Der BDS-Aktivist Hanno Hauenstein hat mit einer Falschmeldung ein Gerücht in die Welt gesetzt, das sich schnell über die sozialen Medien und diverse Nachrichtenblogs verbreitete: Rewe habe israelische Weine aus dem Sortiment genommen. Das sei geschehen, nachdem er, Hauenstein, persönlich den Handelskonzern darauf aufmerksam gemacht habe, dass die fraglichen alkoholischen Getränke jenseits der Waffenstillstandslinie von 1949 produziert worden seien. Dieser Umstand macht sie für Hauenstein zu „Siedlerweinen“; hergestellt werden sie nicht auf Weinbergen, sondern von „Siedlerwinzereien“ auf „Siedler-Agrarflächen“.
Hauenstein will warnen: Die Leser der Frankfurter Rundschau sollen aufpassen, dass sie nicht aus Versehen „Siedlerwein“ trinken. Ein offenbar alltägliches Problem: Sie könnten etwa bei Amazon für 54,90 Euro einen 2018er Recanati aus den Judäischen Hügeln bestellen, ohne zu bedenken, dass er kein Hauenstein-Zertifikat hat.
Dem „Siedlerwein“ hat er den Kampf angesagt, wie Don Quixote den vermeintlichen „Riesen“, also den Windmühlen. Wie wäre es, wenn Hauenstein ihn einfach nicht trinken würde? Aus dem mündigen Konsumenten wird ein BDS-Aktivist und Quälgeist, wenn er andere behelligt. Man erinnere sich an die SA-mäßige Aktion 2015, bei der BDS-Aktivisten mit Schutzmänteln mit der Aufschrift „Inspektion“ durch die Bremer Innenstadt liefen. Das war offenbar kein durchschlagender Erfolg. Jetzt findet die Begutachtung in der FR statt und Hauenstein reist dafür nicht nach Bremen, sondern gleich nach Israel.
Israelischer Wein in Deutschland
Schauen wir uns an, um welche Menge es eigentlich geht. 2024 exportierte Israel nach Deutschland Wein im Wert von etwa 800.000 Euro. Nehmen wir an, das sind 80.000 Flaschen. Wenn von den schätzungsweise 100.000 Juden in Deutschland jeder zwölfte am Schabbat jeweils ein Glas (0,15 Liter) koscheren Wein aus Israel trinkt, dann sind wir bei dieser Menge. Ein Teil des Weins, ein paar Tausend Flaschen, stammt aus Gebieten jenseits der Waffenstillstandslinie von 1949 oder von den Golanhöhen. Hier sehen Hauenstein und die FR sich verpflichtet, einzuschreiten und den Konsumenten die Gläser aus der Hand zu schlagen — bildlich gesprochen.
Hauenstein schreibt: „So bot Rewe bis zum Zeitpunkt einer FR-Anfrage einen Rot- und einen Weißwein der Linie Hermon sowie einen Yarden-Weißwein an. Die Herkunftsangabe: ›Israel‹. Auf Anfrage verwies Rewe auf ›heterogene Einkaufsstrukturen‹. Infolge der Anfrage habe man veranlasst, die genannten Weine aus dem Online-Shop zu entfernen. ›Die Umsetzung erfolgt in Kürze‹, so Rewe. Tatsächlich sind die genannten Weine dort inzwischen nicht mehr gelistet.“
Hauenstein will nicht, dass andere Leute „Siedlerweine“ trinken, und schon verschwinden diese aus dem Handel. So stellt er sich das wohl vor. Die Frankfurter Rundschau verkündete in ihrer Online-Schlagzeile zu Hauensteins Artikel: „Rewe nimmt nach FR-Recherche Wein aus dem Sortiment“. Doch die Behauptung, Rewe habe israelischen Wein aus dem Sortiment genommen, ist falsch, wie die Handelskette auf Anfrage von Mena Watch mitteilt.
Ein Sprecher erklärt, beim betreffenden Wein habe „der Lieferant die Herkunftsangaben fehlerhaft in einem externen Datenpool hinterlegt, aus dem das Warenwirtschaftssystem des REWE Onlineshops die Produktangaben zieht und den Kundinnen und Kunden anzeigt“. Darum sei das „Produkt vorübergehend aus dem Verkauf“ genommen worden. „Die Angaben wurden inzwischen aktualisiert, und der Wein ist wieder wie zuvor in einigen REWE Abholmärkten (je nach lokaler Verfügbarkeit) online bestellbar.“
Warum behauptete Hauenstein in der Frankfurter Rundschau, der Wein sei aus dem Sortiment genommen worden? Wir fragen nach. Eine Sprecherin der Zeitung erklärt: „Die zitierte Passage im Text gibt die Auskunft wieder, die Rewe dem Autor im Rahmen der Recherche erteilt hat.“ Rewe habe erklärt, dass „infolge der Anfrage veranlasst worden sei, die konkret benannten Weine aus dem Online-Shop zu entfernen“„. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung sei das auch so gewesen.
Die Sprecherin bedankte sich zudem für den Hinweis auf den Fehler in der Berichterstattung und erklärte, „mit Rewe in Kontakt“ zu stehen. „Sollte uns dazu eine weiterführende oder präzisierende Stellungnahme vorliegen, wird der Beitrag entsprechend aktualisiert werden.“ Doch auch zwei Tage später war der Fehler nicht berichtigt. Der Autor fragte erneut bei Sprecher von Rewe nach, ob es in der Kommunikation mit Hauenstein vielleicht missverständliche Formulierungen gegeben habe, die ihn dazu veranlasst haben könnten, zu glauben, Rewe werde den Wein aus dem Sortiment nehmen. Die Antwort: Das Produkt sei „bis zur finalen Prüfung und Korrektur der Angaben vorübergehend aus dem Onlineverkauf genommen“ und dies sei dem FR-Autor auch so mitgeteilt worden.
Am Freitag schließlich erfolgte ein Update: „Der Text wurde um den Hinweis ergänzt, dass Rewe die betroffenen Weine zwischenzeitlich wieder online gestellt und den Verweis auf das Herkunftsland entfernt hat“, schrieb die FR.
Hauenstein im Rausch
Es geht Hauenstein nicht um Etiketten; ihm wäre es am liebsten, wenn die betreffenden Weine nicht verkauft und nicht produziert würden. Tatsächlich behauptet er im Brustton der Überzeugung: „Anbau und Export von Wein in israelischen Siedlungen sind völkerrechtswidrig.“ Natürlich ist das Quatsch.
Um die Juden, die den Wein herstellen, zu dämonisieren, ist Hauenstein extra zu ihnen nach Israel gereist und interviewte etwa einen der Winzer — dem er wahrscheinlich nicht offengelegt hat, dass es sein Wunsch ist, dessen Geschäft zu schädigen. Hauenstein befragte seinen Gesprächspartnern unschuldig nach der Anbaufläche und versuchte dann, gegenüber seinen Lesern einen Skandal daraus zu machen, dass es Rebflächen in Gush Etzion, einem Vorort von Jerusalem, gibt: „Dann fällt ein Satz, den ich in der Offenheit nicht erwarte“, so Hauenstein bei seiner laut FR-Vorspann „investigativen Recherche“. Sein Gesprächspartner habe ihm gesagt, dass etwa zwanzig Prozent der Trauben aus Gush Etzion stammten.
Gush Etzion wurde 1927 gegründet – im Einklang mit dem Völkerrecht, nämlich dem Palästinamandat des Völkerbunds, das Großbritannien damit beauftragte, im Mandatsgebiet die Voraussetzungen für eine nationale jüdische Heimstätte zu schaffen. Der Siedlungsblock wurde mehrfach von Arabern zerstört. Ab Dezember 1947 wurde er belagert. Im Mai 1948 eroberte die Arabische Legion den Kibbuz Kfar Etzion und richtete ein Massaker an den Überlebenden an.
Nach dem Fall von Kfar Etzion fielen die anderen Kibbuzim, die Gush Etzion ausmachten, ebenfalls; die Arabische Legion bzw. arabische Milizen übernahmen die Kontrolle. Die Bewohner, die nicht getötet wurden, wurden vertrieben. Es war selbstverständlich, dass sie nach dem jordanischen Überfall auf Israel im Juni 1967 und der folgenden jordanischen Niederlage das Recht erhielten, Gush Etzion wieder aufzubauen. Wer würde sie von dort vertreiben wollen? Hanno Hauenstein? Leute wie er sind Hindernisse auf dem Weg zu Frieden zwischen Israel und den Palästinensern.
Gush Etzion wird für immer bleiben, damit wird die PLO sich abfinden müssen, sollte sie irgendwann in der Zukunft an ernsthaften Friedensgesprächen interessiert sein. Hauenstein tut so, als würde es irgendwann eine große ethnische Säuberung geben, bei der 500.000 Juden vertrieben werden und Israel auf das Gebiet von 1949 schrumpft. Das wird niemals passieren, und es wäre für den Frieden besser, Hauenstein würde seinen palästinensischen Freunden endlich – wie sagt man? – reinen Wein einschenken.
FR änderte die Überschrift
Die FR hat die Überschrift zwischenzeitlich geändert. Stand dort anfangs: „Rewe nimmt nach FR-Recherche Wein aus dem Sortiment“, heißt es nun: „Wie der deutsche Weinhandel Israels Siedlungen mitfinanziert“. Auch das rechnen wir nach. Nehmen wir an, vom Verkaufspreis einer Flasche israelischen Weins gehen vier Euro an Winzer in Israel. Das wären ca. 320.000 Euro pro Jahr. Es gibt in Israel etwa dreihundert Winzereien. Im Durchschnitt wären das etwa tausend Euro pro Weingut im Jahr, also weniger als zwanzig Euro pro Woche. Davon könnte eine israelische Winzerfamilie gerade mal die Pampers für die Kleinsten bezahlen.
Man muss sich die Zahlen vergegenwärtigen, um zu ahnen, von welchem Fanatismus Hauenstein geblendet sein muss, wenn der Verkauf von ein paar Flaschen Wein ihm schlaflose Nächte bereitet. Für gewöhnlich ist es das Trinken von Wein, das zu unruhigem Schlaf führt.
Die geänderte Überschrift beruht nach Angaben der FR-Sprecherin „auf redaktionellen Entscheidungen zur Platzierung und Gewichtung des Textes“: „Für die prominente Ausspielung auf der Startseite wurde eine verbrauchernahe Zeile gewählt, die einen konkreten Aspekt des Beitrags in den Vordergrund stellte. Nachdem der Text nicht mehr auf der Startseite platziert war, wurde eine Überschrift verwendet, die den vom Autor intendierten Gesamtzusammenhang seiner Recherche stärker abbildet.“ Damit, dass Rewe in Wahrheit gar keinen Wein aus dem Sortiment genommen hat, hat das also nichts zu tun.
Hauenstein in Israel
Der Fall zeigt mal wieder: Die „Erfolgsmeldungen“ über gelungene Wirtschaftsboykotte gegen Israel sind für gewöhnlich einfach erfunden. Die einzig echten Boykotterlebnisse haben die Aktivisten, wenn es ihnen wieder mal gelingt, jüdische Musiker an Auftritten zu hindern oder Gästen israelischer Restaurants den Abend zu vergällen. Der Israel-Boykott trifft nicht Israel, sondern die Juden in der Diaspora, denen klar gemacht wird, dass sie nicht willkommen seien.
Einen Gewinner in der Sache gibt es. Während wir in Deutschland seit Wochen von Kälte und Eisglätte geplagt sind, reiste Hauenstein zum Urlaub ins sonnige Judäa. Er erwähnt u.a. die malerischen Orte Psagot, Gvaot und Schilo, die im Herzen einer Landschaft liegen, die tief mit der jüdischen und biblischen Geschichte verwoben ist. Schilo nimmt dabei eine besondere Stellung ein: Es wird im Alten Testament 33 Mal erwähnt. Dort wurde die Stiftshütte gebaut und die Bundeslade aufbewahrt, von der Zeit, als die Israeliten das Gelobte Land betraten, bis zu dem Zeitpunkt, wo König David die Bundeslade nach Jerusalem brachte.
Hauenstein hatte auch Glück mit dem Wetter, wie das von ihm aufgenommene Foto der Weinberge zeigt. Das sei ihm gegönnt; das Leben als BDS-Aktivist ist eine einzige Hetze, da braucht es mal etwas Entschleunigung in einer Region mit schlechtem Handy-Empfang.
Leider sind solche Reisen recht teuer. Gut für Hauenstein, dass er seine Auszeit nicht selbst bezahlen musste. Unter dem Text heißt es: Dieser Artikel wurde durch eine Förderung des Investigative Journalism for Europe (IJ4EU)-Fonds 2025 unterstützt“. Der Verein wird von der EU und dem Bundesland Sachsen bezuschusst. Hat der deutsche Steuerzahler Hauenstein seinen Urlaub spendiert? Wieviel Geld hat er erhalten? Finanziert dieser Fonds häufig die Weinreisen von Journalisten? Eine Anfrage von Mena-Watch an IJ4EU blieb unbeantwortet.
Übrigens nennt Hauenstein für den Siedlerwein Bezugsquellen: „Siedlerwein ist in Deutschland über Online-Plattformen wie IsraelWein, Edelrausch, Vivino, vineshop24 oder Hawesko leicht erhältlich.“ Das ist ein Wink mit dem Zaunpfahl. Als 2019 in den Niederlanden jemand zum Boykott des israelischen Weins aufrief, den die Handelskette HEMA wegen des Pessahfestes im Angebot hatte, kauften viele Niederländer den Wein, fotografierten sich damit und stellten das Foto mit dem Hashtag #tipvanMieke auf Twitter. Zeitweilig war dies der meistbenutzte Hashtag in den Niederlanden.
Das kann man kopieren. Einfach bei den von Hanno Hauenstein genannten Bezugsquellen israelischen Wein kaufen, fotografieren und in den sozialen Medien posten unter dem Hashtag #HannosWeinTipp. Die Frankfurter Rundschau wird vielleicht darüber berichten.
Der Beitrag erschien zuerst bei MENA-Watch.

Kann man nicht an den Südhängen des Golan oder des Libanon gut Wein anbauen? Das wäre doch eine Expansion wert, oder? Wie heißt dieser Hanswurst? Hauenstein? Geht mir am Allerwertesten vorbei. Ich werde mal Israelischen Wein testen. Allerdings hege ich die Befürchtung, Herr Frank, daß sich die Israelischen Winzer beim Exportwein die Koscher-Nummer mit der Zertifizierung durch teure Rabbis sparen werden. Oder haben Sie dazu näher Informationen? Jaques‚ Weindepot bietet übrigens auch Wein aus Israel an. Ich habe, als Deutscher, nur was gegen koscheres Fleisch. Sonst darf mich Israel mit koscheren Produkten zuschütten.
Na und? Da zeigt Hayali KI-Videos zum Beweis, wie böse Trump angeblich sein soll. Sind wir doch gewohnt und glauben eh nichts mehr. @Matthias Müller: Ja, sehr gute Theorie in dem anderen Faden. Hat noch keiner drüber nachgedacht… MFG
Es wäre schön, wenn sich ein Herr Hauenstein mit derselben akribischen Leidenschaft um das Schicksal beispielsweise des tibetischen Volkes kümmern würde – dieses wird seit Jahrzehnten systematisch ausgedünnt. Oder um das der koptischen Christen in Ägypten…da kann man schon fast von Ausrottung sprechen. Btw.: Den Schwulen in Saudi-Arabien soll s auch nicht so gut gehen.
Dass Muslime den Weinbau nicht gerade kultiviert haben, liegt doch auf der Hand. Die Verwechslungsgefahr ist also gering. Und ob Juden Wein links oder rechts einer strittigen Grenze produzieren, kann nur einem Judenhasser wichtig sein.
Die Geschichte wiederholt sich, aber mit anderen Vorzeichen, man steht hinter Hamasterroristen, Syrischenterroristen und anderen Terroristen auf der Welt und man untersützt sie mit Steuergeld. Es ist egal, was sie hier anrichtenm wieviele Menschen sie ermorden, Vergewaltigen und bedrohen, es sind halt die Guten. Die Juden damals haben so was nicht gemacht, sie waren Deutsche mit guten Berufen und trotzem hat man sie gehasst und es hat sich bis heute nichts geendert und die ÖR und die Haltungsmedien machen fröhlich mit. Man ist halt gewohnt, Juden als Opfer zu sehen, das hätte man gerne, aber dass sie sich wehren, das möchte man nicht haben. Man wird sich in D. Zukunft noch wundern, was noch passieren wird.
„…dass Rewe die betroffenen Weine zwischenzeitlich wieder online gestellt und den Verweis auf das Herkunftsland entfernt hat“. DIE Lösung auch für Russengas und iranisches Erdöl!
Danke für die Judenweinwerbung, da will ich welchen saufen!
Eigentlich trinke ich nicht mehr, nur noch an Feiertagen, aber für Israel besaufe ich mich gerne – an Feiertagen.
Ich muss ja an meine Gesundheit achten – nur an Feiertagen nicht. Als Feiertage gelten Gelegenheiten, an denen ich mich mit Freunden den Glas hebe; antisemitischen Freunden werde ich ab nun nur noch jüdisches Gesöff servieren.
Genannte Freunde sind trotz ihres Antisemitismus ehrenwerte Menschen, die aufrichtig an ihren blödsinnigen Ansichten glauben. Also keine Lügner, keine Heuchler! Die geistige Erkrankung des Antisemitismus ist umso gefährlicher, als sie auch kluge, ehrliche, mutige, anständige, herzensgute Menschen befällt.
Die professionellen Psychologen mögen das bitte erforschen. Meine Küchenpsychologie reicht nicht aus.