Die Ideen dazu gehen bis in die 1980er Jahre zurück, nachdem man sich nach Sturmschäden im Bayerischen Wald dazu entschloss, die betroffenen Areale sich selbst zu überlassen. Zur Schnapsidee wurde es dann 2007, als man im Rahmen einer „Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt“ beschloss, dass zwei Prozent der Fläche jedes Bundeslandes in „Wildnis“ zu überführen seien. Am 18. Dezember 2024 wurde dieses Ziel mit der Verabschiedung der „Nationalen Biodiversitätsstrategie 2030“ (NBS) noch einmal festgezurrt.
Zwei Prozent, das hört sich nach wenig an. Dazu kommen dann allerdings noch zwei weitere Prozent, die – ebenso verpflichtend für alle Bundesländer – nach der Verabschiedung des Wind-an-Land-Gesetzes 2023 – als sog. „Windvorranggebiete“ auszuweisen sind, auf denen dann – natürlich ausschließlich zur Rettung des Weltklimas – tausende neue, riesige Windräder aufgestellt werden sollen. Doch das ist ein anderes Thema, zu dem ich bereits hier und hier berichtet habe. … Zurück zur Wildnis. Auf der Website des Bundesamtes für Naturschutz „Wildnisziele Deutschland“ kann man lesen: „Wildnisgebiete im Sinne der NBS existieren heutzutage hauptsächlich in Kernzonen von Nationalparken (vgl. § 24 Abs. 2 BNatSchG), auf Flächen des ‚Nationalen Naturerbes‘ und in einigen großen Naturschutzgebieten. (…) Es geht … darum, weitere Gebiete zu identifizieren, die für eine Wildnisentwicklung geeignet sind.“
Was ist eigentlich „Wildnis“? Und was ist „Prozessschutz“?
Auf der Website „Wildnis in Deutschland“ werden wir darüber aufgeklärt:
„Wildnis ist ein kulturell geprägter Begriff und beschreibt doch vor allem den Raum ohne menschliche Kultivierung, in dem natürliche Prozesse dauerhaft ergebnisoffen und ohne menschliche Steuerung ablaufen können – wo also Natur einfach Natur sein darf. (…) Die Herausforderungen zum Schutz der biologischen Vielfalt in Zeiten von Klimawandel und Überschreitung mehrerer planetarer Grenzen sind immens und die damit einhergehende Handlungsaufforderung dringlich. Zum Erhalt unserer biologischen Vielfalt bedarf es der Anwendung verschiedener naturschutzfachlicher Konzepte – Prozessschutz ist eines davon. Großflächig angewendeter Prozessschutz bewirkt, dass sich Landschaften dynamisch und selbstständig wie bei keinem anderen Konzept entwickeln und ist damit unverzichtbar.“
Als die Sächsische Schweiz im Jahre 1990 – also noch als „DDR“ und vor der Wiedervereinigung – den Status „Nationalpark“ erhielt, ahnte wohl in der Bevölkerung noch niemand, in welche Richtung sich das einmal entwickeln würde, denn selbst zu DDR-Zeiten hatten hier strenge Natur- und Artenschutzrichtlinien gegolten. Und „Park“ klingt ja auch eher nach Pflege als nach „Wildnis“.
Die „Qualitätskriterien und Standards für deutsche Nationalparke“ (PDF zum Download) hatte die Sächsische Schweiz ohnehin nie erfüllt. Denn die erfordern eine zusammenhängende, kompakte, unzerschnittene Fläche von mindestens 100 km2, einen hohen Grad der Naturnähe (oder ist geeignet, diesen künftig in einem überschaubaren Zeitraum zu erreichen) und darf siedlungs- oder verkehrsmäßig nicht oder kaum erschlossen sein. Dies alles traf/trifft auf das heutige Nationalparkgebiet nicht zu.

Da nur 18 Prozent des Nationalpark-Areals als „naturnah bzw. bedingt naturnah” eingestuft werden (Quelle: „Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen im Nationalpark Sächsische Schweiz“ vom 23. Juli 2019, S. 11), genügte schon dieser Umstand nicht den Kriterien für Nationalparke, und so gab man dem Ganzen den Namen „Entwicklungsnationalpark“. Von den in sog. „Pflegezonen“ und „Ruhezonen“ (Kernzone) eingeteilten Arealen sollen sukzessive im Laufe der Jahre immer mehr „Pflegezonen“ in den „Prozessschutz“ überführt werden. Dabei ist dieser „Prozessschutz“ nichts anderes als „Nichtstun – Verwilderung – Verwahrlosung“. Allerdings klingt es viel netter, wenn man es „Natur Natur sein lassen“ nennt.
Ein kleiner Schritt für einen Käfer – ein großer Sprung für die „Wildnis“
Das 2018 explodierende Borkenkäferdrama mit dem Resultat des kompletten Absterbens sämtlicher Fichtenbestände hatte man wohl damals nicht auf dem Schirm, obwohl Waldökologen und Forstwissenschaftler jahrelang vorher vor genau dieser Gefahr gewarnt hatten, wenn das verhängnisvolle Konzept „Natur Natur sein lassen“ (Prozessschutz) weitergeführt würde. Oder vielleicht doch? Vielleicht hoffte man ja insgeheim, dass der Borkenkäfer (von der Nationalparkverwaltung zum „Freund und Helfer des Waldes“ verniedlicht) die Arbeit des „Waldumbaus“ übernehmen und den verhassten „gebietsfremden Fichten-Monokulturen“ den Garaus machen würde. Ja, dieses kleine Käferchen hat ganze Arbeit geleistet. Nun isser halt weg, der blöde Fichtenforst. Und nun isse da, die Wildnis.
Wirklich entsetzt bin ich immer wieder darüber, wie viele Menschen sich von diesen verklärten „Wildnis“-Begriffen blenden lassen und „Wildnis“ als etwas Romantisches, Tolles und Erstrebenswertes für unser Land ansehen. Die Nationalparkverwaltung tut ja auch alles dafür, dass dieses Bild in den Köpfen der Besucher der Sächsischen Schweiz erhalten bleibt – allerdings nur mit bunter Propaganda und Schönreden der derzeitigen beklagenswerten Ist-Zustände der Landschaft. Für die Besucher der Region wurde eigens ein „Naturbildungsprogramm“ auf den Weg gebracht. Auf der Website der Nationalparkverwaltung ist zu lesen:
„Unser Naturbildungsprogramm soll Lust machen auf entdeckendes Lernen mit allen Sinnen und lebendiges Erfahren durch Fühlen, Riechen, Schmecken, Hören und Erleben von Natur, ihrer Schönheit und ihrer Zerbrechlichkeit gleichermaßen. Dabei ist unser wichtigstes Ziel, den Schutzzweck des Nationalparks – Natur Natur sein lassen – für unsere Gäste lebendig und erlebbar zu machen.“
Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man darüber schallend lachen. Und immer wieder hört man Sprüche naiver Zeitgenossen, wie: „Aber die Natur hilft sich doch selbst. Man muss sie nur machen lassen.“ Ja, das erste stimmt wohl. Aber leider entwickelt sich die Natur nicht nach menschlichen Wunschvorstellungen, sondern entsprechend der vorhandenen Randbedingungen.

Wer glaubt, dass dieses flächendeckende Baumgerippe-Mikado an den Steilhängen und zwischen den Felsriffen in den nächsten 50 Jahren verrotten oder sich von selbst auflösen wird, ist leider im Irrtum. Diese gigantischen Totholzmassen werden sich ohne Bodenkontakt viele Jahrzehnte lang überhaupt nicht verändern, erhöhen aber leider in signifikantem Maße die Brandgefahr und verhindern das zügige Wachstum einer neuen Vegetation. Es entsteht kein Humus und Waldboden, sondern nur ein undurchdringlicher Wust aus Stämmen, knochentrockenem Geäst, Brombeergestrüpp und Adlerfarnteppichen. Wachstumschancen haben hier im Wesentlichen nur Birken – und natürlich wieder Fichten, Fichten, Fichten… und in 30 Jahren beginnt dann das Borkenkäferdrama aufs Neue.
Deshalb funktioniert hier dieses Konzept „Natur Natur sein lassen“ nicht
Biologische Vielfalt? Fehlanzeige! Und während die Nationalparkverwaltung hier groteskerweise Baumarten wie Europäische Lärche, Weymouthskiefer, Roteiche und Douglasie als „gebietsfremde Arten“ bekämpft, lässt man seit Jahrzehnten wirklich aggressive invasive Arten wie den Japanischen Staudenknöterich (Fallopia japonica) und das Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera) ungehindert die kleinen Flusstäler überwuchern – Finde den Fehler! Wird diese hier komplett falsche Umweltpolitik nicht endlich korrigiert, dann ist diese Region jedenfalls für lange Zeit oder gar für immer in ihrer Einzigartigkeit als Wander- und Felskletterwelt verloren. Und über einen „gesunden Mischwald“ braucht man in den nächsten 100 Jahren auch nicht spekulieren.
Eine jahrhundertelang gewachsene Kulturlandschaft (hier wurde seit über 400 Jahren Forstwirtschaft zur Holzgewinnung betrieben – daher die Fichtenmonokulturen) verwandelt sich eben nicht ohne aktiven Waldumbau (Beräumen, Neu- und Nachpflanzen von Laubgehölzen, Lärchen, Weißtannen etc. und Schutz dieser Neuvegetation) in ursprünglich vorhandene reine Natur; dauerhaft bleiben nur die gigantischen Totholzmassen, die nicht verrotten – und dazwischen Fichten, Birken und alles überwucherndes Brombeergestrüpp. Genau das ist „Wildnis“. Viele der jahrhundertealten Wanderwege und -pfade werden nicht mehr freigeschnitten und verschwinden auf Nimmerwiedersehen.

Fällt denn wirklich niemandem auf, dass dieses Konzept in diametralem Widerspruch steht zu den Zielen des Naturschutzes und der Landschaftspflege, wie sie im Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) festgeschrieben sind?
„Danach sind Natur und Landschaft auf Grund ihres eigenen Wertes, als Lebensgrundlagen des Menschen und in Verantwortung für die künftigen Generationen im besiedelten und unbesiedelten Bereich zu schützen, zu entwickeln und, soweit erforderlich, wiederherzustellen. Auf Dauer sollen 1. die biologische Vielfalt, 2. die Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts, einschließlich der Regenerationsfähigkeit und nachhaltigen Nutzungsfähigkeit der Naturgüter sowie 3. die Vielfalt, Eigenart und Schönheit sowie der Erholungswert von Natur und Landschaft gesichert werden.“
Um Missverständnissen vorzubeugen: Nein, ich bin per se kein Gegner der Nationalpark-Idee. Und es gibt sicherlich auch Regionen in Deutschland (wie z.B. aufgelassene Truppenübungsplätze), in denen dieser sog. „Prozessschutz“ Sinn macht. Hier im Nationalpark Sächsische Schweiz ist ein solcher jedoch bereits aus Gründen des Brandschutzes und der Verkehrssicherungspflicht überhaupt nicht konsequent umsetzbar und deshalb komplett fehl am Platz. Es ist schon richtig, dass die „Qualitätskriterien und Standards für deutsche Nationalparke“ vorschreiben, dass ein infrage kommendes Areal siedlungs- oder verkehrsmäßig nicht oder kaum erschlossen sein darf. Deshalb wäre die Wandlung der Schutzkategorie „Nationalpark“ in einen „Naturpark“, in dem aktiver Waldumbau betrieben werden kann – so, wie es schon seit einigen Jahren die Bürgerinitiative Naturpark Sächsische Schweiz fordert –, dringend geboten, um diese wertvolle Kulturlandschaft zu erhalten.
Zum Schluss noch ein Foto vom linkselbischen, südlichen Teil des Elbsandsteingebirges, der nicht zum Nationalpark, sondern zum Landschaftsschutzgebiet gehört. Zwischen dem Pfaffenstein und der tschechischen Grenze im Süden sieht man kaum noch Waldschäden. Hier wird aktiver Waldumbau betrieben, betroffene Areale wurden abgeholzt und mit Laubwäldern wieder aufgeforstet. Es entsteht ein vielfältiger, lebendiger Mischwald. Diese Region unterliegt nicht dem Prozessschutz-Konzept „Natur Natur sein lassen“. Den Unterschied zu den Wäldern im Nationalpark kann man wohl deutlich erkennen.

Titelfoto: Nationalpark Sächsische Schweiz, Halbengrund/Schindergraben, ein beliebter Wanderweg und seit 1965 Teil des Naturlehrpfads Hohnstein, mit Blick auf die Burg Hohnstein, Update 16. April 2026. Foto: Stefan Klinkigt
Artikel, die wir zu dieser Thematik bereits veröffentlicht haben:
Stärkere Waldbrände durch Totholz?
Nachhilfe auf dem Weg zur Wildnis?
Sächsische Schweiz: Zerstörung heißt jetzt „Waldpflege“
Die Natur findet einen Weg? Manchmal muss mensch nachhelfen.
Sächsische Schweiz: Bilder der Verwüstung
Neues vom Streit um den Nationalpark Sächsische Schweiz

„…die Natur hilft sich doch selbst…“ Menschen, die das glauben, halten auch Bambi für ein typisches Reh, sind ganz sicher davon überzeugt, dass Kühe blauweiß sind, dass der Strom aus der Steckdose kommt und Windräder dem Naturschutz und nicht der Bereicherung der Windkraftlobby dienen.
Ich hoffe, daß wenigstens nicht versäumt wurde, Planstellen zur Alimentierung von Beauftragten zu schaffen.
Mir fällt bereits seit Jahren ähnliches an verschiedensten Stellen in Thüringen auf. Der Wald verkommt. Überall liegt totes Holz kreuz und quer herum. Wunderbar für Schädlinge wie den Borkenkäfer. Einige Anrufe bei verschiedenen Forstämtern ergaben immer belehrende Beschwichtigungen. Sie wollen es so. Verrecken dann Bäume durch Schädlingsbefall, war es natürlich der böse böse „Klimawandel“. Anscheinend will man, im ideologisch vorauseilenden Gehorsam, unser Land auf jeder nur denkbaren Ebene zerstören.
Mit Naturschutz hat das nichts zu tun. Ein toter Wald ist tot und der angeblich resistente Mischwald steht, wenn überhaupt, erst in 100 Jahren. Sofern der Boden nicht durch das Fichtentotholz vollkommen übersäuert ist. Nein, hier werden Parteiprogramme durchgesetzt. Zu Kaisers Zeiten, als diese Nutzwälder angelegt wurden, kümmerten sich hunderte Waldarbeiter um Borkenkäfer und Co. Auch noch zu DDR-Zeiten. Heute will die keiner mehr bezahlen, stattdessen
gibt man das Geld für den Waldschutz lieber an ein befreundete NGOs, die liefern dafür im Gegenzug 2 Exceltabellen und ein Copy-Paste-Klimaschutzgutachten. Fertig isses. Der Wald ist dann weg und den Schaden hat das Volk, aber das interessiert sowieso nicht.
Feuchte Träume urbaner Wildnisphantasten, den man sämtliche Stadtparks in den selben Zustand versetzen sollte.
Unsere altvorderen Waldbesitzer müssen wohl strunzdumm gewesen sein, solche Borkenkäfer-Zuchtstationen nicht entsprechend gewürdigt zu haben.
Der jetzige Zustand im Elbsandsteingebirge und auch im Oberharz wird immer wieder zu Waldbränden führen, so wie in den vergangenen Jahren. Diese sind dann Wasser auf die Mühlen der die MSM okkupierenden Klimasekte. Sie können dann wieder über die Erderhitzung schwafeln und simple Gemüter indoktrinieren.
NEOFEUDALISMUS INCLUSIVE: Man will die Bürger*Inninen vergrämen! Die grünrote WEF-Pest will alles dominieren … Karl der grünrote Lügenkäfer ist auch heute noch wirksam … nach zwei Generationen …