Nachhilfe in Sachen Radioaktivität – aus gegebenem Anlass

Mit dem 1.Januar 2020 hat Deutschland ein Kraftwerk weniger und ein Problem mehr. Das AKW Philippsburg 2 wurde abgeschaltet und ist nun ein weiterer Kandidat für den Abriss. Solch ein Rückbau zur „grünen Wiese“ ist sehr aufwändig, weil die vorhandenen radioaktiven Stoffe verdammt gefährlich sind. Dazu ein paar Einblicke in die Welt der Atome.

Heute laufen weltweit 450 Kernkraftwerke, und mehr als 100 sind im Entstehen. Die produzieren nicht nur Strom, sondern auch Müll, mit dem niemand in Kontakt kommen möchte – zumindest nicht für die nächsten 100.000 Jahre. So zerbrechen sich die einen den Kopf, wie man das Zeug entsorgen soll, und die anderen, wie man das verhindern kann. Sie haben ein Recht darauf, zu erfahren, worum es geht. Dazu müssen wir nicht bei Adam und Eva anfangen, sondern etwas früher.

Die Welt, oder wenigstens unser Sonnensystem, wurde vor langer Zeit aus Atomen geschaffen. Solche Atome haben einen Kern, um den eine Wolke aus Elektronen wabert. Fast alles, was uns lieb und teuer ist, fast alle Vorgänge auf Erden, einschließlich unseres Lebens, verdanken wir Prozessen, die sich in dieser Wolke abspielen. Die Atomkerne sind einfach nur mit von der Partie.

Wenn wir uns diese Kerne jedoch genauer anschauen, dann fällt uns auf, dass sie sehr klein sind; ihr Durchmesser ist nur ein Hunderttausendstel des ganzen Atoms. Und obwohl sie selbst schon so klein sind, bestehen sie ihrerseits aus noch kleineren Teilchen, den Nukleonen. Die müssen Sie sich wie winzige Legosteine vorstellen, die beim Zusammensetzen so ein angenehmes „Klick“ machen. Das Geräusch ist ein Zeichen dafür, dass bei der Vereinigung der Klötzchen Energie frei wird.

Nun gibt es zwei Sorten von Legosteinen: die roten und die grauen. Die roten haben positive elektrische Ladungen, die grauen keine. So hat beispielsweise der Kern eines Sauerstoff-Atoms 8 rote Steinchen, genannt Protonen, und 8 Graue, die Neutronen. Die Zahl der Protonen bestimmt, um welchen Stoff es sich handelt. 7 Protonen ergäben einen Stickstoff Atomkern, 6 den viel geschmähten Kohlenstoff, und Gold hat 79 Protonen im Kern, falls Sie das interessiert.

Die Sache mit der Halbwertszeit

Die grauen Steinchen im Kern sind ungefähr so viele wie die roten. Sauerstoff gibt’s mit 8, 9 oder 10 Neutronen, das sind die verschiedenen „Isotope“. Bei den dickeren Atomkernen sind prozentual mehr Neutronen vorhanden. Beim beliebten Gold tun sich 79 Protonen mit 118 Neutronen zusammen.

Bei der Schaffung der Welt hat es der liebe Gott mit allen möglichen Zahlenkombinationen von grauen und roten Legos versucht, aber nur wenige haben sich bewährt. Die meisten sind „zerfallen“ – allerdings nicht in ihre Einzelteile. Die Legosteine haben einfach so lange ihre Farbe hin und her gewechselt, bis eine vernünftige Zahlenkombination da war. Ab dann waren sie stabil und haben fortan ein solides Leben geführt. Das ist die Materie, die uns im Alltag umgibt.

Einige haben sich aber bis heute nicht beruhigt. Da ist etwa Kalium, ein unscheinbares, relativ weiches Metall mit 19 Protonen, welches in einer Variante mit 21 Neutronen vorkommt – 40 Legosteinchen insgesamt also. In diesem „K40“ nun wechselt ab und zu – ganz spontan – ein roter Legostein zu grau, und wir haben einen Stoff mit 18 Protonen und 22 Neutronen. Das ist ein Gas mit dem Namen Argon. Noch nie gehört? In diesem Moment atmen Sie jede Menge davon ein, denn die Luft besteht zu 1 Prozent daraus. Wo soll das herkommen? Aus dem beschriebenen radioaktiven Zerfall von Kalium 40.

Dieses K40 hat seit der Schöpfung überlebt, weil es ganz langsam zerfällt. Bis die Hälfte zerfallen ist muss man gut eine Milliarde Jahre warten. Und wenn Sie die Geduld haben, nochmal so lange zu warten, dann ist nicht etwa die zweite Hälfte zerfallen, sondern nur die Hälfte des Restes. Diese Wartezeit wird „Halbwertszeit“ genannt. Es gibt auch Stoffe mit unendlicher Halbwertszeit – fast alles um uns herum ist daraus gemacht.

Ein Atomkern spaltet sich nicht freiwillig

All das wäre problemlos, wenn so ein „Zerfall“ ohne viel Aufsehen stattfände. Tatsächlich aber schießt so ein Kern bei der Gelegenheit um sich, und zwar mit Teilchen, die bis zu Lichtgeschwindigkeit haben können. Das ist Radioaktivität, das sind die Beta- und Gammastrahlen. Insbesondere letztere durchdringen organisches Gewebe, ähnlich wie Röntgenstrahlen, weswegen man mit letzteren ja ins Innere des Körpers schauen kann. Auf ihrem Weg können sie allerdings Schaden anrichten, besonders, wenn sie einen Zellkern (keinen Atomkern) treffen. Ansonsten geben die Projektile ihre Energie in Form von Wärme an die Umgebung weiter.

Unsere Erde beherbergt außer K40 noch ein paar andere radioaktive Substanzen in ganz geringer Konzentration. Weil aber die Erde eine so riesige Kugel ist, kommt da dennoch einiges an natürlicher Radioaktivität zusammen, sodass unser Planet permanent geheizt wird. So stark sogar, dass im Inneren 5.000°C herrschen und das Gestein schmilzt.

Ein Atomkern kann sich auch auf andere, recht dramatische Weise verändern: Er kann sich spalten. Das macht er nicht freiwillig, man muss ihn dazu mit einem grauen Lego bewerfen, dann platzt er und es entstehen zwei kleinere Kerne und ein paar einzelne Neutronen, die alle mit enormem Speed davonfliegen. Diese Neutronen können nun ihrerseits neue Spaltungen auslösen, sodass eine Kettenreaktion abläuft. Jetzt entsteht sehr viel Energie, viel Wärme, die man letztlich in Dampf und Strom verwandeln kann.

Genau das passiert in einem Kernkraftwerk. Um die beschriebene Kettenreaktion zu steuern, muss man nur entsprechend viele der frei herumfliegenden, grauen Legos abfangen, damit sie keine neuen Spaltungen auslösen können. Das ist relativ einfach möglich, und so kann die Kettenreaktion auch jederzeit gestoppt werden. Es gibt aber auch eine schlechte Nachricht.

Eine etwas ungewöhnliche Verpackung

Als aufmerksamem Leser ist Ihnen sofort aufgefallen, dass die beiden bei der Spaltung entstandenen kleineren Atomkerne jetzt zu viele Neutronen haben. Der Proporz von grauen zu roten Legos in dem ursprünglichen schweren Kern von Uran 235 ist zu groß, als dass die entstandenen leichteren Kerne stabil wären. Die „Spaltprodukte“ werden sich jetzt also radioaktiv verwandeln: aus Neutronen werden Protonen, graue Legos werden rot, bis ein stabiler Kern entstanden ist. Und wieder wird Energie frei. Diesen Prozess nun kann man nicht stoppen, der läuft spontan ab, manchmal für ein paar Millionen Jahre.

In dem AKW ist es also wie bei einer elektrischen Herdplatte: Sie schalten ab, aber das Ding bleibt noch heiß genug, um sich daran zu verbrennen. Vor der muss man auch die Finger lassen, allerdings nicht für Jahrmillionen.

Ich hatte schon verraten, dass in so einem Kraftwerk Uran „verbrannt“ wird. Das Zeug ist in Rohre gefüllt, wie dicke Bleistifte, und gut vier Meter lang. Zugegeben, das ist eine etwas ungewöhnliche Verpackung, aber wie Sie sehen werden, doch ganz praktisch. Ein- bis zweihundert davon werden ordentlich zu Bündeln zusammengepackt, genannt Brennelemente, und wiederum einige hundert davon hängen dann in einem Kessel mit sehr dicken Wänden.

Der Kessel ist mit Wasser gefüllt, welches sich dank der Kernspaltung aufheizt. Riesige Pumpen sorgen für großzügige Durchströmung des Kessels. Dabei geben die langen, dünnen Rohre, die „Brennstäbe“, ihre Hitze ans Wasser ab und werden ihrerseits gekühlt. Das heiße Wasser wird dann irgendwie zum Antrieb von Turbinen und elektrischen Generatoren genutzt.

Es ist die Asche und nicht das Feuer

Sollten die Pumpen ausfallen, dann wird die Kettenreaktion automatisch gestoppt. Der erwähnte radioaktive Zerfall der Spaltprodukte geht aber weiter! Die „Herdplatte“ bleibt heiß. Der radioaktive Zerfall bringt dann immer noch etwa 5 Prozent der ursprünglichen Leistung, das sind so um die 150 Megawatt thermisch – das ist mörderisch. Ohne Kühlung schmelzen die Brennstäbe samt Uran und Spaltprodukten jetzt gnadenlos dahin.

Was ich Ihnen hier erzähle, das wissen die Ingenieure auch und sie sorgen dafür, dass so ein „Melt Down“ nicht vorkommt. Sie installieren redundante Systeme, die einspringen, wenn das primäre System ausfällt. Bei den hunderten von Kraftwerken, die seit 50 Jahren in Betrieb sind, gab es denn auch nur zwei solcher Unfälle: Three Mile Island (1979) und Fukushima (2011). In keinem der beiden Fälle kamen dabei Menschen ums Leben (siehe hier).

Wenn von den Risiken der Kernkraft gesprochen wird, dann geht es also um die radioaktiven Spaltprodukte, die bei der „Verbrennung“ des Urans gebildet werden. Der Brennstoff Uran ist ungefährlich, es gibt auch kein Risiko einer „Atomexplosion“. Es ist dieser Cocktail aus unterschiedlichen Substanzen mit seiner radioaktive Strahlung, welche ab einer gewissen Dosis schädlich ist. Nicht vom Feuer geht die Gefahr aus, sondern von der „Asche“.

So lange diese Asche in ihren Behältern und Gefäßen bleibt, ist das kein Problem, erst wenn sie in die Landschaft gelangt und dort ihren Strahlenteppich ausbreitet, wird’s gefährlich. Wie gefährlich? Hinweis darauf gibt uns die natürliche Radioaktivität, welche uns immer und überall auf Erden bestrahlt. Im globalen Durchschnitt ist das eine Dosis von ungefähr 2,5 mSv im Jahr (wofür „mSv“ steht, ist im Moment irrelevant). Wäre es nun vernünftig anzunehmen, das Doppelte davon wäre auch noch erträglich?

Alle Schilddrüsen dieser Welt sind wild auf Jod

Vielleicht springen Sie jetzt auf und rufen: „Das wäre unverantwortlich. Jeder Pieps oberhalb der natürlichen Strahlung ist schon ein Pieps zu viel.“ Bleiben Sie ruhig und buchen Sie ein Ticket nach Rio. Und wenn es Ihnen da am Beach zu voll ist – in ein paar Autostunden sind Sie am Strand von Guapari mit einer natürlichen Strahlendosis von 175 mSv, das ist 70 mal die globale natürliche Dosis, und die dortigen Mulatas erfreuen sich bester Gesundheit. Alternativ steht noch Ramsar, nördlich von Teheran an der Kaspischen Küste zur Verfügung, mit bis zum 80-fachen Wert. Dort wurde übrigens ein unterdurchschnittliches Vorkommen von Lungenkrebs beobachtet. Trotzdem möchte ich nicht da wohnen – wegen der Mullahs.

Gefährlich wird das Zeug erst, wenn es in unseren Körper gelangt und dort bleibt, wie etwa Jod 131. Mit 53 roten und 78 grauen Legosteinen im Kern hat es eine Halbwertszeit von 8 Tagen. Wir nehmen natürliches, stabiles Jod 127 mit der Nahrung auf, mit Fisch oder Milch beispielsweise. Alle Schilddrüsen dieser Welt sind wild auf Jod – egal welches Isotop. Wenn also nach dem Unglück von Fukushima Material aus dem Kraftwerk ins Meer gelangt ist, dann wäre es keine gute Idee gewesen, seinen Thunfisch für das abendliche Sushi vor Ort zu angeln. Ich bin sicher, dass das damals auch niemand getan hat.

Man kann sich gegen Jod 131 wappnen, indem man seine Schilddrüse vorsorglich mit natürlichem Jod sättigt. Nach dem Fukushima-Erdbeben bildeten deutsche Bürger nicht nur Menschenketten gegen Kernkraft und kauften Geigerzähler zur Messung von radioaktiver Strahlung. Besorgte Eltern kauften auch Tabletten, um ihre Kinder gegen Fallout von radioaktivem Jod 131 zu wappnen. Ärzte mussten die Bevölkerung warnen, dass die Tabletten mehr Schaden als Nutzen anrichten würden.

Das letzte Selfie

Was machen wir nun mit dem radioaktiven Müll, und wie viel ist das überhaupt? Wie viel Brennstoff verbraucht denn so ein Atomkraftwerk? Nicht viel, denn bei der Kernspaltung entsteht das Millionenfache der Energie, die bei Verbrennung von Öl oder Kohle frei wird – und eine Million ist eine sehr große Zahl. Ein konventionelles Kraftwerk braucht einen Güterzug voller Kohle, jeden Tag. Das AKW braucht nur eine Lkw-Ladung Uran – pro Jahr.

So wird dann nur alle 12 oder 18 Monate der besagte Kessel aufgeschraubt, und die Bündel mit verbrauchtem Uran werden rausgezogen. Falls Sie bei diesem Vorgang einmal dabei sein sollten, liebe Leserin, wäre es originell, sich neben solch einem Bündel zu fotografieren. Ich rate Ihnen aber davon ab. Es wäre Ihr letztes Selfie. Die Dinger sind ja voll von Spaltprodukten, und die Strahlung, die da rauskommt, würden Sie keine Minute überleben.

Das verbrauchte Brennelement wird jetzt ganz schnell in ein tiefes Becken versenkt, um dort unter vielen Metern Wasser einerseits gekühlt und andererseits daran gehindert zu werden, seine tödliche Strahlung in die Umgebung abzugeben. Hier wäre eine bessere Gelegenheit für ein Selfie, insbesondere, weil um dieses Bündel ein magisches blaues Licht erscheint, die „Cherenkov-Strahlung“.

So lässt man diese Bündel erst mal fünf bis zehn Jahre in ihrem „Abklingbecken“. Hat es sich genügend abgekühlt, dann braucht es kein Wasserbad mehr und kann in einen „Cask for Storage and Transport of Radioactive Material“ = CASTOR-Behälter umziehen. Das sind Stahlkessel mit enormer Wandstärke, luftdicht verschlossen, mit Platz für dutzende Bündel. Die Dinger müssen alle Tests bestehen, die sich ein sadistischer Prüfingenieur nur ausdenken kann: aus dem dritten Stock geworfen dürfen sie nicht leck werden, und nach einem Flächenbrand müssen sie als einziges Produkt menschlicher Zivilisation übrig bleiben.

Im Laufe des Lebens eines typischen deutschen Reaktors, werden 50 bis 100 solcher CASTOREN gefüllt. Wo sind die jetzt?

Paranoia als Staatsräson

Bei den reiferen Lesern wird der Begriff „CASTOR“ Erinnerungen an durchgeführte beziehungsweise blockierte Transporte dieser Behälter wachgerufen haben. Es war damals vorgesehen, den atomaren Abfall in spezialisierte Anlagen im Ausland zu schicken, wo man ihn einer „nuklearen Mülltrennung“ unterzieht. Hier werden wiederverwertbares Plutonium und die mehr oder weniger langlebigen Stoffe separiert. Das verringert das Volumen des Abfalls und ermöglicht stoffgerechte Entsorgung. In La Hague beispielsweise, auf der Halbinsel Cotentin in der Normandie, befindet sich solch eine Anlage.

Die grüne Bewegung tat alles, um Transporte dorthin zu verhindern – mit Erfolg. Ab 2005 wurde der CASTOR-Tourismus gestoppt, und nun haben wir das Problem im eigenen Hause. Die jetzt verfolgte Lösung sieht „Standortzwischenlager“ vor. Das sind Gebäude von den Ausmaßen einer riesigen Turnhalle, in der einige hundert CASTORen untergebracht werden können. Sie stehen auf dem Gelände des AKW, sodass die Transportwege kurz sind.

Aber auch hier tut die grüne Bewegung alles, um Steine in den Weg zu legen. In einem Fall wurde Nachweis gefordert, dass solch ein Lager den Absturz einer Boeing 747 überstehen würde. Sowas passiert ja täglich. Ein entsprechendes Gutachten konnte die Sicherheit des Gebäudes bestätigen. Inzwischen war aber der Airbus 380 in den Lüften aufgetaucht, und damit war das Gutachten wertlos geworden. Ähnlich landeten Untersuchungen über Sicherheit vor terroristischen Angriffen im Papierkorb, weil das Szenario von einem veralteten Typ von Panzerfaust ausgegangen war.

Sollen wir Atomkraft mehr fürchten als Terrorismus?

Dabei würde ein terroristischer Angriff auf eine Halle mit CASTORen wenig Unheil anrichten, denn die Dinger sind, wie wir wissen, absolut „unkaputtbar“. Eine Attacke mit Panzerfäusten auf ein weiches Ziel, eine Schule, einen Weihnachtsmarkt, das wäre schlimm! Aber es soll wohl erreicht werden, dass wir vor Atomkraft mehr Angst haben als vor Terrorismus.

Der Begriff „Zwischenlager“ deutet auf die temporäre Natur der Sache hin. Das Zeug soll eines Tages für immer in Endlagern verschwinden. Das wären tiefe, unterirdische Depots, wo der radioaktive Müll – eingeschweißt, zum Teil verglast – die restlichen Halbwertszeiten seines Daseins verbringen würde. Es ist Ihnen sicher nicht entgangen, dass sich die entsprechende Suche sehr schwierig gestaltet. Namen möglicher Lagerstätten wie Gorleben, Schacht Konrad oder „die Asse“ sind längst Schlachtrufe der grünen Bewegung. Man befürchtet, dass irgendwie, irgendwann in Anbetracht der langen Halbwertszeiten und trotz aller Maßnahmen, das radioaktive Zeug seinen Weg zu den Menschen findet.

Gegenfrage: Stellen Sie sich vor, Sie würden eine Flasche Ihres bevorzugten Rotweins in einen Stahltresor einschweißen und ein paar hundert Meter tief in der Erde vergraben. Wie groß ist die Chance, dass jemals ein guter Tropfen daraus den Weg zu Ihrem Gaumen – oder irgendeinem Gaumen findet?

Die atomare Paranoia ist Staatsräson. Die weitere Entwicklung der Beseitigung des Atommülls ist aus wissenschaftlich-technischer Sicht nicht vorherzusehen; es bedarf hier eher der Kompetenz eines klinischen Psychologen. Würden wir als Individuen im Alltag so handeln, wie die Politik das beim Thema Atomenergie tut, dann bräuchten Sie Betreuung und würden zeitnah in einer psychiatrischen Anstalt landen. Allerdings muss man auch bedenken: Wenn erst mal über 50 Prozent in der Anstalt sind, dann werden die sich darauf einigen, dass draußen alle verrückt sind.

 

Dr. Hans Hofmann-Reinecke studierte Physik in München und arbeitete danach 15 Jahre in kernphysikalischer Forschung. In den 1980er Jahren war er für die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien als Safeguards Inspektor tätig. Er lebt heute in Kapstadt. Dieser Artikel erschien zuerst in Hofmann-Reineckes Blog www.think-again.org

Foto: Pieck Darío CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

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Detlev Bargatzky / 10.01.2020

Nur mal so als Frage: Wenn das mit der Radioaktivität im Bereich der AKWs so harmlos ist, warum gibt es dann keinen Wohnungsbau auf dem Gelände, z.B. für die Mitarbeiter der AKWs und der Zulieferer? Das wäre doch eine sinnvolle Nutzung dieser z.T. riesigen und voll erschlossenen Betriebsgelände. Ich könnte mir vorstellen, dass sich binnen kurzer Zeit rings um das Gelände weitere Ansiedlungen inklusive Geschäften, Kitas und Schulen etc. bilden werden. Und das alles im Grünen! Ohne Parkplatzsorgen.

Leo Hohensee / 10.01.2020

@Peter Baron / 10.01.2020 - Hallo Herr Baron, ich habe ja nun schon wirklich viel gelesen zu Kernkraft, der Entwicklungsgeschichte und Entwicklungsaussichten, aber so kurz und prägnant auf den Punkt gebracht wie Sie hier - alle Achtung! Also meine Empfehlung an die Foristen, unbedingt lesen!

Dr. Ilse Jüngling / 10.01.2020

@Johannes Schuster: Ich finde, daß Sie jetzt schon zu viel Strom an Ihrem PC verbraucht haben. Sie sollten Vorbild sein.

Kevin Reimann / 10.01.2020

Viola Heyer, Tschernobyl hat er Herr Hofmann-Reinecke ausgelassen, da es kein technisches, sondern menschliches Versagen war - das gilt nicht ;) Sich mal die Störfälle der deutschen AKWs der letzten Jahrzehnte anzuschauen (bis zum Reaktorbruch und Totalschaden) und was alles von den Betreibern verheimlicht wurde, bleibt leider unerwähnt. In einer ehemaligen Reportage in einem AKW hatten ein ehemaliger Schiffsingenieur und Elektriker Aufsicht als ein Alarm los ging und beide wie der Ochs vorm Berg standen. Also die Technik bereitet mir weniger Sorgen als der Mensch.  Wären in Japan die Schutzmauern höher gewesen und die Notstromaggregate, wäre nichts passiert.  Es war bekannt,  dass es dort schon Tsunamis in der Größenordnung gab. Es war aber relativ unwahrscheinlich, wozu also als Betreiber unnötig Geld ausgeben.

Hans-Peter Dollhopf / 10.01.2020

Witzisch, Herr Frohwein: “Physik 10.Klasse einer Hauptschule”. Sie sagen: “Unsere grün-linken Jakobiner (vielfach ohne Bildung oder relevanten Berufsabschluß) dürfen ihr Vernichtungswerk munter fortsetzen”. Nun, nur solange, bis sie nicht einmal mehr eine Resthitze physischer Attraktivität abstrahlen können, die fotogen ausschlachtbar wäre, wie bei Claudia. Jetzt war ich witzisch. Uwe Schneidewind hat Bildung. Uni Köln-Wirtschaftswissenschaftler, dann bei Roland Berger und dann Promovierung und Habilitieren an der Uni St. Gallen, dann Präsident der Uni Oldenburg. Lief dann was schief, Herr Schneidewind? Falscher Karriereschritt, Drogen, Burn-out? Nein: Roland Berger. Ein U-Boot taucht ein. Ab 2010 Präsident des “Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie”, 2011 Mitglied im “Club of Rome”, nun auch stellvertretender Vorsitzender der Vereinigung für ökologische Wirtschaftsforschung. Konsequent ab 2013 Mitglied des “Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen” und Mitglied im Beirat vom “Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland”, Vorsitzender der Kammer für Nachhaltige Entwicklung der EKD und von 2011 bis 2017 war Mitglied im Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentags. Dieser “Prachtkerl” schrieb 2018 ein Buch: “Die Große Transformation - Eine Einführung in die Kunst[!] gesellschaftlichen Wandels”. Herr Frohwein, die unterbelichtete Annalena ist bedeutungslos. Obwohl gewählter Gesetzgeber ein vollkommen bedeutungsloses Kasperle! Schneidewind-Zitat von Seite 353: “Ein wichtiger Baustein[!] einer politischen Zukunftskunst ist es diese institutionellen Verknüpfungen zu verstehen, die ‘Polity’ des politischen Systems zu beherrschen[!] ... zu nutzen[!]” Die Hölle!! Greetings from Roland Berger & Friends. Mein Kampf? Ähnlich: Die große Transformation. Die Republik wird vergiftet, verraten und verkauft! Ob Trump jene Drohne ausleiht?!

toni Keller / 10.01.2020

@ Frau Heyer ja es ist ein Märchen und selbst wenn es keines wäre, sie sollten sich mal schlau machen über natürliche Radioaktivität, Jeder Skiurlaub im Hochgebirge und jede Flugreise nach Übersee setzt sie Strahlenbelastungen aus, das müsste man, würde man diese Hysterien wirklich ernst nehmen, stande pede verbieten. Auch besteht der Sand im Sandkasten enthält ca 5% Kalium und die gesunden vegetarischen Gemüse und das Obst enthalten ebenfalls Kalium. Dieses Kalium, steht im Artikel, ist dafür verantwortlich, dass Argon zu dem in jedem Lexikon aufgeführten Edelgas in der Luft gehört, (Anteil knapp 1%) Auch sie selber strahlen mit durchschnittlich 1,3 mSievert im Jahr. Jeder vollgepackte Linienbus ist eine ganz schlimme Strahlenquelle, wenn man so will. Ich bin wahrhaftig kein Fan der Energieerzeugung durch Kernspaltung, aber diese verbreitete Hysterie ist lächerlich. Man muss sich überlegen was man will, natürlich leben und mit 35 alt sein, mit 50 nicht mehr da, oder eben den Weg der Technik weitergehen. Ich finde es hochgradig unredlich von den grünen und grünaffinen Politikern, Ärzten und Wissenschaftlern, dass sie den Leuten vorlügen, sie könnten die Effekt der Technik haben, ohne die Technik! Es ist einfach an der Zeit nüchtern zu diskutieren und abzuwägen, was ist der Preis, den wir zahlen für unser langes Leben? Wollen wir den zahlen, oder wollen wir nicht! Und was ist der Preis wenn wir den Preis für die Technik nicht zahlen? Und Wild aus heimischen Wäldern, liebe Frau Heyer das war bis vor kurzem für Otto Normalo, sprich den Bauern eh nicht drin, das war Privileg der Reichen, der Superreichen. Und schon in den 70ern wurde vom Blaubeeren und Pilze suchen abgeraten, weil die Massen der Leute den Bestand zu vernichten drohte. Sprich Ernährung aus heimischen Wäldern dafür sind wir eh zuviele Leute, auch dank der immer verfügbaren elektrischen Energie.

Dieter Weingardt / 10.01.2020

Sehr geehrter Herr Dr. Hofmann - Reinecke, Es gibt keinen Beton ohne Risse und keinen Stahl, der nicht irgendwann korrodiert. Auch ist der Boden unter unseren Füßen auf lange Sicht in Bewegung und Wasser findet überall hin seinen Weg. Die Einschätzung eines Geologen zum Thema Endlager wäre deshalb vermutlich aufschlussreicher, als Ihr, trotz allem interessanter und lesenswerter Artikel. Der einzig geologisch korrekte Ort (theoretisch und zur allgemeinen Erheiterung gesprochen) wäre am Rand einer Subduktionszone, wo das Zeug im Laufe der Jahrtausende dann ins Erdinnere abtaucht :-). Von Ihnen als Physiker wäre eine Einschätzung der projektierten Atommüll- recycelnden Flüssigsalzreaktoren interessanter gewesen. Villeicht schreiben Sie ja hierzu noch einen Beitrag auf der Achse?

toni Keller / 10.01.2020

Es ist immer dasselbe hierzulande, da gibt es Technologien die dafür sorgen, dass die Überlebenschancen der Einzelnen steigen und fast sofort kommt ein Hysteriker und führt die doch eintretenden Todes- und Krankheitsfälle auf die Technologie zurück. Klar sind mit der Einführung der Autos, mit der Einführung der AKW’s die Anzahl der Krebsfälle gestiegen, das liegt aber auch daran, dass mit der Einführung moderne Technologie die Menschen überhaupt so alt werden, dass sie Krebs kriegen können. In der guten, alten Zeit sind nämlich viele Menschen schon in der Kindheit gestorben und der Rest, sofern weiblich, hatte mit jeder drohenden Geburt eine Überlebenschance von 50%, die Männer waren, sofern sie nicht in der Ausübung ihrer Tätigkeiten als Fischer, Berg- und Waldarbeiter früh gestorben sind, auch als Bauern spätestens mit 50 so lendenlahm, dass sie es nicht mehr lange machten. Auch die Winter ohne böses Plastik welches die Kleidung und hier besonders die Schuhe wasserfest und warm machte, sowie ohne die permanent verfügbare Energie zum Heizen waren sehr ungesund, die Sommer ebenfalls, und die über die Ufer tretenden Flüsse (man gehe in alte Städte und schaue sich die Hochwassermarken an alten Brücken an) hatten auch so ihre Gefahren und wenn es nur die danach brütenden Moskitos waren. Man bedenke auch die mangelnde Ernährung, die war nämlich schon vegan bis vegetarisch aber ohne diese ganzen exotischen Zutaten die vor Mangelerscheinungen bewahren, von Nahrungsergänzungsmittelnganz zu schweigen. Aber man geht ja hierzulande, gegen jeden historischen Befund, davon aus, dass die Menschheit ohne die ganze Technik, ganz natürlich, mindestens 100 werden würde und alle mit 99 noch den Ironman laufen können würden. Das ist es, was die Sache so absurd macht. Weiter es ist ja nicht gesagt, dass man aus dem Atommüll nicht doch noch Energie gewinnen könnte, aber wenn der verglast und einbetoniert ist, dann geht das bestimmt nicht.

Frank Müller / 10.01.2020

@Andreas Zöller Ich arbeite in einem sehr großen Braunkohlekraftwerk mit einer installierten Leistung von 1860MW, vergleichbar mit einem großen Kernkraftwerk. Wir verbrennen bei Vollast ca. 30.000t Braunkohle pro Tag. Ein Steinkohlekraftwerk gleicher Leistung würde,  aufgrund des höheren Heizwertes von Steinkohle, je nach Kohlequalität immer noch ca. die Hälfte benötigen. Den genauen Brennstoffbedarf eines KKW vergleichbarer Leistung kenne ich nicht, den kann man aber ungefähr abschätzen. Die Frage ist: meinen Sie “reinen” Brennstoff (also Uran-235) oder die fertigen Brennelemente? Ersteres wären einige kg, letzteres sicher einige dutzend Tonnen (Anreicherungsgrad an Uran-235 nur einige wenige Prozent, plus Hüllmaterial usw.).

Gregor Hees / 10.01.2020

Meltdown: nur zwei Unfälle (Three Mile Island und Fukushima)? Und was ist mit Tschernobyl?? Ok, das mag je nach Sichtweise genaugenommen kein Meltdown, sondern eine Dampfexplosion oder eine Kritikalität gewesen sein, vom verheerenden lokalen und globalen Effekt her kommt es aber wohl aufs Gleiche raus. Fairerweise sollte man also von drei Unfällen ausgehen, plus einer gewissen Dunkelziffer von knapp abgewendeten Fast-Nichtunfällen.

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