Es findet derzeit mal wieder eine sprachliche Front-Begradigung statt. Immer öfter ist in Schlagzeilen und Essays vom „Chor der Apokalyptiker“ die Rede, wenn es darum geht jene zu beschreiben, die an der gegenwärtigen Politik und ihrem Umgang mit der Zuwanderung etwas zu meckern haben.
Und so finden sich selbst Menschen plötzlich in einem Chor wieder, die keine Note geradeaus singen können. Es ist ja auch viel leichter, sich mit einem imaginierten Chor auseinander zu setzen, als mit einer vielstimmigen Bevölkerung, die Ihr Unwohlsein artikuliert. Schließlich müsste man zuhören, um festzustellen, wie unterschiedlich und differenziert die Auseinandersetzung mit diesem Thema ist. Aber zuhören tut keiner, weil man von der Richtigkeit der eigenen Auffassung so felsenfest überzeugt ist. Zuhören wird bereits als Kapitulation empfunden, angefangen mit Angela Merkel.
Vor allem ist das Wort Apokalyptiker eine universelle Abwehrwaffe. „Eine eindeutige, in der Wissenschaft unumstrittene Definition von Apokalyptik gibt es nicht“ heißt es bei Wikipedia, „im Vordergrund stehen dabei meist Weltuntergangsvorstellungen“. Zuwanderung ja, aber nicht so? Apokalyptiker! Rückkehr zu rechtstaatlicher und verfassungskonformer Handlungsweise? Apokalyptiker! Angst vor importiertem Terror? Apokalyptiker! Probleme mit mittelalterlichen Wertvorstellungen? Apokalyptiker! Wir schaffen das nicht? Apokalyptiker!
Phänomenal finde ich dabei, dass es oft die gleichen Personen sind, die dieses Land seit Jahrzehnten mit Weltuntergangsszenarien nerven, die plötzlich auf ihre politischen Gegner zeigen und „Apokalyptiker“ rufen. Das selbstgefühlte progressive grünschwarzrote Milieu, das für sich den Namen „Bürgergesellschaft“ reserviert hat, konnte die Verhältnisse bislang doch gar nicht schwarz genug malen. Von Tschernobyl über Fukushima bis hin zu BSE oder Vogelgrippe: Stets war die Menschheit als solche vom Untergang bedroht. Das jüngste Buch einer der führenden Klimaschutz-Funktionäre in diesem Land, Hans Joachim Schellnhuber, heißt „Selbstverbrennung“. Dieses apokalyptische Denken hat Deutschland eine Gesetzesdichte beschert, die jeden Zusatz in der Leberwurst bis aufs letzte Nanogramm gesetzlich regelt.
Während wir im Alltag unter teilweise schwachsinnigen und sogar kontraproduktiven Vorschriften zur Verhinderung von jedweden Minimal-Risiken leiden, geht jetzt jene Kaste, die uns das eingebrockt hat, dazu über, reihenweise im Grundgesetz oder in der Verfassung festgelegte rote Linien zu überschreiten. Einfach so.
Daraus entsteht längst eine kafkaeske Dauererzählung: Ein Autohändler, der vergisst bei einem Gebrauchtwagen den Verbrauch anzugeben, hat gute Aussichten abgemahnt und strafrechtlich verfolgt zu werden. Derjenige, der dieses Auto gleich klaut, hat gute Chancen ungeschoren davon zu kommen. In Schleswig-Holstein sollen minderschwere Vergehen amtlicherseits schon nicht mehr angezeigt werden, wenn der Täter keine Papiere und keine Adresse besitzt.
Aber zurück zur Apokalypse. Ich habe mich Jahrzehnte mit den ökologischen Weltuntergangs-Predigern beschäftigt. Und einer meiner zentralen Gedanken war immer: Der Mensch wird sich nicht auf dem Umweg übers Kohlendioxid strangulieren oder umbringen. Er kann das viel besser direkt. Bildlich gesprochen: Der Autofahrer stirbt nicht an seinem ökologischen Fußabdruck, sondern am nächsten Baum.
Deutschland geht ganz gewiss nicht unter, weil der Meeresspiegel steigt. Und Bangladesh auch nicht. Hier wie da muss man die Ideologen viel mehr fürchten. Vor den Launen der Natur können wir uns schützen und uns an sie anpassen. Die Launen von Fanatikern sind viel gefährlicher.
Man kann sich natürlich zurücklehnen und mit dem Abstand von - sagen wir mal Jahrtausenden - auf das Geschehen blicken. Kein einziges Riesenreich und keine einzige Institution, die katholische Kirche und den Islam eingeschlossen, hat auch nur annähernd zehntausend Jahre überstanden. Insofern mendelt sich alles aus - und die Menschheit macht sogar Fortschritte dabei. Es geht uns heute deutlich besser als vor 1.000 Jahren. Nur hilft uns diese Betrachtung über viele Generationen im aktuellen Fall nicht.
Zunächst mal ist ja klar: Auch wenn 100 Millionen Menschen aus Afrika und Arabien zu uns kommen, geht die Welt nicht unter. Sie denkt noch nicht einmal daran. Um uns herum ist ja noch ein bisschen Platz und die anderen werden interessiert zuschauen. Das tun sie ja jetzt schon, obwohl jährlich nur eine bis anderthalb Millionen Menschen zu uns kommen. Die Welt geht davon nicht unter. Noch nicht einmal Deutschland geht unter. Es wird allerdings ein anderes Deutschland sein.
Ich habe durchaus auch ein Problem mit dem in der Zuwanderungsfrage oft raunenden Untergangs-Tremolo, wie es in konservativen Kreisen häufig gepflegt wird. Das Problem ist, dass man diese Töne auch schon vor 20 Jahren hören konnte, wir erleben ja nicht die erste Einwanderungswelle. Nur lassen die sich nicht mit dem vergleichen, was jetzt passiert. Und deshalb verstehe ich vollkommen, wenn in warnendem Ton darauf hingewiesen wird, wie unser Rechtsstaat und unsere Demokratie beschädigt werden. Was soll man in diesem Fall denn sonst tun, außer Alarm schlagen? Es geht hier doch um etwas mehr, als den Natrium-Gehalt unseres Mineralwassers oder Winzspuren von Pestiziden auf der Paprika.
Wundersames Deutschland: Wenn ein halbes Dutzend Verfassungsrechtler vor fortgesetzter Rechtsbeugung unserer Institutionen warnen, dann ist das schlechter Alarmismus. Wenn Greenpeace davor warnt, dass PVC-Schuhe Hühneraugen verursachen, dann ist das guter Alarmismus.
Es gibt nicht den großen Weltuntergang. Aber es gibt den kleinen. Deutschland im Jahre 1944 war so ein kleiner Weltuntergang. Berlin sah so aus wie Aleppo heute. Und auch Aleppo ist für die Überlebenden, metaphorisch gesehen, ein kleiner Weltuntergang. Für Millionen Tote des zweiten Weltkrieges und Hundertausende Tote des syrischen Bürgerkrieges war es allerdings ein großer Weltuntergang. Der Ausdruck Apokalypse wird diesen Ereignissen durchaus gerecht.
Nein, Deutschland geht nicht unter. Es wird nur anders werden. Was bedeutet die gegenwärtige Art der Zuwanderung für jeden einzelnen von uns? Importieren wir uns möglicherweise Krisen und Auseinandersetzungen? Wie steht es mit der Sicherheit im Alltag, die immer ein großer und bewunderter Standortvorteil dieses Landes war? Wie kann der Standard der Sozialleistungen aufrecht erhalten werden, wenn die wirtschaftliche Lage einmal schlechter wird? Das sind Fragen, die die Menschen ganz konkret umtreibt. Sie sind keine Apokalyptiker, sondern genau das Gegenteil.

Ja, soeben hab ich das mit Schaudern zur Kenntnis genommen. Bevor ich auf die Achse ging klickte ich auf der News Seite einen Artikel vom Tagesspiegel an, weil mich die Überschrift elektrisierte: "Botho Strauß, Rüdiger Safranski, Peter Sloterdijk - Deutsche Denker gegen Angela Merkel." Ich dachte, es wäre ein kritischer, informativer Bericht. Weit gefehlt!!! Der Autor ließ kein gutes Haar an diesen Herren, unterstellte ihnen militanten Sprachgebrauch, ideologisches Denken und bezeichnete sie samt und sonders als nationalkonservative Wortführer im Sinne von Pegida und AfD. Und er beendete seinen hämischen, selbstgerechten und polemischen Artikel mit der Feststellung, dass die Botschaft der gesetzten Herren (deren Zorn auf die Flüchtlingspolitik vermutlich daher rühre, dass die Verursacherin eine Frau ist???) apokalyptisch sei.
Die vormaligen eher auch handfesten Apokalyptiker -z.B. Gewaltexzesse zur Abschaffung der Kernenergie- belegen im Bewußtsein der eigenen moralischen Überlegenheit heute jeden Kritiker mit diesem Begriff, so wie sie ihn bei passender Gelegenheit als gesellschaftliches Schmuddelkind in die rechte Ecke stellen, wohin diejenigen aussortiert sind, mit denen man als Inhaber der Meinungshoheit nichts zu tun haben, geschweige denn diskutieren muß. Und wenn sich sodann der eigene Weg doch als Irrweg heraus stellen sollte, so sind sicher die Schmuddelkinder daran schuld, weil sie sicher perfider weise jede sich bietende Gelegenheit zur Sabotage genutzt haben.
Warum sollte Deutschland – oder gar Europa - untergehen? Eine Vorrede: Die Verheerungen die das Dritte Reich in Deutschland und ganz Europa hinterlassen hat - sieht man von den Millionen Toten und Invaliden ab – konnten überwunden werden, einschließlich der Teilung Europas durch den Eisernen Vorhang. Denn trotz Naziherrschaft, unbeschadet aller materiellen Verluste, trotz Staatszusammenbruch, Heimatverlust, sozialer Not, kommunistischer Unterdrückung, blieb der Kern der abendländischen Zivilisation - sieht man von den 12 Jahren der Nazi-Barbarei ab – intakt. Bevölkerung und Wohlstand wuchsen sogar. Die in Jahrhunderten erkämpften Früchte der Aufklärung, wie Rechtsstaat, Demokratie, Frauenrechte, Gleichheit vor dem Gesetz, religiöse Toleranz, bürgerliche Moral, Humanismus, Naturwissenschaft und Technik waren nie substantiell und dauerhaft in Frage gestellt. Zur aktuellen Lage: Demokratie, Rechtsstaat und das Recht auf Eigentum wurden schon bislang durch die Institutionen der EU ausgehebelt. Im Zuge der Masseninvasion wird die Verfassung teilweise suspendiert, werden Recht und Gesetze notorisch gebrochen. Leitmedien und politisch Verantwortliche diffamieren jeden, der es unternimmt dagegen Einwände zu erheben und fördern die Massenimmigration, statt sie zu stoppen.Und die Politik etabliert Zug um Zug den Bevormundungs- und Überwachungsstaat. Den Deutschen, den Europäern allgemein, ist schon jetzt in großen Teilen das Bewußtsein für die Fundamente ihrer Zivilisation und ihrer gesellschaftlichen Verfassung abhanden gekommen. Weshalb es auch fast durchgängig am Willen fehlt, diese zu verteidigen, und weshalb fast jeder solche Versuch als Islamophobie oder Rassismus verleumdet wird. Man wird diese Versuche zukünftig mittels Zensur unterdrücken und strafrechtlich verfolgen. Ausblick: Geht die Zuwanderung im gegenwärtigen Maße weiter, so werden die Indigenen in längstens zwei Generationen zur Minderheit geworden sein. Eine mehrheitliche Integration, geschweige denn eine Assimilation - denn die ist ein Verbrechen wider die Menschenrechte, wie uns der Menschenrechtsbeauftragte der Türkei, Herr Erdogan, unlängst belehrte – wird, entgegen allem einschlägigen Gefasel, nicht stattfinden. Da stehen schon die von unserem Staat geduldeten und von wahhabitischen Schurkenstaaten finanzierten Haßprediger vor. Angesichts schrumpfender indigener Bevölkerung parallel zur ausbleibenden Integration, wird die materielle Grundlage einer von Können und Wissen, von Medizin, Naturwissenschaft und Technik getragenen Gesellschaft unausweichlich wegbrechen. Die oben erwähnten zivilisatorischen Fundamente, brüchig und unverteidigt, wie sie jetzt schon sind, werden einstürzen, zusammen mit dem alimentierenden Sozialstaat. Die islamisch radikalisierten Massen werden sich dann holen, worauf sie glauben Anspruch zu haben (wie sie uns dies in Teilen ja gegenwärtig schon demonstrieren). So ging Rom unter. So wird Deutschland untergehen. Wer es anders sieht, kann sich natürlich denjenigen (merkwürdigen?) Historikern anschließen, die unverzagt behaupten, Rom sei nie untergegangen, es habe sich nur verändert, sei ohne Bruch ins Mittelalter hinübergeglitten. Dann glimmt ja doch noch das Fünkchen Hoffnung auf! Gruß vom Apokalyptiker
Selbstverständlich gibt es keinen Weltuntergang. Und auch D. geht nicht unter, sondern könnte sich höchstens in ein Bürgerkriegsland entwickeln, was auch nicht schlimm ist, dann sieht Berlin eben wie Aleppo aus. Das wirklich Neue ist auch nicht, daß es Einwanderung gibt. Das wirklich Neue ist, daß die Menschheit seit 1950 von 2,5 auf 7,5 Milliarden Menschen gewachsen ist und bis 2030 um eine weitere Milliarde (Uno-Projektion)wachsen wird. Das hat dazu geführt, daß in vielen Ländern in Nordafrika, Schwarzafrika, Nah- und Fernost sehr viele, insbesondere junge, Menschen keine Arbeit, keine eigene Wohnung, keine vernünftige Ausbildung und meist keine Hoffnung mehr haben. Mit dem Beschluß des Bundestages 2012, daß D. ein Einwanderungsland sein soll, der Propaganda der Regierung und der Wirtschaft für die Einwanderung und der Einladung von Frau M. zur unbegrenzten Einwanderung, hat sich aus diesen vier Weltgegenden ein Einwanderstrom in Bewegung gesetzt mit Hauptziel D. Ich sehe keinen Grund, warum dieser Strom abreißen sollte. Er kommt allerdings zum Erliegen, wenn im Zielland D. dieselben Verhältnisse herrschen wie in den Ausgangsländern.
Die "Apokalypse" ist in der Grundbedeutung die Offenbarung der Wahrheit Gottes, die sich im biblischen Schrifttum oft mit Donner und Fanfaren ankündigt. Wenn etwas an unserer Zeit durchaus "apokalyptisch" ist, dann die Offenbarwerdung der Unwahrhaftigkeit und Brüchigkeit allzu menschlicher Heilsversprechen ("wir schaffen das!"). In diesem Sinne ist der "Chor der Apokalyptiker" dann doch sogar noch eine Ehrenbezeichnung, entgegen der eigentlichen polemischen Absicht, denn das wären dann ja wohl diejenigen, die mit Musik (!) die leeren Worthülsen der Herrschenden zum Einsturz brächten. Wann ist wieder Chorprobe?
Die Frage die mich beschäftigt ist aber nicht "Wo finde ich Apokalyptike ?r", sondern "Wo finde ich noch Leute, für die nicht die Welt untergeht, wenn der Andersdenkende Gehör findet?" Weniger denn je wird respektvill kontrovers diskutiert geschweige denn systematisch an Lösungen gearbeitet. Weder im Mainstream noch bei der Alternative.
Es gibt eben die "gute" und die "böse" Angst: Angst vor dem Klimawandel ist berechtigt. Angst vor der "Machtergreifung" der AfD ebenso. Angst vor der "Masseneinwanderung" ist natürlich hysterische "German Angst". Angst um sein Geld wegen der "Eurorettung" ebenso.