Wenn man sein politisches Leben total verpfuscht und im Laufe der Jahre jede, aber auch jede Glaubwürdigkeit verspielt hat, wenn einen die Leute auf der Straße nicht mal mehr nach der Uhrzeit fragen, weil sie die Antwort nicht glauben würden, wenn man von den Medien nur noch alle Jubeljahr als Mundart-Pausenclown gebucht wird, muss man dann gleich vom Turm der Stadtkirche in Rüsselsheim springen? Keineswegs, sofern man ein Buch mit dem Titel „Ehrliche Arbeit“ verfertigt hat und darin die „Scheinwelt“ der bösen Finanzkapitalbuben geißelt („Die haben nur Geld im Kopf. Da, wo sie ein Herz haben, haben die einen Tresor“), während man selber die grundehrliche Haut an der Werkbank mimt. Altersstarrsinn im finalen Stadium kann man einfach als Gradlinigkeit verkaufen und in Endlosschleife den jecken Spruch wiederholen, dass die Rente, jawohl, sichä sei. Sodann muss man nur noch etwas von dem üblichen Gender-Sums beigeben („Ich glaube, dass die Zukunft weiblicher wird“) - und prompt schaut „Titel, Thesen, Temperamente“ vorbei und macht einen schönen Bericht. Und wenn die nächste Talkshow über „Gier“ läuft, darf man als Herz-Jesu-Marxist vom Dienst bestimmt wieder mal mitbabbeln, dass der Äbbelwoi im Bembel gerinnt. Ach, Nobbi Blüm müsste man heißen!
http://www.daserste.de/ttt/beitrag_dyn~uid,kno5mhb1v8xy5kht~cm.asp