Israel hat erste Opfer zu beklagen, Putin scheint wenig Neigung zu haben, dem Mullah-Regime tatkräftig beizustehen, doch allein auf sich gestellt, sind dessen Kräfte begrenzt. Und die Angriffswellen rollen in beide Richtungen, mit einem grundlegenden Unterschied.
Die Meldungen am frühen Samstagmorgen dominieren die Berichte über einen erneuten massiven Raketenangriff in der letzten Nacht. Viele der Raketen konnten offenbar von den israelischen Abwehrsystemen abgefangen werden, aber nicht alle. Es gab nach Medienberichten einige Treffer in Wohnhäuser, einen direkt in Tel Aviv. Nach Angaben israelischer Rettungskräfte habe es dabei mindestens 45 Verletzte gegeben, nach späteren Polizeiangaben auch einen Toten.
Am Morgen sei auch eine Rakete in der Stadt Rishon Lezion eingeschlagen und habe dort ein Wohnhaus getroffen. Laut ersten Angaben des israelischen Rettungsdienstes Magen David Adom habe es dort zwei Tote und mindestens 20 Verletzte gegeben.
Die israelische Feuerwehr hätte, so berichten verschiedene Medien, mehrere „schwere“ Zwischenfälle gemeldet. In der Region Dan nahe Tel Aviv mussten Feuerwehrleute gegen ein Feuer in einem Hochhaus kämpfen und versuchen, eingeschlossene Menschen zu befreien, habe ein Sprecher erklärt.
Augenfällig für jeden Beobachter ist natürlich der Unterschied von Angriff und Gegenangriff. Während die israelischen Luftschläge sich bislang gezielt gegen militärische Ziele richten sowie gegen Atomanlagen, die dem iranischen Atomwaffenprogramm dienen, sind es die iranischen Gegenangriffe nicht, richten sich also letztlich von vornherein gegen die Zivilbevölkerung.
Der Iran habe mit seinen Angriffen auf zivile Ziele eine rote Linie überschritten und werde einen „sehr hohen Preis“ dafür zahlen, habe denn auch Israels Verteidigungsminister Israel Katz öffentlich gedroht. Ein ranghoher israelischer Sicherheitsbeamter wurde in den Medien mit der Aussage zitiert, Israel werde iranische Öl-Anlagen ins Visier nehmen, wenn der Iran Bevölkerungszentren in Israel angreifen sollte.
Das ist keine Überraschung, denn davon, dass Israel bei einem Fortgang militärischer Auseinandersetzung die Öl-Anlagen ein Angriffsziel sein würden, konnte man ausgehen. Ebenso war die folgende iranische Drohung, man würde wichtige Wirtschafts- und Energiezentren in Israel „sofort und weitaus zerstörerischer und verheerender“ angreifen, erwartbar.
Die Stimme eines angeblichen NATO-Vebündeten
Es wurde an diesem Morgen auch wieder von israelischen Angriffen in der letzten Nacht berichtet. Im Zentrum und im Nordosten von Teheran soll es Explosionen gegeben haben. Die Nachrichtenagentur Fars habe gemeldet, dass zwei Geschosse den Flughafen Mehrabad in Teheran getroffen hätten. Andere iranische Medien hätten von Bränden in der Gegend des Flughafens berichtet. Der liege in der Nähe wichtiger iranischer Führungszentren, heißt es. Dort gebe es einen Luftwaffenstützpunkt mit Kampfflugzeugen und Transportflugzeugen.
In einem seltsamen Kontrast zu den Berichten über die laufenden Luftangriffswellen beider Seiten steht die Meldung, dass Jordanien seinen Luftraum nach Angaben der jordanischen Zivilluftfahrtbehörde einen Tag nach Aussetzung der Flüge wieder geöffnet hätte.
Dabei sieht es nicht nach dem aus, was die meisten westlichen Politiker in ihren Statements unisono forderten: nach Deeskalation. Die würde erfordern, dass sich das Mullah-Regime in Teheran von seinem Atom-Programm verabschiedet oder dass Israels Luftschläge nachhaltig erfolgreich waren.
Während am Freitag in der hiesigen Medienöffentlichkeit an internationalen Reaktionen vor allem die aus der westlichen Welt mit ihren Deeskalationsforderungen wahrgenommen wurden, erfuhren andere weniger Beachtung.
Dass China die Angriffe Israels verurteilte, mochte niemanden überraschen. UN-Botschafter Fu Cong hatte die Angriffe auf den Iran als Verletzung der Souveränität, der Sicherheit sowie der territorialen Integrität des Iran verurteilt und Israel aufgefordert, die Kampfhandlungen umgehend einzustellen.
Die Tonlage des Machthabers in der offiziell als unser NATO-Verbündeter firmierenden Türkei war sicher auch nicht unerwartet, ist aber dennoch bemerkenswert.
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan wird in den Medien mit dem Satz zitiert: „Israel versucht, die Region und die ganze Welt mit seinen rücksichtslosen, aggressiven und gesetzlosen Aktionen in eine Katastrophe zu stürzen“. Und weiter: „Die internationale Gemeinschaft muss dem israelischen Verbrechertum, das auf die globale und regionale Stabilität abzielt, ein Ende setzen.“ Wie sind solche Verbündete eigentlich mit der deutschen Staatsräson vereinbar?
Zurückhaltung in Moskau
Auch die arabischen Staaten der Region verurteilten offiziell die Verletzung der Souveränität des Iran durch die israelischen Angriffe, aber besonders engagiert wurde diese Empörung offenbar nicht vorgetragen. Was wohl daran liegt, dass den dortigen Herrschern die Vorstellung, der Iran würde über Atomwaffen verfügen, auch nicht behagt.
Wenig gekümmert hatten sich die Medien gestern um die Frage, wie eigentlich Russland auf den israelischen Angriff auf den Iran reagiert? Immerhin hatte Putin ja seit seinem Einmarsch in die Ukraine und dem folgenden Ukraine-Krieg sogenannte freundschaftliche Beziehungen mit dem Mullah-Regime in Teheran gepflegt.
Am Freitagnachmittag wurde berichtet, Benjamin Netanyahu werde mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin telefonieren. Daraus konnte man schon entnehmen, dass der Kreml in diesem Konflikt trotz aller Nähe zu Teheran an dieser Stelle keine Ambitionen hat, klar Position zugunsten des Mullah-Regimes zu beziehen.
Aus Moskau hieß es nur, der Präsident habe mit beiden Seiten telefoniert, also auch mit dem iranischen Staatschef Massud Peseschkian. In diesem Gespräch habe Putin Israels Vorgehen als Verstoß gegen die UN-Charta und das Völkerrecht verurteilt, wie der Kreml mitteilte. Russland wäre immer für eine diplomatische Lösung des Streits um das iranische Atomprogramm eingetreten.
Im Telefonat mit Netanyahu habe Putin nach Kreml-Darstellung eine Rückkehr zum Gesprächsprozess gefordert. Und beiden Gesprächspartnern hätte der Kremlchef russische Bemühungen um eine Deeskalation angeboten.
Nun dürfte der Gedanke an Putin als friedensstiftendem Vermittler allenfalls von bitterem realsatirischen Wert sein, zumal der Iran für Moskau ein wichtiger Waffenlieferant im Ukraine-Krieg ist. Aber trotz der offiziellen Freundschaft mit dem Iran scheint er sich an dieser Stelle auffällig um möglichst viel Neutralität zu bemühen.
Keine Wetten auf die Zukunft der Mullahs?
Das lädt hinsichtlich der Motive selbstverständlich zu vielen Spekulationen ein. Schätzt der Kreml-Herrscher die Mullah-Herrschaft vielleicht als so instabil ein, dass er den Schulterschluss für zu riskant hält?
Nur wenige deutsche Berichterstatter schauten seit Beginn der Angriffe auf die Reaktionen aus Russland. Einer von ihnen ist Peter Jungblut, der für br.de ein paar interessante russische Quellen sichtete.
Er verweist beispielsweise auf eine interessante Argumentation, die der Kreml-Propagandist Sergei Markow via Telegram verbreitete: Obwohl der Iran Russland seit Jahren mit Drohnen beliefere und die Vertreter des Mullah-Regimes bisher in Moskau gern gesehene Gäste gewesen seien, scheine sich die Sympathie plötzlich in Grenzen zu halten. Markow wörtlich: „Russland ist ein Freund und politischer Verbündeter des Iran, aber kein militärischer Verbündeter. Und es ist an dem Konflikt nicht beteiligt.“
Dennoch habe Markow erklärt, er hoffe darauf, dass die Eskalation im Nahen Osten den "Erfolg der russischen Armee fördern" werde. Einerseits würden die Ölpreise steigen, was dem russischen Haushalt zugute komme, andererseits werde China jetzt wieder mehr russisches Öl kaufen müssen. Zudem müssten die USA ihre Waffenlieferungen von der Ukraine in den Nahen Osten umleiten und überdies nehme die internationale Aufmerksamkeit für die Ukraine ab.
Russlands wichtigster Militärblogger, Juri Podoljak, habe sich enttäuscht über die fehlende iranische Schlagkraft gegeben: "Bisher wirken die iranischen Gegenmaßnahmen irgendwie eindeutig glanzlos. Sie hätten einen Plan für den Fall eines israelischen Angriffs haben sollen, aber bisher gibt es keine klaren Anzeichen für dessen Umsetzung. Es gibt eine Art unentschlossenes und unklares Gezitter."
Wenn es Moskau tatsächlich so einschätzen sollte, dass es zu riskant ist, politisch auf eine Zukunft des derzeitigen iranischen Regimes zu setzen, wäre das doch immerhin eine gute Nachricht. Es wäre wünschenswert, dass auch andere „Freunde“ der Machthaber in Teheran den aktiven Schulterschluss in diesem Konflikt weiterhin scheuen und es bei verbaler Kraftmeierei bewenden lassen.
(Quellen: focus.de, zeit.de, bild.de, zeit.de, br.de, esslinger-zeitung.de, n-tv.de)
Peter Grimm ist Journalist, Autor von Texten, TV-Dokumentationen und Dokumentarfilmen und Redakteur bei Achgut.com.

@Chris Kuhn, – Sie scheinen wohl regelmäßig zu üben, die Kremlpropaganda zu überholen, ohne sie einzuholen. Aber trotz Ihrer phrasenhaften Bosheit, so ist sie doch hohl.
Die von Dir vermissten „Beweise“ stapelns sich seit Jahzehnten: Grade erst hatte die IAEO/ IAEA seltsame Aktivitäten samt einer großen, zur Energieversorgung nicht erklärbaren, mittelhoch angereicherten Menge von URAN gemeldet.
Vor
einem m.E. nach halben Jahr meldete sie sogar bei Probenentnahmen 8 0-prozentiges Uran gefunden zu haben.
Mehr als stinken tun Leute wie Sie, die versuchen die ganze islam-terroristische Geschichte des Iran ab 1979 zum verschwinden zu bringen, die nicht nur ein antisemitisch KGB-organisiertes Vor- und Unterstützungs„spiel“ hat.
Auch die deutschen Außen-Nazis meldeten schon 1940 weitgehendste Übereinstimmung mit den Mullahs.
Und wer Selenskyj, wie Nethanyahu den „Willen einen 3. WK zu riskieren“ unterstellt -- welch ein bösartiges Wortkonstrukt ! -- zeigt welchen Geistes Komplzenkind er ist: Das ist typisch für weltverschwörungs-antisemitische „AntiWESTimperialitsten, Nazis, Islamdjihadisten und linke der Marke RAf und KGB gleichermaßen,
-- siehe
www. “Die Große Lüge und der Medienkrieg gegen ISRAEL ; Von der Umkehrung der Wahrheit zur Umekhrung der Realität„
Letztlich ist es ein Waffentest. Es werden auf beiden Seiten Raketen und Abwehrsysteme getestet. Russland profitiert davon offenbar. Die Frage ist aber, was wird Israel tun wenn der Iran nicht aufhört? Kann der Iran jetzt stoppen und dies innenpolitisch überleben? Oder muss er weiter Raketen wegschicken bis der Schaden größer ist? Wird Israel nicht doch noch zu massiven Angriffen übergehen müssen? Mit einem Waffenstillstand wäre nichts erreicht.
@Markus Weber: „Es ist in diesem Zusammenhang oft von einem Kampf für westliche Werte und Demokratie die Rede. Erinnert sich noch jemand daran, wie der Iran an sein Mullah-Regime gekommen ist?“ – Das ist ein sehr wichtiger Aspekt, der im Iran sehr präsent ist, während er vom Westen völlig ausgeblendet wird. Die Installation des Schah durch den Westen, der den demokratisch gewählten Mohammad Mossadegh stürzte, nur weil man sich weiter billiges iranischen Öl sichern wollte, und der Sturz des Schah später durch ein breites Bündnis aus Islamvertretern und Linken, ist bis heute eine tiefe Wunde im Land. Die Iraner, gerade die regimekritischen, wissen, daß sie die Mullah letztlich dem Westen zu verdanken haben. Hier dagegen wird der Mantel des Schweigens darüber gebreitet. Wäre ja auch zu blöd zuzugeben, daß sich das heutige Regime dort letztlich aufgrund der westlichen Gier nach billigem Öl an die Macht putschen konnte.
Vor langer Zeit durfte ich den Iran von innen erleben. Schon damals haben viele Leute das Regime gehaßt und das mir als Fremdem auch offen mitgeteilt. Der von der Regierung hochgehaltene Konflikt mit Israel schien dagegen den meisten Leuten herzlich egal zu sein und im Alltag schlicht keine Rolle zu spielen. Auch hörte ich, man habe genug vom Krieg (der Iran-Irak-Krieg lag seinerzeit noch nicht so lange zurück) und wolle in gar keinem Fall durch die Amis „demokratisiert“ werden. Es erschien mit als ein durchgehend patriotisches Land, auf dessen Geschichte seine Bewohner stolz sind. Bei Bedrohung von außen würden sie sich wahrscheinlich hinter der Regierung versammeln, egal wie wenig sie diese mögen. Insofern ist Hoffnung, die israelischen Angriffe könnten einen Regime-Change anstoßen, wohl eher trügerisch. Druck von außen schweißt im Innern zusammen. Vielleicht kann Netanjahu kurzfristig etwas bewirken, langfristig sind die Angriffe kontraproduktiv. Khamanei ist 86. Sein zu erwartendes baldiges Abtreten / Ableben wäre ein Chance auf Änderung gewesen. Die hat sich nun massiv verschlechtert.
@dr. gerhard giesemann, Das Massaker von Srebrenica fand 1995 im Bosnien-Krieg statt, die NATO-Bombardierung von Belgrad 1999 wurde wegen des Einsatz der serbischen Streitkräfte im sich von Jugoslawien abspaltenden Kosovo durchgeführt.
Die Angelegenheit ist weit komplexer, als es Israel-Hasser und Iran-Hasser wahr haben wollen.
Der Iran ist das einzige Land der islamischen Welt, in dem Juden eine garantierte Anzahl von Sitzen im Parlament haben.
Es ist der sunnitische Islam der wahabitischen Saudis und der Al-Ahar-Universität in Kairo, bei dem die Ausrottung der Juden Bestandteil der Endzeitvorstellungen ist.
Der Iran ist für Israel das Land der Perser/Parther. Ein persischer König ist der einzige nichtjüdische König, der im Alten Testament „Meschiach“ genannt wird.
Zur Zeit der römischen Besatzung hofften die Juden auf Befreiung durch die Parther. Ein Rabbiner der Antike wurde gefragt, wann der Messias käme. Die Antwort: Wenn du einen parthischen Reiter am Horizont siehst.
Der antiisraelische Aktionismus der Ajatollahs kommt möglicherweise aus dem Bestreben, die antijüdischen Sunniten für die eigenen Sache zu gewinnen.
Wenn die Bürgerrechtler so vorgegangen sind, wie sie uns das hier darlegen, bloß kein Risiko eingehen, immer wieder gleichschalten, dann ist die DDR aus Langeweile untergegangen, aber bestimmt nicht am Widerstand. Dann war die DDR keine Diktatur, sondern ein Palaver-Club.