Ich weiß nicht, ob es dem hiesigen Kulturkreis kollektiv bewusst ist, aber sobald man im postmigrantischen Alltag auf jemanden trifft, der südlich von München gezeugt wurde, schießt sofort dieser eine, epigenetisch verankerte Satz aus dem deutschen Gehirn: „Du kannst die Hitze sicher gut vertragen, oder?“
Bei der gelebten Vielfalt in diesem Land könnte man diesen Satz eigentlich jedem an den Kopf werfen – wenn man sich denn sprachlich verständigen könnte. Ich reagiere in solchen Momenten meistens mit sanfter psychologischer Kriegsführung und frage maximal unschuldig: „Wie meinst du das?“
Die Antwort ist ein humoristischer Klassiker: „Na ja, du kommst doch aus südlicheren Gefilden. Da ist Hitze für dich doch Alltag!“ In solchen Momenten könnte ich die Situation natürlich epistemisch auskosten. Ich könnte fragen: „Weißt du eigentlich, wie riesig die Türkei ist?“ Ich könnte dozieren, dass man in Antalya im Meer baden und gleichzeitig auf den Bergen im Hintergrund Skifahren kann. Oder dass in Ostanatolien im Winter ganze Dörfer monatelang von der Außenwelt abgeschnitten sind – ganz ohne Zutun der Deutschen Bahn. So, das war mein Bildungsauftrag für heute. Gern geschehen.
Jetzt kommt aber der Plot-Twist, den die hiesige Klimaforschung so nicht auf dem Schirm hat: Der „Südländer“ verträgt die Hitze überhaupt nicht. Er flüchtet panisch vor ihr. Als ich acht Jahre in Alanya lebte, musste ich die Einheimischen lange observieren, um ihr soziokulturelles Überlebenssystem zu verstehen. Erstes Rätsel: Warum sind an manchen Wohnungen die Rollläden immer unten? Geisterhäuser? Leerstand wegen Mietpreisbremse? Nein. Da drin verbarrikadieren sich Menschen vor der brennenden Sonne, um die Bude auf das klimatische Niveau eines innerdeutschen Behördenflurs zu drosseln.
Wenn man die Einheimischen fragt, warum die Rollläden im Winter immer noch unten sind, lautet die offizielle Schutzbehauptung: „Damit die Kälte nicht reinkommt.“ Die nackte Wahrheit ist profaner: Das Ding ist seit Jahren kaputt, die Reparatur kostet Geld, also bleibt es eben finster. Winter an der Türkischen Riviera bedeutet übrigens: Es gibt vielleicht 15 Tage, an denen es mal auf zehn Grad plus runtergeht. Die restliche Zeit schwankt das Thermometer zwischen 14 und 22 Grad. Das war übrigens der Werbeblock für Männer mit fortgeschrittener Glatzenbildung, die 320 Sonnentage im Jahr zu schätzen wissen.
Kein Haushalt existiert hier ohne Klimaanlage
Der echte Alanyaner geht folgerichtig erst nach 19 Uhr ins Meer. Dann ist es stockfinster. Man muss sich als Mitteleuropäer erst einmal daran gewöhnen, dass die Sonne um 18 Uhr weg ist, als hätte die Bundesnetzagentur den Stecker gezogen. Während die Einheimischen also nachts wie maritime Vampire im Dunkeln schwimmen, belagern sie tagsüber die örtlichen Einkaufszentren. Nicht etwa, um den Konsum anzukurbeln. Sie betreiben schlichtes Energiesparen. Zuhause würde die eigene Klimaanlage die Stromrechnung in astronomische Höhen treiben – in der Mall gibt es die arktische Kühlung im Rahmen der kollektiven Workspace-Nutzung gratis.
Kein Haushalt existiert hier ohne Klimaanlage. Im Sommer kühlt man damit die Wohnung auf frostige 18 Grad herunter. Im Winter nutzt man sie zum Heizen. Und jetzt wird es philosophisch absurd: An der türkischen Riviera spricht man von „Eiseskälte“, wenn es draußen 18 Grad hat. Wir halten fest: Im Sommer sind 18 Grad herrlich kühl, im Winter stirbt man darin gefühlt den Kältetod.
Den ultimativen zivilisatorischen Kulturclash beobachtet man ohnehin an der Uferstraße. Deutsche und Einheimische ticken thermodynamisch völlig entgegengesetzt. Der deutsche Tourist belagert die Plätze in der prallen Mittagssonne. Er ist absolut scharf darauf, am Ende des Urlaubs den optischen Aggregatzustand eines knusprigen Brathendls erreicht zu haben.
Und dann das Drama um das „kühle Blonde“. Ich liebe eiskaltes Bier. Der Biodeutsche auch – zumindest in der Theorie. Der Biodeutsche besteht beim Kellner vehement auf ein perfekt temperiertes Getränk. Ist es nur lauwarm, geht es postwendend zurück. Wenn das eiskalte Glas dann aber auf dem Tisch steht, passiert das physikalische Wunder: Der Teutone lässt es in der prallen Sonne stehen, bis die Brühe fast kocht. Während der Türke seinen Tee aus dem Miniglas in erstaunlichen 20 bis 30 Minuten leertrinkt, was zu lang ist, zelebriert der Deutsche sein Bier über eine Stunde. Er beschwert sich am Ende nicht einmal über die warme Suppe. Warum? Weil das Gefühl der Frische beim deutschen Konsumenten rein über die historische Erinnerung funktioniert: „Es war ja mal kalt, als es geliefert wurde.“
Gegen 14 Uhr, wenn die Sonne wandert und die ersten Schatten wirft, sieht man das finale Spektakel: Die deutschen Urlauber rücken panisch mit ihren Stühlen hinterher, um bloß auf der Sonnenseite des Lebens zu verweilen. Die Einheimischen dagegen quetschen sich auf der Suche nach Schatten millimetergenau an die Hauswände. Die Evolution hat eben ihre eigenen Wege eingeschlagen: Der Südländer erfand die Klimaanlage, um der Natur zu entkommen – und der Deutsche erfand den Strandurlaub, um sich von der Sonne grillen zu lassen.

Sie übertreiben etwas, Herr Dener, & Sie haben historisch nicht recherchiert. Die Türken sind eine Mischung aus einem Turk-Volk aus den Asiatischen Steppen, wo die Winter schweinekalt & die kurzen Sommer extrem heiß sind, wie aus den degenerierten & korrupten Byzantinern, die vor allem vom Handel & den Passagen durch die Meerengen lebten. Daß die Heliosis im Süden trotzdem brutal um sich greift, können Sie an diesem Jesus von Nazareth & seinem analphabetisierten Kollegen Mohammed festmachen, wobei wir nicht wissen, ob Jesus schreiben konnte, eher mal nicht. Diese beiden Typen sind das Paradebeispiel für einen permanenten Sonnenstich. Während ich Alman die Klimaanlage in Ostasien oder Afrika nachts auf 23-25 Grad stelle, so sind Ihre Landsleute schon eine Nummer härter. Aber das ist nichts gegen die Ostasiaten. Die knallen in jeder Shopping-Mall, in jedem modernen Restaurant die Temperatur auf 16 Grad Celsius runter. Bei der dort arg dünnen Bekleidung halte ich das keine halbe Stunde aus. Wer geht in Thailand oder Vietnam schon mit einer Übergangsjacke aus? Das Problem bei Ihrer Bagage ist viel eher, daß seit 1k Jahren jeder immer seine Cousine heiratet.
Nun ja, im Urlaub herrscht nunmal mentaler Ausnahmezustand. Wenn die Biodeutschen in Antalya leben würden, würden sie sich sicher ebenso wie die Autochthonen im Schatten versammeln. Ich kenne einen Biodeutschen, der es im Sommerurlaub bei über 40 Grad bevorzugt hat, sich ausschließlich im klimatisierten Hotezimmer aufzuhalten. Er ist auch nur auf Wunsch von Frau und Kind in die Hitze gereist.