehung oder Konkursverschleppung, hatte man sich in der Justiz mit dem Hoeneß-Urteil keinen Gefallen getan. Es fiel viel zu niedrig aus.
Köche sollen oft recht spezielle Charaktere sein. Dass finanzielle Vergehen bestraft werden sollten, steht wohl ausser Frage. Es muss jedoch die Frage der Verhältnismässigkeit erlaubt sein. In einem Rechtstaat kann nicht sein, dass x-fach vorbestrafte Verbrecher gegen die körperliche Integrität auf freiem Fusse sind, während z.B. Steuersünder inhaftiert werden. Da passt etwas nicht zusammen – oder da zeigt sich eine ungute Gewichtung deutscher Justiz: bei Geld versteht man anscheinend keinen Spass, da greift man durch, zumindest wenn es um indigene Täter geht. Eine Konsequenz und Härte, die anderweitig oft vermisst wird, gerade im Umgang mit den bekannten Tätergruppen körperlicher Gewalt, deren Nationalität meist ungenannt bleibt.