Anabel Schunke / 25.05.2023 / 17:00 / Foto: Les_Zg / 20 / Seite ausdrucken

Nachruf auf Tina Turner: „What‘s love got to do with it“

Am Mittwochabend verstarb das Stimmwunder Tina Turner im Alter von 83 Jahren. Ihr Weg zum Erfolg war steinig, ihre musikalischen Triumphe umso größer.

Tina Turner ist tot. Die Ausnahmekünstlerin starb am Mittwoch im Alter von 83 Jahren nach langer Krankheit. Eine Frau, die wie kaum eine andere Stärke und Unabhängigkeit ausstrahlte und doch ihr halbes Leben darum kämpfen musste. Immer wieder wurde Anna Mae Bullock, wie Turner eigentlich hieß, in ihrer 16 Jahre andauernden Ehe mit ihrem Gesangspartner Ike Turner von ihrem Mann geschlagen und vergewaltigt, was letztlich zu einem Suizidversuch ihrerseits im Jahr 1968 mittels einer Valium-Überdosis führte.

Nach einem letzten Streit mit Ike Turner in einem Auto im Jahre 1976, bei dem er sie blutig schlug, flüchtete sie aus dem gemeinsamen Hotel, in dem beide untergebracht waren, in ein anderes – mit nur 36 Cent in der Tasche. Nach der Scheidung behielt Tina Turner ihren Künstlernamen und die Songwriter-Rechte an den Songs, die sie geschrieben hat, aber Ike Turner behielt die Veröffentlichungsrechte. Für zwei Jahre spielte sie in kleineren Clubs und war zeitweise von Essensmarken abhängig. Auch ihre beiden ersten Soloalben konnten nicht an den Erfolg von Ike und Tina anknüpfen.

Dennoch machte sie sich allmählich einen Namen als Live-Künstlerin, was ihr unter anderem Gastauftritte bei anderen Musikern wie Tom Jones und David Bowie einbrachte. 1984 wurde schließlich das Album „Private Dancer“ mit der ersten Single „What‘s love got to do with it“ veröffentlicht, die direkt auf Platz 1 der amerikanischen Billboardcharts landete. Das Album gewann drei Grammys. Mit über 100 Millionen verkauften Alben gilt Tina Turner als eine der erfolgreichsten Künstlerinnen überhaupt. Sie erhielt insgesamt 12 Grammys inklusive 3 Grammy Hall of Fame-Awards und einen für ihr Lebenswerk.

Sie war zudem die erste schwarze Künstlerin und die erste Frau überhaupt auf dem Cover des Rolling Stone. Der Rolling Stone zählt sie außerdem zu den 100 herausragendsten Künstlern aller Zeiten. Sie hat einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame und wurde zweimal in die Rock n Roll Hall of Fame aufgenommen. Einmal mit Ike und einmal als Solokünstlerin. Während ihrer Break Every Rule World Tour im Jahr 1988, stellte sie mit 180.000 zudem einen Guinness World Record für die meisten Tour-Besucher eines Solo-Künstlers auf.

Zum Zeitpunkt ihres großen Comebacks und ihrer zweiten Karriere als Solokünstlerin mit dem Song „What‘s love got to do with it“ war Tina Turner bereits 44 Jahre alt, was sie bis dato zur ältesten Künstlerin machte, die eine Nr. 1 in den US-Billboard-Charts platzieren konnte. Es folgten viele weitere Hits. Darunter „Private Dancer“, „We don‘t need another Hero“, „The Best“ und „Goldeneye“. Nicht wenige Menschen erleben in ihrem Leben Höhen und Tiefen, aber kaum eine Frau hat so viel daraus gemacht, wie sie. Am Ende konnte Tina Turner auf ein Leben zurückblicken, das sich trotz aller Widrigkeiten gelohnt hat. In dem sie ihr persönliches Glück fand und anderen Glück durch ihre einzigartige Stimme bescherte.

 

Anabel Schunke schreibt als Kolumnistin unter anderem für die Schweizer Weltwoche. Mehr über sie finden Sie auf ihrer Facebookseite und bei Twitter.

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Leserpost

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Sam Lowry / 25.05.2023

“Am Ende konnte Tina Turner auf ein Leben zurückblicken, das sich trotz aller Widrigkeiten gelohnt hat.” Wer kann die Behauptung aufstellen, ob sich ein Leben gelohnt hat oder nicht? Welche Kriterien müssen erfüllt sein? R.i.P. Tina.

Gerhard Schmidt / 25.05.2023

Die “Titanic” würdigte einst ihren “galaktischen Arsch” - Heute undenkbar…

Claudius Pappe / 25.05.2023

Beste Live Performance eines Songs ever :  Die 10 minütige Live Darbietung des Songs ” Proud Mary ( John Fogerty, CCR ) ist das beste was ich je auf der Bühne gesehen habe ( Dortmund ,Westfalenhalle, 1996). Nur die Stones können mit Gimme Shelter fast mithalten.

Adi Kiescher / 25.05.2023

Die 180,000 waren keineswegs die Anzahl der Tourbesucher der 88er Tour (das waren Millionen), sondern die Besucher bei einem einzigen (!) Konzert im Maracana-Stadion in Rio de Janeiro. Dafür gabs auch den Guinness World Record.

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